mini|300px|Werk von ThyssenKrupp bei Duisburg. Thyssen Krupp ist das größte der verbliebenen Unternehmen aus der Montanindustrie.
Die Wirtschaft Nordrhein-Westfalens ist gemessen am Bruttoinlandsprodukt (2025: 909,4 Milliarden Euro) die größte Volkswirtschaft aller deutschen Länder. In Nordrhein-Westfalen wird rund 22 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts erzeugt.
Besonders kennzeichnend sind die industriellen Zentren an Rhein und Ruhr, die ihre Wurzeln maßgeblich in der Montanindustrie haben. Wiederkehrende Stahl- und Kohlekrisen nach dem Zweiten Weltkrieg führten im Land zu einem tiefgreifenden Strukturwandel hin zu einer heute vor allem durch den Dienstleistungssektor geprägten Wirtschaft.
Mit Warenausfuhren im Wert von 221,5 Milliarden Euro belegte Nordrhein-Westfalen im Jahr 2024 Platz 3 der exportstärksten Bundesländer Deutschlands, nach Bayern auf Platz 2 und Baden-Württemberg auf Platz 1.Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, 2025: Baden-Württemberg: Ein Standort im Vergleich: „Im Vergleich zum Vorjahr bedeutete dies zwar einen Rückgang von über 10,1 Mrd. Euro bzw. 4,0 %, jedoch war Baden-Württemberg damit auch 2024 das exportstärkste Bundesland – mittlerweile zum elften Mal in Folge. Auf den Plätzen 2 und 3 folgten Bayern und Nordrhein-Westfalen mit Ausfuhren in Höhe von 224,8 bzw. 221,5 Mrd. Euro.“
Geschichte mini|Die Kokerei und Zeche Zollverein gehörte einst den Haniels, die heute noch im Besitz eines der größten Unternehmen des Landes sind. mini|RWE-Group-Center, Essen. Sitz des nach Umsatz siebtgrößten Unternehmens des Landes mini|Weltkulturerbe Zeche Zollverein in Essen. Denkmal der Montanindustrie im Ruhrgebiet Land von Kohle und Stahl war in den 1950er und 1960er Jahren eine durchaus treffende Selbst- und Fremdbeschreibung für Nordrhein-Westfalen. Das montanindustrielle Ruhrgebiet war nach dem Wiederaufbau wieder eine der wichtigsten Industrieregionen Europas und hat zum Wirtschaftswunder nicht nur im Land, sondern in der gesamten Bundesrepublik entscheidend beigetragen.
Allerdings ist hervorzuheben, dass andere Regionen in Nordrhein-Westfalen eine wesentlich längere gewerbliche Tradition aufweisen als das erst im 19. Jahrhundert industrialisierte Ruhrgebiet. Die Textilindustrie hatte etwa in Ostwestfalen, in Teilen des bergischen Landes (Wuppertal), im Raum Krefeld-Mönchengladbach, im Westmünsterland und anderen Teilen des Landes den Übergang vom Heimgewerbe zur Fabrikproduktion bereits um 1800 erfolgreich vollzogen. In weiten Teilen Südwestfalens und des Bergischen Landes war die Eisenerzeugung und -verarbeitung in unterschiedlichen Formen seit der frühen Neuzeit verbreitet. Andere Teile des Landes blieben dagegen lange Zeit weiter landwirtschaftlich geprägt. Dazu gehörte etwa das obere Sauerland, weite Teile des Niederrheins, die Eifel, weite Teile des Münsterlandes und des Hochstifts Paderborn. Nicht zu vergessen ist, dass sich am Rhein und anderen Standorten etwa mit der Chemieindustrie und dem Maschinenbau im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert für das Land wichtige neue Industriezweige ansiedelten. Dagegen blieb der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die für andere Länder bedeutende Automobilindustrie (sieht man einmal von den Deutz-/ und Ford-Werken in Köln und später der Opel-Fabrik in Bochum und dem Mercedes-Benz-Sprinter-Werk in Düsseldorf ab) unterentwickelt. Insgesamt aber kam keine dieser Regionen an die wirtschaftliche und bevölkerungsgeschichtliche Dynamik des „Reviers“ heran.
