mini|Johann Joseph Fux, um 1717 mini|Gradus ad Parnassum von Johann Joseph Fux (1725) Johann Joseph Fux (* um 1660 in Hirtenfeld bei Graz, Steiermark; † 13. Februar 1741 in Wien) war ein österreichischer Komponist und Musiktheoretiker. In Wien wirkte er als Hofkapellmeister.

Leben mini|Tafel zur Erinnerung an den jungen Musiker Fux in Graz, Färbergasse 11 Johann Joseph Fux wurde ungefähr 1660 als Bauernsohn in Hirtenfeld (Steiermark) geboren. Der Ort gehörte damals zur Pfarre St. Marein, war bis 2014 Teil der Gemeinde Langegg bei Graz und ist seitdem der Pfarre und Gemeinde Nestelbach bei Graz zugehörig. Die Eltern waren Andreas und Ursula Fux.The New Catholic Encyclopedia. Second Edition. Catholic University of America Press, ISBN 0-7876-4010-7, Vol. VI, S. 50. Über sein frühes Leben ist nur bekannt, dass er um 1680 an der Universität Graz und von 1683 bis 1687 an der Universität Ingolstadt studierte.

Am 5. Juni 1696 heiratete er Juliana Clara, Tochter des niederösterreichischen Regierungssekretärs Johann Josef Schnitzenbaum.Rudolf Flotzinger: Fux, Familie. In: Oesterreichisches Musiklexikon online. Abgerufen am 15. April 2021. Im gleichen Jahr wurde er zum Organisten am Schottenstift in Wien ernannt. Er behielt diesen Posten bis 1702.

Dadurch wurde der kaiserliche Hof auf ihn aufmerksam und ernannte ihn 1698 zum „Hofcompositeur“. 1701 wurde er Kapellmeister am Stephansdom. 1712 wurde er Vizehofkapellmeister der Wiener Hofmusikkapelle, nach dem Tod von Marc’Antonio Ziani 1715 Hofkapellmeister, eines der wichtigsten Ämter im europäischen Musikleben der damaligen Zeit. Zugleich wirkte er von 1713 bis 1718 als Hofkapellmeister der Kaiserinwitwe Wilhelmine Amalie.

Daneben unterrichtete Fux auch Komposition. Zu seinen Schülern zählten Georg Christoph Wagenseil, Gottlieb Muffat und Jan Dismas Zelenka.

Seine Ehe blieb kinderlos. Seine Frau starb am 8. Juni 1731. Er selbst starb 81-jährig am 13. Februar 1741 in Wien. Das Johann-Joseph-Fux-Konservatorium Graz ist nach ihm benannt.

Werke Fux’ einflussreichstes Werk war die Kompositionslehre Gradus ad Parnassum (1725), ein Lehrbuch über die Grundlagen des Kontrapunkts. Das auf Latein verfasste Werk hat 1742 Lorenz Christoph Mizler, ein Schüler J. S. Bachs, ins Deutsche übersetzt. Es beeinflusste maßgeblich die Wiener Schule und diente bis ins 20. Jahrhundert hinein als Lehrbuch des Kontrapunkts.

Fux schuf Werke in allen in seinem Wirkungsbereich geschätzten Gattungen und verlieh darin allgemeinen barocken Stilmerkmalen eine persönliche Note.Thomas Hochradner: Fux, Johann Joseph. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online. November 2018. Fux’ breit gefächertes musikalisches Werk umfasst 18 Opern, rund 50 Messen, drei Requien, 57 Vespern und Psalmvertonungen sowie zehn Oratorien und 29 Partiten und Sonaten.

Die über 30 Triosonaten von Fux sind meist dreisätzig mit einer schnellen Fuge zwischen zwei langsamen Sätzen oder zwei raschen fugierten Außensätzen und einem langsamen Zentrum. Vorbildlich dürften Opern- und Oratorieneinleitungen gewirkt haben, Kirchensonaten konnten für diese Funktion übernommen werden wie auch Introduktionen als eigenständige Werke ausgegliedert wurden.Martin Eybl: Triosonaten. In: Rudolf Flotzinger (Hrsg.): Johann Joseph Fux. Leben – musikalische Wirkung – Dokumentation. Leykam Buchverlagsgesellschaft, Graz 2015, ISBN 978-3-7011-0305-8, S. 167–201, hier 201 sowie 176f.

In den Orchestersuiten verarbeitet Fux neben französischen Vorbildern auch solche einer „lokalen“ Tradition österreichischer Ballettsuiten von Johann Heinrich Schmelzer, Alessandro Poglietti und Heinrich Ignaz Franz Biber.Markus Grassl: Ensemblepartiten. In: Rudolf Flotzinger (Hrsg.): Johann Joseph Fux. Leben – musikalische Wirkung – Dokumentation. Leykam Buchverlagsgesellschaft, Graz 2015, ISBN 978-3-7011-0305-8, S. 202–226, hier 225. Neben dem Suitenzyklus Concentus musico-instrumentalis mit unterschiedlichen Ensemblebesetzungen stehen stark ornamentierte Suiten für Tasteninstrumente.Harry White, Thomas Hochradner: Fux, Johann Joseph. In: Grove Music Online. Oxford Music Online. Oxford University Press, Version: 20. Januar 2001. https://www.oxfordmusiconline.com./

In den festlichen Opern von Fux dienen doppelte Gruppen von Pauken und Trompeten als musikalisches Symbol des Kaisers. Die formelle Anlage folgt konservativen Normen mit Da-capo-Arien und formalisierten Rezitativen statt Szenen-Komplexen. Accompagnati dienen der Hervorhebung dramatischer Schlüsselstellen. Die Prinzipien der italienischen Opera Seria werden also am imperialen Hof für die Affirmation des absolutistischen Herrschers konsequent umgesetzt.Herbert Seifert: The secular-dramatic compositions of Fux: a general survey. In: Harry White (Hrsg.): Johann Joseph Fux and the Music of the Austro-Italian Baroque. Routledge, London 2016 (Erstveröffentlichung 1992), ISBN 978-1-138-26049-8, S. 138–152, hier 150. Ein Beispiel für seine Bühnenwerke ist die Geburtstagsoper für Kaiser Karl VI. aus dem Jahre 1715 Orfeo ed Euridice, welche auf einem Libretto von Pietro Pariati basiert. Ebenfalls auf ein Libretto von Pariati komponierte er seine vielleicht bekannteste Oper Costanza e fortezza (mit Ballettmusiken von Nicola Matteis dem Jüngeren), die 1723 in Prag anlässlich der Krönung von Kaiser Karl VI. zum König von Böhmen aufgeführt wurde. Seine festa teatrale La corona d’Arianna entstand 1726 zum Geburtstag der Kaiserin Elisabeth. Seine letzte Serenata war die 1731 ebenfalls zum Geburtstag der Kaiserin komponierte festa teatrale Enea negli Elisi overo Il tempio dell’eternità auf ein Libretto des neuen Hofdichters Pietro Metastasio.

Fux schrieb seine Oratorien für die Wiener Hofburgkapelle, die meisten datieren zwischen 1714 und 1720. Die Arien haben Da-capo-Form, Chorfugen beschließen die beiden Teile der Werke.Wolfgang Hochstein: Das Oratorium. In: Ders. (Hrsg.): Geistliche Vokalmusik des Barock. Teilband 2. Laaber-Verlag, Laaber 2019 (= Handbuch der Musik des Barock, Band 2/2), ISBN 978-3-89007-872-4, S. 62–101, hier 81.

Obwohl Fux wegen seines Lehrwerk Gradus ad Parnassum als Bewahrer des strengen Stils angesehen wird, dominieren in seinem Messschaffen Werke in moderner Schreibweise.Wolfgang Hochstein: Die Messe. In: Ders. (Hrsg.): Geistliche Vokalmusik des Barock. Teilband 1. Laaber-Verlag, Laaber 2019 (= Handbuch der Musik des Barock, Band 2/1), ISBN 978-3-89007-872-4, S. 133–182, hier 150. Die Stilistik folgt den Normen am Habsburgerhof: zu Bußzeiten kontrapunktischer A-cappella-Stil, an normalen Sonntagen „mediocrer“ konzertierender Stil, der für Hochfeste zu feierlicherem Charakter im „solennen“ Stil gesteigert wird.Wolfgang Hochstein: Die Messe. In: Ders. (Hrsg.): Geistliche Vokalmusik des Barock. Teilband 1. Laaber-Verlag, Laaber 2019 (= Handbuch der Musik des Barock, Band 2/1), ISBN 978-3-89007-872-4, S. 133–182, hier 151. Das „solenne“ Idiom wurde in der Gattung Missa solemnis für Jahrzehnte zentral für das musikalische Leben in Wien,Erick Arenas: Evaluating the Eighteenth-Century Legacy of the Fuxian Liturgical Style: The Solemn Idiom and Michael Haydn. In: Tassilo Erhardt (Hrsg.): Sakralmusik im Habsburgerreich 1570–1770. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2013 (= Österreichischen Akademie der Wissenschaften, philosophisch-historische Klasse, Sitzungsberichte Band 824), ISBN 978-3-7001-6946-8, S. 69–76, hier 69. die besondere Leistung von Fux kann jedoch in der vorbildlichen Gestaltung des „mediocren“ Stils mit kurzen kontrastierenden Sätzen, lebhaftem Bass, obligaten Instrumenten und Abwechslung zwischen Tutti und Solo gesehen werden.Susanne Oschmann: Fux, Johann Joseph. In: Horst Weber (Hrsg.): Metzler Komponistenlexikon. Metzler, Stuttgart/Weimar 1992, S. 260–262, hier 261. Es kommt zur Gegenüberstellung ganz unterschiedlicher Stile und Satztechniken: In der Missa Confidentiae K 8 trifft gelehrter Kontrapunkt mit Fuge in Augmentation auf Soloabschnitte mit konzertanten Violinen und auf Homophonie. Auch „vorklassische“ Elemente mit „arienhaftem, neapolitanischen Einschlag“ finden sich im „mediocren“ Stil von Fux. Ähnliche stilistische Vielfalt zeigt die Missa Corporis Cristi K 10 im „solennen“ Stil mit hohem technischen Anspruch an Sänger und Instrumentalisten, wobei hier auch die Posaunen konzertant behandelt sind.Tassilo Erhardt: Kirchenmusik. In: Rudolf Flotzinger (Hrsg.): Johann Joseph Fux. Leben – musikalische Wirkung – Dokumentation. Leykam Buchverlagsgesellschaft, Graz 2015, ISBN 978-3-7011-0305-8, S. 141–166, hier 160ff. Zum Typ der Missa solemnis gehört ferner das Requiem K 51–53, auch „Kaiser-Requiem“ genannt, da es nach anderen Anlässen auch 1740 zum Begräbnis von Kaiser Karl VI. zur Aufführung gelangte.Wolfgang Hochstein: Das Requiem. In: Ders. (Hrsg.): Geistliche Vokalmusik des Barock. Teilband 1. Laaber-Verlag, Laaber 2019 (= Handbuch der Musik des Barock, Band 2/1), ISBN 978-3-89007-872-4, S. 183–201, hier 197f.

In den Messen, die bestimmte Tugenden im Namen tragen, vermeidet Fux die individualisierte Repräsentation dieser Tugenden und setzt an die Stelle affektiven Ausdrucks die universalisierende Auffassung von der Dauerhaftigkeit der habsburgischen Souveränität.Jen-yen Chen: The 'Virtue' Mass in Early Eighteenth-Century Austria: Beyond the Viennese Imperial Court. In: Tassilo Erhardt (Hrsg.): Sakralmusik im Habsburgerreich 1570–1770. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2013 (= Österreichischen Akademie der Wissenschaften, philosophisch-historische Klasse, Sitzungsberichte Band 824), ISBN 978-3-7001-6946-8, S. 95–108, hier 96. Das bedeutet jedoch keinen generellen Verzicht auf eindrucksvolle Affektdarstellungen in der geistlichen Musik, und ausdrucksvolle Textschilderung steht auch in den A-cappella-Kompositionen vor der Linearität der Stimmen nach dem Vorbild Palestrinas.Susanne Oschmann: Fux, Johann Joseph. In: Horst Weber (Hrsg.): Metzler Komponistenlexikon. Metzler, Stuttgart/Weimar 1992, S. 260–262, hier 260.

Für Graduale und Alleluja wählte Fux eine unübliche Form: Er verband sie zu einem einzigen Stück, wobei die Abschnitte jeweils durch eine Bass-Intonation eingeleitet werden, wie es oft beim Introitus anzutreffen ist.Wolfgang Hochstein: Das Proprium Missae. In: Ders. (Hrsg.): Geistliche Vokalmusik des Barock. Teilband 1. Laaber-Verlag, Laaber 2019 (= Handbuch der Musik des Barock, Band 2/1), ISBN 978-3-89007-872-4, S. 202–216, hier 208.

Im Orchester von Fux waren die Holzblasinstrumente Oboe und Fagott wesentlich,Wolfgang Suppan: The use of wind instruments (excluding Chalumeau) in Fux’s Music. In: Harry White (Hrsg.): Johann Joseph Fux and the Music of the Austro-Italian Baroque. Routledge, London 2016 (Erstveröffentlichung 1992), ISBN 978-1-138-26049-8, S. 95–108, hier 98. sein favorisiertes solistisch eingesetzte Instrument war jedoch das Chalumeau.Colin Lawson: The Chalumeau in the works of Fox. In: Harry White (Hrsg.): Johann Joseph Fux and the Music of the Austro-Italian Baroque. Routledge, London 2016 (Erstveröffentlichung 1992), ISBN 978-1-138-26049-8, S. 78–94, hier 92.