mini|Blick auf Leutschach von Norden Leutschach (slowenisch Lučane) ist eine Ortschaft und eine ehemalige Marktgemeinde mit 567 Einwohnern (Stand: 31. Oktober 2013Land Steiermark: (Excel-Datei, 85 kB; abgerufen am 2. Mai 2015).) im österreichischen Bundesland Steiermark.

Seit 2015 ist Leutschach mit Schloßberg, Eichberg-Trautenburg und Glanz an der Weinstraße im Rahmen der Gemeindestrukturreform in der Steiermark zur neuen Großgemeinde Leutschach an der Weinstraße zusammengeschlossen.Kundmachung der Steiermärkischen Landesregierung vom 21. November 2013 über die Vereinigung der Marktgemeinde Leutschach und der Gemeinden Eichberg-Trautenburg, Glanz an der Weinstraße und Schloßberg, alle politischer Bezirk Leibnitz. Steiermärkisches Landesgesetzblatt vom 6. Dezember 2013. Nr. 154, 35. Stück. , S. 683.

Geografie Die Marktgemeinde ist das Zentrum des südsteirischen Hopfenanbaugebietes (Hopfenanbau in der Steiermark) und eines der Zentren des südsteirischen Weinbaugebietes (Südsteirische Weinstraße). Sie liegt nur wenige Kilometer von der slowenischen Grenze entfernt.

Geologie Die Gesteine von Leutschach und Umgebung gehören zu jenen des Poßruck und sind wissenschaftlich untersucht.Franz Angel: Gesteine der Umgebung von Leutschach und Arnfels in Steiermark. In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt. Band 83, Wien 1933, S. 5–18 (Online [PDF; 620 kB]).

Geschichte Ein römisches Grab in der Nähe von Leutschach zeugt von der frühen Besiedelung des Pößnitztales. Dieses Tal war als Ausweichstrecke zum gefährlichen Drautal ein wichtiger Verkehrsweg Richtung Osten. Die Burg Schmirnberg diente Jahrhunderte als Schutzburg für durchziehende Händler und Reisende.

1250 wurde der Name Leutschach erstmals urkundlich erwähnt („Liubschach“). 1458 verlieh Kaiser Friedrich III. dem Ort das Marktrecht und die eigene Gerichtsbarkeit. Anlässlich des Türkeneinfalls 1532 unter Sultan Süleyman I. wurde Leutschach 1532 niedergebrannt.Lamprecht, 500 Jahre Markt Leutschach, S. 10.

Die Gemeinde Leutschach entstand 1850 aus dem Werbbezirk Trautenburg und war damals wesentlich größer.Manfred Straka: Verwaltungsgrenzen und Bevölkerungsentwicklung in der Steiermark 1770–1850. Erläuterungen zur ersten Lieferung des Historischen Atlasses der Steiermark. Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, XXXI. Band. Herausgegeben von der Historischen Landeskommission für Steiermark – HLK. Selbstverlag der HLK, Graz 1978, S. 39. Sie wurde 1882 in die Gemeinden Markt Leutschach, Glanz, Schloßberg und Eichberg aufgeteilt.Kundmachung des k. k. Statthalters in Steiermark vom 23. September 1882 über die Trennung der Ortsgemeinde Leutschach im Gerichtsbezirke Arnfels zum Landtagsbeschluss vom 22. Juni 1882, Landesgesetz- und Verordnungsblatt für das Herzogthum Steiermark vom 7. Oktober 1882, XX. Stück, Nr. 39. S. 90.

Nach dem Friedensvertrag von Saint-Germain, mit dem 1919 die Untersteiermark an den SHS-Staat abgetreten werden musste, befand sich die gesamte Region plötzlich in einer isolierten Grenzlage, was zu wirtschaftlicher Rückständigkeit führte. Nach dem Zweiten Weltkrieg grenzte das Gebiet zwar an das kommunistische Jugoslawien, diese Grenze war aber (im Gegensatz zu den österreichischen Grenzen zu Ungarn und der Tschechoslowakei) nie ein undurchlässiger „Eiserner Vorhang“.

Pfarrgeschichte mini|Pfarrkirche Leutschach mini|Der Hochaltar der Pfarrkirche Um das Jahr 1200 bestand bereits eine erste Kirche in Leutschach, geweiht dem hl. Nikolaus, dem Patron der Händler und Reisenden. Im Jahr 1250 war Leutschach bereits eine eigene Pfarre, nachdem sie aus der Pfarre Leibnitz entlassen worden war. Am 2. Jänner 1427 gewährte Papst Martin V. der Kirche von Leutschach einen Ablass.

1786 wurde die Pfarre in die Diözese Graz-Seckau eingegliedert, nachdem sie vorher zur Erzdiözese Salzburg gehört hatte. Seit diesem Jahr wird der Pfarrer von Leutschach auch zum Dechanten ernannt. Die Aufhebung des Dekanates erfolgte erst in den 1970er Jahren.

