Kloster Zinna () ist eine ehemalige Zisterzienser-Abtei im Ortsteil Kloster Zinna der Stadt Jüterbog im brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming, rund 60 Kilometer südlich von Berlin an der Bundesstraße 101.

Geschichte Gründung und erste Jahrzehnte Das Kloster wurde 1170 durch Wichmann von Seeburg, Erzbischof von Magdeburg (1152–1192) gegründet. Politischer Hintergrund der Klostergründung war offenbar die Absicht des Erzbischofs, der Südausdehnung der benachbarten askanischen Herrschaft einen Riegel vorzuschieben. Die ersten Mönche kamen aus dem Kloster Altenberg bei Köln. Aus der Anfangszeit des Klosters sind keine weiteren Informationen erhalten. Wahrscheinlich begannen die Bauarbeiten mit dem Bau des Klosters im Feuchtgebiet der Nuthe. mini|hochkant|Klosterkirche mini|hochkant|Alte und Neue Abtei

1179 wurde das Kloster vom Greifenherzog Kasimir I. von Pommern auf einem seiner drei Kriegszüge in die Lausitz überfallen, möglicherweise im Auftrag des welfischen Sachsenherzogs Heinrichs des Löwen. Die Mönche gingen in Jüterbog betteln, was für Zisterzienser an sich nicht üblich war. Erst aus der Zeit um 1215 sind wieder Hinweise auf eine erneute Nutzung des Klosters erhalten. In dieser Zeit entstand dann wahrscheinlich auch die Abteikirche aus Granitquadern. Die Kirchweihe fand am 15. Mai 1226 statt.

Das Kloster entwickelte sich zunächst offenbar nicht wie gewünscht: 1229 erschien es auf der Tagesordnung des Generalkapitels des Zisterzienserordens. Der Vaterabt aus der Abtei Altenberg erhielt den Auftrag, eine Visitation durchzuführen. Sie sollte das Ziel haben, einen alternativen Standort für das Kloster auf dem Barnim zu suchen. Dieser Plan wurde jedoch nicht realisiert. mini|Besitz des Klosters Zinna

Wirtschaftliche Entwicklung Nach Aufgabe dieses Plans gewann das Kloster wirtschaftliche Bedeutung für die Region. Im Jahr 1285 wurden vom Kloster die Stadt Luckenwalde und elf umliegende Dörfer gekauft. Auf dem Höhepunkt seiner wirtschaftlichen Blüte im Jahr 1307 betrug die Ausdehnung des Klosterbesitzes nahezu 300 km². Am Ende des 15. Jahrhunderts besaß die Abtei 39 Dörfer, 14 Mühlen, einen Salzbrunnen mit vier Salzpfannen, eine Pechhütte und eine Ziegelei.Roland Fröhlich: Die Zisterzienser und ihre Weinberge in Brandenburg in: Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser, Band 30, Lukas Verlag, Berlin 2010, S. 186. ISBN 978-3-86732-070-2.

Selbst im südöstlichen Barnim besaß das Kloster ausgedehnte Ländereien. Der Barnim stand ansonsten unter dem Einfluss der Askanier und ihres Hausklosters Lehnin. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Lehniner Abt Siger 1247 in Spandau als Zeuge auftrat, als die gemeinsam regierenden askanischen Markgrafen Johann I. und Otto III. die Besitzungen um das Städtchen Liebenberg der Abtei Zinna übertrugen.Stephan Warnatsch: Geschichte des Klosters Lehnin 1180–1542. Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser. Band 12.1. Zugleich Freie Universität Berlin, Diss. 1999. Lukas Verlag, Berlin 2000, S. 337, 399. ISBN 3-931836-45-2.Eintrag Nr. 91, in: Stephan Warnatsch: Geschichte des Klosters Lehnin 1180–1542. Regestenverzeichnis, Band 12.2. ISBN 3-931836-46-0. Rüdersdorf bei Berlin war bereits um 1235 von Zinna gegründet worden und für die Zisterzienser besonders interessant wegen des Kalksteinbruchs Rüdersdorf. Der Barnimer Besitz reichte im Osten bis zum Stobber-Löcknitz-Lauf, der die Grenze zum Einflussbereich des Bistums Lebus bildete.Eva Driescher: in: Gewässerökologie Norddeutschlands, Heft 3, 1996. Zum Besitz gehörte nahezu das gesamte Land der heutigen Gemeinde Grünheide bis nach Kienbaum mit den umliegenden fischreichen Gewässern Werlsee, Peetzsee, Möllensee, Elsensee, Baberowsee, Bauernsee und Liebenberger See. Von einem Hof in Kagel aus verwaltete das Kloster zunächst seinen Besitz im Barnim und verlegte die Verwaltung im 15. Jahrhundert dann nach Rüdersdorf.

