Ein Dreiländereck – auch Länderdreieck genannt – ist der geografische Punkt, an dem drei gleichrangige Grenzen und damit auch drei gleichartig verwaltete Territorien (Staaten, Gliedstaaten, Verwaltungseinheiten etc.) aufeinandertreffen. Bekannt werden solche Dreiländerecke meist, wenn sie schon längere Zeit bestehen oder aber, wenn drei Kulturen sich begegnen. Meist ist diese Stelle durch die jeweiligen Staatsflaggen oder Monumente markiert, im Freiland zum Teil durch sogenannte Dreimarksteine bzw. Dreimärker. Auch der drei aneinandergrenzende Verwaltungseinheiten wie Dörfer oder Gemeinden markierende Grenzstein wird als Dreimärker bezeichnet.Vgl. etwa Christine Demel: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 534 f.: Drei Grenzsteinsagen vom Dreimärker zwischen Unterleinach – Zellingen – Billingshausen. Während drei Länder häufig aufeinandertreffen, sind Vier- oder Mehr-Länderecke sehr selten.
Allgemeine Übersicht Von den zurzeit (2015) 195 von den Vereinten Nationen anerkannten Staaten auf der Erde haben 135 mindestens einen solchen Grenzpunkt. Insgesamt existieren 159 internationale Dreiländerecke auf der Erde. Die Häufigkeit des Vorkommens von Dreiländerecken ist abhängig von der Anzahl der Nachbarn, aber auch von der Anzahl der Seegrenzen. So haben Inselnationen wie Japan oder auch Staaten wie Portugal und San Marino, die nur ein Nachbarland haben – z. B., weil sie vollständig von einem Staat umgeben sind – keines. Auch sind zwei Nachbarländer kein hinreichendes Kriterium, wie es z. B. bzgl. der USA in Nordamerika ist. Auch die Fläche eines Staates hat nur bedingt mit dessen Anzahl an Dreiländerecken zu tun: Der Staat mit den meisten ist die Volksrepublik China mit 16, während Russland, der flächenmäßig größte Staat der Welt, nur 10 hat.
Österreich hat an seinen Grenzen neun Dreiländerecke (und ist damit der Staat mit den meisten Dreiländerecken in Europa), Deutschland sieben, die Schweiz sechs, Belgien drei, und Liechtenstein weist zwei Dreiländerecke auf.
Dreiländerecke weltweit
Die nachfolgenden Auflistungen zeigen Listen aller internationalen Dreiländerecke. Die Länder sind in Zeilen alphabetisch aufsteigend angeordnet.
Australien ist der einzige Staat auf dem gleichnamigen Kontinent und weist daher kein Dreiländereck auf.
Die elf Sektoren des Kontinents Antarktika konvergieren am geographischen Südpol.
Afrika
In Afrika existieren 63 Dreiländerecke, wovon vier auch als Vierländereck angesehen werden:
Land 1 Land 2 Land 3 Anmerkungen Ägypten Libyen Sudan Äquatorialguinea Gabun Kamerun Äthiopien Eritrea Sudan Äthiopien Kenia Somalia Äthiopien Kenia Südsudan Äthiopien Somalia Somaliland Äthiopien Sudan Südsudan Algerien Libyen Niger Algerien Libyen Tunesien Algerien Mali Mauretanien Algerien Mali Niger Algerien Marokko West-Sahara Algerien Mauretanien West-Sahara Angola Demokratische Republik Kongo Republik Kongo (Cabinda) Angola Demokratische Republik Kongo Sambia Angola Namibia Sambia Benin Burkina Faso Niger Benin Burkina Faso Togo Benin Niger Nigeria Botswana Namibia Sambia im Vierländereck Botswana-Namibia-Sambia-Simbabwe Botswana Namibia