mini|Südhälfte der Insel Nonnenwerth vom Rolandsbogen aus gesehen mini|Nordhälfte der Insel Nonnenwerth mini|Nordspitze der Insel im Bonner Ortsteil Mehlem mini|Südspitze der Insel bei Rolandseck
Nonnenwerth (früher auch Rolandswerth) ist eine Rheininsel zwischen Rolandswerth und Bad Honnef (Stromkilometer 642) gegenüber der Insel Grafenwerth und gegenüber von Rolandseck.
Die Insel war seit Anfang des 12. Jahrhunderts mit Unterbrechungen Standort eines Klosters, das von den Benediktinerinnen gegründet und 1854 von den Franziskanerinnen übernommen wurde. Seitdem beherbergte das Kloster auch eine franziskanische Bildungsanstalt, die als Mädchenpensionat begann und später zum allgemeinbildenden Gymnasium wurde. Im Jahr 2020 erfolgte die Privatisierung der Insel und der Schule. 2021 wurde das Kloster und 2022 die Schule geschlossen.
Geographie Die Insel Nonnenwerth ist rund zwei Kilometer lang und an der breitesten Stelle knapp 180 Meter breit. Der Hauptteil mit den Kloster- und Schulanlagen befindet sich auf dem Gebiet der linksrheinischen Stadt Remagen im rheinland-pfälzischen Landkreis Ahrweiler. Innerhalb Remagens ist der Hauptteil mit dem Wohnplatz Insel Nonnenwerth dem Ortsbezirk Rolandswerth zuzurechnen, der Südteil auf Höhe von Rolandseck dem Ortsbezirk Oberwinter. Der schmale, etwa sieben Meter breite und 300 Meter lange nördlichste Teil der Insel liegt auf dem Gebiet des Bonner Ortsteils Mehlem im Stadtbezirk Bad Godesberg und gehört somit zu Nordrhein-Westfalen. Auf der anderen Seite des Rheins (Hauptstrom) befindet sich die kürzere, aber deutlich breitere Insel Grafenwerth, die zum Stadtgebiet von Bad Honnef gehört. Zwischen beiden Inseln verläuft die gemeinsame Grenze der bereits genannten Länder. Südlich von Nonnenwerth setzt bei Stromkilometer 640 eine Rheinfähre vom Bad Honnefer Lohfeld nach Rolandseck über.
Die Insel befindet sich orographisch links bzw. westlich des Hauptstroms des Flusses in der sogenannten Nonnenwerther Stromspaltung des Rheins, der sich dort zu drei (früher vermutlich: vier) Armen aufweitet. Die Stromspaltung wurde im 19. Jahrhundert umfassend verändert, wobei die Insel Nonnenwerth 1866/67 ihre heutige Nordspitze und 1870–1872 ihre heutige Südspitze jeweils als 400–500 m langes Richt- bzw. Separationswerk erhielt. Das durch die 1882–1884 an der Südspitze errichteten Buhnen abgedeckte Gebiet wurde später Teil der Landmasse der Insel.Robert Jasmund: Die Arbeiten der Rheinstrom-Bauverwaltung 1851–1900. Halle a.S. 1900, S. 102–105. (online PDF; 1,3 MB) Bereits 1852 war es am unteren Inselende als Reaktion auf schwere Abbrüche durch ein Hochwasser aus dem Jahr 1845 zu Befestigungsmaßnahmen gekommen. Im Zuge der Rheinregulierung plante die Preußische Rheinstrombauverwaltung ab den 1850er-Jahren die Einrichtung eines Schutzhafens im Altarm der Insel Grafenwerth. Die dazu notwendige Schließung des Altarms hätte den Wasserdruck im Hauptstrom erheblich ansteigen lassen mit der Folge einer Überspülung der Insel Nonnenwerth.
Morphologisch liegt die Insel unmittelbar vor dem Austritt des Rheins aus dem Rheinischen Schiefergebirge in die Niederrheinische Bucht und damit am Beginn des Übergangs vom Mittelrhein in den Niederrhein. (PDF; 1,9 MB), Landesumweltamt Nordrhein-Westfalen, Essen 2003, S. 7 u. 28 Naturräumlich ist sie der Honnefer Talweitung zuzurechnen, die sich linksrheinisch durch ein bis über 100 m hohes Steilufer kennzeichnet, dem rechtsrheinisch ein wesentlich breiterer, halbmondartig aufgeweiteter Talbereich gegenüberliegt. In geologischer Hinsicht gehört die Insel zu der Jüngeren Niederterrasse des Rheins, deren Ablagerungen im Wesentlichen aus Kies und Sand bestehen.Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen (Hrsg.); Gangolf Knapp, Klaus Vieten: Geologische Karte von Nordrhein-Westfalen 1:25.000. Erläuterungen zu Blatt 5309 Königswinter. 3., überarbeitete Auflage, Krefeld 1995, S. 42. Auf Nonnenwerth sind im Südteil sowie an der Nordspitze Reste von Weiden-Flussauenwäldern sowie schützenswerte Einzelbäume erhalten. Vorhandene Ulmenbestände der Insel fielen dem allgemeinen Ulmensterben zum Opfer. Der Biotopkomplex Rheininsel Nonnenwerth umfasst eine Fläche von etwa 18 ha und wird als „von teilweise internationaler Bedeutung“ eingestuft., Osiris Rheinland-Pfalz, Stand 2000
Geschichte Das Benediktinerinnenkloster Nach einer Urkunde vom 1. August 1126 wurde vermutlich im Jahr 1112 oder 1122 durch Abt Cuno von Siegburg ein Kloster der Benediktinerinnen auf der damaligen Insel Ruleicheswerd (Rolandswerth) gegründet. Die Klosteranlage bestand aus mehreren Gebäuden, die sich um die durch einen markanten Westturm auffallende Klosterkirche gruppierten. Der Bau erfolgte gemeinsam mit dem der nahe über dem Rhein gelegenen Burg Rolandseck. Unterstützt wurde die Gründung des Frauenklosters durch den Kölner Erzbischof Friedrich I. von Schwarzenburg, der damit einen Mangel an Konventen im Erzbistum Köln beheben wollte. Rolandswerth war das erste Frauenkloster, das zur Siegburger Reform gehörte.Geschichte der Stadt, Festung und Abtei Siegburg im Herzogtum Berg, Köln 1926. 1148 wurde die Insel in einer Urkunde von Erzbischof Arnold I. von Köln Insula Beatae Mariae Virginis („Marienwerth“) genannt, weitere Erwähnungen erfolgten unter den Schreibweisen Rulecheswerde (1158), Ruleigeswerde (1170/71), Ruleiswerde (1171/72), Ruleicswerde (1187), Ruleckeswerde und Rulin(c)swerd(e). Ende des 12. Jahrhunderts lautete der Name in einem Klostersiegel Ruling(e)swerd(e) und nach 1280 erstmals Rulandswerde, Rulanzwerde und Rolandswerde.Schriftenreihe zur Trierischen Landesgeschichte und Volkskunde, Band 8, Ausgaben 11–19, 1963, S. 886
mini|Älteste erhaltene Ansicht von Insel und Kloster (1623) 1465 schloss sich der Orden einer benediktinischen Reformbewegung, der Bursfelder Kongregation an, und das Aufsichtsrecht ging von Siegburg auf Groß St. Martin in Köln über. 1476 wurde das Kloster im Burgundischen Krieg, dem zur selben Zeit auch die Burg Rolandseck zum Opfer fiel, gebrandschatzt und großenteils zerstört; auch das Klosterarchiv ging verloren. Der Wiederaufbau unter Beibehaltung weiter Teile des Vorgängerbaus erfolgte bis zur Neuweihe der Kirche im Jahr 1481. Im Truchsessischen Krieg wurde das Kloster 1583 erneut geplündert. Die Ankunft holländischer Soldaten veranlasste die Nonnen 1620 zur Flucht nach Köln, 1632 entkamen sie auf diese Weise schwedischen Truppen. Am Ende des Dreißigjährigen Kriegs befand sich das Kloster, auch durch die permanent hohen Ausgaben für die Befestigung der Insel (starke Hochwasser 1651/1658), in einer finanziellen Notlage.
Im Jahr 1706 begann eine neue Ausbauphase: Bis 1710 entstanden ein neues Beichthaus sowie ein weiterer Anbau. 1730 folgte der Bau einer als Herrenhaus bezeichneten Wohnunterkunft für Ordensgeistliche; die vierflügelige Gesamtanlage, um den Kreuzgang des Klosters angelegt, wurde 1736 fertiggestellt. Am 31. Januar 1773 brannten die Klostergebäude aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts nieder. Äbtissin Benedikta Conradt entschloss sich zum Wiederaufbau, der mit der Grundsteinlegung am 14. April 1773 begann und im Sommer 1775 mit der Weihe vollendet wurde. Er entstand nach Plänen des Koblenzer Baudirektors Nikolaus Lauxen und erfolgte zwecks Hochwasserschutz auf einem um 1,20 m erhöhten Bodenniveau.Klöster und Stifte in Rheinland-PfalzJutta Assel, Georg Jäger: Rolandsbogen und Nonnenwerth. In: Rheinmotive in Literatur und Kunst. Eine Dokumentation.
