Der Götterbaum (Ailanthus altissima) ist eine Laubbaum-Art der Gattung Ailanthus aus der Familie der Bittereschengewächse (Simaroubaceae).
Beschreibung Wuchsform, Alter und Höhe Der Götterbaum ist ein mittelgroßer, laubabwerfender Baum (Lebensform Phanerophyt) mit reich verzweigter und runder Krone, der in Mitteleuropa auf guten Standorten 27 bis über 30 m hoch werden kann. Im Mittelmeergebiet sowie auf nährstoffarmen, trockenen Standorten erreicht er meist nur Höhen von 18 bis 20 m. Der Stammdurchmesser erreicht bis 1,6 Meter, sehr selten bis 2,5 Meter.Famous Trees. No, 295, USDA, 1938, S. 67.The National Register of Big Trees. American Forests, 2012.
Als Pionierbaum wird er meist weniger als 100 Jahre alt, allerdings sind auch deutlich ältere Bäume bekannt.
Der Götterbaum gilt als der am schnellsten wachsende Baum in Europa. Der größte Höhenzuwachs erfolgt im Alter von 5 bis 10 Jahren. Nach 20 Jahren verlangsamt sich der Höhenzuwachs merklich. Keimlinge können auf günstigen Standorten im Jahr ihrer Keimung bereits 1–2 m hoch werden. Auf guten Standorten können 20-jährige Bäume bereits über 20 m hoch sein. Besonders stark ist das Höhenwachstum bei Sprossen, die vegetativ aus der Wurzel getrieben werden (Wurzelsprosse), oder bei Stockausschlag, der sich nach einer Störung des Stammes, z. B. infolge von Bekämpfungsversuchen, zahlreich bildet. Solche Sprosse können in einem Jahr bis zu 3 m lang werden.
Aufgrund seines schnellen Höhenwachstums wird er in verschiedenen Sprachen als „Baum des Himmels“ und im Deutschen als „Götterbaum“ bezeichnet.
Zweige, Stamm und Kronenaufbau Junge Sprosse mit Blättern sind grünlich und kurz behaart. Ältere Zweige sind rötlich oder bräunlich und unbehaart. Der Stamm ist relativ glatt, hat eine graubraune und manchmal leicht rissige bis leicht furchige Borke, diese weist manchmal ein rautenförmiges Muster auf. mini|Borke eines 5 cm dicken Götterbaumes
Das Wachstum der Sprosse wird nicht von der endständigen Knospe, sondern von darunter liegenden Seitenknospen fortgesetzt. Dieses sympodiale Wachstum führt zu einem unregelmäßigen Kronenaufbau. Typisch für den Götterbaum ist ein Wechsel im Verzweigungsmuster nach etwa 10–15 Jahren. Dann wird das weitere Wachstum von ein oder zwei nunmehr führenden Seitentrieben übernommen (monochasiales oder dichasiales Wachstum).
Blätter mini|Blätter des Götterbaums Die großen, wechselständigen und unpaarigen, gestielten Fiederblätter sind häufig 40 bis 90 Zentimeter lang. Besonders an jungen Wurzelsprossen oder Stammausschlägen können sie auch über einen Meter lang werden. Das größte bislang bekannte Blatt hatte eine Länge von 1,67 m (Kowarik & Säumel 2007). Die Rhachis und die Blattstiele sind grünlich bis rötlich gefärbt und fast kahl. Ein gestieltes Laubblatt wird von 20–30 (maximal 43) länglich-eiförmigen bis lanzettlichen, ganzrandigen und zugespitzten, leicht ledrigen Fiederblättchen gebildet, deren Anzahl stark variiert. An ihrem Grund weisen die fast sitzenden bis kurz gestielten und fast kahlen Blättchen 2–4 Drüsen auf, die oft an kleinen Zähnen oder Läppchen sitzen, welche die Blätter des Götterbaumes unverwechselbar machen und auch zu seinem Namen „Drüsiger Götterbaum“ geführt haben. Diese Drüsen sind Nektarien, die Zucker absondern und daher auch von Ameisen besucht werden. Die Blättchen sind bis 15 cm lang und bis 6 cm breit. Die Nervatur der Blättchen ist wechselnd gefiedert und etwas heller sowie oberseits etwas eingeprägt und unterseits etwas erhaben.
Die Blätter sind im Austrieb dunkelrot und erscheinen meistens erst im Mai. Der Laubfall im Herbst beginnt erst sehr spät. Die Herbstfärbung der Blätter ist gelblich.
Auch gibt es verschiedene Kultivare mit panaschierten Blättern.
Gerieben riechen frische Blätter unangenehm ranzig, nussig.