Simbabwe im Vierländereck Botswana-Namibia-Sambia-Simbabwe Botswana Namibia Südafrika 110px|rechts Das Dreiländereck liegt am Westrand des Kgalagadi-Transfrontier-Nationalparks 1,7 km nördlich des Nossob-Flussbettes am Rand der Farm Buitepos () Botswana Sambia Simbabwe im Vierländereck Botswana-Namibia-Sambia-Simbabwe Botswana Simbabwe Südafrika Burkina Faso Elfenbeinküste Ghana Burkina Faso Elfenbeinküste Mali Burkina Faso Ghana Togo Burkina Faso Mali Niger Burundi Demokratische Republik Kongo Ruanda an der Mündung des Ruhwa in den Ruzizi Burundi Demokratische Republik Kongo Tansania im Tanganjikasee Burundi Ruanda Tansania Dschibuti Äthiopien Eritrea Dschibuti Äthiopien Somaliland Elfenbeinküste Guinea Liberia Elfenbeinküste Guinea Mali Gabun Kamerun Republik Kongo Guinea Guinea-Bissau Senegal Guinea Liberia Sierra Leone Kamerun Nigeria Tschad im Tschadsee, inzwischen trockenliegend Kamerun Republik Kongo Zentralafrikanische Republik Kamerun Tschad Zentralafrikanische Republik Kenia Tansania Uganda im Victoriasee Kenia Uganda Südsudan Kenia Uganda Tansania Demokratische Republik Kongo Republik Kongo Zentralafrikanische Republik Demokratische Republik Kongo Ruanda Uganda bis 1920 Dreiländereck zwischen Belgisch-Kongo, Deutsch-Ostafrika und Uganda Demokratische Republik Kongo Sambia Tansania im Tanganjikasee; bis 1920 Dreiländereck zwischen Belgisch-Kongo, Deutsch-Ostafrika und Nordrhodesien Demokratische Republik Kongo Südsudan Uganda Demokratische Republik Kongo Südsudan Zentralafrikanische Republik Libyen Niger Tschad Libyen Sudan Tschad Malawi Mosambik Sambia Malawi Mosambik Tansania im Malawisee Mali Mauretanien Senegal Mosambik Sambia Simbabwe bei Zumbo Mosambik Sambia Tansania Mosambik Simbabwe Südafrika „Crook’s Corner“ Mosambik Südafrika Eswatini (Nordeck) Mosambik Südafrika Eswatini (Südeck) Namibia Sambia Simbabwe im Vierländereck Botswana-Namibia-Sambia-Simbabwe Niger Nigeria Tschad im Tschadsee, inzwischen trockenliegend Ruanda Tansania Uganda Sudan Südsudan Zentralafrikanische Republik
Amerika
In Mittelamerika existieren 2 Dreiländerecke, in Südamerika 13:
Land 1 Land 2 Land 3 Anmerkungen Argentinien Bolivien Chile Zapaleri, 5653 m, 22°48′56″S 67°10′43″W Argentinien Bolivien Paraguay Argentinien Brasilien Paraguay Hito Tres Fronteras, bekannt durch die Iguaçu-Wasserfälle Argentinien Brasilien Uruguay Bella Unión/Isla Brasilera Belize Guatemala Mexiko (Mittelamerika) Bolivien Brasilien Paraguay Bolivien Brasilien Peru Bolivien Chile Peru Brasilien Frankreich (Französisch-Guayana) Suriname Brasilien Guyana Suriname Brasilien Guyana Venezuela auf dem Berg Monte Roraima Brasilien Kolumbien Peru Tres Fronteras, im Amazonas-Regenwald mit einer Dreistadt Tabatinga, Leticia, Santa Rosa mit mehr als 100.000 Einwohnern Brasilien Kolumbien Venezuela Ecuador Kolumbien Peru Guatemala Honduras El Salvador (Mittelamerika)
Da sich alle Staaten auf dem nordamerikanischen Festland vom Pazifischen bis zum Atlantischen Ozean erstrecken, existieren dort keine Dreiländerecke.
Die Bundesstaaten der Vereinigten Staaten bilden 38 Tri-State Areas (Dreistaatengebiete).
