mini|Blick von der Zipfelbachtalbrücke der B 14 nach Winnenden Winnenden [] ist eine Stadt rund 20 Kilometer nordöstlich von Stuttgart in Baden-Württemberg. Sie ist die fünftgrößte Stadt des Rems-Murr-Kreises und ein Unterzentrum im Mittelbereich Waiblingen/Fellbach. Sie gehört zur Region Stuttgart und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.
Seit dem 1. Januar 1973 ist Winnenden eine Große Kreisstadt.
Geographie Geographische Lage Winnenden liegt knapp 20 Kilometer nordöstlich von Stuttgart in der rund 2,8 Millionen Einwohner zählenden Region Stuttgart am westlichen Rande des Schwäbischen Waldes in 270 bis 504 Meter Höhe. Die Altstadt liegt auf einem Hügel zwischen dem Buchenbach und dem Zipfelbach.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Winnenden. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt: Backnang, Allmersbach im Tal, Berglen, Remshalden, Korb, Schwaikheim und Leutenbach.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet Winnendens besteht aus der Kernstadt, dem 1964 entstandenen Wohnbezirk Schelmenholz (kein eigenständiger Stadtteil), der im Jahr 2000 4441 Einwohner zählte, und den Stadtteilen Baach, Birkmannsweiler, Breuningsweiler, Bürg, Hanweiler, Hertmannsweiler und Höfen, die erst im Rahmen der Gemeindereform der 1970er Jahre eingegliedert wurden. Zu den einzelnen Stadtteilen gehören noch separat gelegene Wohnplätze mit besonderem Namen, wie Lange Weiden, Pfeilhof in Baach, Buchenbachhof, Burkhardshof und Neumühle in Birkmannsweiler, Sonnenberg in Breuningsweiler, Schulerhof in Bürg, Degenhof in Hertmannsweiler und Ruitzenmühle in Höfen.
Auf der Gemarkung Winnendens liegen weiterhin die Wüstungen Schnarrenberg und Stuhlhof.
In der Kernstadt werden zum Teil Wohngebiete mit eigenem Namen unterschieden, deren Bezeichnungen sich im Laufe der Geschichte aufgrund der Bebauung ergeben haben, die jedoch meist nicht genau abgrenzbar sind. Hierzu gehört beispielsweise das Wohngebiet „Am Hungerberg“.
Raumplanung Winnenden bildet ein Unterzentrum im Mittelbereich Waiblingen/Fellbach der Region Stuttgart, in der die Landeshauptstadt Stuttgart als Oberzentrum ausgewiesen ist.
Geschichte Vorchristliche Zeit Mit Unterstützung der Stadt Winnenden legte das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg in den Jahren 2009 und 2010 in Hertmannsweiler eine steinzeitliche Dorfanlage aus der Zeit um etwa 4500 v. Chr. frei, die in der mittleren Phase der Jungsteinzeit, der so genannten Rössener Kulturstufe entstand.
Die Siedlung bestand aus einfachen, in Holz- und Lehmfachwerk erbauten Rechteckhäusern. Ferner fanden sich Spuren von Vorratsgruben und Ofenanlagen, interessanterweise jedoch keine Brunnen, wie sie anderswo aus der Jungsteinzeit bereits belegbar sind. Von besonderem Interesse ist auch die Tatsache, dass die auf einem flachen Höhenrücken gelegene Dorfanlage zumindest zeitweise von mächtigen, durchgehenden Palisaden geschützt gewesen war. Diese mit erheblichem Aufwand errichtete Befestigung kann als Beleg für eine äußere Bedrohung gelten, vor der sich die Dorfbewohner schützen wollten. Offenbar nur zwei oder drei Generationen lang lebten hier Familien von Ackerbau und Viehhaltung und töpferten einfache Keramikgefäße, fertigten aber auch komplizierte Werkzeuge aus Feuerstein oder Felsgeröll an. Ihre Toten bestatteten sie in unmittelbarer Nähe zum Dorf in Hockergräbern, von denen eines ausgegraben werden konnte.
Bei weiteren Grabungen 2018 auf demselben Areal haben Archäologen rund 6500 Jahre alte Tonscherben, aus der Jungsteinzeit ausgegraben. Diese sind zum Teil mit aufwendigen Ornamenten verziert, mit deutlichen Gravuren versehen und belegen, dass hier das erste nachweisbare „Gewerbegebiet“ Winnendens angesiedelt war. mini|Ansicht von Winnenden im Jahr 1685, Kiesersche Forstkarte
Mittelalter und frühe Neuzeit mini|Schlosskirche in Winnenden; Kulturdenkmal mini|Darstellung der französischen Truppen im Jahre 1693 von Carl Dobler (1920) mini|Darstellung des Stadtbrands im Jahre 1693 von Carl Dobler (1920) mini|Ansichtskarte Winnenden 1898 Der Name Winnenden wurde vermutlich kurz nach 850 n. Chr. für das Siedlungsgebiet am Buchenbach gebräuchlich. Damals ließ Kaiser Ludwig der Fromme kriegsgefangene Slawen und Mährer zwangsweise im Reich ansiedeln. Die ältesten Fundamente der Schlosskirche stammen aus dieser Zeit und weisen darauf hin, dass die Pfarrei zur Christianisierung dieser sogenannten Wenden gegründet wurde. Aus der Stammesbezeichnung für die Wenden entwickelte sich dann der heutige Name Winnenden.
