mini|Neumarkt mit Frauenkirche, 2012

Der Neumarkt in Dresden ist ein Platz in der Inneren Altstadt zwischen Altmarkt und Elbe. Er gehört wie der Theaterplatz, der Schloßplatz und der Altmarkt zu den bedeutendsten Plätzen der Dresdner Altstadt.

Der Neumarkt entstand im 16. Jahrhundert nach der Verlegung der alten Stadtmauer unter Einbeziehung des Jüdenhofs als zweiter Marktplatz und fand nach der Säkularisation des Frauenkirchhofs im 18. Jahrhundert eine Vergrößerung. Die überwiegend erhaltene barocke Bebauung des Neumarkts wurde durch die Luftangriffe auf Dresden im Februar 1945 zu großen Teilen zerstört. Nach der Trümmerberäumung waren seine Grenzen aufgehoben und er erschien als weitläufige Freifläche um die Ruine der Frauenkirche, begrenzt durch das Johanneum, den Kulturpalast und die Ruine des Kurländer Palais. Bei der Enttrümmerung wurden auch standfeste und wiederaufbaufähige Bauensembles abgerissen, wie an der Rampischen Straße.

Durch die rege Bautätigkeit nach der deutschen Wiedervereinigung, ausgelöst durch den Wiederaufbau der Frauenkirche, veränderte insbesondere ab 2001 der heutige Platz seine Gestalt fortlaufend. Die Neubebauung zielte nach langen und kontroversen Debatten auf eine weitgehende Rekonstruktion vieler historischer Gebäude und Gebäudegrundrisse im Stil des Dresdner Barock, die den Neumarkt in der Vergangenheit kennzeichneten und durch Krieg und nachfolgendem Abriss vernichtet wurden. Gleichwohl hat starkes bürgerschaftliches Engagement, etwa der Bürgerinitiative Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden, erheblich Einfluss auf diese Wiederherstellung genommen, auch anders geplante Bauten (etwa das „Neue Gewandhaus“) verhindert.

Als Neumarktareal oder Neumarktquartiere wird eine Reihe von Parzellen rund um Neumarkt und Frauenkirche beziehungsweise zwischen Kulturpalast, Schloss, Sekundogenitur, Kunstakademie, Albertinum und Landhaus bezeichnet, die zwischenzeitlich bebaut sind. Sie werden als „Quartier I“ bis „Quartier VIII“ bezeichnet. Im Frühjahr 2019 war die unmittelbare Platzbebauung am Neumarkt und damit dessen Raumeindruck, am 31. Dezember 2021 schließlich das gesamte Neumarktareal fertiggestellt, beides mit Ausnahme der südlichen abschließenden Platzkante mit dem Hotel Stadt Rom (für das nach Abschluss des Bauleitverfahrens etwa 2027 Baustart sein könnte), letzteres mit Ausnahme des Quartiers um das Palais Hoym, das sich im Rohbauzustand befand.

Geographie Lage mini|Straßen und Quartiere des Neumarkts Der Neumarkt im weiteren Sinn (zu DDR-Zeiten: „Planungsgebiet Neumarkt“, „Neumarktgebiet“ oder auch „Neumarktareal“, seit etwa 1997/98 wird der weitere Sinn häufig und damit fälschlich ebenfalls (nur) als „Neumarkt“ bezeichnet) liegt zentral in der Inneren Altstadt zwischen dem Kurländer Palais und dem Taschenbergpalais. Er ist in diesem Sinn umgeben von der Bebauung der Brühlschen Terrasse im Norden und der Wilsdruffer Straße im Süden. In ihm liegt das Coselpalais.

Dabei war der Neumarkt im engeren Sinn bis 1945 ein Platz in der Inneren Altstadt, der allerdings bis zu seiner Zerstörung mit seinen Nebenplätzen, dem Jüdenhof und An der Frauenkirche, mit einem, mit wenigen Ausnahmen, geschlossen erhaltenen Ensemble des bürgerlichen Barocks in Dresden begrenzt wurde. Von allen Gebäuden, die bis 1945 am Neumarkt standen, blieben am Neumarkt selbst lediglich als Ruinen bis zu ihrem Wiederaufbau das Johanneum und die Frauenkirche erhalten. Alle anderen Gebäude wurden zerstört, die Ruinen wurden nach 1945 vollständig abgetragen; dies galt aber auch für die Gebiete, die dem eigentlichen Neumarkt (als „Neumarkt im weiteren Sinn“) durch verschiedene Planungen erst nach 1945 zugerechnet wurden.

