mini|hochkant=1.25|Marktplatz mit Rathaus und Sorbenbrunnen (2007)

Hoyerswerda, (umgangssprachlich Hoywoj oder Hoywoy) ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Bautzen im Freistaat Sachsen. Die drittgrößte Stadt der Oberlausitz liegt etwa 35 km südlich von Cottbus und 55 km nordöstlich von Dresden im sorbischen Siedlungsgebiet. Die Stadt ist Teil des Oberzentralen Städteverbundes aus Bautzen, Görlitz und Hoyerswerda.

Die Siedlung, die 1423 das Stadtrecht erhielt, existierte vermutlich seit dem 12. Jahrhundert. Allerdings blieb Hoyerswerda bis in die 1950er Jahre eine Kleinstadt. Erst mit dem Ausbau der Braunkohleabbau-, -verarbeitungs- und -veredelungsstandorte des „Energiebezirks“ Cottbus nach der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg erfuhr Hoyerswerda große städtebauliche Erweiterungen. Die Bevölkerung verzehnfachte sich von etwa 7000 Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg auf über 70.000, die überwiegend in Wohnkomplexen aus Plattenbauten untergebracht waren. Nach der deutschen Wiedervereinigung setzte ein starker Bevölkerungsrückgang ein. Im Jahr 1991 lenkten die rassistisch motivierten Ausschreitungen in Hoyerswerda bundesweite und internationale Aufmerksamkeit auf die Stadt. Durch großflächige Eingemeindungen in den 1990er Jahren wurde die Stadtfläche vergrößert, die Einwohnerzahl betrug Ende 2021 rund 31.300.

Geographie Geographische Lage Hoyerswerda liegt am südlichen Rand des Lausitzer Seenlandes, das sich im Land Brandenburg beginnend in südöstlicher Richtung durch Ostsachsen zieht. Der höchste Punkt von Hoyerswerda liegt , der tiefste (ohne Bauwerke). Die Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt in Nord-Süd-Richtung 9 Kilometer und in Ost-West-Richtung 19 Kilometer.

Auf dem Stadtgebiet befinden sich die Landschaftsschutzgebiete Lauta-Hoyerswerda-Wittichenau (d 51), das Elstergebiet um Neuwiese (d 52), das Naherholungsgebiet Hoyerswerda (d 53) und der Spannteich Knappenrode. Naturschutzgebiete in der Nähe sind das Dubringer Moor südwestlich und der Knappensee (d 54) südöstlich von Hoyerswerda. Als geschützter Landschaftsbestandteil ist der Werderbereich Dörgenhausen klassifiziert.

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind (von Norden in Uhrzeigerrichtung) Elsterheide, Spreetal, Lohsa und die Städte Wittichenau, Bernsdorf und Lauta.

Hydrologie Unter den Gewässern 1. Ordnung mündet von Süden kommend zuerst das Hoyerswerdaer Schwarzwasser in den südöstlich von Wittichenau beginnenden Schwarze-Elster-Kanal, wenig später die ursprüngliche Schwarze Elster. Diese teilt sich in die Alte Elster, welche wiederum vereinigt mit dem Kossackgraben in Neuwiese in den Altlauf der Schwarzen Elster einmündet. Des Weiteren befinden sich der Bröthener See, der Gondelteich und Teile des Scheibe-Sees im Stadtgebiet.

Folgende Gewässer 2. Ordnung befinden sich in Hoyerswerda und seinen Ortsteilen. Hoyerswerda Thrunegraben Winkelgraben Waldgraben Neidaer Graben Feldgraben Erlengraben Schweißgraben Wudra Hochwasserentlastungsgraben Büschingsgraben Vincenzgraben Schwarzer Graben Kossackgraben OT Knappenrode Schwarzer Graben OT Bröthen/Michalken Mühlgraben Alter Wuschkgraben Wuschkgraben Humenkgraben Truschkagraben Pantschelgraben Grenzgraben Winkelgraben Michalkener Mühlgraben Dorfgraben und Zuleiter Stichgraben Waldgraben A Waldgraben B Feldgraben Poschergraben Quellgraben OT Dörgenhausen Vincenzgraben Erlengraben Waldwiesengraben Adlergraben Feldgraben Mittelteichabflussgraben Schwarzwasser Milaschgraben Citroigraben Bahnhofsgraben Landwehrgraben Grenzgraben Michalkener Mühlgraben OT Zeißig Dorfgraben Büschingsgraben OT Schwarzkollm Schleichgraben Leipper Mühlgraben Graben C Westschweißgraben Ostschweißgraben Kleinlaubuscher Graben Steinteichgraben Grenzgraben Mittelwiesengraben A Mittelwiesengraben B Petzerberggraben Dorfgraben Feuerlöschteichgraben Wiesengraben Weihergraben Koselbruchgraben Schwarzkollmer Mühlgraben Poschergraben Zuleiter Petzerberggraben Wuschkwiesengraben

Mit dem Rückgang der Braunkohleproduktion und der Stilllegung von Gruben geht die Einstellung der Tagebauentwässerung einher. Daher muss das Grundwasser im Stadtgebiet ständig gehoben und über einen Graben abgeleitet werden. Das System besteht aus drei Horizontalfilterbrunnen, einem rund fünf Kilometer langen Leitungsnetz und dem offenen Westrandgraben, der am Rande von Hoyerswerda beginnt und hinter Nardt endet.