Asien
In Asien existieren 42 Dreiländerecke:
Land 1 Land 2 Land 3 Anmerkungen Abchasien Georgien Russland Ausgehend von der Manytschniederung als Südgrenze Europas liegt dieser Punkt in Asien. Nimmt man als Grenze Europas den Hauptkamm des Kaukasus, so läge der Punkt auf der Grenze zwischen Europa und Asien. Abchasien ist völkerrechtlich ein Teil Georgiens. Afghanistan Iran Pakistan Kuh-e Malek Siah (Gipfel) Afghanistan Iran Turkmenistan bis Dezember 1991 Dreiländereck zwischen Afghanistan, Iran und der Sowjetunion Afghanistan Pakistan Volksrepublik China Grenzpunkt seit 1895.Das angrenzende Gebiet Pakistans war bis 1947 Teil von Britisch-Indien und wird von Indien beansprucht. Das angrenzende Gebiet Chinas gehörte 1944–1949 zur Republik Ostturkestan. Afghanistan Tadschikistan Volksrepublik China bis Dezember 1991 Dreiländereck zwischen Afghanistan, China und der Sowjetunion Afghanistan Usbekistan Tadschikistan Afghanistan Usbekistan Turkmenistan Ägypten Gazastreifen Israel Armenien Aserbaidschan Georgien Armenien Aserbaidschan (Nachitschewan) Iran Armenien Aserbaidschan (Nachitschewan) Türkei Armenien Bergkarabach (de facto) bzw. Aserbaidschan (de jure) Iran Armenien Georgien Türkei Aserbaidschan Georgien Russland Ausgehend von der Manytschniederung als Südgrenze Europas liegt dieser Punkt in Asien. Nimmt man als Grenze Europas den Hauptkamm des Kaukasus, so läge der Punkt auf der Grenze zwischen Europa und Asien. Aserbaidschan Bergkarabach Iran Aserbaidschan (Nachitschewan) Iran Türkei bis 1991 Dreiländereck zwischen der Sowjetunion, dem Iran und der Türkei Bangladesch Myanmar Indien 1947–1971 Dreiländereck zwischen Birma, Indien und Pakistan (Ostpakistan) Bhutan Indien Volksrepublik China (Osteck); 1912–1950 Dreiländereck zwischen Bhutan, Tibet und Sikkim, 1950–1975 zwischen Bhutan, der Volksrepublik China und Sikkim Bhutan Indien Volksrepublik China (Westeck); Geschichte: siehe Osteck Dhekelia Türkische Republik Nordzypern Republik Zypern Westliches Dreiländereck seit der Besetzung Nordzyperns durch die Türkei 1974 beziehungsweise der Ausrufung der Türkischen Republik Nordzypern 1983 Dhekelia Türkische Republik Nordzypern Republik Zypern Östliches Dreiländereck seit der Besetzung Nordzyperns durch die Türkei 1974 beziehungsweise der Ausrufung der Türkischen Republik Nordzypern 1983 Georgien Russland Südossetien (Westeck)
Südossetien ist völkerrechtlich ein Teil Georgiens. Georgien Russland Südossetien (Osteck)
Südossetien ist völkerrechtlich ein Teil Georgiens. Indien Myanmar Volksrepublik China Indien Nepal Volksrepublik China (Osteck); 1912–1950 Dreiländereck zwischen Nepal, Tibet und Sikkim, 1950–1975 zwischen Nepal, der Volksrepublik China und Sikkim Indien Nepal Volksrepublik China (Westeck); 1912–1950 Dreiländereck zwischen Indien, Nepal und Tibet Indien Pakistan Volksrepublik China Der Punkt befindet sich in der Region Kaschmir und somit nach indischer Auffassung gänzlich auf indischem Gebiet. Die Grenzen hier sind Waffenstillstandslinien. Irak Iran Türkei Irak Jordanien Saudi-Arabien Irak Jordanien Syrien Irak Kuwait Saudi-Arabien Audschat al-Batin (Auǧat al-Bāṭin, عوجة الباطن) (Wadibiegung) Irak Syrien Türkei Die drei Staaten treffen im Grenzgebiet am Zusammenfluss von Tigris und Chabur aufeinander. Israel Jordanien Palästina (Nordeck) Israel Jordanien Palästina (Südeck) Israel Jordanien Syrien Israel Libanon Syrien Mount Hermon Jemen Oman Saudi-Arabien DCP 19, 52 (nördlichster Punkt des Jemen, westlichster Punkt von Oman) Kambodscha Laos Thailand Kambodscha Laos Vietnam bis 1975/76 Dreiländereck zwischen Kambodscha, Laos und Südvietnam Kasachstan Kirgisistan Usbekistan Kasachstan Kirgisistan Volksrepublik China Seit 1999 ist der gemeinsame Grenzpunkt der Gipfel des Khan Tengri im Tian Shan. Vorher galt der Hauptkamm des Gebirges (über Meridional-Kette und Koksaal-Tau) als Grenze. Kasachstan Russland Volksrepublik China im Altai-Gebirge Kasachstan Turkmenistan Usbekistan Kirgisistan Tadschikistan Usbekistan Laos Myanmar Thailand Goldenes Dreieck; bis 1954 Dreiländereck zwischen Französisch-Indochina, Birma und Thailand Laos Myanmar Volksrepublik China bis 1954 Dreiländereck zwischen Französisch-Indochina, Birma und China Laos Vietnam Volksrepublik China Mongolei Russland Volksrepublik China (Osteck) Mongolei Russland Volksrepublik China (Westeck); im Altai-Gebirge Nordkorea Russland Volksrepublik China in der Region Primorje Oman Saudi-Arabien Vereinigte Arabische Emirate bei Umm az-Zamul
Die Dreiländerecke Kasachstan-Russland-Volksrepublik China sowie Mongolei-Russland-Volksrepublik China liegen im Altai nur 39 km voneinander entfernt.
Europa
In Europa gibt es 48 internationale Dreiländerecke: