mini|Edward Seymour, 1. Duke of Somerset von einem unbekannten Künstler

Edward Seymour, 1. Duke of Somerset KG (* um 1500; † 22. Januar 1552 in London) war ein englischer Staatsmann und Bruder der Königin Jane Seymour, der dritten Ehefrau König Heinrichs VIII. Nach der Heirat seiner Schwester mit dem König machte er Karriere bei Hofe, erhielt in rascher Folge die Titel des Viscount Beauchamp und des Earl of Hertford und die Ämter des Kanzlers von Nordwales und des Gouverneurs und Hauptmanns von Jersey. In den letzten Jahren Heinrichs VIII. nahm Seymour an militärischen Kampagnen gegen Frankreich und Schottland teil und wurde 1547 nach dessen Tod Lordprotektor des Königreichs für den noch minderjährigen König Eduard VI. und zum Duke of Somerset und Baron Seymour erhoben.

Als Regent Englands förderte Seymour offen den Protestantismus, was zu Aufständen in Cornwall, Devon und Somerset führte. Sein Feldzug gegen Schottland, ein Versuch die Eheschließung Eduards VI. mit der ebenfalls noch minderjährigen schottischen Königin Maria Stuart zu erzwingen, endete in einer finanziellen Katastrophe für England. Zunehmend unbeliebt unter den Adligen, wurde Seymour im Dezember 1549 gestürzt und für einige Monate im Tower of London inhaftiert. Obwohl er im Mai 1550 wieder freigelassen und erneut in den Kronrat aufgenommen wurde, misstraute ihm der Adel weiterhin. Am 16. Oktober 1551 wurde er auf Betreiben von John Dudley, 1. Duke of Northumberland, wegen Hochverrats verhaftet und am 22. Januar 1552 auf dem Tower Hill enthauptet.

Leben Herkunft und Jugend Edward war der älteste überlebende Sohn des Sir John Seymour (Familie Seymour) und der Margery Wentworth. Sein Vater diente sowohl Heinrich VII. als auch dessen Sohn Heinrich VIII. als Soldat und hatte zwischen den Jahren 1498 und 1527 sechsmal das Amt des Sheriffs von Wiltshire, Dorset und Somerset inne. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde Edward um 1500 auf dem Familiensitz Wolf Hall in Wiltshire geboren. Insgesamt hatten seine Eltern zehn Kinder, von denen neben Edward noch fünf weitere überlebten: Henry, Thomas, Jane, Elizabeth und Dorothy. Verwandt war die Familie u. a. mit den reichen, einflussreichen Percys und den Cliffords.

Seymour wurde vermutlich durch seinen Vater bei Hofe eingeführt. Zum ersten Mal taucht er 1514 als Ehrenpage der Prinzessin Mary Tudor auf, der jüngeren Schwester Heinrichs VIII., als sie den französischen König Ludwig XII. heiratete. Am 15. Juli 1517 erhielten er und sein Vater gemeinsam das Amt des Wachtmeisters von Bristol Castle. Zu einem unbestimmten Zeitpunkt vor 1518 heiratete er Catherine, Tochter des Sir William Filliol (auch Fillol), mit der er zwei Söhne hatte.

Seit dem 17. Jahrhundert kursiert das Gerücht, Edwards Vater John Seymour hätte angeblich eine Affäre mit seiner Schwiegertochter gehabt, weswegen die Ehe annulliert und die beiden Söhne als Bastarde eingestuft worden wären. Für gewöhnlich waren Bastarde von jeglicher Erbfolge ausgeschlossen und hatten keinen Anspruch auf die erblichen Titel ihrer Vorfahren. Seymour selbst allerdings verfügte per Parlamentsakt, dass Catherine Filliols Nachkommen seine Titel und Ländereien erben durften, wenngleich erst nach den Erben seiner zweiten Ehe. Somit erhielten die Nachkommen seiner ersten Ehe 1750 den Titel des Duke of Somerset, den zuvor bis zum Erlöschen der männlichen Linie die Nachkommen aus Seymours zweiter Ehe innegehabt hatten. Die Gerüchte um John Seymour und Catherine Filliol sollten daher mit Vorsicht behandelt werden.

