Martha Krause-Lang (* 26. März 1912 in Oberammergau; † 14. Dezember 2016 in Krauthausen) war eine deutsche Sozialarbeiterin und maßgebende Wegbereiterin der Sozialen Arbeit in Deutschland.
Leben Sie war das vierte von sechs Kindern ihrer Eltern. Ihr Vater, Anton Lang, war von Beruf Töpfermeister, der als Christusdarsteller bei den Oberammergauer Passionsspielen (in den Jahren 1900, 1910, 1922; 1930 und 1934 sprach er überdies den Prolog) eine weit über Deutschland und Europa hinausgehende Berühmtheit erlangte. Die Mutter zeichnete für die Erziehung der Kinder und den Betrieb einer kleinen Fremdenpension für ca. 20 Gäste verantwortlich. Im Hause Lang verkehrten viele bedeutende Persönlichkeiten wie beispielsweise der Pianist Michael Raucheisen oder der damalige Apostolische Nuntius, Kardinal Pacelli, der spätere Papst Pius XII.
Nach dem Abitur, das Martha Lang an der Oberrealschule St. Anna in München-Lehel ablegte, studierte sie Volkswirtschaft (bzw. Staatswirtschaft) in Bonn, München, Wien und Freiburg. Dort studierte sie noch parallel Caritaswissenschaft und schloss ihr Studium mit der Promotion in Volkswirtschaft ab. Während ihres Studiums engagierte sie sich in der katholischen Jugendbewegung, wo sie auch ihren Mann Willi Krause, der u. a. Schriftleiter der Stimmen der Jugend war, kennen lernte.
1935 übernahm sie eine Stelle auf dem Land im Rahmen der Dorfcaritas, wo sie überwiegend für die Kursarbeit für Frauen, um dem ehrenamtlichen Engagement vor Ort Mitarbeiterinnen zuzuführen, zuständig war. Darüber berichtete Martha Krause-Lang in ihrer autobiografischen Skizze:
Im Sommer 1939 heirateten Martha Lang und Willi Krause. Aus der Ehe ging ein Sohn hervor (geb. 1940). 1944 fiel ihr Mann. Im Frühjahr 1945 flüchtete die Witwe mit ihrem Sohn vom nordböhmischen Gablonz, wo ihr Willi Krause Studienrat gewesen war, nach Oberammergau. Martha Krause-Lang arbeitete ab 1946 in der Flüchtlingsfürsorge. Zwei Jahre später wurde sie als hauptamtliche Dozentin an der Sozialen Frauenschule der Stadt München angestellt, wo sie u. a. die neuen Fächer Casework und Soziale Einzelfallhilfe einführte und unterrichtete. Im Sommer 1961 übertrug ihr die Direktorin der Sozialen und Caritativen Frauenschule des Landesverbandes Bayern e.V. des Katholischen Frauenbundes, Maria Ammann, einer Tochter von Ellen Ammann, die Schulleitung der konfessionell gebundenen Bildungsinstitution:
Die caritatve Frauenschule wurde 1971 mit der Katholischen Stiftungsfachhochschule München fusioniert. Krause-Lang hatte das Amt der Vizepräsidentin für ein Jahr inne. 1970 übernahm sie zusammen mit Willy Kögel den Aufbau der neu gegründeten Fachoberschule Romano Guardini auf dem Gelände der Stiftungsfachhochschule. Bis zu ihrem Ausscheiden Ende des Wintersemesters 1976 war sie Professorin für Wirtschaftswissenschaften sowie Theorie und Methoden der Sozialarbeit und gehörte bis 1985 dem Kuratorium der Hochschule als Mitglied an.
1983 übersiedelte Martha Krause-Lang nach Aachen. Im Alter befasste sie sich überwiegend mit gerontologischen Fragen. Ferner zeichnete sie mitverantwortlich für die Nachqualifizierung italienischer Sozialhelfer im Dienst an italienischen Industriearbeitern (Gastarbeitern) in Deutschland, für Lehrgänge zur Nachqualifizierung von Altenheimleitern und -leiterinnen sowie für die Weiterbildung von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Caritas.
Kritik zu Martha Krause-Langs Frauen- und Familienbild Martha Krause-Lang zeichnete in ihren Veröffentlichungen (insbesondere in den 1950er Jahren) ein überwiegend konservatives Frauen- und Familienbild. Die Mutter gehört ins Haus, der Mann ins Arbeitsleben. Familiäre soziale und wirtschaftliche Belastungssituationen, die die Mitarbeit der Ehefrau erfordern, will sie allein nicht gelten lassen:
Rainer Bendel, der in seinem Aufsatz das Frauen- und Familienbild Martha Krause-Langs ausführlich beschreibt, ist der Ansicht:
Werke (Auswahl) Erwerbstätigkeit der Mutter im kommenden Familienrecht. In: Frau und Mutter. 1952/53/H. 3-4, S. 19–21 Fürsorge für das familienlose Kind. In: Hans Opitz, Franz Schmid (Hrsg.): Handbuch der Kinderheilkunde, Band 3: Immunologie, soziale Pädiatrie. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 1966, , S. 546–561 Ausbildung zur Sozialarbeit auf verschiedenen Ebenen. In: Soziale Arbeit. 1969, S. 293–303 Soziale Werte und Sozialarbeiterausbildung. In: Caritas. 1969, S. 150–153 Kriterien einer Erfolgsbewertung in der Sozialarbeit. In: Caritas. 1970, S. 189–196 Die helfende Beziehung. In: Caritas. 1971, S. 310–323 Zum Helfen befähigen: soziales Training für ehrenamtliche sozial-caritative Dienste. Lambertus, Freiburg 1976, ISBN 978-3-7841-0113-2. Erinnerungen an Christus Anton Lang aus Oberammergau. Aventinus-Verlag Thurmair, Eggenfelden 1980, ISBN 978-3-88481-003-3. Nie mehr so schön wie Sulamith: Lust und Last des Älterwerdens. Herder, Freiburg u. a., 1987, ISBN 978-3-451-21126-3. Mit neuen Gedanken alt werden. Klens, Düsseldorf, 1996, ISBN 978-3-87309-138-2. Selbstdarstellung. In: Hermann Heitkamp, Alfred Plewa (Hrsg.): Soziale Arbeit in Selbstzeugnissen, Bd. 2. Lambertus, Freiburg 2002, ISBN 978-3-7841-1397-5, S. 147–177.
Literatur Gerlinde Wosgien: Wegbereiterinnen der Professionalisierung: Die Geschichte der Münchner Sozialen und Caritativen Frauenschule. In: Gisela Muschiol (Hrsg.): Katholikinnen und Moderne: katholische Frauenbewegung zwischen Tradition und Emanzipation. Aschendorff, Münster 2003, ISBN 978-3-402-03432-3, S. 69–87. Rainer Bendel: Grenzen überschreiten: Martha Krause-Lang (geb. 1912) in ihrem caritativen und seelsorgerischen Einsatz für Frauen. In: Lydia Bendel-Maidl (Hrsg.): Katholikinnen im 20. Jahrhundert: Bilder, Rollen, Aufgaben (= Beiträge zu Theologie, Kirche und Gesellschaft im 20. Jahrhundert, 2). Lit-Verlag, Münster 2007, ISBN 978-3-8258-5540-6, S. 186–199.
Weblinks
https://www.bbkl.de/index.php/frontend/lexicon/K/Kr/krause-lang-martha-86983
Einzelnachweise
Kategorie:Person der sozialen Arbeit Kategorie:Hochschullehrer (Katholische Stiftungshochschule München) Kategorie:Hochschullehrer (Ludwig-Maximilians-Universität München) Kategorie:Träger des Bayerischen Verdienstordens Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1912 Kategorie:Gestorben 2016 Kategorie:Hundertjähriger Kategorie:Frau