mini|Il Buggiano, Epitaph mit Porträt Filippo Brunelleschis (Detail), 1447–1448, S. Maria del Fiore, Florenz

Filippo Brunelleschi (* 1377 in Florenz; † 15. April 1446 ebenda) war ein vor allem in Florenz aktiver Goldschmied, Bildhauer, Architekt und Ingenieur des 15. Jahrhunderts. Nach seinen Entwürfen entstanden unter anderem das Findelkinderhaus (Ospedale degli Innocenti), die Alte Sakristei von San Lorenzo, die Kirche Santo Spirito und die Kuppel der Kathedrale von Florenz. 1401 nahm er am Wettbewerb für das zweite Bronzeportal des Florentiner Baptisteriums teil, den Lorenzo Ghiberti gewann.

Leben Filippo Brunelleschi war Sohn des wohlhabenden Florentiner Notars Brunellesco di Lippo Lapi und seiner Frau Giuliana degli Spini. Nach der Ausbildung zum Goldschmied schrieb er sich 1398 in die für diesen Handwerkszweig zuständige Florentiner Seidenweberzunft (Arte di Por Santa Maria) ein; 1404 ist er dort als „maestro“ verzeichnet.Holtzinger in Manetti (1887), S. 7, Anm. 1. Informationen zu Brunelleschis Leben und Werk liefert neben zeitgenössischen Dokumenten die von Antonio Manetti (1423–1497), Mitarbeiter Brunelleschis, Architekt und Mathematiker, über zwei Jahrzehnte nach Brunelleschis Tod verfasste Biografie.Antonio Manetti: Notizia di Filippo di ser Brunellesco ovvero Vita di Filippo Brunelleschi. Transkription und Anmerkungen von Giuseppe Giari. Hrsg.: Antonio Natali. Opera di Santa Maria del Fiore, Mandragora, Florenz 2021, ISBN 978-88-7461-572-8 (italienisch, Erstdruck: um 1530).

Arbeiten als Bildhauer Als erste Werke werden Filippo Brunelleschi die (bis zu) fünf besonders qualitätvolle Figuren des Silberaltars in der Kathedrale San Jacopo in Pistoia zugeschrieben,Die Höchstzahl vertritt Pizzigoni mit dem unstrittigen Paar Halbfiguren der Propheten Jeremias und Jesaja als Hochreliefs in Vierpässen (mit eingeschriebener Raute), sowie die Statuetten der Kirchenväter Augustin, Lukas und Gregor der Große. Pizzigoni 1991, S. 14f. wo ein „Pippo da Firenze“ 1399 und 1400 als Mitarbeiter zweier Goldschmiede dokumentiert ist.Pippo, eine Kurzform von Filippo, wird Brunelleschi später auch von Leon Battista Alberti in der Widmung der italienischen Fassung (1436) seines Traktats zur Malerei genannt. De pictura/Della pittura, Widmung der italienischen Fassung (links), S. 2 (auf Ousia.it).

Im 1401 veranstalteten Wettbewerb um den Auftrag des zweiten Bronzeportals für das Baptisterium reichte Brunelleschi einen Entwurf ein, der zunächst zusammen mit dem seines Mitbewerbers, des ebenfalls noch jungen Lorenzo Ghiberti ausgewählt wurde. Eine Zusammenarbeit lehnte Brunelleschi jedoch ab, so dass schließlich Ghiberti den Auftrag bekam.

Antonio Manetti erwähnt in seiner Biografie eine polychromierte Holzstatue der büßenden Maria Magdalena, die vermutlich 1471 beim Brand der Kirche von Santo Spirito zerstört wurde.Die Kirche brannte 1471 bei einer aufwendigen Inszenierung des Pfingstwunders anlässlich des Besuchs des Mailänder Herzogs Galeazzo Maria Sforza ab. Fabriczy 1892, S. 19f. Zwischen 1410 und 1420 wird ein ebenfalls farbig gefasstes Kruzifix für die Dominikanerkirche Santa Maria Novella datiert, wo es heute in der Cappella Gondi hängt. In Giorgio Vasaris Vita des Künstlers (1568) heißt es, es sei von Brunelleschi geschaffen worden, um Donatellos Kruzifix für die Franziskanerkirche Santa Croce zu übertreffen, weil dieser „einen Bauern ans Kreuz geheftet“ habe („aveva messo un contadino in croce“).

Laut Antonio Manetti – zeitgenössische Belege gibt es nicht – war Brunelleschi dem etwa zehn Jahre jüngeren Donatello durch langjährige Freundschaft und Zusammenarbeit verbunden, die vielleicht schon in Pistoia begann. Nach dem verlorenen Wettbewerb sollen beide, wiederum Manetti zufolge, für mindestens ein Jahr nach Rom gegangen sein, um dort antike Skulpturen und Bauwerke zu studieren. Der gemeinsame Aufenthalt ist nicht belegt.

Dokumentiert (und von Manetti nicht erwähnt) ist dagegen eine „kleine, mit vergoldetem Blei bekleidete Steinfigur“ („figuretta di pietra vestita di piombo dorato“), die möglicherweise als Modell für eine größere, aber nicht ausgeführte Skulptur für die Kathedrale Santa Maria del Fiore dienen sollte. Vielleicht handelte es sich hierbei um den – anscheinend vergeblichen – Versuch, nicht allzu schwere, aber wetterfeste Statuen zu entwickeln, die die kaum zwei Meter großen zuvor von Donatello und Nanni di Banco geschaffenen, aber nicht installierten Marmorskulpturen ersetzen sollten. Aufgestellt wurde jedoch Donatellos etwa fünf Meter großer (und dokumentierter) Joshua aus Stuck und Ziegeln (mit Bleiweiß-Fassung). Die heute verlorene Plastik war oberhalb der nördlichen Teil des Kapellenkranzes (Tribuna) des Doms aufgestellt; ihr folgten keine weiteren Figuren.

Kolportiert wurde lange Zeit eine Information im sog. Libro di Antonio Billi (vermutlich erstes Drittel des 16. Jahrhunderts),Il Libro di Antonio Billi (esistente in due copie nella Biblioteca Nazionale di Firenze) , hrsg. von Carl Frey, Grote’sche, Berlin 1892, S. 30–37, Online (italienisch mit deutschem Kommentar), Brunelleschi wäre an Donatellos Statuen des Petrus und des Markus an der Fassade von Orsanmichele beteiligt gewesen. 1923 argumentierte der Kunstwissenschaftler Arnolfo Venturi, dass die inkrustierte Nische des hl. Petrus mit ihren perspektivischen Darstellungen von Brunelleschi entworfen worden sein könnte. Inzwischen wird in der Forschung eine Beteiligung Brunelleschis an den Statuen und der Nischenarchitektur bezweifelt.

Nach Brunelleschis Entwurf fertigte Giusto di Francesco da Settignano nach 1427 das Tabernakel für die Florentiner Kirche San Jacopo in Campo Corbolini (in der via Faenza) an. 1432 wurde ein Wandwaschbecken () für die südliche Sakristei der Kathedrale bei ihm bestellt, das sein Adoptivsohn Andrea Cavalcanti (Il Buggiano) 1440 ausführte. Ebenfalls 1432 fertigte Brunelleschi für die Dombauhütte (Opera del Duomo) das Modell für ein neues Reliquiar des Heiligen Zenobius, das in der Chorkapelle des Doms aufgestellt werden sollte. Er führte jedoch nur den Altar aus, der Auftrag für das Reliquiar selbst ging an Lorenzo Ghiberti (nach 1442 eingeweiht). Für die nach seinen Entwürfen errichtete Sakristei von San Lorenzo entwarf er möglicherweise auch den Altar, die Marmorschranken und das Grabmal im Zentrum, die Arbeiten erledigten Buggiano und – vermutlich – Mitarbeiter aus Donatellos Werkstatt. Der 1443 fertiggestellte Altar wurde zeitweise mit Brunelleschis Wettbewerbsrelief geschmückt. 1443, drei Jahre vor seinem Tod, erhielt er den Auftrag für eine reliefierte Kanzel für Santa Maria Novella, deren Umsetzung wiederum Buggiano verantwortete.

Arbeiten als Architekt Brunelleschi beteiligte sich 1418 am öffentlichen Wettbewerb um eine Lösung für die noch fehlende Kuppel von Santa Maria del Fiore und konnte sich mit seinem Entwurf gegen Lorenzo Ghiberti durchsetzen. Zwar wurden von der Dombauhütte (Opera del Duomo) beide zu gleichberechtigten Bauleitern bestimmt, doch übernahm Brunelleschi noch während der Arbeiten die alleinige Leitung des Projektes. 1436 war die als achteckiger Doppelschalenbau errichtete Kuppel des Doms fertiggestellt.

Bereits 1419 erhielt Brunelleschi von der Zunft der Seidenweber und Goldschmiede (Arte di Por Santa Maria) den Auftrag, an der Piazza della Santissima Annunziata ein Findelkinderhaus, das Ospedale degli Innocenti, zu errichten. In den folgenden Jahren entwarf er die Cappella Barbadori in der Kirche Santa Felicità (1420) und den Saalbau am Palazzo di Parte Guelfa (1420 begonnen, unvollendet).

Im Auftrag von Lorenzo und Cosimo de’ Medici entstand zwischen 1421 und 1428 die Sakristei von San Lorenzo; sie sollte das Grab von Giovanni di Bicci und seiner Frau Piccarda aufnehmen. Im Zuge der Neugestaltung des Chorbereichs von San Lorenzo wurde ab den 1420er Jahren auch das Langhaus der Kirche neu errichtet; ob die Gestaltung tatsächlich einem Modell Brunelleschis folgt, ist in der kunstwissenschaftlichen Forschung umstritten.

Diskutiert wird ebenfalls Brunelleschis Rolle bei der Errichtung des Kapitelsaals im Franziskaner-Kloster von Santa Croce, der sog. Cappella Pazzi. Im Gegensatz zur gängigen Forschungsauffassung, die Brunelleschi die Autorschaft zuerkennt, vertritt der Kunsthistoriker Marvin Trachtenberg die Ansicht, dass nicht Brunelleschi, sondern Michelozzo di Bartolomeo für den Entwurf verantwortlich gewesen sei. Das Gebäude wurde möglicherweise 1429 in Auftrag gegeben, die Arbeiten begannen jedoch frühestens in den 1430er Jahren. Die Fertigstellung zog sich bis 1478 hin. Die Cappella Pazzi ist als überkuppelter Zentralbau über einem quadratischen Grundriss (mit Loggia, Apsis und Sakristei-Raum) errichtet.

1434 begann auf dem Gelände des Florentiner Kamaldulenser-Klosters Santa Maria degli Angeli die Errichtung der sog. Rotonda, einem der Jungfrau Maria und den Aposteln geweihten Oratorium, das der Condottiere Pippo Spano in seinem Testament 1426 gestiftet hatte. Bereits 1437 wurden die Arbeiten abgebrochen, das Gebäude blieb unvollendet. Es besitzt einen achteckigen Grundriss; der Innenraum ist von einem Kranz von Kapellen umgeben.

1444 begann als letztes großes Projekt Brunelleschis der lange geplante Neubau der Kirche des Augustiner-Klosters Santo Spirito, ebenfalls in Florenz. Die von Brunelleschi vorgesehene Gestaltung wurde im Laufe der Jahrzehnte dauernden Bauarbeiten mehrfach geändert.

Entdeckung der Zentralperspektive Die angebliche Entdeckung der Zentralperspektive durch Filippo Brunelleschi geht auf dessen Mitarbeiter Antonio Manetti (1423–1497) zurück. In seiner Biografie beschreibt er, wie Brunelleschi zur Demonstration seiner Entdeckung zwei Bildtafeln mit Ansichten des Florentiner Baptisteriums und des Palazzo della Signoria eingesetzt habe. Die Tafeln sind nicht erhalten. In der kunsthistorischen Forschung wurde mehrfach versucht, das beschriebene Verfahren zu rekonstruieren.James M. Collier: Brunelleschi's Perspective Demonstration Recreated. Southeastern College Art Conference Review, 10435158, Fj. 1981, Bd. 10, Nr. 1, S. 4–7, Wikipedia Library (englisch).Zeichnungen der beiden Anordnungen auch in Vasari/Burioni 2012, S. 17.

Arbeit als Erfinder und Ingenieur Brunelleschi war auch Ingenieur und Erfinder von Maschinen und Apparaten. So erfand er während des Kuppelbaus am Florentiner Dom für den großen Holzkran, der die Baustoffe nach oben transportierte, ein Wechselgetriebe, das das Umspannen von Arbeitstieren überflüssig machte. Bis dahin wurde dessen Hebewerk durch einen Göpel angetrieben, wobei hier die Tiere für die Auf- und Abbewegungen des Korbes immer zeitaufwändig umgespannt werden mussten. Damit konnte Brunelleschi die Bauzeit an der Kuppel erheblich verkürzen. Im Jahr 1421 wurde Brunelleschi für drei Jahre das alleinige Recht zum Bau eines Schiffs mit einer Hebevorrichtung zum Marmortransport verliehen.

Überliefert sind zudem Nachrichten von Apparaturen, die Brunelleschi für religiöse Inszenierungen (sacre rappresentazioni) in Florentiner Kirchen gebaut hat; beispielsweise für Aufführungen der Himmelfahrt Mariens in Santa Maria del Carmine (zuerst am 14. Mai 1439) und für ein „Paradies“ in San Felice.

Tod und Porträts mini|hochkant=0.7|Il Buggiano, Totenmaske Brunelleschis, 1446, Gips, Museo dell’Opera del Duomo, Florenz