Aufstieg bei Hofe

Beim Besuch des Kaisers Karl V. in England im Jahr 1522 gehörte Seymour möglicherweise zu den Engländern in seinem Gefolge, denn der spanische Botschafter Eustace Chapuys sagte über Seymour später, er hätte in Karls Dienst gestanden. Im August 1523 nahm er an Heinrichs Kriegszug gegen Frankreich teil, wo er am 1. November von Charles Brandon, 1. Duke of Suffolk den Ritterschlag erhielt. Im Jahr 1525 wurde er sowohl Friedensrichter in Wiltshire als auch Rittmeister des Henry Fitzroy, 1. Duke of Richmond and Somerset, des unehelichen Sohn des Königs. 1527 begleitete er den Kardinal Thomas Wolsey auf dessen Reise nach Frankreich und profitierte 1528 von der Schließung einiger Klöster, die Wolsey auflösen ließ, um seine Universitäten zu fördern. Am 15. September 1531 wurde Seymour zum Esquire of the Body ernannt und somit zu einem persönlichen Diener des Königs, was ihm ein Jahresgehalt von 50 englischen Mark verschaffte. Gemeinsam mit seinem Vater begleitete er 1532 Heinrich und dessen Geliebte Anne Boleyn nach Frankreich, um den französischen König Franz I. zu treffen.

mini|links|Edward Seymours Schwester Jane von Lucas Horenbout Vor dem 9. März 1535 hatte Seymour sich von Catherine Filliol scheiden lassen und stattdessen Anne Stanhope geheiratet. Im Oktober desselben Jahres beherbergten er und seine neue Frau Heinrich VIII. in ihrem Herrensitz in Hampshire, als sich der König auf seiner jährlichen Sommerreise durch sein Reich befand. Auch blieb Heinrich für fünf Tage in Wolf Hall, dem Familiensitz der Seymours. Es wurde später vermutet, dass er hier zum ersten Mal auf Seymours Schwester Jane traf, was allerdings historisch nicht korrekt ist. Zu diesem Zeitpunkt war Jane bereits mehrere Jahre bei Hofe und hatte sowohl Heinrichs erster Gemahlin Katharina von Aragón als auch seiner aktuellen Königin Anne Boleyn als Hofdame gedient.

Dennoch profitierte Seymour bald vom wachsenden Interesse des Königs an Jane. Am 3. März 1536 erhielt er das prestigeträchtige Amt eines Gentleman of the Privy Chamber, was ihm uneingeschränkten Zugang zum König verschaffte. Nur ein paar Tage später wurden er und seine Frau in Räumen des Palastes in Greenwich untergebracht, wo sie Jane Gesellschaft leisteten, wenn der König sie besuchte. Am 30. Mai, wenige Wochen nach der Hinrichtung Anne Boleyns, heiratete Heinrich Jane, womit Seymour zum Schwager des Königs wurde. Als neues Mitglied der königlichen Familie erhielt Seymour eine Woche später den Titel des Viscount Beauchamp, of Hache. Im Abstand von nur wenigen Monaten folgten die Ämter des Kanzlers von Nordwales und des Gouverneurs und Hauptmanns von Jersey.

Im Mai 1537 wurde er offiziell in den Kronrat aufgenommen und war Mitglied der Jury, die über die Barone Hussey und Darcy wegen deren Beteiligung an der Pilgrimage of Grace zu Gericht saß. Am 12. Oktober brachte seine Schwester Jane schließlich den langersehnten Thronfolger Eduard zur Welt, womit Seymour zum Onkel des zukünftigen Königs wurde. Bei der Taufe seines Neffen drei Tage später trug Seymour dessen Halbschwester Prinzessin Elisabeth und wurde drei Tage später zum Earl of Hertford ernannt.Powicke & Fryde: Handbook of British Chronology. Second Edition, London, 1961, S. 432 Nur wenig später, am 24. Oktober, starb Jane Seymour an Kindbettfieber.

Obwohl nicht länger der Bruder der Königin, blieb Seymour ein Vertrauter des Königs. Er gehörte zu den Ausschüssen, die die sogenannte Exeter-Verschwörung untersuchten und wurde im März 1539 mit der Befestigung von Calais und Guînes betraut. Im selben Jahr geleitete er Heinrichs neue Gemahlin Anna von Kleve von Calais nach England. Obwohl er dem Vermittler dieser Ehe, Thomas Cromwell, versicherte, nichts seit der Geburt des Prinzen hätte ihn so erfreut wie diese Eheschließung, fiel Cromwell für diese arrangierte Ehe in Ungnade und wurde letztendlich 1540 hingerichtet. Seymour überlebte Cromwells Sturz und gewann in Heinrichs letzten Regierungsjahren zunehmend an Einfluss. So wurde er am 9. Januar 1541 in den prestigeträchtigen Hosenbandorden aufgenommen und übernahm gemeinsam mit dem Erzbischof Thomas Cranmer und Baron Audley die Staatsgeschäfte, während sich der König auf Sommerreise befand. Ein weiteres Mal arbeitete er im November mit Cranmer zusammen, als die junge Königin Catherine Howard des Ehebruchs bezichtigt wurde. Am 28. Dezember 1542 erhielt er das Amt des Lord High Admiral und zwei Monate später, am 16. Februar 1543, wurde er zum Lord Great Chamberlain ernannt.

