mini|300px|Kutna Hora. Im Vordergrund die Neustadt, in der Bildmitte die Altstadt mit der Kirche St. Jakob, dem Ursulinenkloster Kuttenberg, dem Jesuitenkolleg und dem Dom der heiligen Barbara.
Kutná Hora (; deutsch Kuttenberg) ist eine Stadt mit etwa 20.000 Einwohnern im Okres Kutná Hora in Tschechien.
Geschichte Kuttenberg wurde im 12. Jahrhundert als Bergmannssiedlung gegründet. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts entwickelte sie sich zu einer der lebhaftesten und wohlhabendsten Städte Böhmens. Durch den Silberbergbau und die Prägung der Prager Groschen war sie nach Prag die zweitgrößte Stadt Böhmens. Während der Hussitenkriege in den 1420er Jahren wurde ein großer Teil der Bevölkerung von Kuttenberg ermordet. Danach verlor die Stadt viel von ihrer Bedeutung. Seit 1995 gehört die Altstadt von Kuttenberg zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Geographie Kutná Hora liegt etwa 70 km östlich von Prag und sieben km südlich der Elbe bei Kolín (Kolin, Köln) auf einem Plateau über dem Tal des Flüsschens Vrchlice, das oberhalb von Poličany (Polischan) in der Vrchlice-Talsperre gestaut wird. Der tschechische Ortsname verweist auf den vom Norden flacher ansteigenden und zum Süden stark abfallenden Berg (Hora). Die Etymologie des Wortes Kutná ist ungeklärt. Der Legende nach soll ein Mönch das erste Silber gefunden und es mit seiner Kutte abgedeckt haben.
Stadtgliederung Zur Stadt Kutná Hora gehören die Ortsteile: Hlouška (Hlisow, älter auch: GlusauAntonín Profous: Místní jména v Čechách. Jejich vznik, původ, význam a změny. Band 1–5. Česká akademie věd a umění, Prag 1947–1960.) Kaňk (Gang) Karlov (Karlshof) Kutná Hora-Vnitřní Město (Kuttenberg-Innenstadt) Malín (Malin) Neškaredice (Neschkareditz, älter auch: Kotigendorf (1407)) Perštejnec (Persteinitz, älter auch: Birkenstein) Poličany (Politschan, älter auch: Polischan (1397)) Sedlec (Sedletz, älter auch: Sellis (1189)) Šipší (Sipetz) Vrchlice (Wrchlitz) Žižkov (Cirkwitz, Zirkwitz)
Nachbargemeinden
Geschichte
mini|Kirche St. Jakob und Erzdekanat, von St. Barbara aus gesehen mini|König Wenzel II. übergibt den Kuttenberger Bergleuten seine Bergordnung. mini|Das Jesuitenkolleg mini|Aktie über 200 Gulden, Vereinigte Landwirtschaftliche Zuckerfabrik in Kuttenberg von 1865
1142 gründete der Zisterzienserorden das Kloster Sedlec, zu dessen Ländereien das Gebiet des heutigen Kuttenberges gehörte. Der Legende nach soll ein Mönch bei der Arbeit auf einem Weinberg das erste Silber entdeckt haben. Er markierte die Stelle mit seiner Kutte, woraus der spätere Name Kuttenberg entstanden sein soll. Wahrscheinlicher ist die Herleitung des Namens vom mittelhochdeutschen Wort kutta (Grube), der auf den Bergbau verweist. Noch viel wahrscheinlicher ist es jedoch, dass der tschechische Name übernommen wurde – „Kutná Hora“ bedeutet nämlich Schürfberg und das Wort kutat („schürfen“) älteren tschechischen Ursprungs ist; Wörter mit dem Wortstamm kut- hatten ursprünglich die Bedeutung von „Tun“ oder „Wirken“, die sich mit der Zeit diversifizierte.Frazeologizace slovesa dělati a jeho synonym Igor Němec, auf nase-rec.ujc.cas.cz.
Die Mönche stammten aus der Abtei Waldsassen in der Oberpfalz, weshalb sie nach der Entdeckung dieser Silberlagerstätte ab 1260 deutsche Bergleute ansiedelten. Die erste urkundliche Erwähnung von „Cuthna Antiqua“ (Alt Kutten), die zur deutschen Gründung wurde, ist aus dem Jahr 1289 bekannt. Die Erzfunde lösten einen wahren Silberboom aus. Innerhalb kürzester Zeit siedelten sich zahlreiche Bergleute in dem vormals ländlichen Gebiet an. Der Bergbaubetrieb wurde direkt in der Stadt aufgenommen; zwei Göpelwerke im Stadtgebiet erinnern noch heute daran.
Die Siedlung wuchs, wie es typisch für Bergbausiedlungen war, rasch und planlos heran. Der böhmische König Wenzel II. verlieh der Stadt nach 1300 das Münzrecht. Hier wurde bis 1547 der Prager Groschen geprägt. Kuttenberg entwickelte sich als „Schatzkammer“ des Landes und aufgrund der Einwohnerzahl zur zweitwichtigsten böhmischen Königsstadt nach Prag.
