mini|Inschrift (hitabe) an der ehemaligen Meçite-Moschee in Gjirokastra, Albanien Das osmanische Türkisch (auch Türkei-Türkisch,Klaus Kreiser, Christoph Neumann: Kleine Geschichte der Türkei. 2009, S. 21. Zitat: „[…] die Sprachgruppe des Südwesttürkischen (u. a. Turkmenisch, Aserbaidschanisch, Osmanisch = »Türkei-Türkisch«) […]“.Edith G. Ambros, P. A. Andrews, Çiğdem Balim, L. Bazin, J. Cler, Peter B. Golden, Altan Gökalp, Barbara Flemming, G. Haza, A. T. Karamustafa, Sigrid Kleinmichel, P. Zieme, Erik Jan Zürcher: Artikel Turks. In: Encyclopaedia of Islam. Brill, digitale Edition, Abschnitt II.i Languages – Introduction. Zitat: .Margarete I. Ersen-Rasch: Türkische Grammatik. Für Anfänger und Fortgeschrittene. S. 1 (). , Eigenbezeichnung und , ab der Tanzimat mit dem Aufkommen des Osmanismus oder )Celia Kerslake: Ottoman Turkish. In: Lars Johanson, Éva Csató (Hrsg.): The Turkic languages. S. 180. war jene Ausprägung der türkischen Sprache, die für administrative und literarische Zwecke im Osmanischen Reich verwendet wurde. Osmanisch basiert auf dem Anatolischtürkischen (Oghusisch) und nahm gegen Ende des 15. Jahrhunderts in immer stärkerem Maß arabische und persische Elemente auf.Korkut Buğday: Osmanisch. S. xvii. Osmanisches Türkisch war die Amts- und Literatursprache des Osmanischen Reichs, die sich in Anatolien entwickelte, nachdem diese Region ab dem 11. Jahrhundert von Türken (Oghusen) besiedelt worden war, und ist eine Varietät des Westoghusischen.Celia Kerslake: Ottoman Turkish. In: Lars Johanson, Éva Csató (Hrsg.): The Turkic languages. S. 179.

Die Anwendung des dynastischen und politischen Terminus „Osmanisch“ für die offizielle Sprache des osmanischen Staates war eine der Erneuerungen während der Reformperiode (Tanzimat) ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Staat als Grundlage eines modernisierten osmanischen Staates in der Bevölkerung das Gefühl einer gemeinsamen osmanischen Identität zu fördern versuchte.Celia Kerslake: Ottoman Turkish. In: Lars Johanson, Éva Csató (Hrsg.): The Turkic languages. S. 180.

Grammatik Fälle Nominativ und unbestimmter Akkusativ: endungslos (, ‚ein See‘; ; ); Genitiv: Antwort auf die Frage ; die Genitivendung lautet , -ıñ, -uñ, -üñ, nach Vokal tritt der Bindekonsonant -n- hinzu; Bsp.: , Dativ: Antwort auf die Frage /; die Dativendung lautet bzw. -e, -a, Bsp.: , ; nach Vokal tritt der Bindekonsonant hinzu, Bsp.: , bestimmter Akkusativ: Antwort auf die Fragen und ; die Akkusativendung lautet , -ı; die zusätzlichen varianten Akkusativendungen -u und -ü wie im modernen Türkischen gibt es nicht im osmanischen Türkisch aufgrund der in diesem Fall fehlenden Labialharmonie (siehe Abschnitt Vokalharmonie), Bsp.: , nicht wie im modernen Türkisch; Lokativ: Antwort auf die Frage ; die Lokativendung ist und -da, die zusätzlichen Varianten des modernen Türkisch -te und -ta gibt es nicht, Bsp.: , , , ‚am Anfang‘, Ablativ: Antwort auf die Fragen , ‚woher?‘ und ; die Endung ist , -dan. Auch hier fehlen die Varianten -ten und -tan. Bsp.: , Instrumentalis: Antwort auf die Frage ; die Endung ist ; nach Konsonant fällt der -i--Laut meist weg, die Endung ist dann je nach Vokalharmonie -le oder -la ; Bsp.: → , → ; bei der Zusammenschreibung nach Vokal entfällt nur das Elif, das -y- bleibt erhalten: → , → ; eine ältere auch heute noch anzutreffende Instrumentalis-Endung ist ; weitere ältere Formen sind , , und eine in älteren Texten und heute sehr selten auftretende archaische Form -in / -ın /; z. B. /‚mit dem Sommer‘, , / ‚mit dem Hodscha-Sein‘Korkut Buğday: Osmanisch. S. 34.

Vokalharmonie Wie in fast allen Turksprachen gilt im osmanischen und modernen Türkisch die palatale Vokalharmonie. Die Palatalharmonie besagt, dass nach einem hellen Vokal (e, i, ö, ü) nur ein heller Vokal folgen kann, nach einem dunklen Vokal (a, ı, o, u) nur ein dunkler.

Die labiale Vokalharmonie (Labialharmonie), im modernen Türkisch zur Regel erhoben, wurde im osmanischen Türkisch jedoch oft nicht angewendet. Die Labialharmonie besagt, dass nach einem hellen runden Vokal (ö, ü) nur ein geschlossener runder heller Vokal (ü) folgen kann. Nach einem dunklen runden Vokal (o, u) folgt der geschlossene dunkle runde Vokal (u). Nach hellem breitem Vokal (e, i) folgt ein geschlossener heller breiter (i), nach dunklem breitem Vokal (a, ı) folgt ein geschlossener dunkler breiter (ı).Korkut Buğday: Osmanisch. S. 19. Beispiele: , heute ; , heute ; , heute ; , heute ; , heute ; , heute ; , heute ; , heute .

Für die Praxis der gesprochenen Sprache ist allerdings zu beachten, dass das osmanische Türkisch eine historische Orthographie aufwies, das heißt, dass die tatsächliche Aussprache von der Schrift abweichen konnte. Tatsächlich bildete sich in der osmanischen Zeit in der gepflegten Istanbuler Aussprache die strikte Befolgung von Palatal- und Labialharmonie heraus, die mit der Einführung der Lateinschrift zur orthographischen Regel erhoben wurde. Diesen Unterschied zwischen dem osmanischen und dem modernen Türkischen darf man daher nicht dahin missverstehen, dass sich die Aussprache beim Übergang vom osmanischen zum modernen Türkischen geändert hätte.

Konsonantenharmonie Wie im modernen Türkisch werden Okklusive im Auslaut stimmlos: , , (Auslautverhärtung). Wenn ihnen ein Vokal folgt, werden sie in ihre stimmhaften Entsprechungen umgewandelt. Aus wird , aus wird mit Aussprache ğ, aus wird . Beispiele: aus dem t im Infinitiv wird d in gebeugter Form bei folgendem Vokal ; das k in wird zum ğ bei gebeugter Form bei folgendem Vokal .

Sprachebenen Praktisch betrachtet gab es (mindestens) drei Varianten der osmanischen Sprache:

: Sprache der Verwaltung und der Poesie, : Sprache des Handels und der Oberschicht, : Sprache der unteren Schichten.

Die jeweiligen Varianten wurden je nach sozialem Kontext ausgewählt: Ein Schreiber verwendete bei seiner Arbeit beispielsweise das arabische ; auf dem Markt fragte er aber mit dem türkischen danach.

Geschichte mini|Inschrift am historischen Melek-Pascha-Brunnen in Chios, Griechenland Entwicklung Die osmanische Sprache lässt sich in drei Entwicklungsstufen einteilen:

: Bis ins 16. Jahrhundert gesprochen. Es war fast identisch mit dem von den Seldschuken verwendeten Türkisch und wird als Teil des angesehen. oder : Sprache der Poesie und Verwaltung vom 16. Jahrhundert bis zu den Tanzimat-Reformen. : Von den 1850er Jahren bis in das 20. Jahrhundert entwickelte Variante, die sich unter dem Einfluss der erstarkenden Printmedien sowie westlicher Literatur herausbildete.

Sprachreform Die Ersetzung des osmanischen Türkisch durch das moderne Türkisch für offizielle Zwecke war ein Ergebnis der osmanischen Niederlage im Ersten Weltkrieg, die die Gründung der Türkischen Republik im Jahre 1923 nach sich zog. Im Rahmen seiner weitreichenden politischen Reformen initiierte Präsident Atatürk im Jahre 1928 auch eine Schriftreform, die das bisher benutzte arabische Alphabet durch ein lateinisches Schriftsystem ersetzte. In den 1930ern wurde die Türk Dil Kurumu gegründet, deren Aufgabe es unter anderem war, zahlreiche arabische und persische Lehnwörter aus dem Türkischen zu entfernen und das Volkstürkische zu fördern. Manche arabischen und persischen Lehnwörter sind gleichwohl neben ihren Synonymen mit türkischen Wurzeln nach wie vor in Gebrauch:

