Viana ist eine Stadt am Jakobsweg in der Autonomen Gemeinschaft Navarra. Sie wurde 1219 gegründet, erhielt 1630 Stadtrecht und führt den historischen Titel Muy Noble y Leal Ciudad de Viana Cabeza del Principado de Navarra („Sehr edle und getreue Stadt Viana, Hauptstadt des (Kron-)FürstentumsDer Titel Principe de Viana wurde im Königreich Navarra dem Kronprinzen verliehen. Navarra“). Stadtpatronin ist die heilige Maria Magdalena.
Lokale Situation Der Ort liegt in der Senke von Estella und vereint auf dem Gemeindegebiet einen Höhenunterschied von fast 400 Metern: Während das Stadtzentrum auf 469 m liegt, erreicht die Bojes-Höhe (Alto de los Bojes) mit 836 Metern nicht ganz doppelt so viel. Die Landschaft im Norden ist dementsprechend bergig, während der südliche Teil Richtung Ebro eben ist. Alle Bäche des Gebiets vollziehen dieses Gefälle nach und fließen zum Ebro und damit ins Mittelmeer.
Klima 1929–2004 Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sept Okt Nov Dez JahrDurchschnittstemperatur (°C) 5,8 7,2 10,2 11,6 15,8 19,8 22,6 22,9 19,1 14,5 9,4 6,5 13,8Durchschnittliche Höchsttemperatur (°C) 9,3 11,5 15,4 17,0 21,8 26,4 29,8 29,8 25,0 19,3 13,1 9,8 19,0Durchschnittliche Tiefsttemperatur (°C) 2,2 3,0 5,0 6,2 9,9 13,2 15,5 16,0 13,1 9,6 5,6 3,3 8,5Niederschlag (mm) 37,0 27,4 26,7 46,2 45,0 39,0 29,3 27,3 30,9 41,5 49,5 42,5 442,1 Quelle: Navarra Meteo-Archiv
Das Klima ist ein Übergangsklima vom kontinentalen zum mediterranen Klima des Ebros.
Namensherkunft Die Herkunft des Namens Viana ist nicht sicher geklärt, Mikel Belasko fasst in seinem BuchMikel Belasko, Diccionario etimológico de los nombres de los pueblos, villas y ciudades de Navarra, Pamplona-Iruña, 1996, ISBN 84-7681-239-6. zu den Ortsnamen Navarras die wichtigsten Thesen zusammen:
Benennung nach prominentem Vorbild – In Europa gibt es verschiedene ähnliche klingende Städte: Wien, Viana do Castelo, Vienne (dieses zeitweilig auch Vianna und Viana). Letztere war – obwohl heute kaum noch bekannt – im Mittelalter eine bedeutende Stadt. König und Stadtgründer Sancho der Starke könnte Viana nach ihr benannt haben und hätte damit einer der durchaus üblichen Gepflogenheiten der damaligen Zeit entsprochen. Diese These bewertet Belasko als die wahrscheinlichste, sie wird auch gestützt durch Julio Caro Baroja, einen der wichtigsten spanischen Historiker und Anthropologen des 20. Jahrhunderts, der sich ebenfalls mit Toponymen befasste. Folgebenennung – Viana könnte der Name einer schon vor Gründung der Stadt bestehenden Siedlung gewesen sein. Es würde sich damit in die Gruppe navarresischer und alavesischer Orte einreihen, die auf die Silbe -ana enden. Julio Caro Baroja sieht in der Endung den Hinweis auf eine römische Siedlung, der erste Namensteil würde auf den vorrömischen Namen referieren. Es gibt zwar Reste römischer Siedlungen in der Umgebung Vianas, die Existenz der anderen „Vianas“ in Europa und der Umstand, dass Viana eine Neugründung des 13. Jhs. ist (siehe Geschichte), lassen Caro Baroja dieser These aber weniger Gewicht beimessen. Situation an einer Straße – Julio Caro Baroja zieht in Betracht, dass der Name von der Lage an einer römischen Fernstraße (Via) herrühren könnte. Baskische Herkunft – Der Ortsname könnte aus dem Baskischen kommen: zum Beispiel von bi anai (zwei Brüder)vgl. den Ortsnamen Dos Hermanas, ein Vorschlag von Juan Antonio Frago García, Professor für Geschichte der Spanischen Sprache an der Universität Saragossa. Vorrömische Herkunft – Aufgrund des Fundes einer keltiberischen Tessera mit der Inschrift ueniakum (die aus Uenia) in Custodia (Teil des Gemeindegebiets von Viana) brachten die Philologen Juan Cruz Labeaga und Jürgen Untermann die These ein, dass das erwähnte Uenia der Ursprung des heutigen Ortsnamens sein könnte. Sie weisen aber auf den phonetisch schwierigen Übergang zum heutigen Ortsnamen hin. Benennung nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen der Gegend – Die lokale Volksetymologie führt den Namen auf Vino (Wein) und Viñedos (Weinberg) zurück. Ausgangspunkt dieser Überlegungen sind Berichte, wonach die Römer, die über die bergigen Zonen des Nordens kamen, bei ihrer Ankunft sofort die guten Anbaubedingungen des Gebietes erkannt und es deshalb Vinetum (spanisch: Viñedo) getauft haben sollen.
Geschichte Frühgeschichte und Antike Es gibt Hinweise, dass bereits in der unteren Altsteinzeit (um 200.000 vor Christus) Menschen im Bereich des heutigen Viana gelebt haben. Man schließt das aus archäologischen Funden in der Siedlung La Custodia, dessen Chronologie möglicherweise in der Altsteinzeit beginnt und über Bronze- und Eisenzeit bis zur beginnenden römischen Periode der Iberischen Halbinsel führt. Die vorgeschichtlichen Funde an diesem Ort sind: bearbeitete Äxte, Faustkeile, Schabeisen, Werkzeuge aus Feuerstein, bis hin zu Knochen des ausgestorbenen Waldelefanten Palaeoloxodon antiquus.
In der Jungsteinzeit fand ein Wechsel von nomadischer zu agrarischer Lebensweise statt, neben Feldbau gibt es Tierzucht. Es entwickelt sich ein spirituelles Bewusstsein, Tote werden in Gräbern bestattet. Beleg für diesen Wechsel ist das nahe Viana entdeckte Hypogäum de Longar von etwa 2850–2500 v. Chr., das intakt erhalten ist. Es befindet sich am „Alto de los Bojes“ etwa neun Kilometer nördlich Viana.
Das keltiberische Custodia, das um 600 v. Chr. Mitteleuropäer aufgenommen haben soll, wird von einigen Historikern mit Uarakos, Hauptstadt der Beronen und Vorgänger der römischen Siedlung Vareia, in Verbindung gebracht.Vareia wurde im Krieg zwischen Pompeio und Sertorius zerstört (80–72. v. Chr.). Es verdient auch deshalb besondere Aufmerksamkeit, weil dort Gastfreundschafts-Plättchen (Tesseras) mit iberischen Inschriften gefunden wurden, die ältesten Texte, die für Navarra bekannt sind.
Ab dem ersten Jahrhundert wurde Viana stark romanisiert, nachdem der Boden an Veteranen römischer Feldzüge verteilt worden war. Die Ausrichtung in Organisation und Verwaltung erfolgte dabei Richtung Vareia, dem aufgrund der Stationierung der Legio IIII Macedonica an diesem Ort wichtigsten Zentrum des Gebietes. Die Ansiedlungen erfolgten auf sehr fruchtbaren Böden, nahe kleinerer Gewässer oder des Ebros und eines Hauptverkehrsweges, der Fernstraße Pompaelo–Vareia/Ebrotal. Die zahlreichen Ansiedlungen in dieser durch Oliven-, Weizen- und Weinanbau landwirtschaftlich bestimmten Gegend wurden bis zum Mittelalter zu Weilern. Ihre romanischen Kirchen – heute meist Ermitas – sind bis in die heutige Zeit erhalten geblieben. Beispiel dafür ist die romanische Kirche San Martín de Tidón.
7.–15. Jahrhundert mini|Wappen von Kaiser Karl V./König Karl I. an der Stadtmauer
Sancho VII., der Starke, gründete Viana 1219 als Festung an der Grenze zu Kastilien. Die neue Stadt, befestigt mit vier Toren, Wehrkirchen und Burg, brauchte Menschen, die sie in Friedenszeiten erhielten und in Kriegszeiten verteidigten. Der König bevölkerte es mit den Bewohnern der umliegenden Orte Longar, Tidón, San Andrés de Perizuelas, Cuevas, Piedrahíta, Soto, Cornava und Goraño. Um diesen Prozess zu unterstützen, gestand er dem Ort ein Fuero zu, der auch unter dem Namen „Privilegio del Aguila“ bekannt ist. Im gleichen Atemzug wollte er damit eine Handelsroute fördern und an den Menschenströmen des Jakobswegs teilhaben. Das Fuero schuf Bedingungen, die die rasche Entwicklung der Stadt beförderten. Einen wichtigen Anteil am wirtschaftlichen Aufstieg hatten auch die Handelsaktivitäten der jüdischen Bevölkerungsgruppe. Das Fuero datiert auf April des Jahres 1219, wurde in Tudela ausgestellt und befindet sich heute im Stadtarchiv.
Der Camino Francés des Jakobswegs verlagerte sich nun bald und führte jetzt über Viana. Die Pilger hatten hier zahlreiche Hospitäler, wo sie Speise und Unterkunft fanden oder gepflegt wurden: San Julián, La Alberguería (am Fuß der Stadt), Santa Catalina, Nuestra Señora de Gracia (in der Stadt) sowie Richtung Logroño Einrichtungen der Benediktiner und der Juden von Torreviento, in Cuevas schließlich ein Hospital des Trinitarier-Ordens und eines, das dem Kloster Roncesvalles unterstand.
Eines der für Viana ruhmreichsten Ereignisse war die Erhebung zum Kronprinzentum „Principado de Viana“ durch Karl III. von Navarra, den Edlen. Dies geschah zugunsten seines 1421 in Peñafiel geborenen Enkels Karl von Viana, Sohn von Blanca de Navarra und Johann II. von Aragón. Das entsprechende Dokument datiert auf den 20. Januar 1423, ausgestellt in Tudela, und führt verschiedene Ortschaft, Burgen und Einkünfte auf, die dem Thronerben zur Verfügung stehen und seinen Rang und Würde verdeutlichen sollten. Den Titel trugen die Erstgeborenen der navarresischen, später der spanischen Könige, aktuell führt ihn die spanische Kronprinzessin Leonor.
Durch seine Grenzlage erlebte Viana immer wieder Angriffe und Plünderungen durch kastilische Truppen. Königin Eleonore von Navarra verlieh aus diesem Grund 1467 der Stadt den Titel „Muy Noble y Muy Leal (sehr edel und treu)“.
mini|Rathaus von Viana
16.–18. Jahrhundert 1507 erhob sich der Graf von Lerín gegen Doña Catalina und Jean d’Albret, die Könige von Navarra. Den Aufstand niederzuschlagen, sandten sie Cesare Borgia aus, Schwager von d’Albret. Borgia war Sohn von Papst Alexander VI., Kardinal, Generalissimus der päpstlichen und navarresischen Truppen und der Renaissancefürst, der Niccolò Machiavelli zu seinem Buch „Der Fürst“ inspiriert haben soll. Er versuchte im Rahmen des Feldzugs vergeblich Larraga einzunehmen und starb danach in einem Hinterhalt nahe Mendavia, den er erkannt, aber ignoriert haben soll. Er wurde zunächst in der Kirche Santa María beerdigt, dann aber vor dem Hauptportal umgebettet, damit ihn – den Exkommunizierten – das gemeine Volk mit Füßen trete. 2007 wurde er auf Beschluss einer Kommission erneut im Inneren der Kirche beigesetzt. Eine Marmorplatte an der Kirche erinnert an seinen Tod am 11. März des genannten Jahres.
Die Kapitulation Pamplonas am 25. Juli 1512 vor kastilischen Truppen und die Annexion Navarras ließen Viana keine andere Wahl, als der Hauptstadt zu folgen. Dies geschah am 15. August 1512. Kardinal Cisneros ordnete 1515 die administrative Eingliederung der Festung und der umliegenden Dörfer unter Logroño an, erst 1523 kam es durch Karl V. wieder zum Königreich Navarra.
Am 22. Juli 1599, als in Viana und anderswo die Pest wütete, wählten die Bürger die heilige María Magdalena zur Stadtpatronin, weil an ihrem Gedenktagvgl. Allgemeiner Römischer Kalender#Juli niemand an der Krankheit gestorben war. Zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert erlebte Viana eine Epoche wirtschaftlicher Entwicklung und Wohlstands basierend auf der Landwirtschaft und dem großen Ausstoß an Wein. Der Wohlstand spiegelt sich in verschiedenen religiösen und profanen Bauten im Renaissance- und Barockstil. Der Adel entwickelte sich und versorgte seine mittleren und jüngeren Söhne mit hohen Posten im Militär oder in den Kolonien, weil das traditionelle System des Mayorazgo, keine Aufteilung des Erbes zuließ. Die Fassaden der Häuser wurden mit beeindruckenden Familienwappen verziert und in beiden Pfarrkirchen wurden bedeutende Umbauten realisiert.
Am 14. Mai 1630 gesteht König Philipp IV. Viana das Stadtrecht zu und kauft die Festung, die Casa Real, die Mauern und das Soto Galindo zum Preis von 28.000 Silberdukaten. Philipp IV. verlieh Viana das Stadtrecht.