1816 wurde die Pfarrkirche unter Dechant Krofitsch renoviert; dabei wurden auch die Seitenkapellen angebaut. Neben seinem Priesteramt beschäftigte sich Krofitsch noch mit Mathematik und Architektur. Er schuf eine astronomische Uhr, die heute als eines der wertvollsten Stücke des Wiener Uhrenmuseums gilt.

1901 erfolgte die Gründung eines Kirchenbauvereins zum Umbau und zur Vergrößerung der zu klein gewordenen Pfarrkirche. Der Grundstein zur neuen Kirche wurde am 17. Mai 1908 gelegt; am 29. April 1911 wurde die Konsekration der neuen Pfarrkirche vorgenommen. Die Wappen im Glasfenster nahe dem Hochaltar erinnern an die kräftige Unterstützung des Neubaus durch die damaligen Besitzer von Schloss Trautenburg, das Ehepaar Rüdiger Seutter von Loetzen und Anna, geb. Marchesa Tacoli dei Marchesi di San Possidonio.

1959 wurde die Pfarrkirche aus Anlass „500 Jahre Markterhebung Leutschach“ renoviert. 1973–1977 wurde eine neuerliche Innen- und Außenrenovierung der Pfarrkirche durchgeführt, der 1977–1978 die Renovierung und Umgestaltung des Pfarrhofes folgte.

Bedeutende Pfarrherrn des 17. und 18. Jahrhunderts 1717–1718 Andreas Safran, der erste in Leutschach geborene Pfarrer 1727–1742 Johann Dominikus Furlani, dem man seitens der Obrigkeit großen Seeleneifer und besonderen priesterlichen Wandel nachsagte. 1776–1789 Simon Trabas, der zweite bekannte Leutschacher Pfarrer, der in der Pfarre geboren wurde. 1790–1821 Johann Michael Krofitsch wurde in Leutschach/Pößnitz geboren. Zu seiner Zeit wurde die Pfarrkirche renoviert und der Pfarrhof ausgebaut. Sein besonderes Interesse galt der Mathematik und der Mechanik. Seine „Kunstuhr“ steht heute im Uhrenmuseum in Wien.

Die Dechanten des 20. Jahrhunderts Lorenz Vollmeier (1888–1919) Ludwig Ribitsch (1919–1931) Anton Waude (1932–1941) Johann Skoff (1942–1953) Peter Reiter (1953–1976)

Bevölkerungsentwicklung

Der Markt hatte 1889 531 Einwohner und das blieb auch bis zum Jahre 1934 mit kleinen Schwankungen gleich. Die Gründe, warum sich die Bevölkerungszahl trotz der Vergrößerung des Marktes durch Neubauten nicht aufwärts entwickelte, liegt im Absinken der Kinderzahl in den einzelnen Familien. Das setzt sich auch nach dem Zweiten Weltkrieg fort. Viele Neubauten ließen die Bevölkerungszahl des Marktes Leutschach nur auf 645 (2010) steigen. Die Abwanderung junger Leute in Richtung Stadt trägt auch einen Gutteil zu dieser Entwicklung bei.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche Leutschach mini|Knielyhaus

Burgruine Schmirnberg Schloss Trautenburg Katholische Pfarrkirche Leutschach hl. Nikolaus Heiligengeistklamm Knielyhaus: Seit einigen Jahren gibt es mit dem Knielyhaus ein neugeschaffenes Kultur- und Seminarzentrum in Leutschach. Ein breit gestreutes Angebot an kulturellen Veranstaltungen bereichert das kulturelle Leben. Von Konzerten über Ausstellungen, Workshops bis zu Malerwochen reicht das Angebot. Außerdem ist die Musikschule Leutschach in diesem Gebäude untergebracht. Im Jahre 2009 wurde das Knielyhaus großzügig erweitert und für große Seminare und Veranstaltungen adaptiert.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Das Gebiet von Leutschach um das Jahr 1879 (Aufnahmeblatt der 3. Landesaufnahme)

Wirtschaftlich geprägt wird der Weinbau- und Hopfenort durch zahlreiche klein strukturierte Gewerbebetriebe sowie durch den Tourismus. Da die Einnahmen der Grenzlandgemeinden nicht zuletzt durch ihre geographische Randlage stets sehr niedrig waren, bemühte sich das Land Steiermark, diese Gemeinden vermehrt finanziell zu stützen (Schul- und Turnsaalbauten, Bau des Freibades, des Kulturzentrums „Knielyhaus“, Ortsbildverschönerung). Im Gemeindegebiet gibt es viele Wanderwege, unter anderem verläuft der Südalpenweg durch den Ort.

Im April 2007 hat sich Leutschach mit den damaligen Nachbargemeinden Eichberg-Trautenburg, Glanz an der Weinstraße und Schloßberg zur Kleinregion „Rebenland“ zusammengeschlossen. Dadurch wurden infrastrukturelle Maßnahmen wie Freiwillige Feuerwehr, Schulen, gemeinsamer Bauhof oder gemeinsamer Recyclinghof besser koordiniert und finanziell optimiert.

