mini|Risikobewertung von essentiellen Nährstoffen Die Recommended Daily Allowances (RDAs), auch Recommended Dietary Allowances, geben die Mengen von essentiellen Nährstoffen an, die nach dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand für ausreichend angesehen werden, den täglichen Bedarf nahezu jedes gesunden Menschen zu decken.Subcommittee on the Tenth Edition of the RDAs, Food and Nutrition Board, Commission on Life Sciences, National Research Council: Recommended Dietary Allowances: 10th Edition. National Academy Press, Washington, D.C., 1989, ISBN 0-309-04041-8, S. 10; Online-Ausgabe (englisch) Manchmal wird RDA auch mit „empfohlene Tagesdosis“ übersetzt, von „empfehlen“ und allowance für „Zuteilung“ oder „zugeteilte Menge“.Wortliste beispielsweise bei dict.cc
Der Umfang einer RDA-Zusammenstellung kann verschieden sein. Neben Angaben zu einer Reihe von Vitaminen und Mineralstoffen sind oft auch Informationen zu essentiellen Fettsäuren und Fett allgemein, Protein und Aminosäuren, Kohlenhydraten, Ballaststoffen, Nahrungsenergie und Wasser enthalten.Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung, Schweizerische Vereinigung für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 1. Auflage, 3. vollständig durchgesehener und korrigierter Nachdruck, Neuer Umschau Buchverlag, Neustadt an der Weinstraße, 2008, ISBN 978-3-86528-128-9
Es gibt unterschiedliche Wertetabellen, je nachdem, ob die empfohlene Tagesdosis für die Nährwerttabelle eines Produktes nach NRV (Nutrient Reference Values) verwendet wird. Oder ob die empfohlene Tagesdosis nach DRV (Dietary Reference Values) für die Gesundheit von Menschen berechnet wird, wie es z.b. die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) oder EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) machen.
Geschichte Ursprünglich handelt es sich um eine Zusammenstellung, die 1943 das erste Mal unter der Bezeichnung Recommended Dietary Allowances vom US-amerikanischen Food and Nutrition Board (FNB) herausgegeben und in regelmäßigen Abständen bis 1989 aktualisiert wurde. Standen anfangs militärische Zwecke im Vordergrund, so kamen später auch zivile Anwendungen wie die Interpretation von Ernährungsberichten hinzu. Ausgehend von den Recommended Dietary Allowances des Jahres 1968 wurde ein weiterer Datensatz aufgestellt, der der Kennzeichnung von Lebensmitteln dienen sollte, die U.S. Recommended Daily Allowances (USRDAs). In den 1990er Jahren begann eine Zusammenarbeit zwischen den USA und Kanada, in deren Folge die Aktualisierungen der Recommended Dietary Allowances nun in stark erweiterter Form als Dietary Reference Intakes (DRI) erscheinen.J. J. Otten, J. Pitzi-Hellwig, L. Meyers (Editors): Dietary Reference Intakes: The Essential Guide to Nutrient Requirements. The National Academies Press, Washington, D.C., 2006, ISBN 0-309-10091-7
Auch in anderen Ländern wurden ähnliche Aufstellungen herausgegeben. So veröffentlichte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) im Jahre 1956 erstmals ihre Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr. Die regelmäßigen Aktualisierungen erfolgen seit dem Jahr 2000 in länderübergreifender Zusammenarbeit von DGE, Österreichischer Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), Schweizerischer Gesellschaft für Ernährungsforschung (SGE) sowie Schweizerischer Vereinigung für Ernährung (SVE) unter dem neuen Namen D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr.Hintergrundfakten zu den Referenzwerttabellen für die Nährstoffzufuhr bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung
Europäische RDA
Im Zuge der Vereinheitlichung europäischer Bestimmungen wurden in der EU gültige Recommended Daily Allowances herausgegeben und 1990 in der Richtlinie 90/496/EWG für die Nährwertkennzeichnung verbindlich festgelegt. des Rates vom 24. September 1990 über die Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln Eine Aktualisierung der Richtlinie erfolgte 2008, die seitdem auch neue RDAs enthält. Die neue Richtlinie soll bis spätestens 31. Oktober 2009 in den Mitgliedstaaten in Kraft treten, wobei für eine Übergangszeit von 3 Jahren auch der Handel mit nach der alten Richtlinie gekennzeichneten Waren noch statthaft ist. der Kommission vom 28. Oktober 2008 zur Änderung der Richtlinie 90/496/EWG des Rates über die Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln hinsichtlich der empfohlenen Tagesdosen, der Umrechnungsfaktoren für den Energiewert und der Definitionen. Von 2009 bis 2019 wurden die Werte von Ernährungswissenschaftler der EFSA erneut aktualisiert.Nährstoffaufnahme-Referenzwerte
Zu Unterscheiden sind dabei für Lebensmittel die Nährstoffaufnahme-Referenzwerte (Dietary Reference Values, DRVs), welche die empfohlene Menge am Tagesbedarf ausrichten, wie sie von DGE oder EFSA empfohlen werden. Und die Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr (Nutritional Reference Values, NRV), welche für Produkte die Mindestmenge an Nährstoffen angibt, mit denen für das Produkt geworben werden darf. Enthält ein Produkt 15 % der NRV eines Nährstoff, dann kann es damit beworben werden. Und die NRV hat auch andere empfohlene Mengen am Tagesbedarf, z.b. weichen die empfohlene Tagesdosis für Vitamin D der DGE von 20 µg und der EU-Lebensmittelinformationsverordnung von 5 µg um 400 % ab. Während die EFSA 15 µg Vitamin D pro Tag für Personen ab 1 Jahr empfiehlt.
