Als Entdeckung Amerikas wird die erste Sichtung des amerikanischen Doppelkontinents durch Seefahrer aus der Alten Welt nach der abgeschlossenen Besiedlung durch die Vorfahren der Ureinwohner Amerikas bezeichnet. Die Entdeckung Grönlands, das geografisch zu Nordamerika gehört, fällt nicht unter diesen Begriff.

Obwohl bekannt ist, dass bereits im Jahr 1021 Grænlendingar – unter Leif Eriksson – amerikanischen Boden betraten,Lucien F. Trueb: Ein solarer Fixpunkt der Radiocarbon-Datierung. In: Naturwissenschaftliche Rundschau Nr. 886 (April 2022), S. 194f. In den Jahresringen der Föhrenstämme, die die Wikinger zum Bau ihrer ersten Siedlung (bei Neufundland) verwendeten, ließ sich der Sonnensturm des Jahres 993 lokalisieren. Von dort bis zur Borke verblieben noch genau 28 Jahresringe. gilt Christoph Kolumbus als Entdecker Amerikas, da erst nach seiner Entdeckung der Karibik am 12. Oktober 1492 die kontinuierliche europäische Erkundung und Eroberung sowie dann auch Wahrnehmung der Landmasse Amerikas als Kontinent begann, weshalb dieses Datum einen Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte markiert.

Derzeit wird als erster Europäer, der das amerikanische Festland in der Neuzeit erreichte, Giovanni Caboto angesehen, der als John Cabot für England reiste und 1497 Neufundland fand. Es gibt Hinweise auf frühere (Wieder-)Entdecker wie Didrik Pining und João Vaz Corte-Real. Als eigener Kontinent wurde Amerika erst 1507 vom Italiener Amerigo Vespucci erkannt und noch im selben Jahr vom deutschen Kartografen Martin Waldseemüller nach diesem mit „America“ benannt.

Aus welthistorischer Sicht erfolgte die erstmalige Entdeckung und Besiedlung Amerikas durch Menschen nach der bisherigen Lehrmeinung vor 12.000 Jahren über die Beringstraße durch Bewohner Nordostasiens, ihre Nachkommen sind die amerikanischen Ureinwohner. Neuere Forschungen und Funde lassen auch weitere Besiedlungen schon vor 15.000 Jahren an der südlichen Pazifikküste Südamerikas von Ozeanien aus oder vor mehr als 20.000 Jahren mit dem Südäquatorialstrom aus Westafrika als möglich erscheinen. miniatur|hochkant|Die Jungfrau der Seefahrer älteste Darstellung der Entdeckung Amerikas, ca. 1510 mini|hochkant|Kolumbus landet auf Guanahani (Holzschnitt) mini|Die ersten Entdecker gingen über die Beringstraße (engl. Animation)

Sicher belegte Entdeckungsfahrten mini|Briefmarke der Färöer-Inseln mini|Briefmarke mit Skálholt-Karte

Skandinavier (um 875–1000)

Der erste Europäer, der das nordamerikanische Festland gesichtet hat, dürfte Bjarni Herjúlfsson gewesen sein. Er kam 986 auf der Fahrt von Island nach Grönland vom Kurs ab und berichtete später von „bewaldeten Hügeln im Westen“. Das gesichtete Land erkundete er aber nicht weiter.Grænlendinga saga in der Übersetzung von Felix Niedner: „Erzählung von den Grönländern“, Sammlung Thule Bd. 13. Diederichs 1965; in engl. Übersetzung im Internet: Rasmus B. Anderson in The Flatey book and recently discovered Vatican manuscripts concerning America as early as the tenth century: Da aber auch Grönland geographisch zum nordamerikanischen Kontinent gehört, kann bereits Gunnbjörn Úlfsson als dessen Entdecker (um 875) gelten. Von ihm wird berichtet, dass er als erster die nach ihm benannten Gunnbjarnarsker (Gunbjörnsschären) an der grönländischen Küste sichtete.In der Eiríks saga rauða fährt Erik der Rote aus, um das von Gunbjörn entdeckte zu erkunden; vgl. Kapitel 2, 6. Absatzes der Erikssaga in der englischen Übersetzung nach J. Sephton, 1880: The Saga of Erik the Red Dies führte später zur Besiedlung Grönlands. Ob Gunnbjörn auch das amerikanische Festland erreichte, ist ungewiss.

