Der Schultheiss war ab Mitte des 14. Jahrhunderts das Oberhaupt im Stande Solothurn. Er hatte den Vorsitz in den Räten, im Gericht und im Kriegsrat, und ihm war die Stadtwache unterstellt.
Geschichte Die namentliche Einordnung der Solothurner Schultheissen (Stadtvorstehern) kann in drei zeitliche Perioden unterteilt werden:
Periode der Reichsvögte: Der Schultheiss wurde vom jeweiligen Reichsvasallen, dem regionalen Stellvertreter des deutschen Kaisers, eingesetzt. Bis zur Periode der Zähringer gibt es keine Überlieferung, unter den Zähringern (bis 1218) dann ist ein einziger Name bekannt: Albertus Causidicus, übers. Rechtsvertreter – er war im Schultheissen-Amt wie viele seiner Nachfolger auch Richter.K.E. Schuppli: Stadtverfassung von Solothurn (im Mittelalter), Basel 1897, S. 31
Periode der Reichs-Unmittelbarkeit: Der Schultheiss wurde ab 1218 vom Reich direkt eingesetzt. Die Überlieferung ist lückenhaft, bis 1252 sind nur die Vornamen der Schultheissen überliefert, die Zuweisung zu Familien erfolgte später und ist unsicher.
Mit Hugo von Buchegg, nachfolgend ebenfalls Schultheiss, trat eine Änderung ein: Kaiser Heinrich VII. ernannte ihn 1313 aufgrund seiner Kriegs-Verdienste für das Reich zum Reichsvasallen und verpfändete ihm und seinen Nachfahren das Schultheissen-Amt, in das sie auch Dritte einsetzen durften. Es wurde also hier vorübergehend wieder eine Art Reichsvogt zwischengeschaltet:K.E. Schuppli: ebendort, S. 84 f. und 156
Periode der von der Bürgerschaft gewählten Schultheissen: Das Schultheissen-Wahlrecht ging dann ab circa 1344 durch Erbgang an die Stadt-Bürgerschaft über.
Die Amtszeit dauerte von 1451 bis 1644 zwei Jahre, ab 1644 ein Jahr. Nach Beendigung der Amtszeit wurde der abtretende Schultheiss Altschultheiss und damit Stellvertreter des Schultheissen. Häufig besetzte dieselbe Person über längere Zeit abwechselnd das Amt des Schultheissen und des Altschultheissen. Verstarb ein Schultheiss im Amt, übernahm bis 1652 der Altschultheiss die Geschäfte bis zum Ende der Amtszeit; ab 1652 wurde sofort ein neuer Schultheiss gewählt. Das Amtsjahr begann bis 1797 am 24. Juni (St. Johann Baptist), ab 1803 am 1. Januar. Mit dem Einfall der Franzosen am 2. März 1798 wurde das Amt vorübergehend aufgehoben, mit der Mediation 1803 aber wieder eingeführt, am Ende der Restauration 1831 dann endgültig abgeschafft.
Liste der Schultheissen Die Liste stützt sich auf das Historisch-biographische Lexikon der Schweiz und für den Zeitraum 1325–1500 auf die Liste von Sigrist im Anhang des Artikels Grans (1954). Die Schreibweise der Namen richtet sich nach dem Historischen Lexikon der Schweiz, soweit sie dort zu finden sind. Die Jahresangaben beziehen sich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts auf das Amtsjahr, 1327/28 z. B. meint den Zeitraum vom 24. Juni 1327 bis zum 24. Juni 1328,Die Jahreszahlen im HBLS beziehen sich offenbar auf das Amtsjahr, das in diesem Jahr beginnt, wie der Vergleich mit der Liste von Sigrist zeigt; die Jahre 1494, 1495 bei Niklaus Conrad z. B. meinen die zwei Amtsjahre 1494/95 und 1495/96 1465/67 meint die zweijährige Amtszeit vom 24. Juni 1465 bis zum 24. Juni 1467. Massgebend für die geraden oder ungeraden Jahre ab 1644 ist das Jahr, in dem die Amtszeit beginnt (1764/65 = gerades Jahr, 1765/66 = ungerades Jahr).
