mini|Rathaus am Ring (2008) mini|Gleiwitzer Schloss (2007) Gliwice ([], []) ist eine oberschlesische kreisfreie Großstadt in der polnischen Woiwodschaft Schlesien und Kreisstadt des Powiat Gliwicki (Powiat Gleiwitz). Mit rund 170.000 Einwohnern ist sie die viertgrößte Stadt in der Woiwodschaft Schlesien. Gliwice besteht seit dem 13. Jahrhundert und ist eine der ältesten Städte des Oberschlesischen Industriegebiets. Die Stadt ist Sitz der Schlesischen Technischen Universität. Bis 1945 war die Bevölkerung laut damaliger Volkszählungen mehrheitlich deutsch neben einer stärkeren polnischen Minderheit. Aufgrund der Vertreibung der Deutschen leben heute in Gliwice nur noch rund 1,3 % Deutsche laut der Volkszählung aus dem Jahr 2011.

Geographie Geographische Lage mini|Fluss Klodnitz Die Stadt liegt in der Region Oberschlesien an der Klodnitz und dem Klodnitzkanal auf 218 m ü. NHN, etwa 65 Kilometer südöstlich von Oppeln, 150 Kilometer südöstlich von Breslau und 95 Kilometer westnordwestlich von Krakau; sie ist die westlichste Stadt des oberschlesischen Industriegebiets. Die Klodnitz durchfließt die Stadt in Ost-West-Richtung. Der zweite Fluss der Stadt ist die Bytomka, die in die Klodnitz mündet. Der dritte Fluss, der ebenfalls in die Klodnitz mündete, bevor ein Teil des Flusses zugeschüttet und somit die Verbindung zur Klodnitz unterbrochen wurde, ist die Ostropka, die im Stadtteil Ostropa entspringt. Der Gleiwitzer Kanal beginnt in einem Hafen im westlichen Teil der Stadt.

Ausdehnung des Stadtgebiets Das Stadtgebiet hat eine Fläche von 134,2 km², von der etwa 9 % Wälder einnehmen, weitere 3 % sind Grünflächen. Gliwice ist von der Fläche die siebzehntgrößte Stadt Polens. Wegen der Größe des Stadtgebiets ergeben sich auch Unterschiede in der Flächennutzung. Die größten bebauten Flächen dehnen sich in der Mitte der Stadt aus. Im Norden sowie im Osten befinden sich noch größere bebaute Flächen als im Westen und im Süden der Stadt, da sich hinter der östlichen und nördlichen Stadtgrenze gleich wieder Städte (wie Zabrze) befinden.

Stadtgliederung mini|Altstadt mini|Wohngebiet im Stadtteil Trynek (Trinneck) Die Stadtgliederung von Gliwice wurde am 22. Februar 2008 neu festgelegt; bereits am 14. September 2006 waren 18 Bezirke festgelegt worden. Demnach gliedert sich Gliwice nun in zwanzig Stadtteile:

Bojków (Schönwald) Brzezinka Czechowice (Schechowitz) Kopernik Ligota Zabrska (Ellguth-Zabrze) Łabędy (Laband) Obrońców Pokoju Ostropa (Ostroppa) Politechnika (Technische Universität) Sikornik Sośnica (Sossnitza) Stare Gliwice (Alt-Gleiwitz) Szobiszowice (Petersdorf) Śródmieście (Innenstadt) Trynek (Trinneck) Wilcze Gardło (Eichenkamp-Siedlung) Wojska Polskiego Wójtowa Wieś (Richtersdorf) Zatorze (Stadtwald) Żerniki (Zernik)

Nachbargemeinden Nordwestlich, westlich und südlich von Gliwice liegt der Powiat Gliwicki mit den Gemeinden Gierałtowice (Gieraltowitz), Pilchowice (Pilchowitz), Rudziniec (Rudzinitz), Sośnicowice (Kieferstädtel) und den Städten Knurów (Knurow) und Pyskowice (Peiskretscham). Im Norden liegt der Powiat Tarnogórski (Tarnowitzer Distrikt) mit der Gemeinde Zbrosławice (Broslawitz) und im Osten die Stadt Zabrze (Hindenburg O.S.).

Geschichte mini|links|Gleiwitz im 18. Jahrhundert

Mittelalter und Frühe Neuzeit Der Ort ist seit dem 13. Jahrhundert als Stadt nachweisbar, 1276 wurde er erstmals urkundlich erwähnt. Ab 1337 war er Sitz des Teilherzogtums Gleiwitz. 1526 fiel die Stadt wie das gesamte Schlesien an das Haus Habsburg. 1601 gab es einen großen Brand. 1623 und 1645 wurde die Stadt im Dreißigjährigen Krieg geplündert, 1626 erfolglos von Polen belagert.

