290px|mini|Pfarrkirche St. Dionysius von 1230, Mündelheims Wahrzeichen
Mündelheim ist ein altes, rechtsrheinisches Bauern- und ehemaliges Fischerdorf im großen Rheinbogen zwischen Kaiserswerth und Ruhrort bei Stromkilometer 765, seit der kommunalen Neuordnung von 1929 verwaltungstechnisch der Name eines Stadtteils des Stadtkreises Duisburg im Stadtbezirk Duisburg-Süd in Nordrhein-Westfalen.
Der Stadtteil besteht neben dem namensgebenden Ort Mündelheim aus den Orten Serm, Ehingen, Rheinheim sowie Holtum bzw. Holtumer Höfe und hat 6.205 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2025). Er unterscheidet sich in seiner Geschichte, Bevölkerungsstruktur und seinem Ortsbild von der Ruhrgebietsstadt Duisburg. Das Ortsbild erscheint nämlich über die Mündelheim umgebenden grünen Felder betrachtet und im Schatten der gotisch-romanische Kirche liegenden Häuser immer noch dörflich. Oft wird es als Ort der Ruhe bezeichnet. Beeinflusst wird es auch von seiner Nähe zu den Nachbarorten Düsseldorf-Wittlaer und Krefeld-Uerdingen. Tatsächlich war das alte Dorf Mündelheim über 1000 Jahre lang landwirtschaftlich geprägt. Durch seine Lage an dem großen Rheinbogen ist Mündelheim von drei Seiten von Wasser umgeben. Zum Schutz vor Hochwasser ist es durch einen Rheindeich vom Fluss getrennt.
Bis 1929 gehörte das Dorf Mündelheim zum bergischen Amt Angermund. Laut einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 956 vermachte König Otto I. 947 dem Stift Gandersheim im Harz seine Besitztümer in Mundilincheim. Durch den Stadtteil verläuft eine Sprachgrenze des deutschen Sprachraums, die Uerdinger Linie.
Geografie mini|hochkant|Mündelheim – südwestlichster Stadtteil von Duisburg
Lage Mündelheim ist der südlichste Stadtteil der Ruhrgebietsstadt Duisburg. Der Ort grenzt im Norden an Duisburg-Hüttenheim und im Osten an Duisburg-Ungelsheim, die südliche Grenze bildet Düsseldorf-Wittlaer. Der Rhein bildet im Westen die Grenze zu Krefeld-Uerdingen und Meerbusch-Nierst, wobei die Rheinbrücke eine enge Verbindung lediglich an Krefeld-Uerdingen herstellt.
Das Dorf selbst liegt in einem großen Rheinbogen, wodurch das Umland geprägt wurde. Durch Verlagerungen des Rheinbettes wurde über Jahrhunderte immer wieder Getriebe und Geröll heran- und abgetragen. Durch Hebungen entstanden Haupt- und Mittelterrassen; an der Niederterrasse liegt nur wenige Meter über dem Rhein, in einer Talmulde, der so genannten Aue, die Ortschaft. Durch Hochwasser wurden immer wieder Lehmschichten angeschwemmt. Soweit es der Boden zuließ, wuchs Wald in der Aue, der Großteil ist jedoch mit Wiesen und einigen Büschen bewachsen. In den letzten 2000 Jahren hat der Rhein bei Mündelheim sein Flussbett nur geringfügig verändert.
Im Norden befinden sich zwei Dünen aus der letzten Eiszeit, mit einer Höhe von 41 und . Sie entstanden während einer Trockenperiode, als feiner Sand durch Westwinde aus den Schotterflächen angeweht wurde. Die heute unter dem Namen Ehinger Berge bekannten Dünen dienten aufgrund ihrer Höhe in der Vergangenheit als Zufluchtsort während der Rheinhochwasser.
Namensgebung Wahrscheinlich wurde der Ort nach einem wichtigen Mann der ersten Bewohner, die sich im Ortsgebiet ansiedelten oder angesiedelt wurden, benannt. Die frühere Ortsbezeichnung lautete wohl Heim des Mundilio, die sich im Laufe der Jahrhunderte veränderte. So hieß der Ort u. a. Mundulingheim (um 947), Mundelchem (um 1565) oder Mulchem (um 1820). Es sind ungefähr 20 weitere Bezeichnungen bekannt.
Falsch ist hingegen die Meinung, dass der Ortsname von Mühlenheim herrührt, denn in Mündelheim hat es nie eine Mühle gegeben, zuständig war für das Dorf die Sandmühle am Heidberg.
Ortsentwicklung und Ortsteile mini|Rheinbrücke im Abendlicht Heute wird unter Mündelheim der Duisburger Stadtteil 710 verstanden, der aus den Ortsteilen Mündelheim, Ehingen, Serm und Rheinheim besteht.
Im Jahr 1975 wurden die Ortschaften Mündelheim, Ehingen, Rheinheim und Serm im neuen Stadtteilbezirk 710 Mündelheim zusammengefasst, weshalb es schwer ist, die genauen Einwohnerzahlen der einzelnen Stadtteile zu nennen. Zur Volkszählung 1970 hatte das Dorf Mündelheim 1554 Einwohner, Serm hatte 1482 Einwohner und Ehingen 1553 Einwohner. Heute hat der Ortsteil Mündelheim, der sich in Alt-Mündelheim und die Siedlungen Im Bonnefeld und Am Ehinger Berg gliedern lässt, etwa 4.100 Einwohner.
Alt-Mündelheim/Ortskern Mündelheim mini|links|Alt-Mündelheim Mit Alt-Mündelheim wird der Teil des Dorfes südlich der Bundesstraße 288 (auch Oberdorf genannt), rund um die Pfarrkirche St. Dionysius bezeichnet, sowie der nördlich Bundesstraße 288 und westlich der Uerdinger Straße liegende Teil (Unterdorf).
Zu Beginn des 10. Jahrhunderts war Mündelheim ein großes Fischerdorf. Erste verlässliche Einwohnerzahlen stammen aus dem Jahr 1801, damals lebten in Mündelheim 546 Menschen. Mit der industriellen Revolution erlebte Mündelheim einen starken Zuzug, 1871 hatte Mündelheim 757 Bewohner, 1907 waren es 902 und bis 1939 stieg die Zahl auf 1150 Einwohner. Durch den steigenden Wohnbedarf wuchs die Flächennutzung durch Wohnbebauung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg betrug die Einwohnerzahl noch 858, danach stieg sie lange Zeit stetig. Mündelheim wuchs durch zahlreiche Neubaugebiete: so wurden 1969 in Alt-Mündelheim Eigentumswohnungen am Schwalbenweg als Terrassenhäuser in 2- und 3-geschossiger Bauweise errichtet.
Siedlungen Am Ehinger Berg und Im Bonnefeld Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten die Mitglieder der Gemeinschaft der Siedler am Ehinger Berg e. V. in Eigenleistung und mit gegenseitiger Hilfe die sog. Siedlung östlich der Ehinger Straße, die auch der Siedlerstraße ihren Namen gab. Anfang der 1970er Jahre wurden die Hochhaussiedlungen Im Bonnefeld und Am Ehinger Berg errichtet, unter anderem vom Versorgungswerk der Ärztekammer. Die Hochhäuser brachten einen Zuzug von mehr als 1.000 Menschen nach Mündelheim.
Ortsteil Serm Mit etwa 2.000 Einwohnern ist Serm heute nach Mündelheim der größte Ortsteil. Serm, dessen Name im Keltischen Langendorf bedeuten könnte, wurde erstmals 1072 erwähnt. Der Ortsteil gehört heute zu den weit herausragenden archäologischen Stätten innerhalb des Stadtgebietes von Duisburg. Funde und Befunde überliefern die Gründung einer überregional bedeutenden Vorgängersiedlung noch unter spätrömischer Herrschaft in der Zeit der zweiten Hälfte des späten 4. Jahrhunderts. Es handelt sich um eine rechtsrheinische Brückenkopfsiedlung an einem Rheinübergang gegenüber dem in Konstantinischer Zeit zu einer spätantiken Festung ausgebauten Kastell Gelduba (Krefelder Stadtteil Gellep-Stratum). Der heutige Ortsteil Serm, welcher östlich von Mündelheim liegt, wurde nach Aufgabe der spätantiken Siedlungsgründung, deren Name nicht überliefert ist, von Bauern, die vor den ständigen Bedrohungen durch Hochwasser des Rheines geflüchtet waren, an einer einige hundert Meter weiter östlich gelegenen Stelle neu gegründet. 2014 setzten umfangreiche Projekte der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)Deutsche Forschungsgemeinschaft, Projekt "Häfen" und des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) zur Erforschung der älteren Vorgängersiedlung ein. Der Platz beherrschte dem reichen Fundgut zufolge, zusammen mit dem linksrheinischen Kastell, den Flussübergang eines Fernweges aus der Maasregion in Richtung Westfalen. Heute weist Serm einen ländlichen Charakter auf. Besonders bekannt ist das Dorf durch sein ausgelassenes Karnevalstreiben am Faschingssonntag, das jedes Jahr für einen Ansturm von „Narren“ auch aus dem weiten Umfeld sorgt., Der Westen 3. Februar 2008
Ortsteil Ehingen mini|Duisburg-Ehingen Ehingen im Norden von Mündelheim liegt auf einer der beiden Dünen aus der Eiszeit. Zurückgeführt wird der Name auf den erstmals 1221 erwähnten Ehinger Hof. Dieser entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem kleinen Fischerdorf, das durch die Ausdehnung der Schwerindustrie an der Rheinschiene fast ganz verschwunden ist. Heute stellt sich Ehingen als kleine grüne Oase, direkt am Rhein gelegen, in unmittelbarer Nachbarschaft der Stahlindustrie dar.
Ortsteil Rheinheim Der kleinste Ortsteil ist Rheinheim, welcher südlich der Sportanlage des TuS Mündelheim liegt. Er besteht nur noch aus einem Bauernhof und drei Wohnhäusern. In dem kleinen Ort leben etwa 20 Menschen. Bevor sich der Rhein verlagerte, war Rheinheim um ein Vielfaches größer. Erstmals wurde es 1072 erwähnt, jetzt ist Rheinheim durch eine beabsichtigte Deichverlegung gefährdet.
Ortsteil Holtum/Holtumer Höfe Bis 1929 gehörten die Holtumer Höfe, die in einigen älteren Karten auch als kleiner Ort Holtum verzeichnet sind, zu Bockum (Düsseldorf). 1929 wurden die nördlichen Gebiete von Bockum, die Holtumer Höfe, der Stadtgemeinde Duisburg-Hamborn zugeschlagen, während der Rest Bockums mit den Orten Wittlaer, Einbrungen, Froschenteich, Kalkum und Zeppenheim zur neuen Großgemeinde Wittlaer zusammengeschlossen wurde. Aufgrund der nahen Lage werden die Holtümer Höfe heutzutage meist zum (Duisburg-Mündelheimer) Ortsteil Serm gezähltGut Postenhof, befinden sich aber strenggenommen in Bockum, das sich heute auf die beiden Städte Duisburg und Düsseldorf erstreckt. Der Ort wird urkundlich bereits im Jahr 802 als Holtheim erwähnt. Damals verkaufte ein Betto dem Werdener Abt Liudger einen Kothen bei Holtum.Kau (1984), S. 48 ff. Aus dem 14. Jahrhundert stammen frühe Erwähnungen von Holtumer Bauernhöfen. Im Bereich Holtum stieß man ferner auf ein fränkisches Grabfeld, das etwa aus dem 5. bis 8. Jahrhundert stammt.Kleine Geschichte der Stadt Duisburg, S. 29 und S. 106. Heute wird das als Holtumer Höfe bezeichnete Gebiet größtenteils durch den Holtumer Mühlen-, den Holtumer und den Postenhof gebildet.
Geschichte von Mündelheim Vor- und Frühgeschichte Die erste Siedlung auf dem heutigen Mündelheimer Gebiet entstand um 750 n. Chr. Dabei handelte es sich um eine der jüngeren fränkischen Siedlungen in der Umgebung, was man aus Endsilbe –heim schließen kann. Ältere Ortschaften haben die Endungen -um wie Walsum, Alsum oder Kalkum, wo im Gegensatz zu Mündelheim Hinweise auf die Frankenzeit gefunden wurden, wie zum Beispiel fränkische Friedhöfe. Die Ansiedlung der Franken in der Region war eine Folge des Endes der Römerzeit, aus der sich in Mündelheim nur wenige Spuren finden lassen (was durch den Rhein als natürliche Grenze zu erklären ist). Der Abzug der rheinischen Legionen des Feldherrn Stilicho im Jahr 405 löste eine Völkerwanderung mehrerer germanischer Stämme aus.
Schon 400 Jahre zuvor war der große Rheinbogen bereits Schauplatz einer Episode des Bataver-Aufstandes. Nach einem Bericht von Tacitus wurde ein für Gellep bestimmtes römisches Getreideschiff, welches in Höhe des heutigen Mündelheims gestrandet war, von ansässigen Brukterern überfallen. Am Anfang der Dorfgeschichte stand somit der Rhein, der in den folgenden Jahrhunderten einen großen Anteil an den Mündelheimer Geschichtsabschnitten hatte.
Es dauerte bis zum 4. Mai 947, bis Mündelheim das erste Mal urkundlich erwähnt wurde. Dabei wurde Mundulingheim in einer Schenkung König Ottos I. an das Stift Gandersheim im Harz übertragen. Die erstmalige Erwähnung Mündelheims fällt mit der Geburt Deutschlands zusammen. Am 29. Dezember 1072 schenkte Kaiser Heinrich IV. das Reichsgut Kaiserswerth der villae Mundulingheim, um sich Städte, Adlige und Ministeriale gewogen zu machen. Zu diesem Zeitpunkt war es ein bäuerliches Dorf am Rhein.Mündelheim – Heimat im großen Rheinbogen, S. 16.
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