Hopfenproduktion Auf Initiative des Bierproduzenten Peter Reininghaus, der nach dem Zweiten Weltkrieg auf der Suche nach Anbaugebieten für den benötigten Hopfen war, fanden sich in Leutschach vier Bauern, die mit dem Anbau von Hopfen begannen. Nach zehn Jahren waren es bereits 96 Bauern, die auf 80 ha Nutzfläche Hopfen anbauten. Hopfen benötigt zur Kultivierung ein besonderes Kleinklima, das im Pößnitztal rund um Leutschach zu finden ist. Die Qualität des Leutschacher Hopfens ist so gut, dass die Brau Union, der Hauptabnehmer des Leutschacher Hopfens, daraus sogar ein eigenes Jahrgangspils braut. Heute bewirtschaften 15 Hopfenbauern ihre Äcker, deren Gesamtanbaufläche mit 80 ha aber gleich geblieben ist.; abgerufen am 15. April 2011.

2008 entstand in Leutschach eine Spezialbrauerei, die mit dem Leutschacher Hopfen Spezialbiere wie Ginseng- oder Kürbisbier braut.

Bildung Im Ort Leutschach gibt es einen Pfarrkindergarten, eine Volksschule, eine Neue Mittelschule, eine Musikschule und die alterserweiterte Kindergruppe „Lachtraube“.

Die Hauptschule wurde 1947 gegründet und in der damaligen Klosterschule, die auch die Mädchenvolksschule beherbergte, untergebracht. Erst mit dem Neubau der Volksschule stand der Hauptschule dann ein eigenes Gebäude zur Verfügung.

In Schloßberg gab es noch bis zum Ende des Schuljahres 2011/12 die einklassige Volksschule Großwalz. In Glanz an der Weinstraße gibt es die zweiklassige Volksschule Langegg. Die nächstgelegenen höheren Schulen befinden sich in (Arnfels – HTBLA – Mechatronik), Leibnitz, Deutschlandsberg, Bad Radkersburg und Graz. Auf Grund des Mangels an hochqualifizierten Arbeitsplätzen in der unmittelbaren Region sind zahlreiche besser ausgebildete Jugendliche dazu gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und in die Ballungszentren abzuwandern.

213 Bewohner (43,9 %) haben die Pflichtschule absolviert, davon sind 149 Frauen. 157 (32,4 %) haben eine Lehrlingsausbildung (112 Männer, 45 Frauen) und 13 (2,7 %) haben einen Hochschul- bzw. Universitätsabschluss.

Politik Die Bürgermeister von Leutschach Großgemeinde Leutschach mit Glanz, Eichberg-Trautenburg und Schloßberg (1850 bis 1883) 1850–1852 Josef Ludwig Bayer, Gutsbesitzer zu Amthofen 1852–1859 Ignaz Strohmeier 1859–1861 Philip Dreu 1861–1867 Alois Heu, Kaufmann 1867–1870 Ferdinand Hirzer, Bäcker 1870–1873 Johann Grabner 1873–1876 Alois Kniely, Gastwirt und Bäcker 1876–1882 Ferdinand Hirzer, Johann Brand und Johann Zaunschirm 1882–1883 Josef Hartnagel, Lederer Marktgemeinde Leutschach (ab 1883) Ab 1883 waren die Bürgermeister nur mehr für die Marktgemeinde Leutschach zuständig, da sich die Gemeinden getrennt haben und in selbständige Verwaltungseinheiten umgewandelt wurden. 1883–1892 Ferdinand Hirzer, Bäcker, Peter Strohmeier 1892–1897 Ignaz Gögner, Hafner 1897–1901 Hugo Hirzer, Bäcker und Postmeister 1901–1904 Michael Löscher, Gastwirt 1904–1910 Alois Kniely, Gastwirt 1910–1913 Hugo Hirzer, Bäcker 1913–1919 Alois Olbicht, Jakob Musger, Alois Kniely 1919–1926 Edmund Buberl, Handelsmann 1926–1928 Alois Kniely, Gastwirt 1928–1938 Alois Supanek, Kaufmann 1938–1944 Alois Bregar, Hutmacher und Gastwirt 1944–1945 Roman Repolusk, Gastwirt 1945–1946 Josef Wagner, Kaufmann; Franz Josef Plasch, Schlossermeister; Anton Tomaschek, Gutsbesitzer zu Amthofen

Nach dem Zweiten Weltkrieg 1946–1970 Franz Josef Plasch, Schlossermeister 1970–1985 Josef Renner, Bankbeamter 1985–2005 Karl Neubauer, Schuldirektor 2005– Erich Plasch, Kfz-Meister

Gemeindevorstand Der letzte Gemeindevorstand setzte sich aus folgenden Mitgliedern zusammen: Bürgermeister: Erich Plasch (ÖVP) 1. Vizebürgermeister: Reinhold Elsnig (ÖVP) 2. Vizebürgermeister: Karl-Heinz Bandur (SPÖ) Gemeindekassier: Wilhelm Weiss (ÖVP) weit. Vorstandsmitglied: Karl Körbler (ÖVP)

Wappen