Blüten mini|Weibliche Blüten mini|Männlicher Blütenstand Die Art ist oft zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), das heißt die männlichen und die weiblichen Blüten finden sich auf verschiedenen Bäumen, es gibt aber auch Bäume mit männlichen und weiblichen Blüten.Oliver Maschek, Erhard Halmschlager: Natural distribution of Verticillium wilt on invasive Ailanthus altissima in eastern Austria and its potential for biocontrol. In: Forest Pathology. 47(5), 2017, . Eine gestielte Blüte mit doppelter Blütenhülle hat 5 längliche, basal feinhaarige, ausladende und etwas bootförmige, rundspitzige Kronblätter. Der becherförmige, grüne und fast kahle Kelch ist klein und gelappt, gezähnt. Männliche Blüten enthalten bis 10 freie Staubblätter. Die weißlichen Staubfäden sind an der Basis manchmal leicht haarig. Weibliche Blüten können zwar auch Staubblätter (Staminodien) enthalten, aber diese enthalten keinen Pollen, so dass es keine zweigeschlechtlichen Blüten gibt. Die kleinen, gelblich-grünen Blüten sind rispenähnlich angeordnet, wobei der bis 30–60 cm lange, endständige und vielblütige, gestielte Blütenstand dem Typ eines doppelten Thyrsus entspricht. Männliche Blütenstände sind größer und weisen mehr Blüten als weibliche auf. Der geflügelte, kurz gestielte Fruchtknoten der weiblichen Blüten ist oberständig, mit einem dicklichen Griffel mit gelappter, sternförmiger Narbe. Bei den männlichen Blüten fehlt der Stempel meist ganz. Bei den Blüten ist jeweils ein grüner, fleischiger und kahler Diskus vorhanden.
Die Blüten erscheinen in Mitteleuropa meist im Juli. Der Geruch ist kräftig, vor allem der männlichen Blüten, und wird oft als dem Spermageruch ähnlich beschrieben. Die Blüten werden von Honigbienen und anderen Insekten besucht. Der Honig des Götterbaumes hat ein sehr wohlschmeckendes, muskatellerartiges Aroma, auch wenn er zunächst nicht gut riecht. In frischem Zustand ist er von grünlicher bis bräunlicher Farbe und zähflüssiger Konsistenz; er kandiert fein und schmalzartig aus, hierbei verändert sich die Farbe des Honigs zu schmutzigem Graugrün.Josef Lipp et al.: Handbuch der Bienenkunde – Der Honig. 3., neubearb. Auflage, Ulmer, Stuttgart 1994, ISBN 3-8001-7417-0, S. 18. Der Pollen des Götterbaumes stellt ein neues potentielles Allergen dar.M. Ballero, A. Ariu, P. G. Falagiani Piu: Allergy to Ailanthus altissima (tree of heaven) pollen. In: Allergy. 58, 2003, 532–533, (open access).
Früchte mini|Unreife Früchte des Götterbaums mini|Einzelne Flügelnüsse (Merikarpien) Nach der Blüte entwickeln sich im August bis September flache und beidseitig geflügelte, abgerundete bis spitze und manchmal etwas verdrehte, nicht öffnende, elliptische Flügelnüsse (Samara) mit einem zentralen, relativ flachen und rundlichen Samen. Die einzelnen Früchte (Merikarpien) stehen bis zu fünft in einer Spaltfrucht zusammen. Die Farbe der Früchte ist grün bis später rot und bei Reife bräunlich und trocken. Die mittlere Länge der Früchte beträgt 47 mm, die mittlere Breite 9 mm. Schon 3–5 Jahre alte Bäume können blühen und Früchte produzieren. An einem 8 m hohen Baum wurden 650 Fruchtstände mit 325.000 Einzelfrüchten gezählt. Die Früchte bleiben oft längere Zeit am Baum hängen.
Chromosomenzahl Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 80.
Verbreitung Ursprünglich ist der Götterbaum in China und im nördlichen Vietnam beheimatet.Ingo Kowarik, Ina Säumel: Biological Flora of Central Europe: Ailanthus altissima (Mill.) Swingle. In: Perspectives in Plant Ecology, Evolution and Systematics. 8, 2007, S. 207–237, . Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Art in anderen Teilen Asiens sowie in Europa, Amerika, später in Afrika und Australien angepflanzt, wo sie als invasive Art gilt. Infolgedessen breitete sich der Götterbaum vermehrt aus, mittlerweile ist er wildwachsend weltweit in allen Gebieten mit gemäßigtem oder Mittelmeerklima vertreten.
Nutzung und Einführung nach Europa Nutzung in China In China werden die Blätter zur Fütterung der zu den Seidenspinnern zählenden Ailanthus- oder Götterbaumspinner (Samia cynthia) verwendet, die in Zuchten verwertbare Seide („Shantung-Seide“) produzieren. In den waldarmen Regionen am unteren Gelben Fluss gehört die Art zu den wichtigsten Nutzhölzern. Besonders geeignet ist es zur Herstellung der in der chinesischen Küche sehr wichtigen Dampfgarer. Rinde, zum Teil auch Wurzeln und Blätter, werden in der traditionellen chinesischen Medizin eingesetzt, dies ist seit der Tang-Dynastie belegt. Die Blätter besitzen dabei allerdings eine schwache Giftwirkung. Der Rinde wird eine kühlende und adstringierende Wirkung zugeschrieben. Besonders häufig wird sie bei Durchfallerkrankungen eingesetzt. Der Baum hat darüber hinaus eine kulturelle Bedeutung. Im nördlichen China, am Gelben Fluss wird er Frühlingsbaum (ch’un-shu) genannt. Der extrem späte Blattaustrieb des Baums war hier das Zeichen dafür, dass die Hungerzeit des Winters und zeitigen Frühjahrs zu Ende geht.Shiu Ying Hu: Ailanthus. In: Arnoldia. 39(2), 1979, S. 29–50.
Nutzung in Europa Der Götterbaum wurde seit dem 18. Jh. als Zierbaum in Europa und Nordamerika kultiviert, wobei er sich auch auf schwierigen trocken-warmen Stadtstandorten und in Gebieten mit starker Luftverschmutzung bewährt hat. Vor allem in wärmeren Gebieten wurde er vereinzelt auch forstlich genutzt, zur Bodenbefestigung auf Hängen sowie in Windschutzhecken eingesetzt. Eine forstliche Nutzung ist in Österreich vorgeschlagen worden, wird aber bisher nicht durchgeführt. Sie wäre aufgrund der Holzqualität möglich.Reinhard Brandner, Gerhard Schickhofer: Tree-of-Heaven (Ailanthus altissima): enormous and wide potential neglected by the Western civilization. In: World Conference on timber engineering, 2010 Conference Proceedings. 2010, S. 1–7. Zur Nutzung seiner Inhaltsstoffe besteht eine umfangreiche pharmazeutische Forschung. Wo große Bestände des Götterbaums existieren, wird er zur Honiggewinnung genutzt. Der sehr würzige Götterbaumhonig ist eine lokale Spezialität.
Einführung nach Europa und Ausbreitung Die ersten Pflanzen gelangten 1740 durch den Jesuiten Pierre Nicolas d’Incarville nach Paris. Sowohl die Verwendung als Zierpflanze als auch der Versuch, den Baum wirtschaftlich zu nutzen, trugen zu seiner Verbreitung bei. In Italien, Frankreich und anderen Gebieten bemühte man sich, mit Hilfe dieses Baumes den Götterbaum-Seidenspinner (Samia cynthia) als Nutztier in Europa einzuführen, und trug damit zu verwilderten Populationen in Städten wie Wien bei. In Berlin wurde der Götterbaum bereits 1780 als Zierpflanze kultiviert. Wild wachsende Götterbäume sind heute in den Innenstädten vieler europäischer Städte häufig; sie traten jedoch erst nach 1945 verstärkt auf Trümmerflächen auf. Der Invasionsbiologe Ingo Kowarik führt dies darauf zurück, dass vor 1945 offene Flächen verhältnismäßig selten waren und diese zu intensiv gepflegt wurden, um den Aufbau einer spontanen Population zu ermöglichen. Aufgrund des Klimawandels breitet sich der Götterbaum auch auf weitere Standorte aus, vor allem an Bahn- und Straßenrändern. Naturnahe Vegetation besiedelt er bislang nur im Ausnahmefall.
Der Götterbaum als Stadtgrün Der Götterbaum ist relativ resistent gegen Salz, Trockenheit und Herbizide und toleriert den von urbanen Luftverunreinigungen ausgehenden Stress oft besser als viele andere Stadtbäume. Götterbäume benötigen eine Jahresmitteltemperatur von mindestens etwa +9 Grad Celsius; Keimlinge und Jungpflanzen reagieren empfindlich auf Winterfröste. Aufgrund seines Status als invasive Pflanzenart sollte der Götterbaum nicht angepflanzt werden. Über den Umgang mit vorhandenen Populationen wird kontrovers diskutiert, es erscheint erforderlich, die weitere unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern, da sie durch Verdrängung heimischer Arten die Biodiversität von Lebensräumen wie Magerrasen gefährdet.Ingo Kowarik: Götterbäume. In: W. Nentwig (Hrsg.): Unheimliche Eroberer. Invasive Pflanzen und Tiere in Europa. Haupt, Bern 2011, S. 73–81.
Der Götterbaum als Neophyt mini|Mittelreife Früchte von Ailanthus altissima thumb|Ailantus altissima