mini|hochkant|Dieter Wedel (2016) Dieter Karl Cäsar Wedel (* 12. November 1939 in Frankfurt am Main;d-nb.info: Das Frankfurter Schauspielhaus in den Jahren 1912 bis 1929 / vorgelegt von Dieter Wedel, Freie Univ., Philos. Fak., Diss. A, 1965 (abgerufen am 6. Januar 2018) † 13. Juli 2022 in Hamburg) war ein deutscher Regisseur, Filmproduzent und Drehbuchautor. Bekannt wurde er vor allem durch seine Mehrteiler Einmal im Leben – Geschichte eines Eigenheims (1972), Alle Jahre wieder – Die Familie Semmeling (1976), Wilder Westen inclusive (1988), Der große Bellheim (1992), Der Schattenmann (1995) und Die Affäre Semmeling (2002).
Leben und Wirken Herkunft und Ausbildung Die Informationen zum Geburtsjahr Dieter Wedels waren lange widersprüchlich: Der Öffentlichkeit gegenüber gab er 1942 als sein Geburtsjahr an, obwohl er bereits 1946 eingeschult wurde. 2010 äußerte Wedel gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass er sich 1968 drei Jahre älter gemacht habe, um seine erste Regiearbeit für den Film Gedenktag (1970) zu bekommen. Auch das Wer ist wer? von 1985 hat die Angabe 1942 übernommen. Aus einem von ihm verfassten Lebenslauf im Anhang seiner 1965 an der Philosophischen Fakultät der Freien Universität Berlin eingereichten Inaugural-Dissertation mit dem Titel Das Frankfurter Schauspielhaus in den Jahren 1912 bis 1929 geht indes hervor, dass Wedel am 12. November 1939 in Frankfurt am Main geboren wurde.
Dieter Wedel war der Sohn des 1957 gestorbenen Ingenieurs Karl Wedel, der auch Besitzer einer Lederwarenfabrik war. Seine Mutter Ada, geborene Stroh,Autobiographie. Affäre Wedel – „Du kleiner Fernseharsch“. Hans-Jürgen Jakobs: sueddeutsche.de vom 17. Mai 2010 (abgerufen am 7. Januar 2018). trat unter dem Künstlernamen Ada Torana als Pianistin auf. radiobremen.de vom 3. Dezember 2009 (abgerufen am 7. Januar 2018) Wedel wuchs in Bad Nauheim auf und besuchte die Ernst-Ludwig-Schule Bad Nauheim. Er inszenierte als Schüler am 21. Mai 1957 im Kurhaus der Stadt sein erstes Theaterstück, das Drama Massada.Abenteuer und Begegnungen: Meine Storys. Georg Bremer, 2011, S. 260. Im Alter von 17 Jahren war Wedel hessischer Tennis-Jugendmeister.
An der Freien Universität Berlin studierte er bei seinem „Ersatzpapa“ Hans Knudsen Theaterwissenschaft, ferner Publizistik und Geschichte. Während seines Studiums leitete er die Studentenbühne. Daneben war er als Lektor und Theaterkritiker tätig. Später inszenierte Wedel im Berliner Amerika-Haus und am Hebbeltheater.
Wirken Wedel wurde 1965 zum Dr. phil. promoviert und begann seine berufliche Laufbahn als Autor und Hörspielregisseur bei Radio Bremen 1966. 1967 ging er zum NDR Hamburg und wurde zunächst Assistent in der Redaktion von Egon Monk, dem Leiter der Fernsehspielabteilung.„Ich war oft meiner Zeit voraus“. abendblatt.de vom 12. Februar 2003 (abgerufen am 27. Januar 2018). Von 1968 bis 1974 gehörte er der NDR-Fernsehspiele-Redaktion an. Unter Dieter Meichsner wurde er NDR-Hausregisseur. Sein erster Kurzfilm Willi (1969) basiert auf Wolfdietrich Schnurres Kurzgeschichte Reusenheben.Shocking Short Award: Horror mit Dieter Wedel. wuv.de vom 21. Juni 2012 (abgerufen am 27. Januar 2018).Willi (1969 TV Movie), imdb.com (abgerufen am 27. Januar 2018) Vom Volksaufstand am 17. Juni 1953 handelt sein erster großer Fernsehfilm Gedenktag (1970).
1972 hatte Wedel seinen ersten großen Erfolg mit dem Dreiteiler Einmal im Leben – Geschichte eines Eigenheims. Zahllose deutsche Häuslebauer erkannten sich in der fiktiven Familie Semmeling wieder, die nahezu alle Probleme eines Hausbaus durchlebte. 1976 wurde das Konzept in Alle Jahre wieder – Die Familie Semmeling erneut aufgegriffen, diesmal wurde der Urlaub der fiktiven deutschen Durchschnittsfamilie kritisch porträtiert. 2001 versuchte Wedel, unter Verzicht auf den humoristisch-satirischen Ansatz, an die erfolgreichen Semmeling-Filme der 1970er Jahre mit dem Mehrteiler Die Affäre Semmeling über die deutsche Finanzbürokratie anzuknüpfen. In der mittlerweile völlig veränderten Fernsehlandschaft wurden die Einschaltquoten der 1970er Jahre aber nicht mehr erreicht.
