Der Echte Steinsame (Lithospermum officinale), kurz auch Steinsame genannt (weitere Trivialnamen sind Steinhirse, Meerhirse und Perlhirse), ist eine Pflanzenart aus der Gattung Steinsamen (Lithospermum) innerhalb der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae).

Beschreibung mini|links|Behaarte Blattunterseite mini|links|Fruchtstand mini|Blüte von verschiedenen Blickrichtungen mini|Blütenkrone mit den dort inserierten Staubblättern mini|Illustration aus Flora Batava, Volume 13

Vegetative Merkmale Der Echte Steinsame ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 100 Zentimetern. Es wird ein aufrechtes, kurzes, mehrköpfiges, holziges Rhizom gebildet. Je Pflanzenexemplar sind mehrere Stängel vorhanden, die steif, reichästig, rund und rau sind.

Die Laubblätter sind sitzend, am Grund während der Anthese hinfällig. Die derben Blattspreiten sind bei einer Länge von 5 bis 10 Zentimetern sowie einer Breite von 1 bis 2 Zentimetern lanzettlich oder länglich-lanzettlich und ganzrandig.

Generative Merkmale Die von Mai bis Juli erscheinenden Blüten sind in Doppelwickeln angeordnet. Die kurzen Blütenstiele sind aufrecht.

Die Blüten sind grünlich-gelblich-weiß, 4 bis 5 Millimeter lang, 3 bis 5 Millimeter breit. Die Kelchzipfel sind linealisch, stumpf und von abstehenden Trichomen zottig behaart. Die Krone überragt den Kelch nicht oder nur wenig. Die Kronzipfel sind stumpf und mit kleinen flaumig behaarten Schlundsülsten versehen.

Die Teilfrüchtchen sind 3 bis 4 Millimeter lang, glatt, glänzend, weiß, mit wenigen Grübchen. Sie sind steinhart, weshalb man der Pflanzengattung den Namen Steinsamen (Lithospermum) gegeben hat.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28.

Ökologie Der Echte Steinsame gehört zu den Hemikryptophyten.

Die Blüten sind schwach vorweiblich. Neben der Bestäubung durch Insekten ist eine Selbstbestäubung möglich.

Die kugeligen, senfkorngroßen Teilfrüchte sind kleinen Steinen ähnlich und reich an Kieselsäure und Karbonat. Die Teilfrüchte werden hauptsächlich durch fließendes Wasser transportiert.

Vorkommen Der Echte Steinsame ist auf der Nordhalbkugel in Europa, Westasien, im Kaukasusraum, Sibirien, in Zentralasien, in Pakistan, Nepal, Bhutan, Indien, in der Mongolei, in China sowie in Nordamerika weitverbreitet. In Europa wird er nördlich von Elbe und Weichsel zunehmend seltener. Die nördlichsten europäischen Vorkommen liegen in Norwegen bei 70° nördlicher Breite. Auf der Südhalbkugel ist er ein Neophyt und tritt dort selten auf. In Mitteleuropa kommt er im Tiefland vereinzelt und nur östlich der Elbe vor, in den Mittelgebirgen mit Kalkstein nur in milden Lagen. Im Jura und im Alpenvorland ist er fast erloschen, in den Alpen tritt er nur in warmen Tälern auf. In den Allgäuer Alpen findet man ihn im Vorarlberger Teil am Fuß der Felsabstürze am Gopfberg in Höhenlagen bis 1180 Meter. Im Schweizer Jura erreicht er eine Höhenlage von 1205 Meter, in Südtirol am Monte Baldo 1570 Meter.

Der Echte Steinsame siedelt in Mitteleuropa zerstreut als Stromtalpflanze in verlichteten Eichen-Ulmen-Auenwäldern, an Waldwegen und in Gebüschsäumen, in lichten, warmen, doch nicht zu trockenen Laubwäldern und Waldsäumen. Der Echte Steinsame gedeiht in Mitteleuropa meist auf frischen, nährstoff- und kalkreichen, mull- und kalkhaltigen, lockeren Lehm- und Tonböden. Er ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Ordnung der Trockenwaldsäume und der Staudensäume an Gehölzen (Origanetalia vulgaris), kommt aber auch in Pflanzengesellschaften des Verbands Berberidion oder im Querco-Ulmetum des Verbands Alno-Ulmion vor.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w (feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).

Taxonomie Die Erstveröffentlichung von Lithospermum officinale erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 132.

Inhaltsstoffe

Die Pflanzenteile sind kaum giftig. Wirkstoffhaltige Pflanzenteile sind die Samen. Wirkstoffe sind Octatetraensäure, Lithospermsäure, Pyrrolizidinalkaloide.

Nutzung Gemäß der Signaturenlehre nahm man den Echten Steinsamen (wegen seiner weißen, glänzenden steinähnlichen Teilfrüchte auch „Weiße Steinbreche“ bzw. lateinisch Saxifraga alba genanntClaudia Erbar, Karin Zimmermann: Der Codex Palatinus germanicus 539 – eine Pflanzenliste aus dem 15. Jahrhundert. 2009 (Digitalisat), S. 34 (zu Saxifraga). sowie Cauda porcina, ... Und nennen diß Buch zu latin Ortus sanitatis. (Gart der Gesundheit).Vgl. auch Ute Obhof: Rezeptionszeugnisse des „Gart der Gesundheit“ von Johann Wonnecke in der Martinus-Bibliothek in Mainz – ein wegweisender Druck von Peter Schöffer. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018, S. 25–38, hier: S. 35 („Cauda porcina – wyszsteinbreche“). womit im Süden auch die Rindszungen-Art Lithospermum tenuiflorum L.Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 170 und 191 (Granum solis = Cauda porcina). und ansonsten gemäß Pritzel auch die Sorghumhirse bezeichnet wurden) bzw. dessen „Samen(korn)“ (lateinisch granum solis,Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 143. grana solis, milium solisOtto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. 1938, S. 147. [„Sonnenhirse“] und lithospermum,Wouter S. van den Berg (Hrsg.): Eene Middelnederlandsche vertaling van het Antidotarium Nicolaï (Ms. 15624–15641, Kon. Bibl. te Brussel) met den latijnschen tekst der eerste gedrukte uitgave van het Antidotarium Nicolaï. Hrsg. von Sophie J. van den Berg, N. V. Boekhandel en Drukkerij E. J. Brill, Leiden 1917, S. 214–215. und 241. deutsch auch „Meerhirse“) früher gegen Steinleiden.Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960), S. 394 und 423 (merhirsz: Samen von Lithospermum officinale L., synonym grana solis). Auch gegen Rheuma sollte er helfen.

Die Wurzel enthält Lithospermin, das in Ostasien zu Färbezwecken verwendet wurde, in Europa jedoch kaum. Von der nahe verwandten Art, Lithospermum erythrorhizon , die auch schon als Varietät zu Lithospermum officinale gestellt wurde, hat man die Wurzel in Ostasien zu Färbezwecken verwendet. Besonders im alten China nutzte man sie zum Färben von Wolle und Seide. Der darin enthaltene Naphthochinonfarbstoff Shikonin liefert violette und purpurne Farbtöne.

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Quellen Literatur

Margot Spohn, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Die Enzyklopädie: über 1000 Blütenpflanzen Mitteleuropas. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10326-9. Burkhard Fugmann (Hrsg.): Römpp Lexikon Naturstoffe. Georg Thieme, Stuttgart / New York 1997, ISBN 3-13-749901-1. Lutz Roth, Max Daunderer, Karl Kormann: Giftpflanzen Pflanzengifte. 6., überarbeitete Auflage. Nikol-Verlag, Hamburg 2012, ISBN 978-3-86820-009-6. Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Portrait. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.

Einzelnachweise Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 362. Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3. Verlag Carl Hanser, München 1966. S. 2156–2157.

Weblinks

Thomas Meyer: Steinsame Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).

Kategorie:Raublattgewächse