mini|320px|Peißenberg vom Osthang des Hohen Peißenberges bei Windkreuth mini|320px|rechts|Der Nordteil des Ortes im Winter; im Vordergrund das Krankenhaus, rechts außen die St.-Johann-Kirche mini|Peißenberg von Süden mini|Ammersenke östlich von Peißenberg mini|Peißenberg mit dem Hohen Peißenberg von Osten Peißenberg (bis 1919 Unterpeißenberg) ist ein Markt und dessen gleichnamiger Hauptort im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau.
Geografie Peißenberg liegt in der Mitte des Pfaffenwinkels im Alpenvorland, zwischen dem Hohen Peißenberg und dem Guggenberg am linken Ammerufer. Die Gegend ist ländlich geprägt.
Gemeindegliederung Die Gemeinde hat zwei größere Teile: Nord („Dorf“) und Süd („Wörth“), die durch die Bergehalde getrennt sind.
Es gibt 25 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Wessobrunn (Gemeindeteile Forst und Paterzell), Polling, Oberhausen, Böbing und Hohenpeißenberg.
Geologie Peißenberg befindet sich am Übergang der Vorlandmolasse zur Faltenmolasse. Die sogenannte Peißenberger Schuppe (ehemals als Mulde bezeichnet) bildet von Norden her kommend den ersten geologisch markanten Bereich der Faltenmolasse im Raum Peißenberg. Weiter südlich folgt die Rottenbucher Mulde. In den steil einfallenden Mulden- bzw. Schuppenschenkeln kommen auch die ursprünglich tiefer gelegenen, kohleführenden Schichten recht nah an die Erdoberfläche heran, was den Abbau der Kohle dort ermöglicht hat. Der Hohe Peißenberg befindet sich am südlichsten Teil der Vorlandmolasse, deren Schichten dort steil nach oben aufgerichtet wurden (aufgerichtete Molasse). Sowohl die Ablagerung der Schichten, als auch deren spätere Auffaltung fand im Zeitalter des Tertiärs statt. Unterhalb der Molassegesteine werden in den Malmkalken große Thermalwasservorkommen vermutet, die geothermisch genutzt werden könnten. Die tertiären Schichten werden nach oben hin von unterschiedlich mächtigen quartären Schichten (vor allem Schotter und Moräne) überlagert.
Klima Das Klima in Peißenberg ist relativ kühl, mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 7,5 °C. Der Durchschnittsniederschlag ist 1200 mm. Die niederschlagsreichsten Monate sind Juni und Juli, wobei auch im Januar ein hoher Wert registriert wird. Dieser verteilt sich auf ungefähr 160 Tage, während in der Hälfte dieser Tage Schnee fällt.
Hochwasserereignisse 1999 hatte die Ammer Hochwasser. Außer wenigen vollgelaufenen Kellern war im Ort selbst nichts passiert, der Campingplatz nahe der Kläranlage wurde jedoch völlig überschwemmt.
Im August 2005 kam das nächste Hochwasser. Auch dieses Mal konnte der Damm dank seiner Erhöhung nach 1999 den Ort retten, jedoch wurde eine noch nicht fertiggestellte Brücke für die Umgehungsstraße von den sich aufstauenden Baumstämmen zerstört – auch ein gezielt eingeleiteter Dammbruch konnte dies nicht verhindern. Während der Monate Juni und Juli hatte an der Brücke aufgrund von Hochwasserschutzmaßnahmen nicht gebaut werden dürfen (zu dieser Zeit hatte die Ammer allerdings Niedrigwasser), und als die Bauarbeiten im August wiederaufgenommen wurden, ereignete sich das Hochwasser. Auch 2005 wurde der Campingplatz schwer in Mitleidenschaft gezogen. Große Schäden richtete ein Starkregenereignis im Sommer 2016 im Bereich der Schongauer Straße und der Bachstraße an, als der Wörthersbach über die Ufer trat.Merkur.de: Land unter in Peißenberg (abgerufen am 2. Juni 2019)
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Älteste Funde menschlicher Aktivität auf Peißenberger Gebiet stammen aus der Bronze- und Hallstattzeit.Ortsgeschichte. In: Max Biller: Peißenberger Heimatlexikon. 2., erweiterte Auflage 1984, S. 438. Es gab auch Münzfunde aus der Römerzeit, und aus der Merowingerzeit stammen Reihengräber.
Erste schriftliche Erwähnungen stammen aus dem 11. Jahrhundert, unter anderem aus Aufzeichnungen des Klosters Benediktbeuern, das seit dem 10. Jahrhundert hier Besitzungen hatte. Die älteste Urkunde im Peißenberger Archiv trägt ein Siegel von 1659 und bezieht sich auf ein Vorgängerschreiben von 1602. Wichtiges Ereignis war der Titel Kurort für den Nordwestteil des Ortes, damals Sulz, das damit zu Bad Sulz wurde.
Der Ort gehörte zum Rentamt München und zum Landgericht Rauhenlechsberg des Kurfürstentums Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
Namensänderung, Markt Die Gemeinde Unterpeißenberg wurde am 1. März 1919 amtlich in Peißenberg umbenannt und zum Markt ernannt.Ortsgeschichte. In: Max Biller: Peißenberger Heimatlexikon. 2., erweiterte Auflage von 1984, S. 440.
Bergbau
Im frühen 19. Jahrhundert wurde mit dem systematischen Abbau von Pechkohle am Hohen Peißenberg begonnen. Die Vorkommen waren seit etwa 1580 bekannt, als ein Hirtenjunge ein Lagerfeuer machen wollte und plötzlich der ganze Boden in Brand geriet. Durch die sich stärker entwickelnde Kohlennachfrage im Zuge der Industrialisierung wurden die Bodenschätze für den Abbau immer interessanter. In der Folge entwickelte sich Peißenberg zu einem Bergwerksdorf, heute noch sichtbar an den vielen Stollen und an neuer und alter Bergehalde. Es wird angenommen, dass durch den Bergbau die Kur-Quelle von Bad Sulz versiegte, das deswegen den Kurortstatus verlor. Maximal rund 3500 Menschen hatten im Bergwerk Peißenberg ihren Arbeitsplatz. Ab 1927 wurde das Bergwerk durch die BHS betrieben. Im Dezember 1919 kamen 15 Bergleute bei Explosionen im Bergwerk Peißenberg zu Tode. Der Bergbau wurde, obwohl er seinerzeit auf dem modernsten Stand der Technik war, zunächst 1966 an den Standorten Hausham und Penzberg eingestellt und schließlich 1971 auch in Peißenberg aufgegeben. Um nach der Schließung des Bergwerks den Bergleuten gezielt neue Arbeitsplätze zu verschaffen, wurden damals in Peißenberg Fertigungsstandorte und Firmen angesiedelt.vgl. Max Biller, Peißenberger Heimatlexikon, 2., erweiterte Auflage von 1984, S. 132, mit Quellenverweis auf: Christine Erhard. Der Ort hält die Erinnerung an die Ära des Bergbaues unter anderem durch die Einrichtung des Bergbaumuseums wach.
Im Zweiten Weltkrieg gab es am 27. Februar 1945 einen Luftangriff auf Peißenberg, der wahrscheinlich das Bergwerk hätte treffen sollen, stattdessen wurden Gebäude zwischen Maistraße und Landesweg getroffen, bei dem es Tote gab.Weilheimer Tagblatt, Wochenendausgabe von 28. Februar/1. März 2015, Lokalteil, S. 7 (Samstagsseite), abgerufen am 27. Juli 2015. mini|Wörth, der südliche Teil von Peißenberg
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1978 Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Ammerhöfe mit damals etwa 600 Einwohnern und St. Georg, ein ehemals abgelegener Hof, also hauptsächlich südlich des Ortes in loser Anordnung liegende oft landwirtschaftliche Anwesen, Teil des Gemeindegebiets.Gemeindegebiet. In: Max Biller: Peißenberger Heimatlexikon. zweite erweiterte Auflage. von 1984, S. 248.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Markt von 10.694 auf 12.595 um 1.901 Einwohner bzw. um 17,8 %. Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 EinwohnerKommunalstatistik von Peißenberg, abgerufen am 21. Oktober 2010.Bevölkerungsstatistik, abgerufen am 8. Februar 2010. 881 1.095 2.544 5.376 6.780 8.993 9.707 10.309 10.675 11.392 11.658 12.271 Jahr 2005 2010 2015 2020 Einwohner 12.503 12.555 12.516 12.674
Konfessionsstatistik mini|Pfarrkirche St. Johann Baptist in Peißenberg, dahinter Weilheim i. OB Mit 7.399 Mitgliedern gehörten (2019) 55,4 % der Bevölkerung der römisch-katholischen Kirche an, 11,0 % zählten sich zur evangelischen Kirche und 36,6 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Zahlen und Fakten: Markt Peißenberg (abgerufen am 24. April 2021) Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Mit Stand Oktober 2025 gehörten noch 45,0 % der Bevölkerung der katholische Kirche an, 9,8 % zählten sich zur evangelischen Kirche und 45,3 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Bericht zur Bürgerversammlung 2025 Zahlen und Fakten : Markt Peißenberg, abgerufen am 10. Januar 2026
Politik Gemeinderat + Ergebnisse der Gemeinderatswahlen Partei / Liste Wahl 2026Markt Peißenberg – Wahl des Marktgemeinderats am 08.03.2026, abgerufen am 15. März 2026 Wahl 2020Markt Peißenberg – Wahl des Marktgemeinderats am 15.03.2020, abgerufen am 29. März 2020 Wahl 2014Ergebnis der Kommunalwahl 2014, abgerufen am 18. März 2014.Weilheimer Tagblatt, 18. März 2014, Lokalteil S. 8. Wahl 2008Gemeinderat Peißenberg, abgerufen am 8. Februar 2010. Wahl 2002Ergebnis der Kommunalwahl 2002, abgerufen am 6. Januar 2011. % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CSU 41,7 10 28,9 7 33,7 8 41,3 10 55,8 14 SPD 16,5 4 17,0 4 27,4 6 34,2 8 31,4 7 Peißenberger Liste - - 15,3 4 23,7 6 – – – – Grüne 15,7 4 12,5 3 – – – – – – Peißenberger Bürgervereinigung 12,0 3 11,4 3 15,2 4 24,5 6 12,8 3 FW - - 9,7 2 – – – – – – AfD 14,0 3 5,2 1 – – – – – – Gesamt 100 24 100 24 100 24 100 24 100 24 Wahlbeteiligung 62,9 % 58,6 % 57,7 % 65,6 % 61,0 %
Bürgermeister + Erste(r) Bürgermeister(in):Bürgermeister. In: Max Biller, Peißenberger Heimatlexikon, 2., erweiterte Auflage von 1984, S. 176 ff. Amtszeit Bürgermeister(in) Partei / Anmerkung 1870–1890 Josef Weinbuch 1890–1893 Josef Hutter 1894–1911 Ulrich Schwaller 1912 Johann Hofer 1912–1919 Karl Mangold 1919–1933 Kaspar Höck ab 1930 hauptamtlich 1933–1937 Alexander Forthoffer 1937–1945 Otto Walter 1945–1946 Fritz Beyerlein kommissarisch im Amt 1946–1955 Josef Zerhoch SPD 1955–1959 Johann Baudrexl 1959–1972 Hans Leibold SPD 1972–1990Chronik: SPD Peißenberg, abgerufen am 8. Februar 2010. Matthias Führler SPD 1990–2008 Hermann Schnitzer CSU 2008–2020 Manuela VanniBei einer Stichwahl am 30. März 2014 gegen Hans Streicher von der SPD wurde sie als Kandidatin der Peißenberger Liste mit 58,7 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. parteilos(bis März 2011 SPD)Vanni tritt aus SPD aus, abgerufen am 4. August 2011. 2020– Frank Zellner CSU
Bei der Bürgermeisterwahl am 8. März 2026 wurde Frank Zellner mit 81,8 % der Stimmen wiedergewählt (ohne Gegenkandidat).
Partnergemeinden Seit 1986 unterhält Peißenberg eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Saint-Brevin-les-Pins. Sie liegt an der Loire-Mündung in den Atlantik und damit ca. 1.300 km entfernt. Des Weiteren existiert durch einen seit 1980 bestehenden Austausch eine inoffizielle Partnerschaft mit Apremont, einem Dorf in den französischen Alpen (Savoyen).
Wappen und Flagge
Die Flagge ist entsprechend den Wappenfarben schwarz und gelb.Max Biller: Peißenberger Heimat-Lexikon. Hrsg.: Markt Peißenberg. 3. Auflage. Peißenberg 1998, S. 247.
Die nicht mehr selbstständige Gemeinde Ammerhöfe führte seinerzeit ein eigenes Wappen.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Die zwei Bahnhöfe Peißenbergs sind: Peißenberg (ehemals Werksbahnhof Sulz genannt) und Peißenberg Nord (ehemals Unterpeißenberg genannt) an der Bahnstrecke Weilheim–Peißenberg