Deutsch Osmanisch Modernes Türkisch Ursprung arabisch türkisch persisch notwendig mühselig, schwierig Türk Dil Kurumu: Osmanlıcadan Türkçeye Cep Kılavuzu. Türk Dil Kurumu Yayınları, Ankara 2017, ISBN 978-975-16-3356-9, S. 237 Stadt Das letzte Beispiel zeigt im Übrigen, dass die Sprachreform auch paradoxe Ergebnisse hervorbringen konnte. So ist zwar ein Wort, das bereits im Alttürkischen gebraucht wurde und somit „urtürkisch“ ist, es ist aber auch im Alttürkischen bereits ein Lehnwort aus der sogdischen Sprache,Annemarie von Gabain: Alttürkische Grammatik. 1950, Glossar, S. 313. wo es lange vor dem Auftreten der ersten Türken in Städtenamen wie Marakanda (= Samarkand) belegt ist. Es gibt im Alttürkischen zwar auch ein eigenes Wort für ‚Stadt‘, nämlich , dies ist aber ein Homonym zu dem sehr gebräuchlichen türkischen Wort und wäre daher nicht eindeutig gewesen.Siehe Wortlisten bei Annemarie von Gabain: Chapter 17: Irano-Turkish Relations in the Late Sasanian Period. S. 617 ff. passim, dort S. 623, in: Ehsan Yarshater (Hrsg.): The Cambridge History of Iran. Bd. 3: Seleucid, Parthian and Sasanian Periods. Cambridge University Press, 1983.

Osmanisch und modernes Türkisch Eine genaue Trennlinie zwischen osmanischem und modernem Türkisch lässt sich nicht ziehen. Osmanisch basiert auf dem Anatolischtürkischen (Oghusisch) und nahm gegen Ende des 15. Jahrhunderts arabische und persische Elemente auf. Dazu zählen Vokabeln, Formantien und grammatische Strukturen des Arabischen und Persischen. Diese Formantien werden fast ausnahmslos an übernommenen arabischen und persischen Wörter angewendet; auch an den persischen und arabischen grammatischen Strukturen sind nur arabische und persische Vokabeln beteiligt. Es kommt auch vor, dass arabische und persische Sätze in osmanisch-türkisches Satzgefüge eingebettet auftauchen. Grundsätzlich ist es so, dass aus dem Arabischen stammende Formantien und Konstrukte ausschließlich mit arabischem Vokabular verwendet werden, aus dem Persischen stammende mit Vokabeln arabischer und persischer Herkunft. Keine vokabelmäßigen Einschränkungen bestehen für den Gebrauch genuin türkischer Formantien und Konstrukte. Ausnahmen bilden die ‚berühmten Fehler‘ ().

Eine Kategorie solcher ‚berühmter Fehler‘ wird dadurch gebildet, dass an einer Izafet-Verbindung türkische Wörter beteiligt werden. Die aus dem Persischen übernommene Izafet dient im Osmanischen dazu, Genitiv- und Adjektivattribute mit einem Nomen zu verbinden, wobei die an der Verbindung beteiligten Vokabeln ausschließlich aus übernommenen arabischen und persischen Wörtern bestehen. Ein Beispiel für einen derartigen ‚berühmten Fehler‘ ist das mit dem türkischen Wort gebildete Konstrukt , der offizielle Name der osmanischen Marine.

Die Schriftreform von 1928 ersetzte die arabische Schrift durch die lateinische. Die Gründung der Türk Dil Kurumu in den 1930ern, zu deren Aufgaben es gehörte, arabische und persische Elemente aus dem Türkischen zu entfernen, brachte nur eine langsame Änderung der türkischen Sprache mit sich. In der Juristensprache der Türkei herrschte noch bis Anfang dieses Jahrhunderts hinein ein osmanischer Stil mit reichlich arabischem Vokabular. Ähnlich sieht es auch in religiösen Texten aus. Arabische Wörter und Floskeln werden in türkische religiöse Reden noch heute weitreichend eingebunden. In der Alltagssprache hat sich die Sprache jedoch soweit geändert, dass heutige Generationen in Lateinschrift vorliegende osmanische Texte vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts kaum verstehen. Dies gilt auch für Texte von den 1930ern bis in die 1960er nach der Schriftreform.Korkut Buğday: Osmanisch. S. xvii, S. xviii, S. 69.

Eine Folge der Sprachreform war, dass mit der Entfernung arabischer und persischer Lehnwörter auch die Izafet-Konstruktion obsolet geworden ist. Als Beispiel wurde Schicksal im Osmanischen mittels der Izafet ausgedrückt (wörtlich: ‚die Vorherbestimmung des Göttlichen‘, also ‚göttliche Fügung‘). Das moderne Türkisch verwendet hingegen ausschließlich die auch im Osmanischen vorhandene Konstruktion mit Adjektiv .

Wenige ehemals mit der İzafet gebildete Wörter haben sich heute als eigenständige Vokabeln eingebürgert. Das sind aynı (‚gleich‘), bazı (‚manche‘), gayri (‚un-‘). Diese Wörter sind mit der İzafetendung verschmolzene Formen der arabischen Vokabeln , und . Beispiele für die ehemalige Bildung im Türkischen mittels İzafet: , heute , , heute , , heute , ‚in Unform‘.

Verschriftlichung