Name Amtszeit Bemerkungen 1182 erwähnt 1227 erwähnt Zuschreibung zur Familie der Riche zweifelhaft 1235 erwähnt Nur im Artikel Riche von Sigrist erwähnt, nicht im HBLS 1249, 1250, 1252 erwähnt Sehr wahrscheinlich nicht Heinrich von Attiswil, wie bei Haffner und im HBLS aufgeführt, evtl. ein Heinrich aus der Familie der Riche 1268 erwähnt 1270, 1271 erwähnt 1281 erwähnt 1288 erwähnt 1290 erwähnt Im HBLS zwei Eintragungen, laut Sigrist dieselbe Person: 1295, 1308, 1313, 1323–1325 erwähnt, 1325/26, 1334/35 1313, 1314 erwähnt 1315 erwähnt «Der erste bedeutende Reisläufer Solothurns» 1316 erwähnt 1326/27 Statthalter 1327/28 1328/29–1333/34, 1336/37–1339/40 Die von Dürrach verfolgen eine eher bernfreundliche Politik Haffner und HBLS schreiben Durrach 1335/36, 1346/47 1340/41–1345/46, 1347/48, 1357/58–1360/61, 1363/64, 1367/68, 1369/70–1371/72 In seiner Amtszeit geht das Schultheissenwahlrecht an die Stadt über. Wahrt Distanz zu Bern, begründet die Solothurner Territorialpolitik 1348/49–1356/57 1361/62–1362/63, 1365/66, 1368/69, 1374/75–1376/77 1364/65, 1366/67 1372/73–1373/74 1377/78–1383/84 1384/85–1410/11 1411/12–1412/13, 1417/18–1418/19 Einer der ersten bürgerlichen Schultheissen 1413/14–1416/17 1419/20–1420/21 1421/22–1450/51 1451/53, 1459/61, 1463/65, 1467/68 bis 11. Jan. 1468 1453/55 1455/57, 1461/63, 1465/67, 1468/70, 1472/74, 1476/78, 1480/82, 1484/86 Spielte eine führende Rolle bei den territorialen Expansionsbestrebungen, profranzösische Haltung. In seiner Amtszeit Aufnahme Solothurns in den eidgenössischen Bund 1481 1457/59Haffner und auch noch das Historisch-biographische Lexikon unterscheiden einen älteren und jüngeren Konrad Vogt; laut Sigrist, Biographien, 1951, S. 41 handelt es sich dabei um dieselbe Person 1470/72, 1474/76, 1482/84, 1486/88, 1490/92 Laut Sigrist, Biographien 1951, S. 81 derselbe Fehler wie bei Konrad Vogt, es gab keine zwei aufeinanderfolgenden Schultheissen Henmann Hagen, sondern nur einen 1478/80, 1488/90, 1492/94, 1496/98 Als Altschultheiss zusammen mit Stadtschreiber Hans vom Staal Gesandter Solothurns bei der Tagsatzung von Stans 1481 (Aufnahme Solothurns in den Bund der Eidgenossen); vom Staal spielte aber die führende Rolle 1494/96, 1498/1500, 1502/04, 1506/08, 1510/12, 1514/16, 22. Sep. 1516–24. Juni 1517 als Statthalter, 1519/20 bis 10. April 1520 In der Schlacht bei Dornach Anführer der Solothurner Ausführlicher: 1500/02, 1512/14, 24. Juni 1516–November 1516 (abgesetzt) Guter Militärführer und Diplomat, aber prozesssüchtig, was ihn schliesslich sein Vermögen kostete und zu Flucht und Absetzung führte 1504/06, 1508/10 1517/19, 1522/24, 1526/28, 24. Juni 1530–9. Okt. 1531 Während der Reformation führender Vertreter der Altgläubigen 1520/22, 1524/26, 1528/30, 10. Okt. 1531–24. Juni 1532 als Statthalter Zeigte ein gewisses Verständnis für die Anliegen der Reformation 1532/34, 1536/38, 1540/42, 11. Okt. 1542–24. Juni 1543 als Statthalter, 1545/47, 7. Dez. 1547–24. Juni 1548 als Statthalter, 24. Juni–10. Dez. 1548 Verhinderte 1533 den Ausbruch eines Bürgerkriegs zwischen Protestanten und Altgläubigen 1534/36, 1538/40, 24. Juni–2. Okt. 1542 1543/45, 24. Juni–6. Dez. 1547 1549/51, 1553/55, 1557/59, 16. Aug. 1559–24. Juni 1560 als Statthalter, 1562/64, 1566/68 1551/53, 1555/57, 24. Juni–14. Aug. 1559 1560/62 1564/66, 1568/70, 1572/74, 1576/78, 1580/82 1570/72, 1574/76 Studierte in Paris, Humanist 1578/80, 1582/84, 1586/88, 1590/92 1584/86, 1588/90, 1592/94 1594/96, 1598/1600, 1602/04, 1606/08, 1610/12, 1614/16 bis 11. Jan. 1616 rahmenlos|rechts|200px 1596/98, 1600/02 1604/06, 1608/10, 1612/14, 13. Jan. –24. Juni 1616 als Statthalter, 1616/18 1618/20, 1622/24, 1626/28, 24. Juni–11. Dez. 1630 1620/22 1624/26, 1628/30, 13. Dez. 1630–24. Juni 1631 als Statthalter, 1631/33, 1635/37, 28. März–24. Juni 1639 als Statthalter, 1639/41, 24. Juni–21. Okt. 1643 Führte ein autokratisches Regime, verfolgte eine an Frankreich angelehnte Politik rahmenlos|rechts|200px 1633/35, 1637/39 bis 26. März 1639 1641/43 1644/45–2. Nov. 1652 in den geraden Jahren 1645/46–23. Dez. 1653 in den ungeraden Jahren 1652/53 ab 4. Nov. 1652, 1654/55–1658/59 in den geraden Jahren 1653/54 ab 24. Dez. 1653, 1655/56 Vermittler in eidgenössischen Konflikten, förderte die Ansiedlung der Jesuiten, ab 1640 Kritiker einer zu starken Anlehnung an Frankreich 1657/58–25. Aug. 1675 in den ungeraden Jahren 1660/61–3. Juli 1674 in den geraden Jahren 1674/75–1678/79 in den geraden Jahren 1675/76 ab 26. Aug. 1675, 1677/78–1687/88 in den ungeraden Jahren 1680/81–1698/99 in den geraden Jahren, 24. Juni 1700–24. Feb. 1701 1689/90–1711/12 in den ungeraden Jahren, 24. Juni–23. Dez. 1713 «Reichster und mächtigster Solothurner seiner Zeit»rahmenlos|rechts|200px 1701 28. Feb.–24. Juni, 1702/03, 1704/05, 24. Juni 1706–21. Juni 1707 1708/09–1716/17 in den geraden Jahren Wie sein Vorgänger Urs Sury von Bussy Gegner der Abhängigkeit von Frankreich und damit Gegenspieler des Frankreich-freundlichen Johann Viktor Besenval 1713/14 ab 26. Dez. 1713, 1715/16–1721/22 in den ungeraden Jahren 1718/19, 1720/21, 24. Juni 1722–8. Feb. 1723 1723 11. Feb.–24. Juni, 1724/25–1734/35 in den geraden Jahren, 24. Juni–12. Okt. 1736 1723/24–1739/40 in den ungeraden Jahren, 24. Juni 1741–23. März 1742 1736/37 ab 15. Okt. 1736, 1738/39, 1740/41, 24. Juni 1742–5. Mai 1743 1742 26. März–24. Juni, 1743/44–1763/64 in den ungeraden Jahren 1743 8. Mai–24. Juni, 1744/45–1756/57 in den geraden Jahren, 24. Juni 1758–23. April 1759 1759 26. April–24. Juni, 1760/61–1770/71 in den geraden Jahren, 24. Juni 1772 – 8. Juni 1773 Anführer der französischen Partei, mit Abstand der reichste Solothurner seiner Zeit 1765/66–1777/78 in den ungeraden Jahren 1773 11. Juni–24. Juni, 1774/75–1794/95 in den geraden Jahren «Musterbeispiel eines aufgeklärten Aristokraten». Mitglied und 1767 Präsident der Helvetischen Gesellschaft, 1761 Gründungsmitglied der Ökonomischen Gesellschaft Solothurn 1779/80–1791/92 in den ungeraden Jahren 1793/94, 1795/96, 1797–2. März 1798 1796/97 1803 gewählt 6. April, 1805, 1807, 1809, 1812, 1814 bis 8. Jan., 1816–1830 in den geraden Jahren rahmenlos|rechts|200px 1804–1810 in den geraden Jahren, 1811, 1813 1814 gewählt 9. Jan. als Statthalter und 21. Mai als Schultheiss, 1815–1829 in den ungeraden Jahren, 1831 bis 14. März
Literatur
Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz (HBLS). Bd. 6: Saint Gelin – Tingry. Neuenburg 1931. Artikel Solothurn. III: Geschichte. 4: Die Schultheissen. S. 423–424. Enthält Biografien der Schultheissen Daniel Babenberg, Ulrich und Urs Byso, Conrad Vogt, Niklaus von Wengi d. Ae., Henmann Hagen sowie von Stadtschreiber Hans vom Stall.
Einzelnachweise
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