Taichung () ist eine Millionenstadt in Taiwan. Sie erstreckt sich von der Westküste bis ins Zentrum der Insel Taiwan und ist eine von sechs regierungsunmittelbaren Städten der Republik China (Taiwan). Mit über 2,8 Millionen Einwohnern (2025) ist Taichung nach Neu-Taipeh die zweitgrößte Stadt des Landes.
Geographie Das Gebiet von Taichung wird vom Landkreis Miaoli im Norden, von den Landkreisen Changhua und Nantou im Süden, von der Taiwanstraße im Westen und im Osten von den Landkreisen Hsinchu, Yilan und Hualien begrenzt.
Die Küstenebene im Westen und das von dieser durch eine Hügelkette getrennte Taichung-Becken um die Kernstadt Taichung sind dicht besiedelt und hochindustrialisiert. Die drei einwohnerstärksten Bezirke Fengyuan, Dali und Taiping, die bis 2010 den Status von Großstädten hatten, liegen im Umland der Kernstadt. Im Osten reicht das Stadtgebiet weit in das unwegsame Taiwanische Zentralgebirge hinein. Dort umfasst der etwa 10.000 Einwohner (0,4 % der Stadtbevölkerung, Stand 2025) zählende Bezirk Heping (bis 2010 Landgemeinde) knapp die Hälfte des Stadtfläche.
Der Bezirk Heping hat Anteil am im Zentralgebirge liegenden Shei-Pa-Nationalpark sowie am bis zur Ostküste der Insel reichenden Taroko-Nationalpark. Der Xueshan (), mit 3.886 m der zweithöchste Berg Taiwans, liegt an der Grenze zum nördlichen Nachbarkreis Miaoli.
Klima Taichungs Klima gilt als eines der angenehmsten Taiwans. Das Wetter ist relativ mild mit einer angenehmen Brise, die von der Küste her in die Stadt hineinweht. Die Anzahl der Regentage ist geringer als im Norden Taiwans, die Temperatur niedriger als im Süden. Die Durchschnittstemperatur beträgt 23,3 °C, im Jahr fällt durchschnittlich 1773 mm Niederschlag.
Geschichte
Die Gegend wird seit mehr als 4000 Jahren von Menschen bewohnt. Zu Beginn der historischen Zeit lebten hier Ureinwohnerstämme der westtaiwanischen Ebene (Sammelbegriff Pingpu ), die Jagd und Ackerbau betrieben. Während der Qing-Dynastie (ab dem 17. Jahrhundert) wanderten zahlreiche Festlandschinesen aus den Provinzen Fujian und Kanton ein. Zu dieser Zeit entwickelte sich der Ort Dadun () zum wichtigsten Ort der Gegend. Heute erinnert die Da-Dun-Straße an die Ortschaft.
Während der japanischen Herrschaft über Taiwan (1895–1945) wurde der Ort in Taichū (, ) umbenannt. Ab 1903 wurden die Straßen im heutigen Zentrum der Stadt sowie der Stadtpark () angelegt.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Taichung eine Hochburg des taiwanischen Nationalismus. Während die meisten Schulen dieser Zeit von den Japanern errichtet wurden, wurde die Taichū-Mittelschule (heute Erste Städtische Fortgeschrittene Oberschule, First Senior High School, TCSFH) von Taiwanern mit dem Ziel gegründet, die taiwanische Kultur zu fördern.
1920 wurde die Insel Taiwan in sieben Präfekturen eingeteilt. Eine davon war die Präfektur Taichū, die das heutige Taichung sowie die späteren Landkreise Changhua und Nantou umfasste.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Taiwan zur Republik China. Die japanischen Verwaltungseinheiten wurden zunächst weitergeführt, jedoch umbenannt. Aus der Präfektur wurde der Landkreis Taichung. Das eigentliche städtische Siedlungsgebiet blieb als kreisfreie Stadt Taichung ausgegliedert. 1950 erfolgte eine Verwaltungsreform und die neuen Landkreise Changhua und Nantou wurden vom Landkreis Taichung abgetrennt. Am 25. Dezember 2010 wurde der umliegende Landkreis Taichung aufgelöst und in die Stadt eingemeindet. Dadurch stieg die Einwohnerzahl von knapp 1,1 Millionen auf über 2,6 Millionen und die Stadtfläche wuchs von 163 km² auf 2215 km² an. Gleichzeitig wurde Taichung aus der Provinz Taiwan ausgegliedert und erhielt den Status einer regierungsunmittelbaren Stadt.
