mini|Abraham Gotthelf Kästner; Gemälde von Joh. Heinr. Tischbein. mini|De habitu matheseos et physicae ad religionem, 1752

Abraham Gotthelf Kästner (* 27. September 1719 in Leipzig; † 20. Juni 1800 in Göttingen) war ein deutscher Mathematiker und Epigrammdichter.

Leben und Wirken Abraham Gotthelf Kästner war der Sohn des Juraprofessors Abraham Kästner. Er studierte ab 1731 in Leipzig Jura, Philosophie, Physik, Mathematik und Metaphysik. 1733 wurde er zum Notar ernannt. 1739 folgte die Habilitation an der Universität Leipzig, Kästner hielt mathematische, philosophische und juristische Vorlesungen. 1746 wurde er außerordentlicher Professor an der Universität Leipzig.

1756 folgte Kästner einem Ruf als ordentlicher Professor der Naturlehre und Geometrie nach Göttingen. Ab 1763 war er zugleich Leiter der dortigen Sternwarte. Kästner war Lehrer und später Kollege von Georg Christoph Lichtenberg und Johann Christian Polycarp Erxleben. Seit sie 7 Jahre alt war, unterrichtete er Dorothea Schlözer in Mathematik.Monika Siegel: Ich hatte einen Hang zur Schwärmerey. Das Leben der Schriftstellerin und Übersetzerin Meta Forkel-Liebeskind im Spiegel ihrer Zeit. Diss., Technische Universität Darmstadt, 2001, S. 22, Fußnote 84 (online, abgerufen am 4. Juni 2026). Weitere Schüler waren Johann Pfaff, der Doktorvater von Carl Friedrich Gauß, Johann Tobias Mayer, der Sohn seines Freundes und vormaligen Leiters der Göttinger Sternwarte Tobias Mayer, und Heinrich Wilhelm Brandes. Kästner war ein entschiedener Gegner von Tierversuchen (damals: Vivisektion) und bekämpfte diese Praxis aufs Schärfste.Hubert Bretschneider: Der Streit um die Vivisektion im 19. Jahrhundert. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, 1962, S. 4.

Abraham Gotthelf Kästner starb 1800 als Hofrat in Göttingen und wurde auf dem Bartholomäusfriedhof beigesetzt.Wolfgang Volk: Grab von Abraham Gotthelf Kästner in Göttingen, in: Zeugnisse zu Mathematikern, 14. Juni 2008, abgerufen am 4. Juni 2026.

mini|Das Grab von Abraham Gotthelf Kästner auf dem Bartholomäusfriedhof Göttingen

Familie Nach 12-jähriger Verlobungszeit heiratete Abraham Gotthelf Kästner am 8. September 1756 die 41-jährige Johanna Rosina Baumann aus Leipzig. Am 4. März 1758 starb seine Ehefrau an einer Lungenkrankheit. Später heiratete Kästner die Witwe eines französischen Offiziers. Ob aus dieser Verbindung eine Tochter entstammt, ist fraglich.

Erwähnung bei Lichtenberg und Kleist Kästner wird oft und mit großem Respekt in Georg Christoph Lichtenbergs Sudelbüchern und Briefen genannt und zitiert, zahlreiche Briefe Lichtenbergs sind an ihn gerichtet. Auch in Heinrich von Kleists Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden wird Kästner – als bekannter Mathematiker – erwähnt: „Nicht, als ob sie es mir, im eigentlichen Sinne, sagte; denn sie kennt weder das Gesetzbuch, noch hat sie den Euler, oder den Kästner studiert.“Helmut Sembdner (Hrsg.): Heinrich von Kleist: Sämtliche Werke und Briefe. 2. Bd., 5. Auflage, Carl Hanser Verlag, München 1970, S. 319.

Ehrungen 1750 wurde er als auswärtiges Mitglied in die Preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Er war ab 1751 auswärtiges und ab 1755 ordentliches Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften.Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Band 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3. Band 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 129. Seit 1786 war er Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg.

Der Mondkrater Kästner ist nach ihm benannt.

Werke mini|150px|Abraham Gotthelf Kästner Von seinen zahlreichen Schriften über Mathematik sind seine Anfangsgründe der Mathematik (Göttingen 1758–1769, 4 Bände; 6. Aufl. 1800) hervorzuheben. Zudem legte er eine umfassende Geschichte der Mathematik vor (Göttingen 1796–1800, 4 Bände).

Am bekanntesten wurde Kästner durch seine Sinngedichte, die zuerst ohne seine Einwilligung 1781 in Gießen erschienen und ihm durch ihren beißenden Witz und ihre scharfe Ironie auf verschiedene Persönlichkeiten viel Kritik einbrachten. Sie wurden später in seine Vermischten Schriften 1 und 2 (Altenburg 1783, 2 Bände) aufgenommen und erschienen auch in seinen Gesammelten poetischen und prosaischen schönwissenschaftlichen Werken (Berlin 1841, 4 Bände) sowie später in Joseph Kürschners Deutscher Nationalliteratur, Band 73 (hrsg. von Minor; Stuttgart 1883).

Kaum bekannt ist seine Lobschrift auf Gottfried Wilhelm Freyherrn von Leibniz (Altenburg, 1769). Zur Totenfeier von Gerlach Adolph von Münchhausen am 28. Dezember 1770 komponierte Johann Friedrich Schweinitz eine Kantate auf einen Text Kästners. Sie wurde zu von Münchhausens zweijährigem Totengedenken am 26. November 1772 von Johann Nikolaus Forkel neu vertont.Augsburgische Ordinari Postzeitung, Nr. 3, Montag, den 4. Jan. Anno 1773, S. 4 (Digitalisat, abgerufen am 4. Juni 2026).

Literatur in der Reihenfolge des Erscheinens Vita Viri illustris atque celeberrimi Abrahami Gotthelf Kaestneri .... In: Pfalzbairisches Museum vom Jahr 1786 bis 1787, Band 4, Mannheim (o. J.), S. 440–443 (). Abraham Gotthelf Kästner. In: Franz Xaver von Zach (Hrsg.): Allgemeine geographische Ephemeriden, Band 4. Verlag des Industrie-Comptoirs, Weimar 1799, S. 368–378 (). Amalie von Gehren (Hrsg.): Dreißig Briefe und mehrere Sinngedichte, von Abraham Gotthelf Kästner, vormals Hofrath und Professor zu Göttingen. Leske, Darmstadt 1810.

Peter Aufgebauer: Die Anfänge der Sternkunde in Göttingen. In: Göttinger Jahrbuch, Jg. 50 (2002), S. 75–92, hier S. 86 ff.

Weblinks

Berlin-Brandenburger Akademie der Wissenschaften:Kästner (darin auch Werkverzeichnis) (PDF-Datei; 13 kB) Kästner, Abraham Gotthelf (1719–1800), Universität Rostock, Philosophische Fakultät Abraham Gotthelf Kästner (1719–1800), Lichtenberg-Gesellschaft

Einzelnachweise

Kategorie:Mathematiker (18. Jahrhundert) Kategorie:Mathematikhistoriker Kategorie:Hochschullehrer (Universität Leipzig) Kategorie:Hochschullehrer (Georg-August-Universität Göttingen) Kategorie:Autor Kategorie:Dichterjurist Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (18. Jahrhundert) Kategorie:Lyrik Kategorie:Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen Kategorie:Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Person als Namensgeber für einen Mondkrater Kategorie:Absolvent der Universität Leipzig Kategorie:Notar (Deutschland) Kategorie:Geboren 1719 Kategorie:Gestorben 1800 Kategorie:Mann