In der nachfolgenden Tabelle sind für Vitamine und Mineralstoffe jeweils alte und neue europäische RDA (EU-RDA) aufgeführt (siehe dabei auch Vorsätze für Maßeinheiten). Sie geben die NRV wieder und entsprechen nicht den Werten der DGE und EFSA für die empfohlene Tagesdosis:
+ VitaminChemische Verbindung(en)neue EU-RDAvon 2008frühere EU-RDAvon 1990Vitamin ARetinol800 µg800 µgVitamin B1Thiamin1,1 mg1,4 mgVitamin B2Riboflavin1,4 mg1,6 mgVitamin B3Niacin16 mg18 mgVitamin B5Pantothensäure6 mg6 mgVitamin B6Pyridoxin, Pyridoxal und Pyridoxamin1,4 mg2 mgVitamin B7Biotin50 µg150 µgVitamin B9Folsäure200 µg200 µgVitamin B12Cobalamin2,5 µg1 µgVitamin CAscorbinsäure80 mg60 mgVitamin DCholecalciferol5 µg5 µgVitamin ETocopherol12 mg10 mgVitamin KPhyllochinon75 µg– siehe auch: Vitamin-B-Komplex+ Mineralstoffneue EU-RDAvon 2008frühere EU-RDAvon 1990Calcium800 mg800 mgChlorid800 mg–Chrom40 µg–Eisen14 mg14 mgFluorid3,5 mg–Jod150 µg150 µgKalium2000 mg–Kupfer1 mg–Magnesium375 mg300 mgMangan2 mg–Molybdän50 µg–Phosphor700 mg800 mgSelen55 µg–Zink10 mg15 mg
Gültigkeit und Genauigkeit Abgesehen davon, dass die individuelle Variabilität innerhalb einer Bevölkerungsgruppe sehr ausgeprägt ist, gibt es erhebliche Unterschiede im Bedarf zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen. Zudem sind die verfügbaren Informationen über den menschlichen Bedarf an essentiellen Nährstoffen in vielen Bereichen noch sehr begrenzt. Das liegt zum einen daran, dass entsprechende Studien an Menschen sehr kosten- und zeitintensiv sind. Deshalb wird es kaum gelingen, einen repräsentativen Bevölkerungsquerschnitt umfassend zu testen. Auch sind manche Arten von Experimenten aus ethischen Gründen verboten. Folgende Faktoren beeinflussen den Bedarf an essentiellen Nährstoffen: Lebensalter Geschlecht Schwangerschaft und Stillzeit Erkrankungen regelmäßige Medikamenteneinnahme erhöhter Alkoholkonsum, Rauchen körperliche Aktivität, der Leistungsumsatz kann den Energiebedarf mehr als verdoppeln, und viele Nährstoffbedarfe sind aktivitätsabhängig Ernährung, zum einen benötigen verschiedene Nährstoffe ihrerseits Nährstoffe und Energie zu ihrer Verdauung, zum anderen beeinflussen viele Nährstoffe gegenseitig ihre Aufnahme, des Weiteren hat die zeitliche Abfolge Einfluss auf die Aufnahme der Nährstoffe Körperzusammensetzung, so braucht z. B. Fettgewebe weniger Energie als Muskelgewebe Um den Unterschieden von Mensch zu Mensch Rechnung zu tragen, kommen statistische Methoden zur Anwendung. So ist die empfohlene Menge für die tägliche Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen in der Regel so bemessen, dass sie für 98 % der Angehörigen einer bestimmten Bevölkerungsgruppe ausreichend sein sollte. Soweit nicht ausdrücklich etwas anderes ausgesagt wird, sind solche Angaben ausschließlich auf gesunde Personen bezogen, die weder regelmäßig Medikamente einnehmen noch Genussgifte konsumieren. Auch Menschen, die sich noch von einer Krankheit erholen (Rekonvaleszenten), gehören nicht dazu. Die genannten Mengen sind auch nicht dafür vorgesehen, zur Neige gegangene Körpervorräte wieder aufzufüllen.
In manchen Fällen kann es auch vorkommen, dass sich die Empfehlungen auf den durchschnittlichen Bedarf beziehen, also für 50 % der Personen einer bestimmten Bevölkerungsgruppe ausreichend sind. Das wird beispielsweise für die Zufuhr von Nahrungsenergie oft so gehandhabt.
Was eine RDA nicht ist Angaben zu Höchstmengen und Obergrenzen für die Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen werden wie folgt benannt:Zusammenstellung von tolerierbaren oberen Zufuhrmengen für Makro- und Mikronährstoffe (Stand: März 2006; abgerufen: Oktober 2009) bei der DGE. UL, abgekürzt für engl. Tolerable Upper Intake Level NOAEL, abgekürzt für engl. No Observed Adverse Effect Level LOAEL, abgekürzt für engl. Lowest Observed Adverse Effect Level
Siehe auch Hypovitaminose Hypervitaminose
Guideline Daily Amount (GDA) D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr Nährwertkennzeichnung
Einzelnachweise
Weblinks D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung US-amerikanische Recommended Dietary Allowances (englisch)
Kategorie:Ernährungswissenschaft