Administrative Gliederung Die im Dezember 2010 vergrößerte Stadt Taichung ist in 29 Bezirke () eingeteilt. Von diesen liegen acht Bezirke in der „Kernstadt“ (Einwohner und Fläche Stand Juli 2025):
Bezirk(deutsch, chin., Hanyu Pinyin) EinwohnerJuli 2025Fläche[km²] Bev.-dichteEinw./km² 320px|Schematische Karte 238.05639,84675.974 316.37162,70345.046 186.10331,25785.953 143.5126,937620.686 113.6465,704219.923 18.0090,880320.458 77.6469,28558.362 128.2246,810118.829 Die übrigen 21 Bezirke sind aus den zuvor eigenständigen Städten und Gemeinden des Landkreises Taichung hervorgegangen (Einwohnerzahl Juli 2025):
Bezirkchin.EinwohnerFläche [km²]Einw./km²Hanyu PinyinTongyongWade-GilesTaiwanisch (POJ) Da’an 17.566 27,4045 641 Dà'ān Dà-an Ta-an Tāi-an Dadu 55.436 37,0024 1.498 Dàdù Dàdù Ta-tu Tōa-tō͘ Dajia 73.396 58,5192 1.254 Dàjiǎ Dàjiǎ Ta-chia Tāi-kah Dali 211.224 28,8758 7.315 Dàlǐ Dàlǐ Ta-li Tāi-lí Daya 94.881 32,4109 2.927 Dàyǎ Dàyǎ Ta-ya Tāi-ngé Dongshi 46.723 117,4065 398 Dōngshì Dongshìh Tung-shih Tang-sì Fengyuan 162.135 41,1845 3.937 Fēngyúan Fongyúan Feng-yüan Hong-goân Heping 10.490 1.037,8192 10 Hépíng Hépíng Ho-p'ing Hô-pêng Houli 52.885 58,9439 897 Hòulǐ Hòulǐ Hou-li Aū-lí Longjing 79.158 38,0377 2.081 Lóngjǐng Lóngjǐng Lung-ching Liông-chéⁿ Qingshui 90.738 64,1709 1.414 Qīngshuǐ Cingshuěi Ch'ing-shui Chheng-chúi Shalu 101.129 40,4604 2.499 Shālù Shālù Sha-lu Soa-la̍k Shengang 63.625 35,0445 1.816 Shéngāng Shéngang Shen-kang Sin-kóng Shigang 13.725 18,2105 753 Shígāng Shíhgang Shih-kang Chio̍h-kng Taiping 200.778 120,7473 1.663 Tàipíng Tàipíng T'ai-p'ing Thài-pêng Tanzi 109.283 25,8497 4.228 Tánzǐ Tánzǐh T'an-tzu Thâm-chúWaipu 30.849 42,4099 727 Wàipǔ Wàipǔ Wai-p'u Goā-po͘ Wufeng 62.952 98,0779 642 Wùfēng Wùfong Wu-feng Bū-hong Wuqi 64.565 16,6049 3.888 Wúqī Wúci Wu-ch'i Gō•-chhe Wuri 82.050 43,4032 1.890 Wūrì Wurìh Wu-jih O•-ji̍t Xinshe 22.660 68,8874 329 Xīnshè Sinshè Hsin-she Sin-siā Stadtbezirke von Taichung800px|verweis=
Bildung mini|Nationales Museum für bildende Kunst
In Taichung befinden sich 11 Universitäten und Colleges. Die drei wichtigsten Universitäten sind die Chung-Hsing-Nationaluniversität (), die Feng-Chia-Universität () und die Tunghai-Universität (), auf deren Campus die Luce-Gedächtniskapelle des Architekten Ieoh Ming Pei steht.
Wirtschaft Taichung ist ein Zentrum der weltweiten Fahrradindustrie. Der weltgrößte Fahrradhersteller Giant hat hier seinen Stammsitz. Viele kleine und teilweise hoch spezialisierte Zulieferer in der Stadt produzieren Fahrradkomponenten, die als OEM-Produkte weltweit unter anderem Namen vertrieben werden. Bekanntere Unternehmen sind der Nabenhersteller KT Quando und der Bremsenspezialist Tektro.
In Taichung befindet sich der Central Taiwan Science Park, in dem u. a. TSMC eine Halbleiterfabrik (Fab 15) betreibt.
Das Kraftwerk Taichung gehörte im Jahr 2025 zu den fünf Kraftwerken mit dem höchsten Kohlendioxidausstoß weltweit.
Sehenswürdigkeiten mini|Die Luce-Gedächtniskapelle mini|Taiwanische Heldengedenkstätte mini|Opernhaus Taichung (National Taichung Theater)
Zu den Sehenswürdigkeiten Taichungs zählt das 1993 eröffnete Nationalmuseum für Naturgeschichte. Es umfasst unter anderem einen botanischen Garten und ein Omnimax-Kino. Das Kunstmuseum der Stadt gilt als eines der besten in Taiwan, ein Großteil der Ausstellungen sind jedoch Wanderausstellungen.
Im Stadtgebiet befinden sich mehrere kleine und große Tempel, unter anderem aus dem 19. Jahrhundert, die verschiedenen Gottheiten der traditionellen lokalen Volksreligion gewidmet sind. Neben buddhistischen, taoistischen und Mazu-Tempeln gibt es auch einen Konfuziustempel.
In Taichung gibt es einige Nachtmärkte. Die Gegend um Yizhong () ist mit vielen kleinen Läden ein beliebter Treffpunkt. Zudem gibt es einige große Einkaufszentren.
Weitere Sehenswürdigkeiten sind das Opernhaus National Taichung Theater () des japanischen Architekten Toyo Ito, das 2014 fertiggestellt wurde, und die künstlerisch dekorierte Militärsiedlung Caihong.
Verkehr mini|Der alte Bahnhof von Taichung
Der innerstädtische Personennahverkehr wird hauptsächlich von ca. 275 Buslinien, die von verschiedenen Unternehmen betrieben werden, bewältigt. 2021 wurde außerdem die Metro Taichung eröffnet, die derzeit aus einer Linie besteht. Insgesamt sind fünf Linien geplant, wobei die geplante blaue Linie eine stillgelegte BRT-Strecke ersetzen wird.
Die Autobahn 1 (Sun-Yat-sen-Autobahn) und die Autobahn 3 verbinden Taichung mit anderen Städten an der Westküste Taiwans und mit Taipeh.
Taichung ist außerdem an die die Insel umrundende Eisenbahnstrecke angebunden. Alle wichtigen Züge der Nord-Süd-Verbindung halten hier. Der Hauptbahnhof wurde 1917 während der japanischen Kolonialzeit im Renaissance-Stil gebaut. Die Hauptstrecke der Taiwanischen Eisenbahn TR verzweigt sich im Bereich Taichung in zwei parallele Linien, von denen eine die Küstenebene und die andere das Taichung-Becken durchquert.
Taichung ist an die Hochgeschwindigkeitsbahn Taiwan High Speed Rail (HSR) angeschlossen. Der Bahnhof befindet sich südlich des Zentrums im Bezirk Wuri. Hier liegt auch der Bahnhof Wuri der Taiwanischen Eisenbahn, die dort die Trasse der HSR überquert. Express-HSR-Züge halten auf ihrem Weg von Taipeh nach Zuoying (Kaohsiung) und zurück nur in Taichung und Banqiao, gewöhnliche Züge außerdem in Taoyuan, Hsinchu, Chiayi und Tainan. Der HSR-Bahnhof ist an das Netz der Metro Taichung angeschlossen.
Der Flughafen Taichung (RMQ) ist der drittgrößte und neueste internationale Flughafen Taiwans. Er liegt etwa 20 km außerhalb des Stadtzentrums und wurde 2004 eröffnet. 2021 gab es Inlandsverbindungen nach Taipeh und Hualien sowie zu den zu Taiwan gehörenden Inseln Kinmen und Penghu. Internationale Verbindungen bestehen unter anderem nach Hongkong, Macau, Okinawa, Narita, Seoul-Incheon, Ho-Chi-Minh-Stadt, Hanoi und Bangkok. In der Volksrepublik China werden Hangzhou, Ningpo, Wuxi, Meizhou, Shenzhen, Guangzhou und Sanya angeflogen.
Der Hafen Taichung an der Taiwanstraße ist nach dem Hafen Kaohsiung der zweitgrößte Hafen Taiwans.
Stadtsymbole Wie viele Orte in Taiwan hat sich Taichung einige Lebewesen zu offiziellen Symbolen gewählt. Als „Stadtvogel“ gilt die Weißohrtimalie (Heterophasia auricularis, ), ein in den Wäldern Taiwans vorkommender Singvogel. Er soll die Hilfsbereitschaft der Bewohner Taichungs symbolisieren. Die „Stadtblume“ Taichungs ist die Blüte der Taiwan-Kirsche (Prunus campanulata, ), einer von der Insel Taiwan stammenden Kirschbaumart, die in einer Höhe von 300 bis 2000 Metern wächst und weiße bis blassrosafarbene Blüten aufweist, die gerne als Motiv für ornamentale Zwecke verwendet werden. Der offizielle „Stadtbaum“ ist Pinus morrisonicola, die „Fünfnadelige Pinie“, wörtl. „Fünfblättrige Pinie“ (), ein großer, dekorativer Nadelbaum, der endemisch in Taiwan vorkommt und gerne in der Landschaftsarchitektur verwendet und in Tempelanlagen, Palästen und Ziergärten angepflanzt wird. Seit altersher ist der Baum ein beliebtes Motiv in der chinesischen Malerei.
Kulinarisches Taichung ist für seine Teehäuser berühmt. Der schwarze Perlen-Milchtee (), auch Bubble Tea genannt, stammt aus Taichung. Außerdem sind die sogenannten Sonnenkekse () ein beliebtes Mitbringsel aus Taichung.
Söhne und Töchter der Stadt
Liu Sung-pan (1931–2016), taiwanischer Politiker Richard Lin (1933–2011), britischer Maler und Bildhauer Peter Chen (* 1947), US-amerikanisch-taiwanischer Informatiker David Ho (* 1952), US-amerikanisch-taiwanischer AIDS-Forscher Lai Shin-yuan (* 1956), Politikerin Huang Shan-shan (* 1969), Politikerin Peter Chao Yung-Chi (* 1973), römisch-katholischer Geistlicher, Weihbischof in Taipeh Lin Chia-ying (* 1982), Kugelstoßerin Chang Ming-huang (* 1982), Kugelstoßer und Diskuswerfer Hsiao Mei-yu (* 1985), Radsportlerin Joe Wu (* 1986), neuseeländischer Badmintonspieler Edward Chen (* 1996), Schauspieler Wu Tung-lin (* 1998), Tennisspieler Ye Hong-wei (* 1999), Badmintonspielerin Ke Xin-ping (* 2001), Beachhandballspielerin
Partnerstädte Taichung hat mit 23 Städten Partnerschaftsabkommen geschlossen (Stand: 2018, die Jahreszahlen geben das Jahr der Vereinbarung an): Columbia (South Carolina), U.S.A. (2014)