Der Türkenkrieg und die daraus resultierende Geldnot zwang die Habsburger, Gleiwitz für die relativ geringe Summe von 14.000 Talern an Friedrich Zettritz zu verpachten. Die Pachtzeit unter Zettritz – nur für die Stadt Gleiwitz – sollte ursprünglich 18 Jahre dauern, 1580 wurde sie jedoch um zehn Jahre und 1589 um weitere 18 Jahre verlängert.

Neuzeit und Industrialisierung mini|links|Königliche Eisengießerei in Gleiwitz mini|1897 eröffnetes Hotel Schlesischer Hof Der Zeitraum von 1740 bis 1763 war gekennzeichnet durch die schlesischen Kriege zwischen Österreich und Preußen, in deren Folge die Stadt an Preußen fiel.

Ein bedeutender wirtschaftlicher Aufstieg der Stadt folgte der Errichtung der Eisenhütten-Industrie zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Nach den 1789 in Malapane gemachten Versuchen, einen Hochofen anstelle der bis dahin üblichen Holzkohle mit Koks zu betreiben, baute man im Königlich Preußischen Hüttenwerk Gleiwitz den ersten mit Koks befeuerten Hochofen auf dem europäischen Kontinent und eine Eisengießerei, die im November 1796 ihren Betrieb aufnahmen. Die Produktion von Roheisen konnte bald von 1000 kg auf 2000 kg pro Tag gesteigert werden. Die florierenden Geschäfte führten zum Ausbau und zur Erneuerung kleinerer Industriewerke wie auch zur Entstehung neuer Industriezweige. Gefördert wurde diese Entwicklung durch den Anschluss von Gleiwitz an die Wasserwege und das Schienennetz. 1804 wurde der Klodnitzkanal eröffnet; seitdem besteht eine Wasserstraße zwischen Gleiwitz und der Oder. Am 10. März 1813 unterschrieb Friedrich Wilhelm III in Breslau die Stiftungsurkunde des Eisernen Kreuzes. Die ersten Abzeichnungen, nach dem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel, entstanden in der Königlich Preußischen Eisengießerei in Gleiwitz. Hier stellte auch August Friedrich Holtzhausen in einer 1806 eigens dafür gegründeten Maschinenabteilung bis 1825 etwa 50 Dampfmaschinen her, ein wichtiger Faktor für die Industrialisierung Schlesiens. Im Jahr 1845 begann der Bau der Eisenbahnstrecke, die Gleiwitz mit Oppeln und Breslau verbindet.

Im Jahre 1868 entstanden die Huldschinsky-Werke. Oscar und Georg Caro, die Erben der Gründer des Hüttenwerks Herminenhütte in Laband, übernahmen 1883 das Hüttenwerk Julia in Bobrek. Zusammen mit August Wilhelm Hegenscheidt gründeten sie 1887 die Firma „Obereisen“ und dehnten ihre Kontrolle und Macht über alle neu entstandenen Industriewerke aus. In der näheren Umgebung von Gleiwitz gab es in jenen Tagen 14 Brennereien, zwei Brauereibetriebe, fünf Mühlen, sieben Ziegelbrennereien, drei Sägewerke, eine Schindelfabrik, acht Kalkbrennereien und zwei Glaswerke. Überdies befanden sich dort ein Gaswerk, eine Ofenfabrik, eine Abfüllanlage für Bier, vier Druckereien sowie eine Asphalt- und Pappfabrik. Gleichzeitig wurden Institutionen errichtet, die den Geldbetrieb erleichtern sollten, so zum Beispiel Banken, Geldstuben, Sparkassen- und Anleihestellen. Im Jahre 1892 wurde die erste Straßenbahnlinie errichtet, die rasch bis in den Ort Deutsch Piekar weitergeführt wurde. Im Jahre 1899 wurde das Theater eröffnet, auf dessen Bühne bis zum Zweiten Weltkrieg Schauspieler aus ganz Europa auftraten.

20. Jahrhundert mini|links|hochkant|Neugotisches Postgebäude mini|Der Gleiwitzer Ring um 1900 mini|Stadtplan von 1929 mini|hochkant|Sendemast des Senders Gleiwitz mini|Beispiel einer Großwohnsiedlung, hier in der ul. Bekasa Von 1896 bis 1900 wurde die Peter-Paul-Kirche erbaut. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Gleiwitz zwei evangelische Kirchen, vier katholische Kirchen, eine altkatholische Kirche, eine Synagoge, ein Gymnasium, eine Oberrealschule, eine Maschinenbau- und Hüttenschule, zwei Waisenhäuser und war Sitz eines Landgerichts. Zwischen 1903 und 1906 entstand das neugotische Hauptpostgebäude, und der größte Rangierbahnhof Ostdeutschlands.

Vor dem Ersten Weltkrieg sprach etwa ein Viertel der Einwohner Polnisch als Muttersprache.

In den Jahren 1919 bis 1921 erfolgten drei polnische Aufstände in Oberschlesien. Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 musste auch die Bevölkerung von Gleiwitz entscheiden, ob sie zu Polen oder zu Deutschland gehören wollte. 32.029 Wahlberechtigte (78,7 % der abgegebenen Stimmen) stimmten für einen Verbleib bei Deutschland, 8558 für Polen (21,0 %). 113 Stimmen (0,3 %) waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 97,0 %.

Im Jahre 1922 wurde Oberschlesien unter den beiden Ländern aufgeteilt. Gleiwitz, Hindenburg OS und Beuthen OS waren die wenigen Städte des Oberschlesischen Industriegebiets, die beim Deutschen Reich verblieben, und Gleiwitz wurde zur Grenzstadt. Lange Zeit gab es Pläne, die drei Städte zur Dreistädteeinheit Gleiwitz-Hindenburg-Beuthen zusammenzuschließen. Im Jahre 1924 schlossen sich die Theater in Gleiwitz, Hindenburg und Beuthen zum „Oberschlesischen Theater“ (zwischen 1924 und 1927 „Theater Dreier Städte“) zusammen. 1927 wurden Ellguth-Zabrze, Sosnitza, Richtersdorf und Zernik ins Stadtgebiet von Gleiwitz eingemeindet. Im Jahre 1928 wurde das moderne Hotel „Haus Oberschlesien“ an der Wilhelmstraße (heute Zwycięstwa-Straße) erbaut. Das Gebäude ist heute Sitz der Stadtverwaltung.

Von 1925 bis 1933 war der dem Zentrum angehörende Verwaltungsjurist Georg Geisler, der seit 1912 Zweiter Bürgermeister gewesen war, Oberbürgermeister. Geisler wurde 1933 von den an die Macht gekommenen Nationalsozialisten unrechtmäßig abgesetzt und durch Josef Meyer von der NSDAP ersetzt.Guido Hitze: Carl Ulitzka (1873–1953) oder Oberschlesien zwischen den Weltkriegen. Droste, Düsseldorf 2002, ISBN 978-3-7700-1888-8, S. 1119.

Um 1935 hatte Gleiwitz unter anderem zehn Hotels, über zwei Dutzend Gasthöfe und Restaurants, über ein Dutzend Cafés, 15 Bankhäuser, Bankniederlassungen bzw. Sparkassen, eine Bierbrauerei (Löwenbier-Brauerei), eine Brotfabrik, 15 Buchdruckereien, eine Bürsten- und Pinselfabrik, drei Drahtwarenfabriken, drei Eisengießereien, zwei Essig- und Mostrichfabriken, eine Fischräucherei, eine Fleischsalatfabrik, einen Geigenbauer, eine Glasdachfabrik, ein Hochofen- und Stahlwerk (Vereinigte Oberschlesische Hüttenwerke AG), zwei Kaffeeröstereien, eine Kartonagenfabrik, eine Käsefabrik, eine Klischeefabrik, zwei Kunststeinfabriken, 22 Likörfabriken, eine Malzkaffeefabrik, zwei Manometerfabriken, vier Maschinenfabriken, zwei Matratzenfabriken, zwei Metallgießereien, zwei Molkereien, drei Mühlen, sieben Mineralwasserfabriken, vier Möbelfabriken, eine Papier- und Pappenfabrik, eine Peitschenfabrik, eine Sauerkrautfabrik, eine Sauerstoffwerk, vier Schilderfabriken, vier Schokoladen- und Zuckerwarenfabriken, eine Schuhfabrik, zwei Seifenfabriken, eine Seilerwarenfabrik, eine Spiegelfabrik, vier Steinkohlenbergwerke, zwei Stempelfabriken, zwei Treibriemenfabriken, zwei Tütenfabriken, zwei Vernickelungsanstalten, zwei Vulkanisieranstalten, eine Wagenfabrik, ein Walzwerk (Vereinigte Oberschlesische Hüttenwerke AG), eine Zementwarenfabrik, fünf Ziegeleien, eine Vielzahl von Handelsvertretungen, Dienstleistungs- und Handwerksbetrieben sowie über ein halbes Dutzend Zeitungs- und Zeitschriftenverlage.Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs für Industrie, Handwerk, Handel und Gewerbe, Band 1 B, Berlin 1935, 2. Teil, Provinz Ober-Schlesien, S. 1840–1848 (Google Books).