Säkularisation und Umwandlung in einen Gasthof mini|hochkant=1|Inseln Grafenwerth und Nonnenwerth (1796) Bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte das Kloster Rolandswerth zum kurkölnischen Amt Godesberg-Mehlem, 1798 wurde es unter französischer Verwaltung der Mairie Remagen zugeordnet.Wilhelm Fabricius: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, 2. Band: Die Karte von 1789. Bonn 1898, S. 61. 1802 erfolgte im Zuge der Säkularisation auf dem linken Rheinufer die Enteignung des Klosters. Mit kaiserlicher Verfügung vom 30. Oktober 1804 wurde den Nonnen gestattet, bis zu ihrem Lebensende auf der Insel zu wohnen. 1815 kamen die Klosteranlagen in den Besitz des Königreiches Preußen und wurden 1821 an den früheren Rentmeister des Fürsten von der Leyen, Caspar Anton Sommer, versteigert, der dort einen Gasthof eröffnete.
Der Gasthof verfügte über 50 Zimmer sowie Fest- und Speisesäle. Sommer ließ umfangreiche Gartenanlagen und am Südrand der Insel einen Buchenwald anlegen. Der Gasthof war kaum rentabel, sodass der Eigentümer ihn 1826 mithilfe einer Lotterie zu verkaufen versuchte. Später wurden die Räumlichkeiten unter Einwilligung Sommers von Studenten der Universität Bonn, vermutlich für gesetzlich untersagte Mensuren, genutzt. Zu den berühmtesten Gästen des Gasthofs gehörte neben dem amerikanischen Schriftsteller James Fenimore Cooper der Komponist Franz Liszt, der mit Gräfin Marie d’Agoult hier die Sommermonate der Jahre 1841 bis 1843 verbrachte. Das Stück Die Zelle in Nonnenwerth und die von Liszt zu seinem 30. Geburtstag 1841 gepflanzte „Liszt-Platane“Ines Pasz: , SWR2 MusikOrte erinnern noch heute an seinen Aufenthalt.
Im 19. Jahrhundert setzte sich der Name Nonnenwerth, erstmals Mitte des 17. Jahrhunderts für das Kloster verwendet, als Bezeichnung der Insel durch.Der Regierungsbezirk Coblenz nach seiner Lage, Begränzung, Größe, Bevölkerung und Eintheilung, samt einem doppelten Ortschafts-Verzeichniße, Kreis Ahrweiler, Coblenz 1817, S. 50.
Das Kloster der Franziskanerinnen mini|Kloster Nonnenwerth (um 1910) mini|Kloster Nonnenwert im Jahre 1966 Ab 1835 war Auguste von Cordier Eigentümerin der Insel. Auf ihr Betreiben wurden Haus und Insel am 8. August 1854 den Franziskanerinnen von der Buße und der christlichen Liebe im niederländischen Heythuysen übergeben, die dort das Kloster St. Clemens gründeten. Im Jahr 1843 zählte der Wohnplatz Nonnenwerth der damaligen Gemeinde Rolandswerth neben einem öffentlichen, einem Wohngebäude und drei Wirtschaftsgebäuden 15 Einwohner, bis 1885 stieg die Zahl auf 87 Einwohner.Topographisch-statistische Übersicht des Regierungs-Bezirks Coblenz, Kreis Ahrweiler, Coblenz 1843, S. 12. Infolge des Kulturkampfes zogen 1877 verschiedene Schwestern nach Meerssen in den Niederlanden, wo sie ein neues Kloster und Mädchenpensionat gründeten: das „Deutsche Haushaltungspensionat Marienwerth“ (1877–1954).'Maastricht. Gouden jubileum', in: Limburgs Dagblad, Maastricht, 10. Juni 1929, S. 3., abgerufen am 17. Oktober 2023. 1900 wurde das Kloster Sitz der neugegründeten deutschen Provinz der Heythuyser Kongregation.
Während des Ersten Weltkrieges entstand auf Nonnenwerth ein Lazarett. Im Zweiten Weltkrieg wurde erneut ein Lazarett auf der Insel eingerichtet (bis 1942), in dem geistig und körperlich behinderte Mädchen und Frauen unterkamen. Auch eine Lehrerinnenbildungsanstalt hatte zwischen 1942 und 1943 auf der Insel ihren Standort, von 1943 bis 1947 zudem die evakuierte Kölner Universitäts-Kinderklinik. Spätestens in den ersten Nachkriegsjahren endete die landwirtschaftliche Nutzung des Nordteils der Insel.
Das Kloster St. Clemens war seit 1948 Sitz der franziskanischen Ordensprovinz Maria Immaculata. 2010 gehörten ihr 97 Schwestern an, von denen 25 in St. Clemens lebten.Fest auf der Rheininsel, Paulinus, Mai 2010 Das Klosterarchiv beherbergt eine Sammlung historischer Quellen, zu der unter anderem die Große Benedikterinnenchronik, das Haushaltungsbuch und die Unkeler Chronik gehören. Ein offenes Klostermuseum bestand seit 1991. Ein Besuch war nur über die linksrheinische, klostereigene Personenfähre oder während der Schulzeit auch über das private Fahrgastschiff „Grafenwerth“ (vom rechtsrheinischen Grafenwerth) möglich. Mit der Schließung der Schule im Juli 2022 wurde der Fahrbetrieb eingestellt.