Spätestens seit den 1960er Jahren begannen sich die negativen Seiten dieser industriellen Monostruktur zu zeigen. Immer wiederkehrende Stahl- und Kohlekrisen ließen den montanindustriellen Sektor immer mehr zusammenschmelzen. Zwar blieben Montanunternehmen wie die RAG Aktiengesellschaft oder ThyssenKrupp regional wichtige Arbeitgeber, waren aber keine Wachstumsmotoren mehr. Dagegen erlebten im produzierenden Sektor die mittelbetrieblichen Unternehmen jenseits des Ruhrgebiets insbesondere im Maschinenbau, der metall- und eisenverarbeitenden Industrie einen erheblichen Aufschwung. Während in Teilen des Ruhrgebiets und den Großstädten des Rheinlandes der Bildungs-, Medien- und Dienstleistungssektor ein immer stärkeres Gewicht erlangten, nahm der gewerbliche Beschäftigtenanteil in ehemals eher peripheren Regionen mit mittelständischer Wirtschaftsstruktur deutlich zu. Im Sauerland sind etwa heute deutlich mehr Menschen im produzierenden Gewerbe beschäftigt als im Ruhrgebiet. Der Strukturwandel fiel in Nordrhein-Westfalen regional sehr unterschiedlich aus. Das Ruhrgebiet und die Großstädte im „Bergischen Städtedreieck“ (Remscheid, Wuppertal, Solingen) wurden durch die Strukturkrise der montanindustriellen Monostruktur hart getroffen. Die Arbeitslosigkeit war und ist dort teilweise deutlich über dem Landesdurchschnitt. Dem versuchte die Landesregierung durch strukturpolitische Maßnahmen beizukommen, etwa durch das Aktionsprogramm Ruhr (1979–1984) und durch die Internationale Bauausstellung Emscher Park (1989–1999), weitgehend allerdings ohne durchgreifenden, strukturellen Erfolg. Anders verlief es in den anderen Regionen. Die Städte am Rhein, vor allem die Großstädte Düsseldorf, Neuss, Köln und Bonn können seit Jahren sehr gute Wirtschaftsdaten aufweisen. Düsseldorf selbst gehört zu den fünf wirtschaftsstärksten Städten Deutschlands. Das Münsterland und das Bergische Land (mit Ausnahme des Städtedreiecks) erleben einen sehr starken Rückgang der Arbeitslosigkeit. Dieser ist mittlerweile deutlich unter dem Landes- und Bundesdurchschnitt.FAZ.net: Arbeitslosenzahlen regional im April 2008. Quelle: Bundesagentur für Arbeit.
Wirtschaftsleistung Trotz des Strukturwandels und des jahrelangen unterdurchschnittlichen Wirtschaftswachstums bildete das Land mit einem BIP von 909,411 Milliarden Euro im Jahr 2025 das wirtschaftsstärkste Land Deutschlands. Das Land erwirtschaftet damit rund 21,04 Prozent (Jahr 2012) der deutschen Wirtschaftsleistung. Jeder Nordrhein-Westfale erzielte 2016 statistisch eine Wertschöpfung von rund 37.485 Euro (Deutschland: circa 37.128 im Jahr 2015). Jeder Erwerbstätige erwirtschaftete 2015 statistisch rund 70.542 Euro (Deutschland: circa 70.437). Damit bewegt sich Nordrhein-Westfalen in der Pro-Capita-Betrachtung im Mittelfeld der Länder Westdeutschlands (nur Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hamburg und Hessen erzielten 2012 je Einwohner ein höheres BIP in der Bundesrepublik). Im Vergleich mit dem BIP der EU, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, erreichte Nordrhein-Westfalen im Jahr 2014 einen Index von 124,0 (EU 28: 100 Deutschland: 126,0).