Die erste schriftliche Erwähnung erfuhr Winnenden jedoch erst in der Regierungszeit Friedrichs I. (Barbarossa) von Stauffen. Der Kaiser stellte am 25. Mai 1181 eine Urkunde über das Kloster Adelberg aus, die in der Zeugenreihe einen „Gotefridus de Wineden“ aufführt. Dieser Hochadlige, ein jüngerer Nachkomme der Herren von Schauenburg, hatte sich mit dem Bau der Burg Alt-Winnenden (heute Bürg) einen Familienstammsitz geschaffen. Sein Schwiegersohn Heinrich von Neuffen erhielt 1212 von König (später Kaiser) Friedrich II. das Privileg der sogenannten Markgerechtigkeit, die Burg, die um diese Zeit Windin genannt wird, und damit die Grundlage für die Errichtung der Stadt Winnenden – die damit älteste Stadt im Rems-Murr-Kreis ist. 1277 wurde Burg Alt-Winnenden (heute Bürg) auf Konrad von Weinsberg übertragen. Am 10. Oktober 1325 wurden Burg und Stadt Winnenden an Württemberg verkauft. Aus der Herrschaft Winnenden entstand in württembergischer Zeit das Amt Winnenden, das später zum Oberamt erhoben wurde. Das Stadtschloss (die Deutschordenskommende Winnenden, die seit 1291 erwähnt und auch Schloss Winnenthal genannt wird), kam erst 1665 zu Württemberg.
Im Bauernkrieg stand Winnenden zunächst unter dem Einfluss des Armen Konrad, musste sich aber 1519 dem Schwäbischen Städtebund ergeben. Eine pestähnliche Seuche raffte im Jahr 1616 ungefähr die Hälfte der Bevölkerung dahin. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1638 und 1643 geplündert. Kaiserliche, französische und schwedische Truppen besetzten zeitweise Winnenden.
1665 erwarb Herzog Eberhard III. von Württemberg die Deutschordenskommende Winnenden als herzogliches Kammerschreibereigut. Aus dessen Gebiet entstand das Stabsamt Winnenthal.
1693 setzten französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg Winnenden in Brand. Sämtliche Gebäude innerhalb des Stadtmauerrings brannten ab.
Das Deutschordensschloss Winnenden (13.–18. Jh.) ist abgegangen.
Neuere Zeit 1808 wurden im Zuge der neuen Verwaltungsgliederung nach der Errichtung des Königreichs Württemberg das Oberamt Winnenden und das Stabsamt Winnenthal aufgelöst und seine Gemeinden, darunter alle heutigen Stadtteile Winnendens, dem Oberamt Waiblingen zugeordnet. Mit der Fertigstellung des Abschnitts Waiblingen–Backnang der Murrtalbahn 1876 erhielt Winnenden Anschluss an das Streckennetz der Württembergischen Staatseisenbahnen.
Bei den Kreisreformen während der NS-Zeit in Württemberg kam Winnenden 1934 zunächst zum Kreis Waiblingen, wobei es sich hier lediglich um das umbenannte alte Oberamt handelte, und 1938 zum vergrößerten Landkreis Waiblingen.
Da Winnenden nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der Amerikanischen Besatzungszone geworden war, gehörte die Stadt somit seit 1945 zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Durch die Kreisreform in Baden-Württemberg gelangte Winnenden am 1. Januar 1973 zum Rems-Murr-Kreis.