Gliederung mini|links|Luftbildansicht des Neumarktareals bei Baubeginn mehrerer Quartiere, zentral im Bild, 2005 mini|Luftbild fertiggestellter Neumarkt-Quartiere an der Frauenkirche, 2008

Der Neumarkt „im engeren Sinn“ war bis 1945 ein Platz in der Inneren Altstadt, der im Nordosten einen Nebenplatz, den Jüdenhof, besaß und dem schon vor 1945 die Flächen westlich und südwestlich der Frauenkirche zugerechnet wurden. Historisch bei der Stadterweiterung (Erweiterung der Festungswerke) bei Abtragung des Frauentors um 1550 entstanden, begrenzten den Platz folgende Straßen und Plätze:

Augustusstraße und Münzgasse im Norden; im Nordosten das Areal östlich und südöstlich der Frauenkirche, in das von Osten Salzgasse und Rampische Straße einmünden, die Richtung Tzschirner- und Rathenauplatz verlaufen; im Südosten Landhausstraße und Moritzstraße, im Süden die Kleine Kirchgasse; im Westen die Frauenstraße; im Nordwesten als Nebenplatz der Jüdenhof.

Nach der Zerstörung durch die Luftangriffe auf Dresden 1945 und die Großflächenenttrümmerung bis 1958 (endgültig dann bis 1963) blieb der Neumarkt durch seine zahlreichen erhaltenen Bordsteinkanten anschließend zwar noch im Stadtgrundriss präsent, durch die prägende Ruine der Frauenkirche auch als solcher im Gedächtnis der Dresdner. Bis 1948 verlief noch eine Straßenbahntrasse von der Moritzstraße zur Augustusstraße über den Neumarkt, diese wurde nach den Luftangriffen nicht wieder in Betrieb genommen und die Schienen in dem Jahr ausgebaut und soweit brauchbar an anderen Stellen weiterverwendet.

Nach der Trümmerberäumung, bei der auch standfeste und wiederaufbaufähige Bauensembles abgerissen wurden, wie an der Rampischen Straße, erschienen seine Grenzen allerdings als aufgehoben. Entstanden war eine weitläufige Freifläche um die Ruine der Frauenkirche, gebäudeseitig begrenzt durch die erhaltenen und zum Teil noch viele Jahre ruinösen Gebäude Stallhof, Johanneum, Kunstakademie, Albertinum im Norden, die Ruine des Kurländer Palais und das Polizeipräsidium im Westen, den damals einsetzenden Aufbau der Wilsdruffer Straße („Ernst-Thälmann-Straße Nordseite“) im Süden und die Ruinen von Residenzschloss und Taschenbergpalais im Osten.

Erst ab 1977 gewinnt über verschiedene Planungsstufen, Entwurfsseminare und Wettbewerbe die Auffassung Raum, dieses so beschriebene gesamte (Neumarkt-)Areal („Neumarkt im weiteren Sinne“) zu gliedern und in verschiedene Blockstrukturen bzw. Gevierte aufzuteilen. Hilfreich war dabei, dass die ab 1973 in der DDR eingesetzte Wohnungsbauserie „WBS 70“ wandelbar war und zahlreiche Sonderlösungen ermöglichte. Dem stand das Konzept der (denkmalpflegerischen) „Leitbauten“ zur Seite, das 1981 erstmals einem größeren Kreis bekannt wurde und immer präziser ausformuliert wurde. Dabei war das grundsätzliche Konzept des „Leitbaus“ die zumindest fassadenseitige, wenn möglich aber vollständige Wiederherstellung eines Gebäudes aus dem Zeitraum vor der Zerstörung, wobei dieses, von Ausnahmen abgesehen, nicht unbedingt grundstücksgenau an- bzw. eingeordnet werden musste.

Das erste sichtbare Ergebnis dieses Planungsansatzes – die Eröffnung des Hotels Dresdner Hof (heute Hilton Dresden) am 26. Januar 1990 – brachte Aufschluss, wie diese „Geviert-Konzeption“ sich umsetzen ließe, zumal die parallel entstandene Münzgasse östlich durch einen U-förmigen reinen „WBS-70“-Baukörper begrenzt ist(selbst die Dachflächen zur Münzgasse und zur Frauenkirche sind hier industrielle "WBS-70"-Platten, die lediglich „schräg aufgelegt“ wurden), der zudem recht geschickt an die westlichen Brandgiebel der Kunstakademie anschließt.

Nach dem Beschluss des „Planungsleitbildes Innenstadt“ – Entwurf Juli 1990, endgültig 1993, Herausgeber war das damalige „Dezernat für Stadtentwicklung“ unter Leitung des Dezernenten (Beigeordneten) Ingolf Roßberg – und dem Versuch von Investoren, im Rahmen von Immobilienentwicklungen möglichst das gesamte Areal „in eine Hand zu bekommen“ (beteiligt an diesen Versuchen waren nahezu alle deutschen Großbanken), wollte ab 1995 der Beigeordnete für Bau, Gunter Just, unbedingt eine für das gesamte Areal geltende Gestaltungssatzung einführen. Er ließ sich dabei von seiner Auffassung als Architekt leiten, dadurch sämtliche Probleme (einschließlich Straßenbreiten und Baufluchten) regeln zu können. Von Juristen überredet (überzeugt davon war er nie), setzte er durch, die Gevierte (nunmehr als „Quartiere“ bezeichnet) jeweils für sich zu betrachten und dafür jeweils eigene städtebauliche und architektonische Konzeptionen zu erstellen.

Die Illusion, das Bauen mit Hilfe einer für das gesamte Areal geltenden „Gestaltungssatzung“ regeln zu wollen, scheiterte zwar 2002 endgültig (sie wurde zwar ausformuliert, trat aber nie in Kraft), brachte jedoch, gemeinsam mit dem erheblich erweiterten Leitbauten-Begriff (der nunmehr auch Fassadenrekonstruktionen einschloss) allerdings Grundsätze für ein architektonisches Herangehen an die „Nicht-Leitbauten“. Ihre Vorbereitung wurde damit durch die intensive „Quartiers-Planung“ und deren anschließende Quartiersveräußerung mit harten Auflagen (was trotzdem Immobilienentwicklern mit einer möglichen „Mischfinanzierung“ entgegenkam) quasi legitimiert: Dieses Modell, was in Grundzügen bereits Ingolf Roßberg 1992/1993 im Rahmen des „Planungsleitbildes Innenstadt“ entwickelt hatte, erwies sich in Verbindung mit der Definition der „Quartiere“ schließlich als grundlegend für die Entwicklung des „Neumarktareals“, zumal dies auch engagierte Investoren, wie die Baywobau, auch für sich als Geschäftsmodell erkannten und anderweitig umsetzten (Beispiel: Lahmann-Sanatorium).

Der parallel einsetzende und deutschlandweit geführte Disput um die Architektur des gesamten Areales (nunmehr vereinfacht nicht mehr korrekt „Neumarktgebiet“ oder „Neumarktareal“, sondern nur noch „Neumarkt“ genannt und damit Missverständnisse hervorrufend) verhinderte einerseits eine zügige Bebauung, ermöglichte aber mehrere Dinge, u. a.: Eine breite fachöffentliche und bürgerschaftliche Diskussion, einschließlich der Gründung der Bürgerinitiative „Gesellschaft Historischer Neumarkt“, die Klärung um den Umgang mit der „Ostmoderne“ im Allgemeinen und den (Weiter-)Bestand des Kulturpalastes im Besonderen sowie dessen Einbindung in das Areal, die Klärung zahlreicher Detailfragen (u. a. Lärmschutz, Abstandsflächen, naturschutzrechtliche Ausgleiche, ruhender Verkehr), die zum Teil erst- und einmalig waren, war doch ein barockes Viertel in diesem Umfang bisher nirgendwo in Deutschland praktisch neu gebaut worden, erst recht nicht unter den Bedingungen des inzwischen auch europäisch fein ausziselierten Bauplanungs- und Bauordnungsrechtes. Nebeneffekt, der zwar nicht gewollt, aber dennoch eintrat, war, dass das temporäre Lager von Steinen für den Wiederaufbau der Frauenkirche praktisch bis kurz vor dessen Abschluss fast zehn Jahre hinweg im Neumarktareal verbleiben konnte und erst mit dem Wiederaufbau des Hôtel de Saxe 2003 für wenige Monate und durch den fortgeschrittenen Wiederaufbau bereits stark verkleinert umziehen musste.

Am 31. Dezember 2021 wurde – mit Ausnahme des noch fehlenden Hotel Stadt Rom sowie des bis dahin noch im Rohbau befindliche Gebäudeensemble auf dem Areal des abgerissenen Anbaus an das Polizeipräsidium – das durch die Großflächenenttrümmerung entstandene Freiflächengebiet mit neu errichteten Bauten fertiggestellt und der Öffentlichkeit übergeben worden.

Verkehr Das Neumarktareal selbst ist heute eine Fußgängerzone. Bis zur Umgestaltung, beginnend ab dem Neubau des damaligen Dresdner Hofes und der Münzgasse 1987 (eröffnet 1990) diente es mit seiner Umgebung vor allem als Parkfläche, in einigen Bereichen wurde es durch Baracken mindergenutzt. Unter dem Neumarkt befindet sich seit 2005 eine öffentliche Tiefgarage, die im Zusammenhang mit dem Hôtel de Saxe errichtet wurde. Für diese Tiefgarage wurden im Jahr 2003 die gut erhaltenen Reste einer einzigartigen spätmittelalterlichen Befestigungsanlage (Barbakane) abgerissen, die erst wenige Wochen zuvor entdeckt worden war.