Hoyerswerda liegt im Lausitzer Urstromtal. Der Grundwasserspiegel war lange Zeit flurnah, das Gebiet hatte Auencharakter. Während der ursprünglichen Bebauung im alten Kern der Stadt mit Häusern ohne Unterkellerung sowie oberirdisch angelegten Entwässerungsgräben wurde dies von den damaligen Baumeistern berücksichtigt. Mit dem Aufschluss von Braunkohlentagebauen – auch in der Umgebung von Hoyerswerda – zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Grundwasserspiegel um die Gruben herum abgesenkt, um die Kohle gewinnen zu können. In den 1960er Jahren kamen darüber hinaus Filterbrunnenentwässerungssysteme dazu, die eine Absenkung des Grundwasserspiegels um weitere zwei bis vier Meter bis auf ein Niveau zum Teil weit unter 114 m Höhennull (HN) zur Folge hatte. 1958 wurde eine verbindliche Höhenordinate von 114 m HN für neue Bauten festgelegt, ohne den vorbergbaulichen Zustand hinreichend zu beachten. Beim Aufbau der Plattenbauten in der Neustadt wurden ehemalige Gräben verfüllt und die Häuser mit Kellern gebaut. Diese wären nun durch Grundwasser bedroht.

Klima mini|Niederschlagsdiagramm

Die Wetterstation Hoyerswerda liegt am nördlichen Stadtrand im Flussgebiet der Schwarzen Elster. Der durchschnittliche Jahresniederschlag der Jahre 1961 bis 1990 beträgt 623 mm und liegt damit außer im Monat August unter dem deutschen Durchschnitt. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im August.

Stadtgliederung Hoyerswerda gliedert sich in die Alt- und Neustadt sowie folgende Ortsteile (die Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember 2020): Bröthen/Michalken (obersorbisch Brětnja/Michałki), 1337 Einwohner Dörgenhausen (Němcy), 687 Einwohner Knappenrode (Hórnikecy), 667 Einwohner Schwarzkollm (Čorny Chołmc), 793 Einwohner Zeißig (Ćisk), 975 Einwohner

Die Neustadt gliedert sich in 14 Stadtteile: Wohnkomplex I bis VII, Wohnkomplex VIII und IX (Wohngebiet „Kühnichter Heide“), Wohnkomplex X (Wohngebiet „Seidewinkel“), Stadtzentrum, Kühnicht (Kinajcht), Grünewaldring und Gondelteich.

Die Altstadt gliedert sich in 9 Stadtteile: Neida (Nydej) (bestehend aus Groß Neida und Klein Neida), Dresdner Vorstadt, Am Bahnhof, Am Stadtrand, An der Neupetershainer Bahn, An der Thrune, Innere Altstadt, Senftenberger Vorstadt und Spremberger Vorstadt.

Geschichte Ortsname mini|upright=1.1|Zweisprachige Ortstafel mit deutschem und sorbischem Stadtnamen (2023) mini|upright=1.1|Verwendung der Bezeichnung „Hoywoy“ in einer gemeinsamen Aktion der Stadt und der sächsischen Polizei

Der Name Hoyerswerda, zuerst 1268 als Hoyerswerde belegt, setzt sich zusammen aus dem Personennamen Hoyer (mhdt. hô(h)-gêr „hoch“ und „Speer“) und der Ortsbezeichnung Werd, eine Insel im Fluss oder Erhöhung in feuchter Niederung. Die Endung -a erscheint erst ab dem 16. Jh. in der Schriftsprache, als gelehrte Angleichung an lateinische Ortsnamen auf -a. Hoyer von Friedeburg war der erste bekannte Besitzer der Burg Hoyerswerda.Hoyerswerda. In: Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Hg. v. Ernst Eichler u. Hans Walther. Band I: A – L. Berlin 2001. S. 442.

Im Obersorbischen heißt die Stadt , im Niedersorbischen , auf , in polonisierter Form auch Wojrowice, auf ; allerdings wird sie in Polen und Tschechien zumeist mit dem deutschen Namen bezeichnet. Der sorbische Name ist vom deutschen abgeleitet. Dem Personennamen Hoyer wurde dabei, typisch für sorbische Wörter mit o- am Anfang, ein w- vorangestellt (h neigt im Sorbischen zum Schwund). Der Ortsname wurde dann mit der Endung -ecy abgeleitet, die ursprünglich als Kollektivum „die Leute der [Person X]“ bezeichnet. Die Endung entspricht also nicht dem deutschen -werda.Hoyerswerda. In: Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Hg. v. Ernst Eichler u. Hans Walther. Band I: A – L. Berlin 2001. S. 442.

Umgangssprachlich wird Hoyerswerda meist mit dem Silbenwort Hoywoy bzw. Hoywoj abgekürzt, gebildet aus den Anfangssilben des deutschen und sorbischen Ortsnamens. Seit Mitte der 1990er Jahre führt Hoyerswerda den Beinamen Konrad-Zuse-Stadt, der jedoch nicht Bestandteil der amtlichen Schreibweise ist.

Historischer Überblick Das Gebiet von Hoyerswerda lag außerhalb des Oberlausitzer Altsiedelgebiets zwischen Löbau und Kamenz, wo sich um 700 die slawischen Milzener niedergelassen hatten. Die Niederung der Schwarzen Elster war seit dem Teilabzug der Germanen mit der Völkerwanderung schwach besiedelt. Erst im 12. und 13. Jahrhundert wurde das Gebiet um Hoyerswerda im Zuge der zweiten Phase des mittelalterlichen Landesausbaus besiedelt. Ein großer Teil der Kolonisten, die hier neue Dörfer anlegten, waren Sorben aus den südlicheren Gebieten der Oberlausitz. Archäologische Grabungen im Bereich des Schlosses haben in den 1980er Jahren Hinweise erbracht, dass die erste Burg an dieser Stelle wohl schon vor 1200 errichtet wurde. In einer Urkunde des Bischofs von Meißen aus dem Jahr 1225 wird eine Kirche in Hoyerswerda erwähnt. 1268 wird Hoyerswerda in der Oberlausitzer Teilungsurkunde der Markgrafen von Brandenburg genannt. Sie ordnete die westliche Hälfte der Herrschaft Hoyerswerda dem Land Budissin zu, während die Osthälfte zum Land Görlitz kam.Codex diplomaticus Lusatiae superioris. Sammlung der Urkunden des Markgrafthum Oberlausitz, Teil I, Band 1, Nr. 58. Görlitz 1851. Erster bekannter Besitzer von Burg und Herrschaft war der 1272 urkundlich erwähnte Hoyer von Vredeberg.

mini|Schloss Hoyerswerda (2012) Der Ort entwickelte sich nur langsam, weil er abseits der großen Handelsrouten lag. Seine Bevölkerung war fast durchweg bäuerlich, darunter waren nur wenige Handwerker, die für den lokalen Bedarf und für die Bewohner der herrschaftlichen Burg produzierten. 1353 kaufte Kaiser Karl IV. die Herrschaft Hoyerswerda den Grafen Johann und Günther von Schwarzburg ab, um auf diese Weise die böhmische Herrschaft über die Lausitzen zu verstärken. Finanziert wurde dieser Kauf von den Mitgliedern des Sechstädtebundes. 1371 verlieh der Kaiser Hoyerswerda das Marktrecht, kurz darauf verpfändete er die Herrschaft an seinen Hofmarschall Thimo VIII. von Colditz. 1382 bekam Benesch von Dauba Hoyerswerda von König Wenzel als erbliches Lehen. Heinrich von Dauba verlieh Hoyerswerda 1423 das Stadtrecht und das Recht der freien Ratswahl.Urkunde abgedruckt in: Benjamin Gottfried Weinart: Neue Sächsische Historische Handbibliothek, Theil 2. Leipzig 1784, S. 228. Hoyerswerda blieb bis zum Ende der alten ständischen Ordnung in der Oberlausitz (1815) eine grundherrliche Stadt, das heißt, die Bürgerschaft musste Abgaben an den Besitzer der Herrschaft entrichten und sie war nicht auf den Landtagen vertreten.

Heinrich von Duba lag oft im Streit mit Kurfürst Friedrich von Sachsen; dieser ließ 1430 Hoyerswerda von seinen Truppen besetzen, es wurde aber bald an die Oberlausitz zurückgegeben. Neuer Herr wurde Friedrich von Schönburg, der das heimgefallene Lehen 1437 von Kaiser Sigismund gekauft hatte. Mitte des 15. Jahrhunderts war Hoyerswerda eine kleine Ackerbürgerstadt und Nahmarkt für die Umgebung. Der Kaiser hatte der Stadt 1437 noch einen Jahrmarkt verliehen. 1449 wurde das dreigeschossige steinerne Rathaus fertiggestellt. Rechtlich war die Stadt in die Viertel unter der Jurisdiktion des Rates und das herrschaftliche Burglehn geteilt, in denen die Burgmannen ihre Häuser hatten.