Herzog Albrecht von Habsburg belagerte 1304 die Stadt. Das führte zu einem beschleunigten Bau der heute noch in Teilen erhaltenen Stadtbefestigung. Der damalige Reichtum der Stadt spiegelt sich in den noch heute erhaltenen Sakralbauten wider. Eine Urkunde von 1327 mit einem Verzeichnis der Magistratsmitglieder weist nur deutsche Namen auf. Das Kuttenberger Bergmannslied von 1414 ist eines der ältesten überlieferten, deutschen Bergmannslieder.
Sedletz (1422) und Kuttenberg (1424) wurden während der Hussitenkriege durch hussitische Truppen gebrandschatzt und geschleift, viele Bewohner wurden getötet, worauf die wohlhabende, meist deutsche Bevölkerung, die katholisch geblieben war, die Stadt aufgab und abwanderte.
Erst ab 1470 erholte sich der Ort, ohne seine ursprüngliche Bedeutung wiederzuerlangen. 1471 wurde Vladislav Jagiello hier zum böhmischen König gekrönt und 1485 der nach der Stadt benannte Kuttenberger Religionsfrieden zwischen Utraquisten und Katholiken Böhmens geschlossen. 1489 entstand die Kuttenberger Bibel (Bible kutnohorská), die zweitälteste gedruckte tschechischsprachige Gesamtausgabe nach der Prager Bibel von 1488.Reinhold Olesch, Hans Rothe (Hrsg.): Kuttenberger Bibel. Bei Martin von Tišnov (= Biblia Slavica. Serie 1. Band 2). Faksimile. Schöningh, Paderborn 1989. Die ältesten erhaltenen Wohngebäude stammen aus jener Zeit.
Mitte des 16. Jahrhunderts gingen die Erzvorräte zur Neige; der Silberbergbau wurde stark zurückgefahren, die Prägung des Prager Groschens eingestellt, wodurch die Stadt ihre Bedeutung für Böhmen verlor. Insgesamt wurden zwischen 1290 und 1800 etwa 2500 Tonnen Silber gefördert. Ab dem Jahr 1627 kam es mit der Ansiedelung von Jesuiten zur Rekatholisierung der zumeist hussitisch-utraquistischen Bevölkerung.
1757 wurde nach der Schlacht am Tabor-Berg bei Prag im Siebenjährigen Krieg der Stadt das Münzrecht entzogen.
Der Neuaufbau nach zwei Stadtbränden 1770 und 1823 veränderte das Stadtbild. Ab 1868 bis 1918 war die Stadt Hauptort des Bezirks Kuttenberg. Ende des 19. Jahrhunderts kam es im Rahmen der damals aufstrebenden tschechischen Nationalbewegung zu ersten denkmalschützerischen Bestrebungen. Bis zum Ersten Weltkrieg war Kutná Hora Garnison der K.u.K. Österreich-Ungarischen Armee. 1914 war hier das Böhmische Infanterie-Regiment Nr. 21 (Stab, III./IV. Bataillon) stationiert. Am 22. April 1944 wurde in der städtischen Kaserne (vormals Jesuitenkolleg) die NPEA Böhmen eingerichtet.
1961 wurde Kutná Hora zum städtischen Denkmalschutzreservat. 1995 wurde es in die Liste der UNESCO-Kulturdenkmäler aufgenommen.
Partnerstädte Kutná Hora pflegt mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft: StadtLandseitBingen am Rhein 15px2012Eger 15px2001Fidenza 15px2004Jajce 15px2018Kamjanez-Podilskyj 15px2008Kremnica 15px1998Reims 15px2008Ringsted 15px1988Stamford2002Tarnowskie Góry 15px2003
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Stadtteil Sedlec Die Kirche Mariä Himmelfahrt (kostel Nanebevzetí P. Marie) wurde zwischen 1280 und 1320 im gotischen Stil durch die Zisterzienser-Bauhütte erbaut. Im Dreißigjährigen Krieg zerstört, wurde sie von 1699 bis 1707 auf Veranlassung des Abtes Heinrich Snopek durch die Architekten Paul Ignaz Bayer und Giovanni Santini-Aichel wiederhergestellt. Dieser Denkmalkomplex gehört zu den bedeutendsten frühen Kirchenbauwerken in Böhmen. Die Kirche wurde auf Erlass von König Wenzel II. im Stil des französischen Kathedralentyps errichtet. Besonders erwähnenswert ist die gotische Monstranz (ca. 1390), die auf einen Entwurf aus der Prager Bauhütte von Peter Parler zurückgeht.Jaroslav Pešina, Karel Kibic (Red.): ABC kulturních pamatek. Panorama, Praha 1985, S. 467–468.Emanuel Poche: Kunstdenkmäler in der Tschechoslowakei. Böhmen und Mähren. Edition Leipzig, Leipzig 1986, ISBN 3-361-00071-8, S. 437–438. Das Verstreuen von Erde aus dem Heiligen Grab in Jerusalem ließ den Friedhof von Sedlec für die Christen auch außerhalb Böhmens zu größerer Bedeutung kommen. Durch den Bergbau räumlich eingeschränkt, durch Pestepidemie und Kriege belastet, kam es zum Platzmangel. Um weiterhin Bestattungen durchführen zu können, wurde in den Gewölben unterhalb der im 14. Jahrhundert errichteten Friedhofskapelle ein Beinhaus, das Ossarium Sedlec, eingerichtet. Die Pyramiden aus Gebeinen von rund 40.000 Menschen sind der Sage nach das Werk eines blinden Mönchs des Zisterzienserordens um 1510, die sakralen Ausschmückungen des Raums und das Herrichten der menschlichen Knochen übernahm 1870 der Holzschnitzer František Rint. 1970 drehte der tschechische Surrealist Jan Švankmajer den Kurzfilm „Kostnice“ über das Beinhaus. – Laut dem tschechischen Archäologen Filip Velímský (Institute of Archeology of the Academy of Sciences of the Czech Republic (ASCR), v.v.i.) sind 99 % der Knochen menschlich, nur 1 % bestehen aus Holz. Es handelt sich um die Knochen von 40.000 Toten, die im Zuge von Bestattungstourismus von weither, auch aus Bayern, Polen und Belgien kamen und am Friedhof bestattet worden waren. Die Knochen kamen aus Platzgründen ins Beinhaus und wurden hier später von Rint mit Chlorkalk präpariert (desinfiziert) und im Stil des späten Barock als Memento mori zur Dekoration verwendet.Die 3 unheimlichsten Orte in Europa: Eine Kirche mit Skulpturen aus Knochen. Karlotta Arnold, Sarah Schuch, Frank Gensthaler: 400 Jahre alte Kirche taucht aus dem Wasser. 2012, 19. Oktober 2015 (), abgerufen am 22. Oktober 2015.
Altstadt Das historische Stadtzentrum wurde 1961 zum städtischen Denkmalreservat erklärt. Seit 1995 gehört die historische Altstadt von Kutná Hora mit der spätgotischen Barbarakirche und zusätzlich die Kirche Mariä Himmelfahrt und St. Johannes der Täufer des Klosters Sedlec zum UNESCO-Weltkulturerbe.https://whc.unesco.org/fr/list/732/ Beschreibung des Objekts auf der Welterbeliste, englisch, französisch, abgerufen am 18. April 2025
Sakralbauten mini|Der Dom der heiligen Barbara
Der Bau der Kirche des heiligen Jakob und des Erzdekanats (Kostel svatého Jakuba Staršího v kutna hora) wurde um 1320 von der Zisterzienser-Bauhütte begonnen und nach Bauabbruch etwa 1380 durch die Prager Hofbauhütte beendet.Anton Legner (Hrsg.): Die Parler und der schöne Stil 1350–1400. Europräische Kunst unter den Luxemburgern. Ausstellungskatalog. Köln 1978, Bd. 2, S. 636 (Dobroslav Líbal). Die St.-Jakobs-Kirche wurde im Stil der Gotik erbaut, der Südturm wurde aus Kostengründen nicht vollendet. Der Nordturm gilt als höchster Kirchturm Tschechiens. Für diese Kirche wurde um 1491/95 auch ein Graduale, das sog. Kuttenberger Kanzionale (heute Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Mus. Hs. 15501), mit einem Bergbau-Frontispiz von 1509 angefertigt.Robert Klugseder: Katalog der mittelalterlichen Musikhandschriften der Österreichischen Nationalbibliothek Wien (= Codices manuscripti & impressi. Supplementum 10). Purkersdorf 2014, S. 291–295; Jeffrey F. Hamburger: Alter Wein in neuen Schläuchen? Die Ausstattung religiöser Handschriften. In: Ders., Robert Suckale, Gude Suckale-Redlefsen (Hrsg.): Unter Druck. Mitteleuropäische Buchmalerei im Zeitalter Gutenbergs (= Buchmalerei des 15. Jahrhunderts in Mitteleuropa. Band 2). Luzern 2015, S. 67–133, hier S. 92–93; Lucy Donkin: Looking Beneath the Surface. Subterranean Space in the Kuntá Hora Cantional. In: Laura Cleaver, Alixe Bovey, Lucy Donkin (Hrsg.): Illuminating the Middle Ages. Tributes to Prof. John Lowden from his Students, Friends and Colleague (= Library of the Written Word. Band 79). Leiden 2020, S. 414–434. Die Corpus-Christi-Kapelle bzw. Fronleichnamskapelle (Kaple Božího Těla) wurde in den 1380er Jahren von der Corpus-Christi-Bruderschaft erbaut. Die Kirche der Jungfrau Maria (Kostel Panny Marie Na Náměti) wurde wahrscheinlich vor 1357 an der Stelle einer älteren Bergbaukapelle in der heutigen Altstadt, im Zentrum von Kuttenberg, errichtet.