Militärische Kampagnen mini|Heinrich VIII. nach Hans Holbein dem Jüngeren um 1542 Bereits im September 1542 hatte Seymour das Amt des Warden of the Scottish Marches erhalten, was ihn zum Wächter der Grenze zwischen England und Schottland machte. Gegen Jahresende kam es zum Krieg mit Schottland, in dessen Verlauf der schottische König Jakob V., über seine Mutter Margaret Tudor Heinrichs Neffe, starb. Seine Krone ging auf seine sechs Tage alte Tochter Maria Stuart über. Daraufhin schlug Heinrich Marias Mutter Marie de Guise eine Eheschließung zwischen ihrer Tochter und seinem Sohn Eduard vor, um auf diese Weise Schottland und England unter einer Krone zu vereinen. Marie ging zum Schein auf das Angebot ein, trat aber insgeheim in Verhandlungen mit Frankreich. Im Dezember 1543 brach Schottland offen mit England und verbündete sich stattdessen mit Frankreich. Heinrich entsandte daraufhin im März 1544 Seymour in den Norden, um an Schottland ein Exempel zu statuieren:

„Bringt Schwert und Feuer über sie, brennt Edinburgh nieder, schleift und verunstaltet es, damit es, wenn Ihr es geplündert und gebrandschatzt habt, auf ewig eine unaufhörliche Erinnerung an die Rache Gottes sein mag, die für ihre Falschheit und ihren Ungehorsam über sie kam.“

Mit diesem Befehl ausgestattet ignorierte Seymour eine ihm angebotene bedingte Kapitulation Edinburghs und als die Schotten sich weigerten, sich bedingungslos zu ergeben, plünderten Seymours Truppen die Stadt zwei Tage lang. Anschließend beschlagnahmte er Schiffe in Leith, um seinen Raub nach England transportieren zu können. Dennoch gelang es ihm nicht, den Widerstand der Schotten gegen die Engländer zu brechen, da sein Feldzug sie lediglich enger mit Frankreich zusammenarbeiten ließ. Im August schloss er sich Heinrichs Feldzug in Frankreich an und war bei der Eroberung Boulogne-sur-Mers anwesend. Einigen Quellen zufolge spielte Seymour eine tragende Rolle im Fall der Stadt, indem er den französischen Hauptmann bestach.

Im Mai 1545 wurde er ein weiteres Mal nach Schottland entsandt, um die Schotten zu zwingen, Maria Stuarts Eheschließung mit Eduard zuzustimmen. Im September fielen er und seine Truppen in Schottland ein und stießen nach Kelso und Jedburgh vor. Auf dem Weg dorthin brannten sie Dörfer, Felder und Klöster nieder und betrieben systematische Zerstörung und Verwüstung. Diese Kampagne gegen Schottland ging als Rough Wooing (zu deutsch: raue Brautwerbung) in die Geschichte ein. Im Oktober kehrte er nach London zurück, um sich Parlamentssitzungen und Regierungsgeschäften zu widmen. Der Frühling 1546 führte ihn zurück nach Frankreich, wo er den Oberbefehl über die Verteidigungskräfte Boulognes übernahm und mit Friedensverhandlungen begann. Am 7. Juni gipfelten seine Bemühungen im Vertrag von Camp, der festhielt, dass Boulogne bis zum Jahr 1554 in englischer Hand bleiben sollte und die Franzosen es anschließend zurückkaufen würden.

Lordprotektor von England mini|links|Edward Seymour von einem unbekannten Künstler Durch den Fall seines alten Rivalen Thomas Howard, 3. Duke of Norfolk und die Hinrichtung dessen Sohnes Henry Howard, Earl of Surrey im Jahr 1547 wurde Seymours politische Position gestärkt. In seinem Testament ernannte ihn Heinrich VIII. zu einem der Geheimräte, die während der Minderjährigkeit des jungen Thronfolgers Eduard die Regierung führen sollten. Gleich in den ersten Sitzungen des Geheimen Rats nach Heinrichs Tod am 28. Januar 1547 wurde Seymour allerdings zum Lordprotektor des Königreichs und zum Duke of Somerset und Baron Seymour erhoben. Barret L. Beer argumentiert, dass der Rat möglicherweise Heinrichs Vorgaben nicht praktikabel fand und stattdessen eine Regierungsform bevorzugte, die sich einfacher in die Tat umsetzen ließ. Mit seiner Ernennung zum Lordprotektor erhielt Seymour auch die Ämter des Earl Marshal und Lord High Treasurer und übte damit mehr Macht aus als jeder andere englische Untertan seit Beginn der Tudorzeit.