Folgende Tabelle fasst die Entwicklung der Wirtschaftsleistung seit 1992 zusammen:
+Wirtschaftsleistung (BIP) zu den jeweiligen Preisen (1992–2016) Jahr BIP in Mio. € Veränderung gegenüber dem Vorjahr BIP je Einwohner in tausend € 1991 379.622 – 21.791 1992 400.291 5,4 22.784 1993 403.742 0,9 22.841 1994 416.209 3,1 23.477 1995 431.311 3,6 24.258 1996 432.774 0,3 24.271 1997 443.231 2,4 24.821 1998 454.786 2,6 25.470 1999 459.292 1,0 25.725 2000 468.890 2,1 26.259 2001 479.665 2,3 26.846 2002 488.169 1,8 27.293 2003 488.368 0,0 27.305 2004 501.679 2,7 28.073 2005 508.544 1,4 28.497 2006 525.442 3,3 29.505 2007 558.003 6,2 31.412 2008 572.389 2,6 32.335 2009 550.378 −3,8 31.227 2010 566.173 2,9 32.230 2011 588.785 4,0 33.558 2012 596.332 1,3 33.980 2013 610.047 2,3 34.735 2014 631.568 3,5 35.874 2015 648.714 2,7 36.544 2016 669.676 665.569 3,2 2,2 37.485 –2017694.8834,4–2018717.5393,3–2019732.4212,1–2020717.751 −2,0–2021760.0785,9–2022813.5327,0–2023858.7855,6–2024879.8432,5–2025909.4113,4–
Jeder Arbeitnehmer in Nordrhein-Westfalen erhielt statistisch im Jahr 2012 ein Bruttoarbeitsentgelt von 31.109 Euro. Dieser Wert liegt nur leicht über dem bundesdeutschen Schnitt von 30.330 €.
Arbeitsmarkt Die Zahl der Erwerbstätigen in Nordrhein-Westfalen liegt bei rund 8,9 Millionen im Jahresdurchschnitt für das Jahr 2012. Die Arbeitslosenquote beträgt . Dieser Wert liegt über der bundesdeutschen und westdeutschen Arbeitslosenquote (Deutschland: . Westdeutschland: ). Die Arbeitslosigkeit ist nach Bremen die zweithöchste aller westdeutschen Länder.
+ Arbeitsmarkt (1991–2015) Jahr Erwerbstätige in Tsd. (Jahresdurchschnitt) Arbeitslosenquote in Prozent (jeweils 31. Dez.) 1991 8.053,8 7,9 1992 8.127,8 8,0 1993 8.019,6 9,6 1994 7.942,3 10,7 1995 7.916,4 10,6 1996 7.952,8 11,4 1997 8.006,9 12,2 1998 8.166,0 11,7 1999 8.346,4 11,2 2000 8.604,8 10,1 2001 8.567,1 9,6 2002 8.533,4 10,1 2003 8.447,1 10,9 2004 8.495,9 11,2 2005 8.489,7 13,2 2006 8.534,8 12,6 2007 8.675,6 10,5 2008 8.791,7 9,3 2009 8.771,1 9,9 2010 8.783,5 9,6 2011 8.915,4 8,9 2012 9.003,7 8,9 2013 9.055,7 9,2 2014 9.112,7 9,1 2015 9.196,2 8,8 2016 9.270,0 7,7
Die zehn wichtigsten Standorte sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung sind (Arbeitsortangaben)Statistik der Bundesagentur für Arbeit:
Stadt sozialvers.Beschäftigte30. Juni 2012 Veränderungseit30. Juni 2007 Pendlersaldo30. Juni 2012 Arbeitsplatzdichte Köln485.167 + 9,35 %+ 129.486725Düsseldorf371.122 + 8,12 %+ 160.795972Essen224.130 + 7,06 %+ 45.027631Dortmund204.782 + 8,34 %+ 23.727563Duisburg158.486 + 3,55 %+ 6.174520Bonn158.436 + 8,07 %+ 54.871798Münster146.112 + 9,53 %+ 45.689742Bielefeld134.236 + 6,87 %+ 26.121655Bochum125.864 + 1,77 %+ 8.316543Aachen114.952 + 7,32 %+ 39.746723
