mini|hochkant=0.85|Alfons Pawelczyk (undatiert)

Alfons Franz Pawelczyk (* 26. Februar 1933 in Parnow, Landkreis Köslin; † 1. Juli 2026Traueranzeige im Hamburger Abendblatt vom 11. Juli 2026, abgerufen am 10. Juli 2026) war ein deutscher Politiker (SPD). Vor seiner politischen Karriere war Pawelczyk als Berufssoldat Offizier der Bundeswehr, zuletzt im Rang eines Majors. Von 1969 bis 1980 war er Mitglied des Deutschen Bundestages, 1980 wurde er Mitglied des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg. Er war von 1980 bis 1984 und 1986/87 Innensenator, von 1984 bis 1987 Zweiter Bürgermeister unter Klaus von Dohnanyi sowie von 1984 bis 1988 Bevollmächtigter Hamburgs beim Bund. Nach seinem Ausscheiden aus dem Senat blieb er bis 1991 Mitglied der Hamburger Bürgerschaft. Danach arbeitete er als Lobbyist und Berater.

Leben Pawelczyk wurde im Februar 1933 als Sohn eines schwer Kriegsversehrten des Ersten Weltkriegs im Kreis Köslin in Pommern geboren. Er wuchs in einem Internat auf. Im Jahr 1945 wurde er vor der heranrückenden Roten Armee in die westlichen Besatzungszonen evakuiert.

Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Pflegekind bei Bauern in Holstein; seinen Eltern begegnete er erst zwei Jahre später mithilfe des Deutschen Roten Kreuzes in einem Flüchtlingslager wieder. Am Internatsgymnasium Schloss Plön in Schleswig-Holstein legte er die Mittlere Reife ab. 1951/52 machte er eine Ausbildung im Berg-, Hoch- und Tiefbau.

Alfons Pawelczyk war evangelisch, Vater von drei Kindern und 66 Jahre lang mit seiner Frau Waltraud (geb. Wernau; † 2019) verheiratet.Todesanzeige im „Hamburger Abendblatt“ vom 11. Mai 2019.

Militärischer Werdegang Nach dem Dienst in der Bereitschaftspolizei Berlin von 1952 bis 1955 wechselte er 1956 als Soldat zum Heer der neu gegründeten Bundeswehr. Dort wurde er bis zum Major befördert. Er war während seiner aktiven Dienstzeit u. a. Lehrer an der Heeresoffizierschule II in Hamburg. Pawelczyk wurde wegen Übernahme des politischen Mandats 1969 in den Ruhestand versetzt und wurde damit zum Major außer Dienst.

Gleichzeitig mit seiner politischen Tätigkeit setzte er seinen militärischen Werdegang in der Laufbahn der Reserve fort und erreichte den Dienstgrad Oberst der Reserve.

Sonstige Tätigkeiten Von 1994 bis 2014 führte er die Alfons Pawelczyk Beratungsgesellschaft mbH in Hamburg. „Pawelczyk, Alfons“ in Munzinger Online/Personen - Internationales Biographisches ArchivHandelsregister, Amtsgericht Hamburg HRB 53897 Von 1991 bis 1999 war er Beauftragter von Daimler-Benz bzw. Daimler Chrysler für Bundesangelegenheiten.Hausmitteilung Betr.: Lobbyisten, Der Spiegel 43/1993 vom 25. Oktober 1993 Aus Altersgründen gab er die Tätigkeit 1999 an Dieter Spöri (SPD) ab. Handelsblatt vom 13. Januar 1999 1978 wurde er Aufsichtsratsmitglied der Studio Hamburg Atelierbetriebsgesellschaft mbH. Pawelczyk war bis 2018 Kuratoriumsmitglied des Hauses Rissen Hamburg – Institut für Internationale Politik und Wirtschaft.Vorstand und Kuratorium, wayback hausrissen.org, 11. März 2018. Er war Kuratoriumsmitglied der Stiftung Elbphilharmonie, stiftung-elbphilharmonie.de, abgerufen am 2. Februar 2017. und Beiratsvorsitzender der Stiftung zur Förderung der Technischen Universität Hamburg-Harburg., tuhh.de, abgerufen am 2. Februar 2017.

Mitgliedschaften Pawelczyk war Mitglied der im Jahr 1985 gegründeten Freitagsgesellschaft.Helmut Schmidt: Die späten Jahre, von Thomas Karlauf (2016)

Politik Partei Im Jahr 1961 trat er in die SPD ein. Dort übernahm er den Kreisverband Hamburg-Wandsbek. Außerdem wurde er Mitglied des Landesvorstandes der SPD Hamburg. Er wurde Vorsitzender des Hamburger Arbeitskreises Sicherheit und Mitglied des Sicherheitsausschusses beim SPD-Parteivorstand. Pawelczyk galt als Abrüstungs- und Verteidigungs-Experte seiner Partei.

Bundestagsabgeordneter In der 6.–9. Wahlperiode (1969–1980) saß Pawelczyk als Listen- (Platz 10), später Direktkandidat für den Wahlkreis Wandsbek (17.) bzw. Hamburg-Wandsbek (16.) im Deutschen Bundestag. Er erreichte 55,0 % (1972), 48,3 % (1976) und 54,5 % (1980) der Erststimmen. Pawelczyk war Ordentliches Mitglied des Verteidigungsausschusses und des Auswärtigen Ausschusses sowie Stellvertretendes Mitglied des Innenausschusses. Er war auch Mitglied der Nordatlantischen Versammlung, der Parlamentarischen Versammlung und der Versammlung der Westeuropäischen Union.