Eingemeindungen Im Rahmen der Gebietsreform Anfang der 1970er Jahre wurden mehrere Nachbargemeinden eingegliedert. Dadurch erreichte das Stadtgebiet seine heutige Ausdehnung und die Einwohnerzahl überschritt die 20.000-Einwohner-Grenze. Daher stellte die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, was die Landesregierung von Baden-Württemberg dann mit Wirkung vom 1. Januar 1973 beschloss.
links|70px|Baach Baach wurde 1357 erstmals erwähnt und gehörte größtenteils der Deutschordens-Komturei Winnenden an. Mit dieser kam der Ort 1665 an Württemberg und gehörte dann zum Amt bzw. Oberamt Winnenden. 1686 hieß der Ort noch Bach.
links|70px|Birkmannsweiler Birkmannsweiler wurde 1304 als Berkamswiler erstmals erwähnt und gehörte zur Herrschaft Winnenden. Der Ort kam vermutlich 1325 an Württemberg (Amt Winnenden), doch hatte der Deutsche Orden auch hier Besitz. Im Jahr 1545 umfasste der Ort bereits 42 Haushalte. 1886 wurde der Ort Birckmansweyler genannt.
links|70px|Breuningsweiler Breuningsweiler wurde 1293 als Bruningswiler erstmals erwähnt, als das Kloster Lorch das Vogtrecht über seine Güter Württemberg überließ. 1443 waren auch die Schenken von Winnenden sowie die Deutschordenskomturei begütert. Um 1545 waren hier bereits 19 Haushalte ansässig. Ab 1665 gehörte der ganze Ort zu Württemberg (Amt Winnenden). 1686 wurde der Ortsname noch Brimmersweyler geschrieben.
links|70px|Bürg Bürg wurde 1210 als castrum Winidum (Burg Winnenden) erstmals erwähnt. 1525 hieß es die Bürg, 1624 Altwinnenden. Die Burg Altwinnenden war Sitz der Herren von Winnenden, bevor diese an Württemberg gelangte. Der Ort gehörte zunächst mit den Wohnplätzen Schulerhof und Stöckenhof zur Gemeinde Baach. 1686 hieß der Ort Bürck bey Bach. 1815 wurde Bürg eine eigene Gemeinde innerhalb des Oberamts Waiblingen. Der Wohnplatz Stöckenhof wurde am 1. Januar 1972 in die Nachbargemeinde Öschelbronn umgegliedert, die ihrerseits am 1. April 1972 Teil der neu gebildeten Gemeinde Buchenberg (ab 27. Dezember 1972 Berglen) wurde.
links|70px|Hanweiler Hanweiler wurde 1426 als Heinwiler erstmals erwähnt. 1477 wurde „im Trombach genannt Hanweiler“ erwähnt. Der Wald Trombach wurde bereits 1288 von den Herren von Neuffen an die neu gegründete Deutschordenskomturei geschenkt. Hanweiler gehörte somit zur Deutschordenskomturei und gelangte mit dieser an Württemberg. 1686 hieß der Ort in Andreas Kiesers Forstlagerbuch Hahnweyler. Es gehörte zunächst zur Kammerschreiberei, 1753 zur Landschaft und war dem Stabsamt Winnenthal zugeordnet.
links|70px|Hertmannsweiler Hertmannsweiler wurde 1444 als Hertmannswiller erstmals erwähnt. Der Ort gehörte bereits zu Württemberg und war dem äußeren Gericht des Amtes Winnenden zugeordnet. Im Jahr 1545 umfasste der Ort 73 Haushalte. 1686 hieß der Ort Herdtmansweyler.
links|70px|Höfen Höfen wurde 1524 als zun Höfen erstmals erwähnt. 1559 wurde zwischen Ober und Unter Heffa (Ober- und Unter Höfen) unterschieden. Die „zwei Höfe bei Winnenden“ gehörten wohl bei Gründung der Deutschordenskomturei zu dessen Besitz. 1665 kam der Ort an Württemberg und wurde dem Stabsamt Winnenthal zugeordnet. 1686 wurde der Ort Zu den Höffen genannt.
Zeitpunkt der Eingliederung in die Stadt Winnenden 1. Januar 1971: Höfen 1. Dezember 1971: Baach, Bürg (u. a. mit Stöckenhof), Hertmannsweiler 1. Januar 1972: Breuningsweiler, Hanweiler. Zusätzlich: Umgliederung des Wohnplatzes Stöckenhof in die Nachbargemeinde Öschelbronn (heute Berglen) 1. Januar 1974: Birkmannsweiler
Neueste Zeit Am 11. März 2009 geriet die Stadt weltweit in die Schlagzeilen, als die Albertville-Realschule zum Schauplatz des sogenannten Amoklaufs von Winnenden wurde, bei dem in Winnenden 13 und im Verlauf der anschließenden Flucht des Amokläufers Tim Kretschmer nach Wendlingen am Neckar drei weitere Menschen, darunter der 17-jährige Täter, ums Leben kamen. Der verletzte Täter beendete den Amoklauf durch einen Suizid. (PDF; 16,4 MB)
2012 beging Winnenden die 800-Jahr-Feier.
Im Jahr 2019 hat Winnenden die Heimattage Baden-Württemberg ausgerichtet.Winnenden freut sich auf die Heimattage
Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Winnenden von 1803 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle Die Einwohnerzahlen sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze).