mini|Luftbild 2008
Schweinheim (lokale Aussprache: []) ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Aschaffenburg mit 10.786 Einwohnern (31. Dezember 2021) und gehört zum Regierungsbezirk Unterfranken im Freistaat Bayern der Bundesrepublik Deutschland.
Geographie mini|Lage von Schweinheim in Aschaffenburg
Der Stadtteil liegt am rechten Mainufer im südlichen Stadtgebiet am Rand des Naturparks Spessart. Er wird begrenzt durch den Main, den Stadtteil Obernauer Kolonie, die Bahnlinie Aschaffenburg – Miltenberg der Maintalbahn, die Schweinheimer Straße, die Rhönstraße, die Würzburger Straße, die Gemeinde Haibach im Landkreis Aschaffenburg, den Stadtteil Gailbach, durch die Marktgemeinde Sulzbach im Landkreis Miltenberg und den Stadtteil Obernau. Der Stadtteil hat eine Fläche von 1598 Hektar. Der topographisch höchste Punkt der Gemarkung und des Stadtteils Schweinheim befindet sich auf dem Weißberg südöstlich des benachbarten Aschaffenburger Stadtteils Gailbach mit 358 m ü. NHN. Dieser Punkt wird in seiner Höhe um etwa elf Meter durch den Aussichtsturm auf dem Stengerts überragt. Der niedrigste Punkt der Schweinheimer Gemarkung liegt im Main oberhalb der Mündung des Hensbaches, von dem Schweinheim durchflossen wird, auf 108,5 m ü. NHN.
Nachbargemarkungen Folgende Gemarkungen grenzen an das Ortsgebiet von Schweinheim:
Name In alten Urkunden und Karten stehen noch die Bezeichnungen Oberhayn, Oberhaim, Schweinhain bzw. Unterhayn, Under Schweinhaug bzw. Elderberg, Hayn oder Hagen lateinisch indago. In der Region Aschaffenburg gab bzw. gibt es mehrere Ortschaften mit der Bezeichnung Hayn. Eine davon bildet heute einen Teil der Gemeinde Laufach und heißt Hain. In alten Urkunden werden laut Dahl auf dem Gebiet des heutigen Schweinheim zwei Gebäudeansammlungen mit dem Wort Hayn bezeichnet. Später wandelte sich der Name zu Oberhayn und Unterhayn. In einer Urkunde aus dem Jahre 1308 wird erstere Siedlung als Superiore Indagine (vom lateinischen indago) bezeichnet. Dies impliziert laut Dahl, dass es ein weiteres Dorf untergeordneten Ranges gegeben haben muss, folglich Unterhain. Schweinfest verweist jedoch darauf, dass es sich bei dem Ort Obernhain (lat. indago superior) um das heutige Obernau gehandelt haben soll. Letztlich entwickelten sich die Ortsbezeichnungen Schweinheim, Unterschweinheim und Elterhöfe.
Gleichnamige Orte namens Schweinheim gibt es bei Bonn, Euskirchen und im Elsass, wo Schweinheim heute Schwenheim geschrieben wird. Von Schwanheim am Main ist die historische Schreibweise Sueinheim überliefert. Schweinheim ist der Name eines untergegangenen Dorfes bei Jockgrim in der Pfalz, von dem nur das sogenannte Schweinheimer Kirchel erhalten geblieben ist. Geschichte
Im Jahre 1218 überträgt Gottfried von Kugelnberg, Probst zu (Ober-)Mockstadt, Domherr und Archidiakon zu Würzburg, das Patronatsrecht der Kirche in Hösbach und sein väterliches Erbgut in Hagen dem Würzburger Kanoniker Konrad von Kugelnberg. Dieser soll es dem neuen Kloster in Hagen (laut Dahl heutiges Schweinheim) zuwenden. Dabei dürfte es sich um das Gebiet im Bereich der Klosterrainstraße handeln. Der Standort des Klosters ist in der vorhandenen Literatur nicht mehr eindeutig zu recherchieren.
Am 1. November 1249 erhielten die Einwohner durch Erzbischof Christian II. die gleichen Rechte und Freiheiten wie die Bürger Aschaffenburgs. Dadurch waren sie von den Vogteileistungen und vom Militärdienst befreit. Dafür mussten sie die bischöflichen Weinberge in Schweinheim bearbeiten und Handdienste leisten, wenn der Kurfürst und Erzbischof im Schloss von Aschaffenburg weilten. Etwa in der Zeit der Bauernkriege (um 1525) verlor Schweinheim wiederum sein Aschaffenburger Bürgerrecht und erlangte gemeindliche Selbstständigkeit.Vorbeck, K. & Bachmann, H. (2014). Schweinheim und Nachbargemeinden in alten Verzeichnissen 1686–1551 und der Pinzig-Karte 1594 (S. 193). Heimat- und Geschichtsverein Aschaffenburg-Schweinheim.
Im Rahmen der Türkenkriege oder zutreffender Osmanenkriege wurde auch in der Centha Spechshardt die Türkensteuer erhoben. Gemäß den Aufzeichnungen von 1551 gab es zu dieser Zeit 61 Haushalte in Schweinheim.Vorbeck, K. (2014). Schweinheim und Nachbargemeinden in alten Verzeichnissen 1686–1551 und der Pinzig-Karte 1594 (S. 243). Heimat- und Geschichtsverein Aschaffenburg-Schweinheim.
Ein Stein mit dem Wappen des Kurfürsten Daniel Brendel von Homburg und der Jahreszahl 1579 über einem zugemauerten Torbogen der Friedhofsmauer auf dem Haidberg zeugte noch 1886 zusammen mit Kellerreirechnungen von der Existenz eines herrschaftlichen Hofgutes an dieser Stelle.
Der Dreißigjährige Krieg hinterließ auch in Schweinheim deutliche Spuren. Vor dem Einfall der Schweden im Jahre 1631 zählte der Ort noch 87 männlich geführte Haushalte; im Jahr 1650 waren es nur noch 32. Der drastische Rückgang verdeutlicht die Folgen von Krieg, Pest und Hungersnöten für die lokale Bevölkerung.Bachmann, H., & Syndikus, J. (2014). Schweinheim und Nachbargemeinden in alten Verzeichnissen 1686–1551 und der Pinzig-Karte 1594 (S. 102). Heimat- und Geschichtsverein Aschaffenburg-Schweinheim. Diese Zahl erholte sich nur langsam. Noch 1668 lebten lediglich 35 Männer, 36 Frauen, 57 Jungen und 44 Mädchen in Schweinheim.Bachmann, H., & Jung, E. (2014). Schweinheim und Nachbargemeinden in alten Verzeichnissen 1686–1551 und der Pinzig-Karte 1594 (S. 77). Heimat- und Geschichtsverein Aschaffenburg-Schweinheim. Noch 1675 gab es laut der Schweinheimer Huldigung im Stadtteil lediglich 35 Haushalte. Dabei waren nur Männer zur Huldigung aufgefordert. Schätzungsweise kamen noch etwa 10 bis 15 Prozent Witwenhaushalte dazu.Huldigungsliste von 1675 Erst vierzig Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg war die Schweinheimer Bevölkerung wieder auf etwa 300 Einwohner angewachsen. Die Zahl der Häuser war bis 1886 auf 66 Gebäude angestiegen.
Aus dem Jahr 1700 ist die Abschrift des Schweinheimer Weistums von 1624 erhalten. Die Schweinheimer Gemarkung umfasste damals die Orte Schweinheim, Unterschweinheim und Elterhöfe.
1715 erhielt die Jüdische Distriktsgemeinde Aschaffenburg die Erlaubnis, ihren auf Schweinheimer Gemarkung an der Grenze zu Obernau gelegenen Verbandsfriedhof, den die jüdischen Gemeinden Goldbach, Mömlingen, Hofstetten, Großwallstadt, Niedernberg und Hausen mitbenutzten, eine Mauer zu ziehen.
Quellenmäßig unsicher wurde 1761 durch Nikasius Staudt die Brauerei „Zur Goldenen Rose“ gegründet.
Am 31. August 1784 wurden im sogenannten Reichemer Wald am Reichemer Brünnchen neben einem Pflugsech freigespülte Goldmünzen gefunden. Weitere Grabungen ergaben Schatzgeld im Gesamtwert von etwa 6.000 Gulden. Die Gold- und Silbermünzen datieren aus den Jahren 1297 bis 1629. Möglicherweise handelte es sich um Überbleibsel des Dorfes Reichenbach, welches um 1630 untergegangen ist.
Am Ende des Kurfürstentums Mainz gehörten Schweinheim, Unterschweinheim und die Elterhöfe neben anderen Gemeinden zur Amtsvogtei Schweinheim, die ihren Sitz in Aschaffenburg hatte. 1812 hatte die Munizipalität Schweinheim mit den vier Elterhöfen, Unterschweinheim und mehreren isoliert liegenden Mühlen 208 Feuerstellen und 1076 Seelen (Einwohner) und gehörte zur Districtsmairie Schweinheim im Departement Aschaffenburg des Großherzogtums Frankfurt. Maire war Jacob Heßler. Seine Adjunkte hießen Johann Oberle und Lorenz Hettinger. Nach dem Übergang zur Krone Bayern gehörte Schweinheim zu dem am 1. Oktober 1814 gegründeten Landgericht Aschaffenburg, das bis dahin Gericht Schweinheim genannt worden war. Am 17. Mai 1818 wurde aus den drei Orten die landgerichtliche Ruralgemeinde Schweinheim geschaffen.
1821 wurde Schweinheim von der Aschaffenburger Muttergottes-Pfarrei getrennt und bekam eine eigene Pfarrei mit den Filialen Gailbach, Haibach und Grünmorsbach. Ihr erster Pfarrer war Jakob Wollbach, der am 23. Januar 1821 vom Würzburger Juliusspital nach Schweinheim wechselte.
In Schweinheim wurde im frühen 19. Jahrhundert Porzellanerde und Reibesand abgebaut. 1829 wurde in Schweinheim die Viehtrift abgeschafft und die Stallfütterung eingeführt. 1832 bestand Schweinheim aus sieben Mühlen, sechs Höfen in Unterschweinheim, den Elterhöfen, aus 214 Häusern und zwei Ziegelhütten im Dorf selbst. Es zählte 1472 Einwohner und hatte eine schöne Gemeindewaldung sowie Obst und Weinbau.Joseph Anton Eisenmann, Karl Friedrich Hohn: Topo-geographisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern. Zweiter Band, S. 646, Erlangen 1832 1839 zählte Schweinheim 1582 Einwohner.
Am 16. Juli 1854 wurden im Pfarramt Schweinheim die Schulschwestern feierlich eingeführt und am 28. August 1854 beschenkte Ludwig I von Bayern die Gemeinde Schweinheim mit 200 Gulden zur Errichtung einer Kleinkinderbewahranstalt.
1859 gab es in Schweinheim eine Rettungsanstalt des St. Johannis-Zweigvereins zur Vorsorge gegen Verwahrlosung der Jugend. In diesem Jahr wurden von den armen Schulschwestern zwölf arme verwahrloste Kinder aus Nachbargemeinden verpflegt und erzogen.
Im Frühjahr 1860 wurde unter Gemeindevorsteher Rückert die Herbig, ein 22 Tagwerk großes, sumpfiges Gelände südwestlich der Ortslage mittels eines 16 Fuß breiten und 4 Fuß tiefen Grabens und dem abschnittsweisen Bau eines steinernen Drainagekanals von den genossenschaftlich organisierten Eigentümern von 275 Grundstücksparzellen unter der Leitung von Kreis-Wiesenbaumeister Philipp Ludwig Jox (* 30. Dezember 1806 in Ettingshausen; † 15. November 1874 ebenda) in sechswöchiger Arbeit meliorisiert. Für die Arbeiten im Wert von 600 bis 700 Gulden wurden nur 21 Gulden in bar ausgegeben. Die „Kosten der eigentlichen Technik“ übernahm die Kreisregierung von Unterfranken und Aschaffenburg aus ihrem Fonds. Infolge der in Schweinheim verbreiteten Aufgabe landwirtschaftlicher Nutzungen und Versumpfung hat der Herbigsbach heute zum Teil den rechtlichen Status eines Biotops, zum Teil den eines geschützten Landschaftsbestandteils, teilweise aber auch den eines Naturschutzgebietes. Nach dem Beispiel der Herbig wurde im selben Jahr auch der Wiesengrund des Gailbaches und Wiesengrundstücke am Hensbach für den Futterbau kultiviert.
Am 25. Januar 1874 wurde der Genossenschaftsvertrag der Darlehenskasse Schweinheim geschlossen.
1884 gab es in Schweinheim 35 Pferde, 738 Stück Rindvieh, 14 Schafe, 260 Schweine, 102 Ziegen und 34 Bienenstöcke.
Am 7. April 1889 wurde in Obernau das erste Aschaffenburger Wasserwerk mit einem 1.000 Kubikmeter fassenden Hochbehälter auf dem Bischberg eröffnet.
Im Jahr 1901 wurde am Schweinheimer Mainufer vom Königreich Bayern eine provisorische Schiffswerft zur Instandhaltung vor allem von Kettendampfern errichtet.
Vom Anfang des 20. Jh. bis in die 1950er Jahre wurde an der Gailbacher Straße Kalkspat gebrochen. Zunächst im Tagebau (Weißer Steinbruch), später an der gleichen Stelle im Heinrichsstollen und kurz vor Gailbach im Gertrudstollen.
Bis zur Eingemeindung des Eckertsmühlgebietes (17. November 1904Statistisches Jahrbuch für das Königreich Bayern, Bd. 10, 1909, S. 15) nach Aschaffenburg verlief die Grenze der Schweinheimer Gemarkung gegenüber der Städtischen Gemarkung auf der Linie Hensbach – Obernauer Straße – Am Häsbach – Bildstock Unterhainstraße – Bertastraße – Bahnweg 2 – Bavariastraße – Blütenstraße – Taunusstraße 1 – Odenwaldstraße – Wendehammer der Alois-Grimm-Straße – Rotwasserstraße – Kullmannstraße – Schlörstraße – Steubenstraße – Kindergarten Schwalbennest – Dümpelsmühlstraße 11 – Dörnbach.
Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde durch das Königreich Bayern ein Exerzierplatz – an der Stelle des späteren Truppenübungsplatzes Aschaffenburg angelegt.
Im Jahr 1922 wurde nach Plänen von Otto Leitolf an der Einmündung der Schulzengasse in die Marienstraße ein Ehrenhain mit Kriegerdenkmal aus Muschelkalk angelegt, das sogenannte neue Kriegerdenkmal. Die Pieta ist ein Werk von Bildhauer Hans Gehring.