1977 machte Wedel sich selbständig, gründete mit dem Filmproduzenten Jürgen DohmeA bissel was geht immer: Unvollendete Erinnerungen von Helmut Dietl. (abgerufen am 6. Januar 2018) die Active Film GmbHDieter Wedel attackiert ein interessenpolitisches „Komplott“. Ämter-Verfilzung in einem üblen Müll-Skandal. In: Hamburger Abendblatt vom 29. Oktober 1979, abgerufen am 6. Januar 2018. in München, deren Inhaber er war, und drehte so als Regisseur und Produzent zahlreiche gesellschaftskritische Fernsehspiele. Später realisierte er seine Projekte über die Corona Film GmbH, bei der seine Lebensgefährtin und spätere Ehefrau Ursula Wolters Geschäftsführerin ist.handelsregister.de und bundesanzeiger.deAuf die Kreativen wirkt Hamburg wie ein Magnet. In: Hamburger Abendblatt vom 25. Juni 1996, abgerufen am 7. Januar 2018.
Von 1980 bis 1985 inszenierte er unter Intendant Peter Striebeck am Hamburger Thalia-Theater unter anderem Freund Horney, Macbeth von William Shakespeare und Die Frau des Bäckers von Marcel Pagnol mit Peter Striebeck, dessen Aufführung 1986 auch in der ARD gesendet wurde.Peter Striebecks Abgang mit der Frau des Bäckers. In: Hamburger Abedenblatt vom 27. Mai 1986, abgerufen am 6. Januar 2018.
Als Fernsehregisseur schuf Wedel Filme für ARD und ZDF und machte sich einen Namen vor allem mit aufwändigen Mehrteilern. 1986 begannen in Hamburg die Dreharbeiten für seinen – auch in den Vereinigten Staaten gedrehten – Wilder Westen inclusive (1988) mit einem Etat von 20 Millionen Mark, das bis dato teuerste Fernsehspiel für den Westdeutschen Rundfunk.Ausflug in den "Wilden Westen" Hamburger Abendblatt vom 24. November 1986, abgerufen am 7. Januar 2018. Es folgten Der große Bellheim (1992), Der Schattenmann (1995), Der König von St. Pauli (1998), Die Affäre Semmeling (2002) sowie Papa und Mama (2006) und zuletzt Gier (2010). Wedel hatte vielfach Cameo-Auftritte in seinen eigenen Produktionen, z. B. in Der große Bellheim, Der König von St. Pauli und Der Schattenmann.
Von 2002 bis zum Sommer 2014 leitete Wedel die Nibelungenfestspiele in Worms, zunächst als Regisseur, danach auch als Intendant in Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Karin Beier oder Gil Mehmert. 2011/2012 erweiterte Wedel erfolgreich mit zwei Stücken über Die Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß und Das Vermögen des Herrn Süss das Repertoire, bevor er 2013 mit Hebbels Nibelungen – born to die zu den Wurzeln der Festspiele zurückkehrte und für 2014 seine letzte Inszenierung in Worms ankündigte.Dieter Wedel: Nibelungenfestspiele Worms stehen am Scheideweg. Bei focus.de, abgerufen am 25. November 2014.Im Namen der Sonnenbrille. Bei faz.net, abgerufen am 26. November 2014.Beate Nietzel: AZ-Talk in Mainz: Dieter Wedel spricht über korrupte Politiker, Frauen und Nibelungentreue. Bei allgemeine-zeitung.de, abgerufen am 26. November 2014. Ab 2015 war Wedel Intendant der Bad Hersfelder Festspiele. Seine erste Inszenierung in Bad Hersfeld war die Komödie der Irrungen mit Darstellern wie Sonja Kirchberger und Heinz Hoenig. 2016 inszenierte er Hexenjagd. Zum Ensemble gehörten unter anderem Elisabeth Lanz, Richy Müller und Motsi Mabuse.Wedel veranstaltet „Hexenjagd“ zum Festspiel-Start sueddeutsche.de, 23. Juni 2016. 2017 brachte Wedel das Theaterstück Martin Luther – Der Anschlag auf die Bühne.Festspiele 2017: Luther und Titanic kommen auf die Ruinenbühne. osthessen-news.de, 19. November 2016.
Am 22. Januar 2018 erklärte Wedel als Intendant in Hersfeld seinen Rücktritt, nachdem ihm mehrere Schauspielerinnen im Rahmen der #MeToo-Debatte sexualisierte Gewalt vorgeworfen hatten. Seine geplante Inszenierung Das Karlos-Komplott wurde aus dem Spielplan genommen.Wedels Stück fliegt raus op-online.de, 30. Januar 2018. Laut Angaben aus seinem Umfeld erlitt Wedel im Januar 2018 einen Herzinfarkt.