Nach heutigen Erkenntnissen war Leif Eriksson der erste Europäer, der im Jahr 1021 das amerikanische Festland betrat.Dr. Lucien F. Trueb: Ein solarer Fixpunkt der Radiocarbon-Datierung. In: Naturwissenschaftliche Rundschau Nr. 886 (April 2022), S. 194f.wie zuvor Die Einzelheiten sind unterschiedlich überliefert. Bei L’Anse aux Meadows auf Neufundland wurden im 20. Jahrhundert archäologische Funde gemacht, die den Grænlendingarn, das heißt skandinavischen Bewohnern Grönlands, zugeordnet werden.Discovery of the Site and Initial Excavations (1960-1968), Parks Canada Die Münze von Maine kam wohl von dort über Handelswege der Ureinwohner zu ihrem Fundort. Gemäß den „Vinland-Sagas“, die von den Entdeckungsfahrten der Grænlendingar berichten, benannten sie entdeckte Küstenabschnitte in Helluland, Markland und Vinland. Die Zuordnung dieser Gebiete ist umstritten und reicht von der Baffininsel und Labrador bis hin nach Neuschottland oder Massachusetts.

Auf weiteren Expeditionen, unter anderem von Leifs Bruder Thorvald, kam es zu Begegnungen mit Einheimischen. Die Grænlendingar nannten die amerikanischen Ureinwohner Skraelinger („Schwächlinge“ oder „hässliche Menschen“). Nach 1020 begab sich der Grænlendingar Thorfinn Karlsefni nach Vinland, um dort eine Siedlung zu gründen. FrauenmangelKapitel 14, 3. Absatz der Erikssaga in der englischen Übersetzung nach J. Sephton, 1880: The Saga of Erik the RedKapitel 14, 3. Absatz, Sätze 6 und 7, in etwa: „Dann begannen die Männer sich sehr gehenzulassen. Die, die ohne Frauen waren, näherten sich den Frauen der verheirateten Männer.“ und Kämpfe mit den SkraelingernAusdrücklich als Beweggrund angeführt in Kapitel 13, 1. Absatz der Erikssaga in der englischen Übersetzung nach J. Sephton, 1880: The Saga of Erik the Red bewogen die Grænlendingar dazu, Vinland nach wenigen Jahren wieder zu verlassen.

Archäologisch lässt sich seit 2021 die Anwesenheit von Europäern für das Jahr 1021 dendrochronologisch nachweisen.N.n.: 470 Jahre vor Kolumbus. Wikinger in Nordamerika, in: Archäologie in Deutschland 02 (April–Mai 2022), S. 6. Spuren eines Sonnensturmes des Jahres 993 – diese führen zu erhöhter Kohlenstoffeinlagerung – lagen genau 28 Jahresringe unterhalb des äußersten Ringes.

Dass die Grænlendingar auch weiter ins Landesinnere vordrangen, ist unwahrscheinlich. Der 1898 in Minnesota gefundene Runenstein von Kensington wird als Fälschung angesehen.

Kontakte über die Beringstraße nach Alaska Kontakte auf die eurasischen Landmasse sind bereits vor Ankunft der ersten europäischen Entdecker an venezianischen Glasperlen, die zwischen 1400 und 1480 vermutlich aus Sibirien über die Beringstraße nach Alaska gekommen sind, festzustellen.Karin Schlott: Venezianische Perlen gelangten ostwärts bis Amerika – vor Kolumbus. In: spektrum.de, 12. Februar 2021, abgerufen am 4. Dezember 2022.

mini|Erste Reise von Kolumbus (span. Grafik)

Christoph Kolumbus (1492)

Christoph Kolumbus stieß auf Amerika bei dem Versuch, Indien (bzw. Ostasien) durch Überquerung des Atlantischen Ozeans zu erreichen. Um die Jahreswende 1487/88 hatte der Portugiese Bartolomeu Diaz als erster Europäer die Südspitze Afrikas umsegelt; der weitere Weg nach Indien war aber bis 1498 unerforscht.

Giovanni Caboto (1497)

Der italienische Forscher und Seefahrer Giovanni Caboto (engl. John Cabot) trat 1484 in englische Dienste. König Heinrich VII. beauftragte ihn 1496 mit der Suche eines Westwegs in das Kaiserreich China. In Begleitung seines Sohns Sebastiano trat er die Reise an und entdeckte dabei am 24. Juni 1497 das nordamerikanische Festland, wobei es sich wahrscheinlich um Labrador handelte. Caboto hatte einen Brief für den chinesischen „König“ dabei, der aber nie ankam, da er und vier seiner Schiffe auf seiner zweiten Reise über den Atlantik 1498 verschwanden.

Vasco Núñez de Balboa (1513)

Erste Kartografen wie Martin Waldseemüller ordneten die neu entdeckten Atlantikküstenabschnitte Amerikas schon einem neuen Kontinent „America“ zu, bevor der erste Beweis erbracht war, dass Amerika ein Kontinent ist. Diesen erbrachte am 25. September 1513, vormittags um elf Uhr, Vasco Núñez de Balboa nach einer verlustreichen Expedition durch Panama, als er als erster Europäer den Pazifik vom amerikanischen Festland aus erblickte. Die Kontinent-Eigenschaft hatte schon vor ihm Amerigo Vespucci postuliert, nachdem er durch genaue Beobachtungen deutliche Eigenheiten von Fauna und Flora Amerikas festgestellt hatte.

Ungesicherte Berichte mini|Die alten Polynesier gelten als hervorragende Seefahrer (frz. Grafik). mini|Diese französische Amerika-Karte von 1792 lokalisiert das Fousang der Chinesen etwa im Gebiet des heutigen British Columbia.

Neben der ursprünglichen Besiedlung und den genannten Fahrten gibt es eine Vielzahl von Hypothesen und Spekulationen über andere präkolumbianische Expeditionen nach Amerika.

Keine dieser Hypothesen gilt in der historischen Forschung der Westlichen Welt als hinreichend belegt oder gesichert.

Ungesicherte Berichte (Pazifik) Präkolumbische Besiedlung Amerikas Einige Ethnologen, Anthropologen und Altamerikanisten (z. B. Robert von Heine-Geldern, Gordon F. Ekholm und Paul Kirchhoff) gelangten aufgrund ihrer Arbeiten zur Auffassung, die Entstehung und Entwicklung alter Kulturen Mittelamerikas sei durch transpazifische Kontakte mit Besuchern aus der Alten Welt (insbesondere Asien) beeinflusst worden.Cornelia Giesing, „Das vorkolumbische Amerika in circumpazifischer Sicht“ (pdf, 5 MB), aus: Wolfgang Stein (Hrsg.); Staatliches Museum für Völkerkunde - München, „KOLUMBUS oder Wer entdeckte Amerika?“, München (Hirmer Verlag), 1992 (S. 38–68), ISBN 3-7774-6060-5

Polynesier Ausgegrabene Hühnerknochen aus dem 14. Jahrhundert sprechen dafür, dass das Haushuhn von Polynesien nach Südamerika kam.Alice A. Storey et al.: Radiocarbon and DNA evidence for a pre-Columbian introduction of Polynesian chickens to Chile. 2007. doi:10.1073/pnas.0703993104 Wie das Huhn nach Amerika kam. Auf: wissenschaft.de vom 5. Juni 2007. Die Süßkartoffel hingegen kam von Amerika nach Polynesien, und es wurde angenommen, dass dies um das Jahr 1000 geschah.Reisefreudige Süßkartoffel Auf: spiegel.de vom 27. Januar 2013. Wenn Süßkartoffeln eine Reise tun. Auf: wissenschaft.de vom 22. Mai 2007, abgerufen am 10. September 2019 Beide Verbreitungen können auch natürlichen Mechanismen (z. B. Treibgut in Meeresströmungen) zugeschrieben werden, aber transpazifische Seefahrt erscheint wahrscheinlicher.Polynesier entdeckten Amerikaner - und umgekehrt In: spektrum.de, abgerufen am 31. Oktober 2014; alle engl.: How The Sweet Potato Crossed The Pacific Way Before The Europeans Did In: npr.org (mit Karte und linguistischen Vergleich, 23. Januar 2013); Historical collections reveal patterns of diffusion of sweet potato in Oceania obscured by modern plant movements and recombination. In: pnas.org (Veröffentlichung, 5. Februar 2013), s. a. DNA shows how the sweet potato crossed the sea. Historical specimens reveal that early travellers brought the tuber to Polynesia. In: nature.com (21. Januar 2013), abgerufen am 17. Oktober 2014. Untersuchungen von 2018 hingegen ergaben, dass die Süßkartoffel schon vor der menschlichen Besiedlung auf Inseln Polynesiens heimisch war. Genetische Untersuchungen an Einwohnern der Osterinsel lassen darauf schließen, dass ein erster Kontakt zwischen der Osterinsel und Südamerika zwischen 1310 und 1420 stattfand.J. Victor Moreno-Mayar, Simon Rasmussen et al.: Genome-wide Ancestry Patterns in Rapanui Suggests Pre-European Admixture with Native Americans. In: Current Biology, 24 (3. November 2014), S. 2518–2525, 2520, 2522 f.; Genomic data support early contact between Easter Island and Americas In: eurekalert.org, abgerufen am 26. April 2015.

Ungesicherte Berichte (Atlantik) mini|Am Sahara-Sand sieht man den „zwangsläufigen“ Hinweg über den Atlantik … mini| … auch der Rückweg wird von Westwinden unterstützt Vorgeschichte Der norwegische Anthropologe Thor Heyerdahl zeigte 1970, dass eine Überquerung des Atlantiks mit einem Schilfboot, wie es im Alten Ägypten üblich war, möglich ist.

Felszeichnungen und andere Funde in der Serra da Capivara werden als Hinweis auf eine Besiedelung vor mehr als 20.000 Jahren interpretiert, die möglicherweise mit dem Südäquatorialstrom aus Westafrika erfolgte.