Er wurde Vorsitzender des Unterausschusses Abrüstung und Rüstungskontrolle und trat wegen der damaligen Bedrohung Deutschlands und Westeuropas durch sowjetische Mittelstreckenraketen nachdrücklich für den sogenannten NATO-Doppelbeschluss als Mittel außen- und sicherheitspolitischen Drucks auf Moskau ein, in dessen Spätfolge die beiden Supermächte am Ende tatsächlich die sogenannte „Doppelte Nullösung“ vereinbarten. In dieser Haltung rückte er auch nicht ab, als die SPD nach dem Ende der Regierungszeit des Bundeskanzlers Helmut Schmidt, des Urhebers des Doppelbeschlusses, von dessen Außen- und Sicherheitspolitik abrückte.

Arbeitsgruppen Pawelczyk leitete von 1977 bis 1980 die Studiengruppe Internationale Sicherheit der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik; sein Nachfolger wurde Egon Bahr. Außerdem war er Leiter des Gesprächskreises Sicherheit und Abrüstung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Er veröffentlicht in Fach- und Kulturzeitschriften wie Europa-Archiv, Merkur, Neue Gesellschaft und Sicherheit und Frieden.

Mitglied des Hamburger Senats Vom 26. November 1980 bis zum 13. Juni 1984 war er Innensenator der Freien und Hansestadt Hamburg, zunächst beim Ersten Bürgermeister Hans-Ulrich Klose und nach dessen Rücktritt 1981 bei Klaus von Dohnanyi. Im Zuge einer Senatsumbildung – bedingt durch den Rücktritt von Finanzsenator Jörg König – wurde er 1984 als Nachfolger von Helga Elstner Zweiter Bürgermeister (bis 1987). mini|Pawelczyk, Voscherau und der damalige Bundesratspräsident Bernhard Vogel 1988 in der ehem. Landesvertretung der Freien und Hansestadt Hamburg (Bonn) Außerdem wurde er von 1984 bis 1988 als Hamburger Bevollmächtigter beim Bund nach Bonn entsandt und man übertrug ihm das Senatsamt für den Verwaltungsdienst. Nachdem sein Nachfolger im Innenressort Rolf Lange in der Folge des sogenannten „Hamburger Kessels“ und der Morde von Werner Pinzner im Polizeipräsidium zurücktreten musste, wurde er neben seinen Ämtern zusätzlich vom 7. August 1986 bis zum 2. September 1987 in die Innenbehörde entsandt. Unmittelbar nach der Rücktrittsankündigung des Ersten Bürgermeisters erklärte auch Pawelczyk zum 31. Mai 1988 seinen Abschied.

Pawelczyk begründete im Jahr 1982 die sogenannte Fachdirektion 65 der Hamburger Polizei zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität, die zu dem Zeitpunkt bundesweit einmalig war.Hans Jakob Ginsburg: Politik, Pistolen und Polizisten. In: Die Zeit, Nr. 33/1986

Bürgerschaftsabgeordneter Von 1982 bis 1991 war Pawelczyk Mitglied der Hamburger Bürgerschaft, wobei sein Abgeordnetenmandat während der Senatszeit ruhte (1982–1988).

Kontroversen Im September 2021 erwirkte die Staatsanwaltschaft Köln einen Durchsuchungsbefehl bei Pawelczyk wegen des Anfangsverdachts der Begünstigung zur Steuerhinterziehung. Hintergrund ist, dass Pawelczyk ein Treffen von Vertretern der M.M.Warburg & CO mit Olaf Scholz arrangiert hatte. Jene Bank hatte zuvor Wahlkampfspenden in Höhe von 45.500 Euro an die Hamburger SPD überwiesen. Das Anliegen der Bank war es, im Zuge von Cum-Ex-Geschäften zu Unrecht bewilligte Steuererstattungen in Höhe von 47 Millionen Euro nicht an den Hamburger Fiskus zurückzuerstatten zu müssen.

Siehe auch Mitglieder des Deutschen Bundestages (6., 7., 8., 9. Wahlperiode) Mitglieder der Hamburgischen Bürgerschaft (10., 11., 12., 13. Wahlperiode) Senat Klose II – von Dohnanyi I, II, III, IV – Innensenatoren von Hamburg – Hamburger Bürgermeister

Literatur Kürschners Volkshandbuch: Deutscher Bundestag 8. Wahlperiode

Rudolf Vierhaus, Ludolf Herbst (Hrsg.), Bruno Jahn (Mitarb.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages. 1949–2002. Bd. 2: N–Z. Anhang. K. G. Saur, München 2002, ISBN 3-598-23782-0, S. 633–634.

Weblinks

Ergebnisse zu Alfons Pawelczyk beim sozialwissenschaftlichen Fachportal Sowiport Ich orientiere mich an der Basis. In: Die Zeit, Nr. 42/1971

Einzelnachweise

Kategorie:Bürgermeister (Hamburg) Kategorie:Hamburger Senator (20. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft Kategorie:Bundestagsabgeordneter (Hamburg) Kategorie:Mitglied des Verteidigungsausschusses (Deutscher Bundestag) Kategorie:Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats für Deutschland Kategorie:Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der WEU Kategorie:Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der NATO Kategorie:SPD-Mitglied Kategorie:Oberst (Heer der Bundeswehr) Kategorie:Polizist (Berlin) Kategorie:Person (Daimler AG) Kategorie:Publizist Kategorie:Innensenator (Hamburg) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1933 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann