Magnum Photos ist eine unabhängige Fotoagentur und Fotografenagentur. Die Agentur ist eine Genossenschaft und im Besitz ihrer Mitglieder. Magnum Photos wurde am 27. April 1947 von den vier Fotografen Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, David „Chim“ Seymour und George Rodger in New York gegründet.On and In New York: Fine Prints from the Magnum Archive. Abgerufen am 16. Oktober 2018 (englisch). Zu den weiteren ursprünglichen Anteilseignern zählten Maria Eisner, William Vandivert und Rita Vandivert (erste Präsidentin von Magnum Photos). Motivation zur Gründung war der Wunsch der Fotografen, die Rechte an ihren eigenen Bildern zu behalten und die Vermarktung gegenüber großen Magazinen und Agenturen zu verbessern.

Geschichte und Entwicklung Das zum Zeitpunkt der Gründung erworbene Prestige der Kriegsfotografen trug mit dazu bei, dass sich Magnum verwirklichen ließ. Zum einen gab es in den 1930er Jahren eine Fülle von neuen Fotoillustrierten (z. B. Life, Time), die einen großen Bedarf an neuen Bildern hatten und mit Vorliebe aus den Krisengebieten berichteten, zum anderen waren große Teile der Welt fotografisch unerschlossen, so dass man als Reportagefotograf, wie George Rodger es einmal formulierte, „… Bilder über alles und jeden machen konnte, und die Magazine rissen sich darum …“. Außerdem machten technische Entwicklungen wie kleinere, handlichere Kameras – besonders die legendäre Leica – und empfindlicheres Filmmaterial die Fotografen flexibler. Der Legende nach spielte bei der Namensgebung eine Magnumflasche Champagner eine Rolle, die anlässlich der Gründung getrunken worden sein soll. Sie sollte gute Laune, gute Geschäfte und ein exklusives Produkt symbolisieren.

Die Agentur wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, in einer Kooperative humanistisch gleichgesinnter Fotografen selbstständig organisiert und unabhängig zu sein. Unabhängigkeit bedeutete für sie vor allem, nicht der Willkür der Bildredakteure und den Sachzwängen des Layouts zu unterliegen. So sollte kein Fotograf z. B. in aller Eile über die Sueskrise berichten müssen, wenn er sich lieber monatelang mit Schafzüchtern in Neuseeland beschäftigen wollte.

Unter Humanismus verstanden sie, dass aus dem Verantwortungsgefühl und Respekt des Fotografen gegenüber der Welt und ihren Menschen Bilder entstehen können, die einen weltverbessernden, erzieherischen Einfluss haben. Zudem formulierten sie Forderungen zum Umgang mit ihren verkauften Bildern, die das begründeten, was heute als Urheberrecht vertraut ist: Der Name des Fotografen musste bei jeder Veröffentlichung angegeben werden, Bilder durften nicht beschnitten werden und die Rechte am Bild sowie die Negative blieben beim Fotografen, wodurch sich die Vermarktungsmöglichkeiten verbesserten, da Bilder mehrfach verkauft werden konnten.

Die ursprüngliche Gruppe von sieben Fotografen, bestehend aus Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, George Rodger, David Seymour, Bill Vandivert, Ernst Haas und Werner Bischof, richtete zuerst ein Büro in New York ein, dem einige Jahre später eines in Paris folgte. Innerhalb weniger Tage kamen zehn weitere Fotografen dazu. Die Agenturmitglieder „teilten“ die Welt unter sich auf: Capa und Seymour waren beispielsweise für Europa zuständig, Rodger für Afrika und Cartier-Bresson, dessen Ehefrau Ratna Mohini aus Java stammte, für Asien.Henri Cartier-Bresson: Scrapbook. Feste Regeln für die Aufnahme von neuen Mitgliedern gab es noch nicht. Ein bloßes Nicken von Capa oder Cartier-Bresson genügte zu diesem Zeitpunkt, im Gegensatz zur Gegenwart, wo eine Zweidrittelmehrheit benötigt wird, um Vollmitglied zu werden. Ansonsten wirken die verschiedenen Arten von Mitgliedschaften und die Bedingungen auf Außenstehende eher verwirrend. „Es bewerben sich zwar immer wieder auch Frauen, aber aus unerfindlichen Gründen hat sich ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis nie herstellen lassen“ schrieb Brigitte Lardinois in ihrem Nachwort zu Magnum Magnum.

Zur Umsetzung ihrer Ziele brachte jedes Gründungsmitglied 400 Dollar ein, um erste Reisen und Projekte finanzieren zu können. Robert Capa übernahm die erste Präsidentschaft bis zu seinem Tod in Indochina 1954 (er trat bei einer Fotoreportage auf eine Mine). Als Präsident blieb Capa stets ein Gleicher unter Gleichen, denn von Beginn an war Magnum demokratisch organisiert. 1956 starb David „Chim“ Seymour in Ägypten bei einer Berichterstattung durch einen Gewehrschuss.

40 % der Einnahmen aus verkauften Bildern bleiben bei Magnum. Über die Verwendung der Einnahmen wird gemeinschaftlich abgestimmt.

Seit dem Ende des Kalten Krieges

Vom Verkauf der Bilder an Zeitschriften allein kann sich die Agentur schon lange nicht mehr finanzieren. Inzwischen zählt der Verkauf von Büchern, Postkarten und Vintage Prints zu den weiteren Standbeinen. Aus diesem Grund wurde 1988 eine Kulturabteilung ins Leben gerufen, die Buch- und Ausstellungsprojekte rund um den Globus organisiert.

Derzeit zählt Magnum ca. 50 Mitglieder und 16 Korrespondenten mit Niederlassungen in Paris, London, New York und Tokio. Trotz der allgegenwärtigen Präsenz von Fernsehteams und Kameras, die unverzüglich über die Krisenherde und entlegensten Gebieten unserer Welt berichten können, hat sich Magnum einen hohen Stellenwert in der Berichterstattung bewahren können. Das Problem stellen eher die zurückgehenden Möglichkeiten der Publikation von Fotoreportagen dar.

Magnum-Fotografen, wie beispielsweise Paul Fusco, haben nicht den Ruf, kurz ein paar Aufsehen erregende Bilder zu „erbeuten“ und dann wieder zu verschwinden; nicht selten werben sie beharrlich lange Zeit um das Vertrauen ihrer „Objekte“.

Die Versuche, die finanzielle Situation der Agentur durch Ausstellungen, den Verkauf von Postkarten und gar Prints aus dem Archiv zu verbessern, schlugen in den 2000er Jahren weitgehend fehl. 2010 verkaufte Magnum ihr Archiv mit rund 185.000 Fotografien an die Firma MS Capital LP, an der auch Michael Dell beteiligt ist. Der Bestand sollte katalogisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. 2018 investierte schließlich die deutsche Wagniskapitalgeberin Nicole Junkermann in das Unternehmen und wurde für ihr Engagement regelrecht gefeiert. Sie selbst erklärte dazu: „Magnum liegt etwas außerhalb des Spektrums der Unternehmen, in die ich normalerweise investiere. Es war eine Entscheidung aus dem Bauch: Ich fand es wichtig, dieser großartigen Kooperative toller Fotografen einen Neuanfang zu ermöglichen. Wir leben in einer Welt, in der Fake News an der Tagesordnung sind und Menschen ihre Realität mit Photoshop kreieren. Die Generation der Millennials reagiert viel stärker auf Bilder als auf Texte. Magnum ist ein großes Erbe, und ich hoffe, es wiederbeleben zu können. Ich wünsche mir, dass die Menschen diese Kunst wieder so zu schätzen lernen, wie sie auch Schallplatten aus Vinyl wieder schätzen.“

Am 14. August 2020 wurde der inzwischen online veröffentlichte Katalog wieder aus dem Netz genommen, nachdem gegen den amerikanischen Magnum-Fotografen David Alan Harvey Vorwürfe wegen seiner darin enthaltenen Fotoserie Bangkok Prostitutes aus den 1980er Jahren aufgekommen waren. Eines der Fotos zeigt ein laut Bildbeschreibung zwischen dreizehn und achtzehn Jahre altes Mädchen mit nacktem Oberkörper in einem Hotelzimmer; das Mädchen geht lächelnd auf den sitzenden oder liegenden Fotografen zu. Unklar ist, ob der Entstehung des Fotos womöglich der sexuelle Missbrauch eines Kindes zugrunde liegt bzw. die Szene anderweitig vom Fotografen beeinflusst wurde – womit er ethische Grundsätze verletzt hätte – oder ob die Szene in Wirklichkeit gestellt ist, ohne dass dieser Umstand in der Bildbeschreibung deklariert worden sei.

Magnum Photos verkauft zweimal jährlich aus ihrem Archiv limitierte Fotoabzüge im Format von ca. 15 × 15 cm. Die „Magnum Square-Prints“ genannten Drucke (digitale C-prints auf „Fuji Crystal Archiv“-Papier) sind jeweils für 1 Woche online erhältlich. Sie sind entweder rückseitig signiert oder mit Nachlassvermerk und mit einem typografischen Text des Künstlers zum jeweiligen Motiv versehen. In der Vergangenheit nahmen regelmäßig international bekannte Fotografen wie Alec Soth, Joel Meyerowitz, Nan Goldin, Stephen Shore, Martin Parr, Thomas Hoepker und Steve McCurry an der "Magnum Square-Print Sale" teil.

Magnum Square Prints (Auswahl)

Goldin, Nan, „Drugs on the Rug, New York City, USA. 2016.“, Magnum Square Print 2018.

Goldin, Nan, „Sunny at the spa“, Magnum Square Print 2019.

Goldin, Nan, „Lost Horizon, n.d.“, Magnum Square Print (in Kooperation mit Aperture) 2021.

Meyerowitz, Joel, „Man and Blimp, Florida. 1968.“, Magnum Square Print (in Kooperation mit Aperture) 2021, New York.

Parr, Martin, „Weymouth, England, Great Britain. 2000.“, Magnum Square Print 2021.  

Shore, Stephen, „Bridger Canyon Bozeman Montana“, Magnum Square Print 2018.  

Shore, Stephen, „Studio City, California, November 10, 2018“, Magnum Square Print (in Kooperation mit Aperture) 2019.

Shore, Stephen, „Annabelle, Melville Road, Melville, Montana. August 29, 2020“, Magnum Square Print (in Kooperation mit Aperture) 2021.

Soth, Alec, „New Orleans, 2018“, Magnum Square Print 2019.

Soth, Alec, „Bogotá, Columbia. 2003.“ Magnum Square Print 2021.

Soth, Alec, „Cemetery. Fontain City, Wisconsin. 2002.“, Magnum Square Print 2022.

Soth, Alec, „New York City. 2018.“, Magnum Square Print 2022.

Soth, Alec, „A couple off of Nome’s beachfront. Alaska, 2015“, Magnum Square Print 2023.  

Gemeinschaftsprojekte Magnum-Fotografen arbeiteten immer wieder an kollaborativen Projekten. Die Gemeinschaftsprojekte erreichten eine geringere Reichweite in der Öffentlichkeit als die einzelnen Fotografen der Agentur. Unter dem Langzeitprojekt „Postcards from America“ dokumentierten Magnum-Fotografen zum Beispiel das Ende des Kodak-Werks in Rochester, New York.

A Brief History in the Time of ISIS nennt sich eine als Zeitung veröffentlichte Gemeinschaftsarbeit von Magnum-Fotografen. Der Abriss beginnt 1941, mit Bildern von Magnum-Gründer Georg Rodgers, der den Einmarsch der Briten in Damaskus fotografierte. Die kurze Geschichte endet im befreiten Mosul, mit einer Aufnahme von Peter van Agtmael. „Jedes Bild ist eine Short Story, jede Story ist ein Stück Erkenntnis – durch solche Bilder versteht man die Welt“ schrieb die Neue Zürcher Zeitung 2018.

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