mini|Ansicht der Kreuzkirche von Norden mini|Kreuzkirche
Die Kreuzkirche im Hammer Stadtbezirk Bockum-Hövel ist eine evangelische Gemeindekirche und bildet den Gemeindebezirk I der Kirchengemeinde Bockum-Hövel. Sie entstand als Reaktion auf die stark gewachsene Zahl evangelischer Christen in den Dörfern Bockum, Hövel und der Zechenkolonie der Zeche Radbod. Der Kirchenbau von 1912 steht seit 1985 auf der Liste der Baudenkmäler der Stadt Hamm. Die Denkmaleigenschaft erstreckt sich auf die Architektur und den derzeitigen Baubestand der Kirche.
Geschichte der Kirche und ihrer Gemeinde Vorgeschichte der evangelischen Kirche in Bockum-Hövel Ortsheimatpfleger Arthur Schauerte berichtet in seinen zur Kriegszeit herausgegebenen Heimatbriefen, dass während der Reformationszeit, namentlich im Jahre 1534, der Besitzer von Haus Ermelinghof, Gert von Galen, zusammen mit seiner Frau Mechthild von Korf zur Lehre Martin Luthers übertrat. Sein Bruder, der Dom- und Kirchherr war, hatte ihn dazu bewogen. Dieser stand seinerseits unter dem Einfluss des damaligen Bischofs von Münster, Franz von Waldeck (1532–1552), der die Täufer niedergeworfen hatte und als Befürworter der Reformation galt. Um 1550 trat auch Gerts Sohn Dietrich von Galen dem lutherischen Glauben bei. Die bis dahin katholisch geprägte St. Pankratiuskirche in Hövel wurde daraufhin fast 80 Jahre lang – bis zum Jahr 1617 – lutherisch.
Die lutherischen Pfarrer, die zu dieser Zeit dort tätig waren, sind noch heute namentlich bekannt.
1563 wurde ein Prediger namens Johann oder Theodor aus der Familie Brechte nach Hövel berufen. Er war mit einer N. von Plönnies aus Münster verheiratet. 1564 wurde er nach Hamm versetzt.
Darauf folgt zusammen mit seiner Frau ein ehemaliger Dominikanerprediger aus Göttingen, der je nach Quellenlage Johannes Hard, Johannes Hardt oder Johann Hardius genannt wird. Hard war von seinem Kloster in Dortmund nach Göttingen geschickt worden, wo er eine Frau namens Margarete Wollers heiratete. Er nahm gravierende Veränderungen im liturgischen Ablauf vor, indem er das Messbuch veränderte, die Lieder auf Deutsch singen ließ u. ä. Bald erwarb er sich einen Ruf als guter Sänger und Prediger, so dass auch die Bürger aus dem benachbarten Hamm in der Grafschaft Mark an Sonn- und Feiertagen nach Hövel kamen, um ihn zu hören. Um dies zu verhindern, ließen die Stadtoberen von Hamm an diesen Tagen das Nordentor schließen. Der Bürgermeister von Hamm allerdings war ihm sehr zugetan und holte ihn als Prediger nach Hamm. Dort bewohnte er zusammen mit seiner Frau den neben dem Franziskanerkloster Hamm liegenden St.-Annen-Hof. Das Paar bekam dort einige Kinder. Später wurde Hard durch Intrigen vom Rat in Hamm abgesetzt und verstarb wenig später in Bremen.
Zwischen 1575 und nachweislich 1586 war Biter von Galen auf Haus Ermelinghof evangelischer Pastor in Hövel. Er war ein Neffe des Gert von Galen und Sohn des Jobst von Galen. In den Akten des Hauses Ermelinghof, die im Staatsarchiv zu Münster aufbewahrt werden, findet sich eine Urkunde mit Wachssiegel, die die Amtseinsetzung des Pastors bestätigt. Danach musste die Äbtissin des Klosters Kentrop, eine Margarete von Galen, die als rechte Lehnsfrau des Pfarrers in Hövel bezeichnet ist, zur Amtseinsetzung des Hövelers Pastors ihre Zustimmung geben. Dieser wurde dann durch den Archidiakon Durus Schmising am 9. November 1575 eingesetzt.
1591 ist Georg von Galen, Sohn des Hammer Bürgers Philipp von Galen, der im genannten Jahr sein Kurator war, Pastor in Hövel. Für das Jahr 1616 wird als Pastor in Hövel ein Henrik oder Henrich Brink genannt.
Im Jahre 1618 begann der Dreißigjährige Krieg. Die Gegenreformation erfasste die Region. In diesem Jahr starb mit Theodor Warensbergh der letzte lutherische Pastor in Hövel. Die Pfarrstelle war danach vermutlich über mehrere Jahre unbesetzt. Schließlich setzte Münster den katholischen Pfarrer Theodor Baggel ein. Dieser fand das Pastorat als ein altes, baufälliges, leeres Haus vor, welches von den Soldaten verwüstet worden war. Er beklagte das Fehlen von Monstranz und Leuchter, Fahnen und Weihkessel. Unter Bischof Ferdinand von Bayern (1612 bis 1650) wurden die evangelischen Einflüsse mehr und mehr zurückgedrängt. Das Münsterland wurde wieder katholisch.
Mit Alexander von Galen und seinen Angehörigen kehrte im Jahre 1652 die Familie von Galen zu Ermelinghof zum katholischen Glauben zurück. Veranlasst worden war dies durch einen Verwandten Alexanders, den münsterischen Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen (auf Haus Bisping).
Daraufhin lebten bis in das 19. Jahrhundert hinein nur noch sehr wenige Christen des evangelisch-lutherischen Bekenntnisses im Kreis Lüdinghausen, zu dem Bockum-Hövel gehörte. Anfang des 19. Jahrhunderts zählte die Evangelische Kirche in Preußen vor Ort gerade einmal 460 Menschen als Mitglieder. Wegen der schwierigen Verkehrsverbindung zur Kreishauptstadt, zu der die evangelischen Gläubigen auch kirchlich gehörten, erfolgte die seelsorgerische Betreuung von der 1860 gegründeten evangelischen Kirchengemeinde Ahlen aus. Seit 1824 existierte allerdings auch eine zur unierten Gemeinde zusammengefassten Kirchengemeinde Hamm, die ihre Gottesdienste in Schulräumen, Gaststätten und teilweise in Privaträumen abhielt und im Laufe der Zeit mehr und mehr an Bedeutung gewann.
Erst als in Radbod der Schacht abgeteuft wurde, kamen aus allen Provinzen Deutschlands und aus dem Ausland (Polen, Ungarn und Italien) Menschen verschiedener Glaubensbekenntnisse. Auch Bockum-Hövel selbst wurde durch diese Entwicklung geprägt. Im April 1908 wurden die beiden Ortschaften als Amt Bockum-Hövel zusammengeführt. Am 1. April 1939 wurden sie zur amtsfreien Gemeinde Bockum-Hövel vereinigt; 1956 erhielten sie Stadtrechte.
Entstehung der evangelischen Kirchengemeinde Radbod mini|links|Kreuzkirche Um 1900 gab es in Bockum-Hövel etwa 460 evangelische Personen, die von Ahlen und Hamm aus seelsorgerisch betreut wurden. Im Juni 1908 hatte die noch unselbstständige Gemeinde 800 Mitglieder. Im November desselben Jahres waren es schon mehr als 2000.
Nach Abteufen von Schacht 1 durch die Bergwerksgesellschaft Trier in Hövel wurden ausgedehnte Arbeitersiedlungen errichtet; zum Teil konnte dort auch Eigentum erworben werden. Im Jahre 1907 beschloss die Zechenverwaltung, auf ihrem Gelände (heutige Friedrich-Ebert-Straße Nr. 1) ein Gebäude errichten zu lassen, das sie kostenlos als Notkirche zur Verfügung stellte. Mit großer Unterstützung seitens der Zeche Radbod konnte die erste evangelische Notkirche an der heutigen Friedrich-Ebert-Straße am 22. November 1907 (alternative Angabe: 22. Dezember 1907) eingeweiht werden. Daraufhin beauftragte die Kirchengemeinde Hamm den Hilfsprediger Pastor Karl Niemann mit der Betreuung der evangelischen Zechenangehörigen. Er hielt an jedem zweiten Sonntag in der Notkirche den Gottesdienst. Zum 1. Dezember 1907 wurde in einem Wohnhaus, das die Zechenleitung zur Verfügung gestellt hatte, ein „Betsaal“ eingeweiht.
Nach dem schweren Grubenunglück auf der Zeche Radbod vom 12. November 1908, dem 348 (andere Angabe: 350) Bergleute zum Opfer fielen, stellte die Zechenverwaltung Pastor Niemann ab dem 1. Dezember 1908 eine Wohnung in einem Steigerhaus der bereits bestehenden Zechenkolonie (Hammer Straße 129, später Rautenstrauchstraße 8) zur Verfügung, wo er bis 1910 blieb. Dadurch konnte ein geregeltes Gemeindeleben mit sonntäglichem Gottesdienst, regelmäßigem kirchlichen Unterricht und seelsorgerlicher Betreuung aufgenommen werden.
Wenn auch schon ab 1907 eigene Kirchenbücher geführt wurden, war die Gemeinde doch noch nicht selbstständig. Erst nach und nach wurden die dazu nötigen Unterlagen geführt. Das Totenregister der Gemeinde beginnt ab August 1907, das Trau- und Taufregister 1908, das Konfirmationsregister 1909; die erste Konfirmation konnte am 28. März 1909 gefeiert werden. Zur Vertretung der Gemeinde und zur Beratung wichtiger Fragen wurde laut Pastor Wiehe eine „Spezial-Repräsentation von sechs Männern unter dem Vorsitz des Hilfsgeistlichen“ bestellt. Namentlich waren dies Markenkontrolleur Jung, Fahrsteiger Stenzel, Fahrhauer Görke, Schreinermeister Brockmann, Bergmann Malessa und Bergmann Lohsträter. In dieser Zeit wurden auch ein Frauenverein und ein Kirchenchor (Männerchor) gegründet.
Zwischen 1908 und 1910 war Bergmann Schroth als erster Küster der Gemeinde tätig; sein Sohn Hermann ist 1908 ebenfalls auf der Zeche verunglückt. Im Herbst 1909 erging der Beschluss zur Gründung einer eigenen Kirchengemeinde.
September 1910 siedelte Pastor Niemann nach Girkhausen (Kreis Wittgenstein) über, wo er eine Pfarrstelle übernahm. Am 8. Oktober 1910 wurde Pastor Wilhelm Wiehe (1911–1927) sein Nachfolger. Er wohnte in der Hagenstraße 2 in einer Steigerwohnung. Zunächst versah er als Hilfsprediger der Gemeinde Hamm seinen Dienst. Bald jedoch wurde er zur Triebfeder der Gründung einer eigenen Gemeinde. Am 1. Juli 1911 konnte die Kirchengemeinde Radbod gegründet werden. Ihr Wirkungskreis war das Amt Bockum-Hövel. Sie wurde am 11. Juli 1911 amtlich anerkannt und umfasste etwa 3.000 Menschen. Am 26. Juli wurden 32 Repräsentanten gewählt, von denen die ersten acht zu Mitgliedern des Presbyteriums bestimmt wurden. Nach Gründung der evangelischen Kirchengemeinde Radbod wurde Wilhelm Wiehe am 6. September 1911 einstimmig zum Pastor gewählt und am 3. Dezember in sein Amt eingeführt. 1911/12 kam es auch zur Errichtung der beiden evangelischen Schulen in Hövel und in Bockum, nachdem zuvor eine Baracke als provisorisches Schulgebäude genutzt worden war.
Der erste Direktor der Schachtanlage, Heinrich Janssen, der aus Friesland stammte, hatte seine Zeche nach dem Friesenkönig Radbod benannt. Damit erinnert sie ausgerechnet an einen militanten germanischen Gegner des christlichen Glaubens, denn der friesische König Radbod hatte sich den fränkisch-christlichen Missionierungsbestrebungen bis zu seinem Tode erbittert widersetzt.
Der Bau der Kreuzkirche mini|Kreuzkirche Bereits 1908 zeichnete sich ab, dass die Notkirche, die nur 80 bis 100 Personen fasste, der stetig weiter wachsenden Gemeinde auf lange Sicht nicht genügend Platz bieten konnte. Deshalb wurde am 17. Juni 1908 der „Evangelisch-Kirchliche Bauverein“ gegründet. Vorsitzender wurde Bergassessor Walter André. Dieser setzte sich zum Ziel, zeitnah ein Gotteshaus und ein Pfarrhaus zu errichten. Die Bergwerksgesellschaft wurde erneut tätig und schenkte dem Verein ein Grundstück als Bauplatz für die neue Kirche. Es lag im Hülsen, einem Waldstück, das heute als Zechenbusch bekannt ist. Die Zeche Radbod unterstützte den Kirchbau zusätzlich mit 20.000 Mark (ℳ) Startkapital. Spenden erhöhten das Vermögen innerhalb von vier Jahren auf 60.000 ℳ, was damals genug war, um mit der Verwirklichung des Kirchenbaus zu beginnen.
Der Bauplatz lag innerhalb der Zechenkolonie. So verwundert es nicht, dass der Architekt, Baurat Karl Siebold aus Bethel bei Bielefeld, der seit 1906 mit der Errichtung der ausgedehnten Bergarbeitersiedlung Radbod befasst war, auch mit der Planung der Kirche beauftragt wurde. Nach dem Urteil seines Biografen war Karl Siebold seit den achtziger Jahren bis nach 1900 der meistbeschäftigte Architekt der evangelischen Kirche in Westfalen.Althöfer, S. 25 Er hat insgesamt 36 Kirchen und acht Kapellen gebaut und weitere 53 Gotteshäuser erweitert oder umgebaut. Zudem hat er Pläne für weitere 37 Kirchen hinterlassen, die nicht verwirklicht worden sind. Der vom Historismus des späten 19. Jahrhunderts geprägte Siebold hat in seinen späteren Werken zu einem historisierenden Jugendstil gefunden.