mini|Angehörige der Klamath fordern im Jahr 2006 den Abriss der vier Dämme der PacifiCorp am Klamath, um dem Lachs wieder den Laichzug zu ermöglichen. Der Abriss könnte 2022 beginnen. mini|hochkant|Alte Klamath-Frau (Old Klamath woman), 1924 veröffentlichte Fotografie, aufgenommen von Edward Curtis Die Klamath sind ein Indianer-Volk im Grenzgebiet der US-Staaten Oregon und Kalifornien und zählen zusammen mit den sprachlich-kulturell eng verwandten Modoc im Süden zum nordamerikanischen Kulturareal von Kalifornien. Ihre gemeinsame Sprache, das Klamath-Modoc, bildet eine eigene Untergruppe der Plateau Penuti-Sprachfamilie. Kulturell wurden sie stark von den nördlich lebenden Stämmen des Columbia Plateau beeinflusst.Carl Waldman: Encyclopedia of Native American Tribes. Checkmark, New York NY 1999, ISBN 0-8160-3964-X.
Namensherkunft Die Klamath und die Modoc bezeichneten sich wie viele indigene Völker einfach als Maklaks/Maqlag („das Volk, die Menschen“), zur Unterscheidung nannten sich die Klamath ?Ewksiknii/ʔEwksikni maklaks (meist wiedergegeben als E-ukshikni maklaks – „Volk vom ʔEws/E-ukshi, d. h. vom Upper Klamath Lake“, wörtlich: „Volk vom See“) und die Modoc (oder übernahmen die Bezeichnung) auch Mo'dokni/Mo'dokish maklaks oder Moˑwat\̲ʼaˑkʼkniˑ(„Südliches Volk, die Südlichen“).Jefferson C. Davis Riddle: The Indian History of the Modoc War. 1st edition, reprint. Stackpole Books, Mechanicsburg PA 2004, ISBN 0-8117-2977-X.
Die Herkunft und Bedeutung der heute allgemein üblichen Stammesbezeichnung Klamath ist nicht letztlich geklärt. Alfred Kroeber nahm an, dass es sich um eine Fremdbezeichnung durch die Kalapuya (Mókai/Móke(y) máklaks) als Athlameth handelt. Der Ethnologe Albert Samuel Gatschet nahm an, dass die Selbstbezeichnung Waklak („Leute“ oder „Gemeinschaft“) lautete, vermutlich eine Verballhornung von Maklaks/Maqlag.Barker's Klamath Dictionary Sein Kollege Leslie Spier berichtet, „Klamath“ sei die Bezeichnung für eine regionale Band, der so genannten Klamath-Marsh-Williamson-River-Gruppe oder Auksni/A’ukckni. Die benachbarten Shasta bezeichneten den Upper Klamath Lake als Auksi,Shasta Indian Nation – Language Place Names die Achomawi bezeichneten die Klamath als Ál ámmí und die Klamath-Modoc zusammen als Lutw̓áámíʼish („Volk am See“).Achumawi Dictionary Vermutlich übernahmen die britisch-französischen Fallensteller der Hudson’s Bay Company diese unterschiedlichen Bezeichnungen (die immer in Verbindung mit dem Begriff See gebraucht wurden) und bezeichneten die Klamath zunächst als La Lakes („See-Volk“).
Der Stamm war Namensgeber für zwei Seen (Upper Klamath Lake und Lower Klamath Lake), für den örtlich größten Fluss (Klamath River) und das Klamath Basin, zweier Counties (das Klamath County in Oregon sowie das inzwischen aufgelöste Klamath County in Kalifornien), des Klamath National Forests in den Klamath Mountains, der unincorporated community Fort Klamath nahe dem früheren Armeestützpunkt Fort Klamath (als historisch bedeutsame Stätte ist die „Fort Klamath Site“ heute Teil des National Register of Historic Places), der CPD Klamath in Kalifornien sowie der Kleinstadt Klamath Falls, Oregon.
Geschichte
Die Schätzungen über die Zahl der Klamath divergieren sehr stark und reichen von 400 bis 1100 im Jahr 1780. Die Abgelegenheit ihres Wohngebiets schützte sie relativ lange vor dem Kontakt mit Weißen. Peter Skene Ogden, ein Händler der Hudson’s Bay Company, nannte sie 1826 eine „happy race“ („glückliche Rasse“). Er sah voraus, dass sich dies mit den Weißen ändern würde. Die Klamath erhielten durch den Handel Pferde und Gewehre. mini|Oberer Klamath-See Ihr Handelsgebiet reichte bis nach The Dalles am Columbia, wo sie von anderen Stämmen Pferde, Decken, Büffelhäute und getrockneten Lachs erhielten. Dafür sollen sie unter anderem Sklaven geboten haben, die sie bei kalifornischen Stämmen erbeutet hatten. Auch boten sie Perlen und wocus, eine nahrhafte Pflanze.S. Wocus auf der Website der Klamath Tribes (archive.org, 21. März 2009). Sie wurde in Suppen und als Bestandteil von Mehl verwertet. Ein weiterer wichtiger Handelsplatz neben dem beim späteren The Dalles war Yainas östlich des Klamath Lake.
Veränderungen am Körper, wie Tätowierungen und Muschelpiercings, waren bei ihnen verbreitet, und auch die künstliche Abflachung des Kopfes, wie sie im Nordwesten bei einigen Stämmen verbreitet war. Sie lebten in Erdhütten, die rund 1,20 m tief eingegraben waren.
Historische Bands mini|Das Einzugsgebiet des Klamath Die Klamath lebten östlich der Kaskadenkette (Yámakisham Yaina) (“Berge der nördlichen Stämme”) zumeist entlang des Nordufers des Klamath Rivers und entlang dessen Nebenflüssen, dem Williamson River (Kóke) und Wood River (E-ukalksini Kóke) im Norden und dem Sprague River (Plaikni Kóke) („Fluss im Hochland“) und Sycan River im Osten; im Süden reichte ihr Stammesgebiet bis über das heutige Klamath Falls nahe dem Link River (Yula1óna) hinaus in den äußersten Norden Kaliforniens, südlich davon begann das von den Modoc beanspruchte Territorium. Wichtige Siedlungsgebiete waren der Klamath Marsh (E-ukshi), der Agency Lake und der Upper Klamath Lake (E-ukshi) sowie zahlreiche weitere Seen, Feuchtgebiete und Flüsse. Das Hochland entlang des Sprague Rivers bewohnten die P'laikni-Klamath („Sprague River Valley People“, „Upland Klamath“, wörtlich: „Hochland/Bergbewohner“), die zusammen mit Modoc und einigen Shoshone (Shá't) sowie Paiute in gemeinsamen Siedlungen lebten.
Im Norden ihres Stammesgebiets lebten die Molala (Kuikni maklaks), im Nordosten und Osten lebten in den wüstenartigen Ebenen verschiedene Bands der Nördlichen Paiute (Shá'ttumi) (Sammelbezeichnung für Nördliche Paiute und Shoshone und Bannock) – darunter die Goyatöka Band („Flusskrebs-Esser“),die Goyatöka sind heute zumeist als Yahooskin (Yahuskin) Band of Northern Paiute Indians bekannt, früher oftmals auch als „Upper Sprague River Snakes“ oder nach ihrer Ansiedlung auf der Klamath-Reservation fälschlicherweise als „Upper Sprague River Klamath“ bezeichnet direkt im Süden die Modoc (Mo'dokni maklaks) mit denen sie das Modoc-Plateau teilten, im Südwesten die Shasta (S[h]asti maklaks) sowie den Klamath River weiter flussabwärts die als „Skatchpalikni“ („Leute entlang des Scott River“) bezeichneten Karuk und Yurok, im Westen und Nordwesten waren die Latgawa (“Upland Takelma”) und Takelma/Dagelma („Lowland/River Takelma“) zu Hause. Jenseits der Kaskadenkette im Flussgebiet des Rogue River (Wálamsh) lebten die „Rogue River“ Athabasken (Wálamskni maklaks) („Volk entlang des Rogue River“) und weiter im Süden im Flussgebiet des Pit Rivers (Moatuashamkshini/Móatni Kóke) (“Fluss der südlichen Bewohner”) die Achumawi und Atsugewi bzw. „Pit River Tribes“, die als „Móatuash maklaks“ („Bewohner des Südens“, oder „Menschen des Südens“) bezeichnet wurden.
Die kleinste soziale Einheit der Klamath stellte die patrilineare und patrilokale (das Ehepaar zog zur Familie des Mannes) Kernfamilie dar und mehrere verwandte Familien bildeten eine Großfamilie. Eine oder mehrere Großfamilien (meist untereinander verwandt) bildeten eine Lokalgruppe (engl. local [residential] band/group), die über gemeinsame Fisch-, Jagd- und Landrechte verfügte und sich zumeist in den ortsfesten Wintersiedlungen zusammenfand. Mehrere Lokalgruppen (Siedlungen) bildeten wiederum eine regionale Band mit einer gemeinsamen politischen sowie kulturellen Identität (auf Grund von Verwandtschaft, Dialekt, geteiltem Territorium und kulturellen Eigenheiten); diese regionalen Bands verfolgten gemeinsame Interessen bezüglich ihrer Rechte (Fisch-, Jagd- und Sammelgebiete), im Handel sowie ebenfalls bei der Entscheidung über Krieg und Frieden gegenüber Außenstehenden – zudem fanden sie sich zu Ritualen und religiösen Festen zusammen.
Zum Zeitpunkt des ersten Kontakts mit Europäern unterteilten sich die Klamath in fünf (laut Homepage der Klamath Tribes jedoch sechs) regionale Bands.Leslie Spier Klamath Ethnography, 1930, S. 23 f.
die Ǎ’ukckni („Klamath Marsh People“ oder „Klamath Marsh-Williamson River People“): Mit fast der Hälfte der Bevölkerung bildeten sie die größte und mächtigste Band der Klamath. Sie hatten mindestens 29 Siedlungen im Klamath Marsh und 14 Siedlungen entlang des mittleren Williamson River. Ihr großes Territorium umfasste zahlreiche gut bewässerte Fluss- und Sumpfgebiete, die sich als Winterquartiere eigneten. Die meisten und größten Siedlungen befanden sich im Klamath Marsh, einem Sumpfgebiet. Am Williamson River waren die Siedlungen klein und verstreut. die P'laikni („Sprague River Valley People“, wörtlich: „Hochland/Bergbewohner“, auch: „Upland Klamath“): lebten in weit voneinander entfernt liegenden kleinen Siedlungen im Hochland des Sprague Rivers (P'laikni Kóke) („Fluss im Hochland“) die sich flussaufwärts bis etwas westlich des Gearhart Mountain erstreckten (Spier); werden manchmal auch zu den „A’ukckni“ gezählt, da sie als Sommerquartiere den Sycan River und Klamath Forest Marsh nutzten. Die P'laikni-Klamath als auch die P'laitankni-Modoc bestanden sowohl aus Klamath, Modoc als auch aus einigen Shoshone und Paiute. die Kowa’cdikni („Agency Lake/Marsh Lake People“) lebten in einer Siedlung im Feuchtgebiet des Agency Lake, des nördlichen Armes des Klamath-Sees. die Du’kwakni („[Lower] Williamson River People“) lebten in sechs Siedlungen sumpfigen Delta des Williamson River sowie dessen Mündung in den Upper Klamath Lake. die Gu’mbǒtkni („Pelican Bay People“) lebten in mindestens sieben Siedlungen entlang Sevenmile Creek, Recreation Creek, Odessa Creek und Pelican Bay an der Mündung des Four Mile Creek sowie im nordwärts angrenzenden Feuchtgebiet. die Iu’laloηkni („Klamath Falls (Link River) People“) lebten nahe Klamath Falls sowie entlang des Link Rivers und in mindestens dreizehn weiteren Siedlungen am Ostufer des Upper Klamath Lake.
Traditionelle Lebensweise mini|Frau beim Sammeln von Wokas (Nymphaea polysepala), die zu den Seerosengewächsen gehören, vor 1923 Wie andere indigene Völker in Kalifornien und des Columbia Plateaus waren die Klamath halbsesshafte Fischer (Saugkarpfen und Lachse) und Jäger und Sammler und hatten saisonale Dörfer und Lager, um das ganze Jahr die natürlichen Ressourcen nutzen zu können; besonders wichtig waren der c'waam (Lost River Sucker) und qapdo (Shortnose Sucker). Ihre Migration folgte einem wiederkehrenden Muster von permanenten Winterdörfern (umfassten große halb unterirdisches Grubenhäuser), über mehrere provisorische Lager (mit kuppelförmigen Strauchhütten – ähnlich den Wickiups), wobei sie fast immer jedes Jahr an die gleichen Orte zurückkehrten.
Grubenhäuser (engl. pit houses) waren Unterkünfte mit einem Durchmesser von etwa 22 Fuß und einer Tiefe von bis zu 15 Fuß, die aus Baumstämmen gebaut und zur Isolierung mit Erde und Gräsern abgedichtet wurden. Grubenhäuser wurden unterirdisch mit einem Eingang und einer Leiter an der Spitze gebaut und wurden im Allgemeinen während der kalten, schneereichen Wintermonate benutzt.
Die Sommerunterkunft war eine kuppelförmige Hütte, deren Rahmen aus Weidenpfählen mit mehreren Schichten aus kräftigem, haltbarem Tule-Matten bedeckt waren; später wurde durch Vermittlung der Plateau-Indianer das Tipi der Plains-Indianer übernommen (zumeist jedoch weiterhin mit Tulematten bedeckt). Wie andere Stämme Kaliforniens waren auch die Klamath für ihre Korbflechtkunst berühmt (hierfür nutzten sie Gräser, Schilf und Binsen).