Mit ihren großräumigen wasserwirtschaftlichen und wasserbaulichen Maßnahmen, die den Bau zahlreicher Wassermühlen an den Fließen und Seeabläufen einschlossen, trugen die Zisterziensermönche erheblich zur Entwicklung und Aufsiedlung der Mark bei.Mitteilungen, Nr. 15, September 2010, S. 38 f. (PDF) Deutsche Wasserhistorische Gesellschaft e. V. Siegburg, Stand 1. Januar 2024.

Von besonderer Wichtigkeit waren ihre Handelstätigkeit, die über zahlreiche Stadthöfe u. a. in Berlin, Wittenberg und Jüterbog abgewickelt wurde. Das Kloster Zinna war derart wohlhabend, dass es zum größten Kreditgeber der Markgrafen wurde. Die Barnimer Besitzungen blieben bis zur Säkularisation bei Zinna.

Äbte +Liste der Äbte des Klosters ZinnaNamevonbisGunther1191Wilhelm12141225Roderich12411248Hildebrand12921313Johannes13211337Hermann13481356Johann1360Ditmar1381Konrad13841397Heinrich 14011410Andreas14151416Moritz1417Albrecht14171426Balthasar14301435Dietrich14351446Moritz II.14521468Matthias14691483Nikolaus14891501Benedikt15061536Heinrich Greve15391540Mattheus Kagel15401548Valerian15481553

Druckerei Zinna Abt Nikolaus II. schaffte für das Kloster eine Druckerpresse an. Der Marienpsalter von Zinna (Nouum beate marie vigi[ni]s psalterium) aus der Klosterdruckerei Zinna gilt als das älteste in Brandenburg gedruckte Buch. Der Wiegendruck des Buchdruckers Hermannus Nitzschewitz aus der Zeit um 1493 ist das bedeutendste Stück unter den historischen Buchbeständen der Sammlung Brandenburgica in der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam.

Auflösung mini|hochkant|Denkmal Friedrichs des Großen Durch die Nähe zu Wittenberg wirkte sich die Reformation auch früh auf das Kloster Zinna aus. Die vorletzten Äbte Greve und Kagel wurden beide wegen ihrer Nähe zur lutherischen Lehre abgesetzt. Nach einem längeren Zerfallsprozess endete das zisterziensische Mönchsleben im Kloster Zinna im Jahr 1553. Die Besitzungen auf dem Barnim fielen dabei als Amt Rüdersdorf an das Kurfürstentum Brandenburg, die sogenannten „Jüterboger Lande“ mit dem Kloster bildeten im Erzstift Magdeburg, dem es politisch immer unterstanden hatte, nun den Luckenwaldischen KreisZinna, Kloster. in: Gerd Heinrich (Hrsg.): Berlin und Brandenburg. Mit Neumark und Grenzmark Posen-Westpreußen. in: Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands, Band 10. 3. Auflage, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1995, S. 406.Wolfgang Ribbe: Das Landbuch des Klosters Zinna (1471/80 und 1565/68). in: 100 Schlüsselquellen zur Geschichte von Berlin, Brandenburg und Preußen. Hrsg. Historische Kommission zu Berlin e. V. Colloquium-Verlag, Berlin 1976.. 1606 war Zinna kurzzeitig Sitz des Domkapitels von Magdeburg, welches vor der Pest flüchtete.Zisterzienser in Brandenburg, in: Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser; Band 1, Hrsg. Oliver H. Schmidt, Dirk Schumann, Lukas-Verlag, Berlin 1996, S. 94. ISBN 3-931836-01-0. 1665 starb im Kloster Zinna der Administrator von Magdeburg, Christian Wilhelm von Brandenburg.

Zinnaer Münzvertrag Im Jahr 1667 wurde im Zinnaer Kloster der Zinnaer Münzvertrag geschlossen, in dem Kurbrandenburg und Kursachsen die Vereinheitlichung der von ihnen geprägten Taler beschlossen.

Stadt Zinna Im Jahr 1764 veranlasste Friedrich der Große auf dem Klostergebiet die Gründung der Stadt Zinna, die seit 1902 den Namen Kloster Zinna trug und ihn als Ortsteil von Jüterbog weiterhin trägt. Friedrich der Große siedelte Handweber aus der Oberlausitz an, um die Region wirtschaftlich neu zu beleben. Dies gelang zwar nicht im gewünschten Umfang, dennoch errichtete die Stadt Friedrich zum Dank ein Denkmal auf dem Marktplatz. Laut Inschrift auf der Rückseite wurde es 1949 zerstört, aber am 8. April 1994 durch Spenden von Bürgern und Gästen des Ortes erneuert und die Figur von M. Starke und F. Woike gestiftet. Die Vorderseite trägt die Inschrift:

Amt Zinna mini|Generalmajor und Amtshauptmann zu Zinna Friedrich Quirin von Forcade de Biaix, um 1758 Bereiche des Klosters Zinna gingen in das Rentamt Zinna, respektive dem Amt Zinna über, welches als Hauptteil zum Luckenwaldeschen Kreis und damit zum Erzstift Magdeburg, später dem Herzogtum Magdeburg als Exklave gehörte. Dann kam es 1680 formell amtlich zu Brandenburg-Preußen. Für 1702 ist das Kontributionskataster des Klosteramtes Zinna erhalten geblieben, für alle Zinnaerschen Amtsdörfer, samt den Einnahmen.Paul Gottlieb Wöhner: Steuerverfassung des platten Landes der Kurmark Brandenburg, Band 2 (Zweyter Theil), Vossische Buchhandlung, Berlin 1805, S. 194 ff. Von Zinna aus wirkten zumeist adelige Amtshauptleute, wie Hans XIII. von Rochow-Plessow.Adolf Friedrich August von Rochow-Stülpe: Nachrichten zur Geschichte des Geschlechts derer von Rochow und ihrer Besitzungen, Ernst & Korn, Berlin 1861, S. 64 ff. Anfang des 18. Jahrhunderts war ein brandenburgischer Kammerrat Johann Jacob von Cratz, dessen Sohn Karl Friedrich von Cratz General wurde, aus jüngerer briefadeligen Familie stammend Amtsinhaber. Er war ebenso auch in Lohburg sowie Ziesar in gleicher Funktion tätig.Leopold Freiherr von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie, Ludwig Rauh, Erster Band, Berlin 1855, S. 150.Kurt Breysig: Geschichte der brandenburgischen Finanzen in der Zeit von 1640 bis 1697. Darstellung und Akten, Erster Band, in: Urkunden und Aktenstücke zur Geschichte der inneren Politik des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, Erster Teil, Duncker & Humblot, Berlin 1895, S. 559. Sein Wandgrab und sein benachbartes Erbbegräbnis in der Klosterkirche sind in der Wissenschaft erwähnt.Bildwerke in Deutschland, in: Staatliche Bildstelle Berlin. Verzeichnis der Aufnahmen, Vierte Auflage, Deutscher Kunstverlag, Berlin 1939, S. 81. Amtsnachfolger wurde 1711 der General David Gottlob von Gersdorf als Zinnaer Amtshauptmann.Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste 1855 in alphabetischer Folge, Erste Section, 61. Theil, Hrsg. J. S. Ersch, J. G. Gruber, M. H. E. Meier, F. A. Brockhaus, Leipzig 1855, S. 463. Er hatte vorfristig bereits 1706 die Anwartschaft dazu erhalten. Weitere Amtshauptmänner waren ein Herr von (T)Schertwitz, 1740 zu Zinna verstorben,"Brandenburgia." Monatsblatt der Gesellschaft Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg, Berlin 1899, S. 448. und ein Graf Dönhof.C. Herrlich: Wochenblatt der Johanniter-Ordens Balley Brandenburg 1892, Jahrg. 33, Nr. 2, Druck Julius Sittenfeld, Carl Heymanns Verlag, Berlin, den 13. Januar 1892, S. 7 ff. 1745 wurde wieder ein hoher Offizier, der damalige Oberst Friedrich Wilhelm Quirin von Forcade, zum Amtshauptmann zu Zinna bestimmt.Johann Friedrich Seyfart: Geschichte des im 1756 und 1757sten Jahre in Deutschland und dessen angränzenden Ländern geführten Krieges ..., Eigenverlag, Frankfurt am Main und Leipzig 1759, S. 180.