Dieter Wedel war Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg. Er starb am 13. Juli 2022 im Alter von 82 Jahren in Hamburg nach langer, schwerer Krankheit, nachdem er seit längerer Zeit an Leukämie litt und in der Stammzellenstation des Klinikums Hamburg-Eppendorf behandelt wurde.Schwer zu ertragen, dass er sich nun wirklich aus dem Staub gemacht hat - Zum Tod von Dieter Wedel in Süddeutsche Zeitung, 20. Juli 2022 Seine letzte Ruhestätte fand Wedel im Oktober 2022 im Familiengrab auf dem Friedhof seiner Heimatstadt Bad Nauheim.
Privates Dieter Wedel war mit der Schauspielerin Hannelore Elsner (1942–2019) liiert. Aus dieser Beziehung stammt der 1981 geborene Sohn Dominik Elstner, der als Fotograf arbeitet.merkur.de: Mit Pumps und Pistole. merkur.de, 19. Mai 2009.Hannelore Elsners Sohn verrät emotionale Geheimnisse seiner Mutter. tz.de vom 20. Dezember 2020, abgerufen am 22. Oktober 2021.
Von 1988 bis 1992 war er mit Ingrid Steeger liiert.
Mit der Schauspielerin Dominique Voland, seiner Lebensgefährtin von 1997 bis 2009, hatte er einen Sohn (Benjamin).Sohn Benjamin nach seinem Tod: "Die Welt ist einen Funken besser geworden" Bunte.de, 25. Juli 2022 Ab 2014 war er mit der Kauffrau Ursula Wolters verheiratet, einer Tochter des früheren Bremer Senators Hermann Wolters; sie starb 13 Tage nach Wedel.Witwe von Dieter Wedel stirbt wenige Tage nach ihrem Mann. In: focus.de, 30. Juli 2022, abgerufen am 30. Juli 2022. Wedel ist Vater von insgesamt sechs Kindern von sechs verschiedenen Frauen.„Der große Bellheim“: ZUM TOD DES REGISSEURS DIETER WEDEL, Der Tag, RBB, 20. Juli 2022 Er wohnte sowohl in Hamburg-TonndorfDas Hamburger Allgemeine Rundschau – Promi-Radar. hamburger-allgemeine.de, 8. April 2021. als auch auf Mallorca.Geburtstag auf der Pirateninsel. mallorcamagazin.com, 8. April 2021.
Kritik
Plagiatsvorwürfe mini|hochkant|Dieter Wedel (2008) So konsequent wie der Erfolg zogen sich durch Wedels Werk auch Plagiatsvorwürfe, weil manche Dialoge und ganze Szenen Filmkenner immer wieder an bekannte Vorbilder erinnerten. Teile seines Scheidungsdramas Papa und Mama entdeckte die Süddeutsche Zeitung in Jenseits von Afrika. Auch in früheren Wedel-Produktionen fanden sich komplette Szenen von Oliver Stone, Woody Allen, Francis Ford Coppola und vielen mehr – was Harald Schmidt zur Persiflage Hollywood klaut bei Wedel nutzte.
Führungsstil als Produzent und Regisseur 2017 entließ Wedel einen Tag vor Beginn der 67. Bad Hersfelder Festspiele den Schauspieler Paulus Manker nach einer Auseinandersetzung während einer der letzten Proben. Manker kritisierte Wedel danach heftig, dieser herrsche wie ein „nordkoreanischer Diktator“, der „wochenlang Angst und Schrecken“ bei seinen Schauspielern verbreite. Manker hätte in der Uraufführung Martin Luther – Der Anschlag die Titelrolle verkörpern sollen.Bad Hersfelder Festspiele. Star-Regisseur feuert Hauptdarsteller. fr.de vom 24. Juni 2017, abgerufen am 5. Januar 2018.
Die Schauspielerin Iris Berben warf Wedel 2018 vor, sie Ende der 70er Jahre am Set gedemütigt zu haben, nachdem sie einer Einladung zum Abendessen nicht gefolgt sei. So musste sie eine Szene, in der sie lediglich das Wort „Hallo“ sagen musste, „sicher mehr als dreißig Mal“ wiederholen. Sie sagte dazu: „Er machte mich fertig. Wedel rächte sich, wenn jemand nicht bereit war, sein Spiel zu spielen.“
Der Regisseur Simon Verhoeven schrieb im Jahr 2018: „Fakt ist: Jeder, der in der Filmbranche eine Zeit lang gearbeitet hat, wusste von den ätzenden Geschichten über Wedel. Dass er am Set Schauspieler tyrannisiere, dass er ein eitler, egomanischer Schreihals sei, ein Arschloch.“
Wedel bedauerte im Januar 2018 als Reaktion auf einen Bericht der Zeit über seinen Anwalt, dass er bei seiner „langjährigen Tätigkeit als Produzent und Regisseur“ insbesondere bei Dreharbeiten Schauspieler „manchmal überharter, wohl auch verletzender Kritik ausgesetzt“ habe. deutschlandfunk.de vom 4. Januar 2018, abgerufen am 5. Januar 2018