mini|hochkant=1.3|Ebermannstadt

Ebermannstadt (oberfränkisch: Ärmaschdood) ist eine Kleinstadt im oberfränkischen Landkreis Forchheim und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Ebermannstadt. Sie ist Teil der Metropolregion Nürnberg.

Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt im Freistaat Bayern, rund 35 km nördlich von Nürnberg und etwa 25 km südöstlich von Bamberg im Naturpark Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst im Tal der Wiesent auf einer Höhe von 292 bis . Durch ihre Lage nennt sich die Stadt „das Herz der Fränkischen Schweiz“ und sieht sich als Eingangstor zur Fränkischen Schweiz. Bis 1972 war Ebermannstadt Sitz des gleichnamigen Landkreises.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn):

Eggolsheim, Unterleinleiter, Wiesenttal, Gößweinstein, Pretzfeld, Weilersbach

Stadtgliederung Die Gemeinde Ebermannstadt hat 17 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Die Stadtverwaltung listet 15 Stadtteile, die den 17 Gemeindeteilen entsprechen mit der Abweichung, dass die Gemeindeteile Breitenbach und Rothenbühl im Stadtteil Ebermannstadt enthalten sind. Die Bevölkerung der 15 Stadtteile zum Stichtag 31. Dezember 2018:Bildungsbüro des Landkreises Forchheim: Leben und Lernen in Ebermannstadt. Stand Mai 2019 Buckenreuth (120) Burggaillenreuth (159) Ebermannstadt (4561) Eschlipp (60) Gasseldorf (478) Kanndorf (38) Moggast (199) Neuses (85) Niedermirsberg (537) Poxstall (40) Rüssenbach (309) Thosmühle (6) Windischgaillenreuth (88) Wohlmuthshüll (232) Wolkenstein (67)

Gemarkungen Es gibt 11 Gemarkungen auf dem Stadtgebiet: Die Gemarkung Ebermannstadt entspricht der ursprünglichen Umfang des Stadtgebiets vor der ersten Eingemeindung 1939. Die übrigen Gemarkungen entsprechen den früheren Gemeinden. Von der Gemarkung Wohlmannsgesees liegt nur der Gemarkungsteil 0 mit dem Dorf Kanndorf auf dem Stadtgebiet von Ebermannstadt. Der Gemarkungsteil 1 mit dem Dorf Wohlmannsgesees liegt auf dem Gebiet der nördlichen Nachbargemeinde Wiesenttal. Die 11 Gemarkungen mit den 17 Gemeindeteilen:

Gemarkungs-schlüssel Gemarkung Flächehttps://geoindex.io/ha EinwohnerZensus2011-05-09 Einge-meindung Gemeindeteile092626 Ebermannstadt 445,74 1519 1818 Ebermannstadt, Rothenbühl092624 Breitenbach 666,08 2738 1939 Breitenbach092627 Neuses 341,35 130 1971-01 Neuses, Poxstall092628 Rüssenbach 336,43 522 1971-01 Rüssenbach092623 Gasseldorf 449,45 484 1971-04 Gasseldorf092625 Niedermirsberg 572,06 548 1971-04 Niedermirsberg092629 Wohlmuthshüll 860,85 366 1972-01 Wohlmuthshüll, Buckenreuth092630 Burggaillenreuth 477,19 226 1976-07 Burggaillenreuth, Windischgaillenreuth092631 Moggast 360,88 281 1976-07 Moggast, Thosmühle, Wolkenstein092622 Eschlipp 327,64 56 1972-07 Eschlipp0926080 Wohlmannsgesees Teil 0 157,61 26 1978-05 Kanndorf  Stadt Ebermannstadt 4995,28 6896 17 Gemeindeteilemini|hochkant=1.333|zentriert|Gemarkungen der Stadt Ebermannstadt

Etymologie Der Name entstand wahrscheinlich vor der Fränkischen Landnahme im Jahr 531. Im heutigen Ebermannstadt lag die Stätte des Ebermar, eines Stammeshäuptlings. Aus seinem Namen bildete sich später der Ortsname Ebermannstadt.

Geschichte mini|hochkant=1.3|Ebermannstadt im Jahr 1928 Entstehung und Stadtschicksale bis zum 17. Jahrhundert Das Dorf wurde 531 vom Stamm der Thüringer gegründet, aber erst 981 urkundlich als kaiserliche „villa Ebermarstad“ erwähnt; es gehörte zu dieser Zeit zum Kloster St. Peter in Aschaffenburg. 1194 wurden „Thimo und Cunradus de Ebermarstatt“ genannt. 1200 besaßen die Herren von Schlüsselberg den Ort. Die Kirche wurde erstmals 1308 erwähnt.

König Ludwig der Bayer erteilte seinem Getreuen und Grundherren Konrad II. von Schlüsselberg, der nach Waischenfeld Ebermannstadt ausbaute, 1323 das Markt- und Stadtrecht. 1349 wurde der schlüsselbergische Besitz aufgeteilt. 1390 kam Ebermannstadt zum Hochstift Bamberg und unterstand damit dem Fürstbischof von Bamberg.

In den Wirren der Hussitenkriege brannten die Hussiten 1430 die Stadt nieder. 1469 wurde die Gemeinde zur selbständigen Pfarrei erhoben. Ein Streit um Braurechte mit dem benachbarten Pretzfeld führte 1510 zum Bierkrieg. Albrecht Dürer weilte 1515 in Ebermannstadt und schuf ein Ölgemälde der Stadtansicht. Das Ende des Zweiten Markgrafenkriegs 1552 brachte die Verwüstung Ebermannstadts durch Truppen des Markgrafen Albrecht Alcibiades. Im Dreißigjährigen Krieg besetzten die Schweden 1633 den Ort.

Ab dem 18. Jahrhundert Um 1750 verfasste der Schulrektor Frantz Melchior Freytag die Ebermannstädter Liederhandschrift. Während des Siebenjährigen Krieges quartierten sich preußische Soldaten im Ort ein. In den Koalitionskriegen besetzten 1796 durchziehende französische Truppen Ebermannstadt. Als Folge der bayerischen Säkularisation 1802/1803, ausgelöst durch die militärischen Erfolge Napoléon Bonapartes, wurde Ebermannstadt Teil des Kurfürstentums (ab 1806 Königreich) Bayern; 1862 wurde der Landkreis Ebermannstadt gebildet, der bis zur Gebietsreform 1972 bestand.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte für Ebermannstadt technischen Fortschritt, so wurde 1891 die Bahnlinie Forchheim – Ebermannstadt, 1903 ein Elektrizitätswerk und 1907 das Kreiskrankenhaus eingeweiht. 1909 verheerte ein Hochwasser die Stadt. Der Anschluss an das bayerische Verkehrsnetz wurde durch weitere Eisenbahnstrecken gefördert; ab 1915 führte eine Linie nach Heiligenstadt (bis 1960 Personenverkehr, 1968 stillgelegt), 1922 feierte man die Eröffnung der Linie über Gasseldorf nach Muggendorf (später verlängert bis Behringersmühle, 1976 eingestellt, heute Museumsbahn). 1922/1923 entschloss sich die Stadtverwaltung zum Bau eines öffentlichen Wasserleitungsnetzes. 1941 wurde auf dem Berg Feuerstein westlich der Stadt ein Laboratorium für Hochfrequenztechnik eingerichtet. Burg Feuerstein dient als katholische Jugend- und Begegnungsstätte.

Am 14. April 1945 wurde Ebermannstadt von Einheiten der US Army erreicht. Dabei lieferte sich eine Flakbatterie am östlichen Ortsrand ein Feuergefecht mit den Amerikanern, wobei 13 deutsche Soldaten den Tod fanden. Am 18. Juli 1945 fanden im Gemeindeteil Wohlmuthshüll die ersten freien, demokratischen Wahlen Nachkriegsdeutschlands statt.

Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg Die Jahre des Wirtschaftswunders brachten Ebermannstadt wirtschaftlichen und sozialen Aufschwung; der Segelflugplatz (1952), die Realschule (1954) und das Freibad (1965) wurden eröffnet. Die evangelische Kirche weihte 1961 die Emmauskirche. Das Gymnasium Fränkische Schweiz besteht seit 1973. 1981 feierte Ebermannstadt sein Millennium; zeitgleich wurde der planmäßige Museumsbahnbetrieb auf der Wiesenttalbahn, der ältesten Museumsbahn Frankens, nach Behringersmühle als touristische Attraktion aufgenommen. Im August desselben Jahres brannte ein Gasthof ab; acht Menschenleben waren zu beklagen. Seit 1999 steht die Sternwarte Feuerstein den Besuchern offen. Nach der Umgestaltung wurde der Marktplatz im Jahr 2000 der Öffentlichkeit übergeben, 2005 folgte der Neubau der Stadthalle. Der Gemeindeteil Moggast errang 2006 den bayerischen Staatspreis für Dorferneuerung. Im Zuge der Altstadtsanierung 2010 wurde das Wasserschöpfrad an der Wiesent, das Wahrzeichen Ebermannstadts, restauriert. Seit 2010 bietet die Sternwarte Feuerstein Erkundungen auf dem Planetenwanderweg.

Eingemeindungen Im Jahr 1939 wurde Breitenbach eingemeindet. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern kamen am 1. Januar 1971 Neuses und Rüssenbach hinzu. Am 1. April 1971 folgten Gasseldorf und Niedermirsberg. Wohlmuthshüll wurde am 1. Januar 1972 eingegliedert. Burggaillenreuth und Moggast folgten am 1. Juli 1976. Seit dem 1. Mai 1978 gehören Eschlipp und die südwestliche Hälfte der aufgelösten Gemeinde Wohlmannsgesees mit Kanndorf zu Ebermannstadt. Im selben Jahr wurde die Verwaltungsgemeinschaft Ebermannstadt gebildet. 1994 wurde Ebermannstadt zum möglichen Mittelzentrum aufgestuft.

Politik Stadtrat Die 20 Stadtratssitze verteilen sich nach der Kommunalwahl vom 15. März 2020 mit einer Wahlbeteiligung von 66,8 % wie folgt (mit Vergleichszahlen voriger Wahlen):[Bayerisches Landesamt für Statistik]

Partei / Liste 2026 2020 2014 2008 2002 Neue Liste Ebermannstadt (NLE) 5 5 5 – – Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU) 3 3 4 6 7 FDP Bayern/BFE 3 3 – – – Freie Wählergemeinschaft Mühlbachtal (WGM) 3 2 3 3 2 Freie Wähler/Bürgerblock 2 2 2 4 3 Freie WählergemeinschaftOberland (WGO) 2 2 2 3 3 Freie Wählergemeinschaft Gasseldorf (WGG) 1 1 2 1 1 SPD Bayern 1 1 1 1 3 Junge Bürger (JB) – 1 1 2 1 Gesamtzahl der Sitze 20 20 20 20 20

Zusätzliches, getrennt gewähltes Mitglied ist qua Amt die Bürgermeisterin.

Bürgermeisterin Erste Bürgermeisterin ist seit 2014 Christiane Meyer (NLE). Diese wurde am 30. März 2014 bei einer Wahlbeteiligung von 69,9 % mit 51,7 % der gültigen Stimmen gewählt. Ihr Vorgänger war Franz Josef Kraus (CSU), der das Amt 24 Jahre innehatte.

Wappen

Städtepartnerschaften : Seit dem 12. April 1970 besteht die Städtepartnerschaft mit Chantonnay, Vendée (Westfrankreich). Alle zwei Jahre findet eine Mini-Olympiade statt, die abwechselnd in einem der beiden Orte ausgetragen wird. Am 12. April 2005 wurde in Ebermannstadt das 35-jährige Städtepartnerschaftsjubiläum gefeiert.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Der südliche Arm der Wiesent im Winter 2016/2017 mini|Schöpfrad an der Wiesent Der Fluss Wiesent teilt sich im Osten vor der Altstadt und umfließt diese mit zwei Armen. Die gesamte Altstadt liegt somit auf einer etwa 700 Meter langen und bis zu 280 Meter breiten Flussinsel. Im nördlichen Flussarm befinden sich noch zwei funktionsfähige Wasserschöpfräder. Wasserräder sind seit dem 16. Jahrhundert an der Wiesent belegt. Eine Flurkarte aus dem Jahr 1699 zeigt eine Abbildung des Ebermannstädter Schöpfrads am Oberen Tor. Damals durchfloss das Schöpfwasser als kleiner Bach den Ort vom Oberen zum Unteren Tor. Diesen Wasserlauf flankierten vier Sandsteinfiguren, die Ortspatrone der Stadt. Das Wasserrad aus dem Jahr 1606 gilt als Wahrzeichen der Stadt.

Bauwerke und Technik mini|Burg Feuerstein, 2011 Marienkapelle Neoromanische Nikolauskirche Kriegergedächtniskapelle Altfränkische Fachwerkhäuser rund um den Marktplatz und entlang der Hauptstraße Marienbrunnen am Marktplatz (Osterbrunnen) Burg Feuerstein, Bauwerk im Stil der fränkischen Burgen, jedoch erst 1941 erbaut mit dem Pfadfinderhaus Lindersberg Burgstall Schlüsselstein Wallerwarte, östlich der Stadt auf stehender denkmalgeschützter Aussichtsturm von 1931 Oberes und unteres historisches Scheunenviertel Rathaus Heimatmuseum Observatorium Fränkische-Schweiz-Bibliothek Dampfbahn Fränkische Schweiz Alte Wache Ehemaliges Amtsgericht

Regelmäßige Veranstaltungen April: Ultratrail Fränkische Schweiz Juni: Fronleichnamsprozession, historischer Markt, Schaufenster Sonntag um den 24. Juni: Kirchweih Moggast August: Altstadtfest, Lichterserenade an der Wiesent, Backofenfest Rüssenbach Zweiter Sonntag im September: Kirchweih Ebermannstadt September: Fränkische Schweiz-Marathon Dritter Sonntag im Oktober: Kirchweih Breitenbach Erstes Adventswochenende: Adventsmarkt

Sport und Freizeit Die Stadt ist ein staatlich anerkannter Erholungsort mit Freibad, Campingplatz im Gemeindeteil Rothenbühl, Golfplatz im Gemeindeteil Kanndorf und Flugplatz Burg Feuerstein.

Von Ebermannstadt fährt an Wochenenden die Dampfbahn Fränkische Schweiz durch das Wiesenttal nach Behringersmühle.

In klaren Nächten ist an der Sternwarte Feuerstein eine geführte Himmelsbeobachtung möglich. Dank des für deutsche Verhältnisse dunklen Himmels an dem mehr als 200 m oberhalb der umliegenden Orte gelegenen Observatorium und der möglichen Nutzung von allerlei astronomischen Instrumenten ist ein tiefer Blick in unser Universum keine Seltenheit.

Wirtschaft und Infrastruktur Ansässige Unternehmen Kennametal Hertel AG VIERLING Production GmbH OES – Optische und Elektronische Systeme GmbH IBG Prüfcomputer GmbH