Wirtschaftsstruktur Auch wenn immer noch Teile des alten Reviers hohe Arbeitslosenzahlen aufweisen, ist der Strukturwandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft in den industriellen Kernen insgesamt in den letzten Jahrzehnten weit fortgeschritten. Der Dienstleistungssektor ist dabei mittlerweile der Sektor mit den meisten Beschäftigten. Insgesamt unterscheidet sich die sektorale Verteilung der Erwerbstätigen nunmehr unwesentlich vom Bundesdurchschnitt. Folgende Tabelle zeigt die Entwicklung seit 1950:
+ Erwerbstätige nach Sektoren in Prozent (Jahresdurchschnitte) Sektor 1950 1961 1970 1987 1992 1996 2006 2009 Land-/Forstwirtschaft 11,7 6,6 3,5 2,4 1,9 1,7 1,4 1,5 Produzierendes Gewerbe (mit Baugewerbe) 54,2 56,2 53,8 40,7 38,5 34,1 24,5 23,7 Handel, Verkehr, Nachrichtenübermittlung 16,7 17,7 18,5 20,0 20,6 21,1 26,2 26,2 Sonstige Dienstleistungen 17,4 19,4 24,3 36,9 39,0 43,1 47,9 48,6
Quelle: 1950–1996Landeszentrale für Politische Bildung NRW (Hrsg.): NRW-Lexikon: Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Recht, Kultur. S. 2. 2. Aufl. Leske + Budrich. Opladen 2000, ISBN 3-8100-2336-1.; 2006; 2009Landesdatenbank NRW
Unternehmen mini|Hauptsitz der Deutschen Telekom AG in Bonn, des nach Umsatz zweitgrößten Unternehmens des Landes Nordrhein-Westfalen
Nach Erhebungen des amerikanischen Wirtschaftsmagazins Fortune hatten im Jahr 2019 zehn der fünfhundert umsatzstärksten Unternehmen der Welt ihren Hauptsitz in Nordrhein-Westfalen. Außerdem haben 10 der 30 DAX-Unternehmen ihren Firmensitz in NRW: Deutsche Post und Deutsche Telekom in Bonn, Vonovia in Bochum, Henkel in Düsseldorf, E.ON, RWE und thyssenkrupp in Essen, Lufthansa in Köln sowie Bayer und Covestro in Leverkusen. Die 10 umsatzstärksten Unternehmen des Landes im Jahr 2019 waren: 1. Uniper (Umsatz: 92,3 Mrd. US-$) 2. Deutsche Telekom (89,3) 3. Deutsche Post (75,0) 4. RWE (56,0) 5. thyssenkrupp (50,9) 6. Bayer (46,7) 7. Metro (43,5) 8. Lufthansa (42,3) 9. E.ON (35,7) 10. Ceconomy (26,1)
Quelle: Fortune Global 500, Stand September 2019
Daneben gibt es zahlreiche familiengeführte Unternehmen. Von den eintausend umsatzstärksten Familienunternehmen Deutschlands waren 2018 mit 265 die bundesweit meisten in Nordrhein-Westfalen angesiedelt. Auch im Bereich der mittelständischen Unternehmen liegt laut einer Analyse des Mediums Die Deutsche Wirtschaft das Land auf Rang 1 im Bundeslandvergleich.
In Nordrhein-Westfalen sitzen zudem die meisten Hidden-Champions (293 Stück). Allein 150 dieser Weltmarktführer sitzen in Südwestfalen, der drittgrößten Industrieregion Deutschlands.
Wirtschaftsförderung und Auslandsinvestitionen