Mit dem Zaum (von ahd. zaum für „Seil“, „Riemen“)Duden Online - Stichwort Zaum, Abschnitt Herkunft oder Zaumzeug werden Reit- und Zugtiere – meist Pferde – geführt und gelenkt. Das Zaumzeug besteht aus einem Kopfgestell aus Riemen für den Kopf des Tieres sowie aus den Zügeln. Es gibt gebisslose Zäumungen und solche mit einem am Kopfgestell befestigten durch das Maul des Tieres geführten, meist metallischen Gebiss (Trense, Kandare oder Pelham). Der Fund aus Stillfried an der March, einer der bedeutendsten urgeschichtlichen Siedlungen in Niederösterreich beinhaltet auch Bestandteile von Pferdegeschirren. Die beiden kompletten Zaumzeuge und die einzelnen Zaumzeugteile aus der Bronzezeit zählen zu den frühesten Belegen von Pferdegeschirren in Mitteleuropa. miniatur|300px|Zaumzeug

Wirkung Die Wirkung des Zaumzeugs liegt einerseits in der natürlichen Reaktion des Tieres auf die verschiedenen Druckpunkte des Zaumzeugs begründet, andererseits können bestimmte Reaktionen auch durch Training erreicht werden. Abhängig von verwendetem Gebiss und Halfter sind die Druckpunkte: Zunge, Kinnladen, Kinngrube, Genick, Lippe und Nase. Im Wesentlichen wird durch den Druck auf diese Punkte eine Kopfbewegung des Tieres provoziert, welcher der Körper nachfolgt, zum Beispiel Richtungswechsel, oder welche anderweitig vom Reiter gewollt ist, zum Beispiel Senken des Kopfes. Die Zügel dienen zum Aktivieren der Druckpunkte sowie einfach zum Führen des Tieres. Das Anbinden des Tieres am Zügel, wie man es häufig in Westernfilmen sieht, ist in Europa weitgehend verpönt und in Deutschland verboten (TGS), da es bei Erschrecken und Auslösen des Fluchtreflexes durch das Gebissstück zu schweren Verletzungen kommen kann.

Der Zaum muss korrekt verschnallt sein (Zwei-Finger-Methode), damit er nicht unbeabsichtigt drückt und das Pferd frei atmen und kauen kann. Der Sitz ist je nach Reithalfterart verschieden. Ein zu eng verschnalltes Reithalfter hat überdies die Folge, dass das Pferd die Hilfen nicht richtig annehmen kann, da ihm dann auch das Kauen auf dem Gebiss, welches ja erwünscht ist, nicht möglich ist. So sollte zwischen Nasenriemen und Pferdenase noch etwa zwei Finger breit Platz sein. Die Lufttrompete ist der Teil der Nase, die sich bei Aufregung oder Anstrengung aufbläht, um die Lunge mit genügend Luft und den Körper mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Sie darf nicht beeinträchtigt werden, darauf ist insbesondere beim Hannoverschen Reithalfter zu achten.

Aufbau rechts|miniatur|hochkant|Genickstück und Stirnriemen Die Zäumung dient der Einwirkung auf den Kopf des Pferdes, um sein Tempo, die seitliche Stellung des Kopfes und die Halshaltung zu beeinflussen. Im Laufe der langen Geschichte der Reiterei sind die verschiedensten Zäumungen entwickelt worden. Zäume bestehen jedoch in der Regel aus folgenden Grundelementen:

Ein Wirkelement, um auf das Maul, die Nase oder auch auf das Genick einwirken zu können. Gebisse wirken auf das Maul, z. B. Trense, Kandare, Pelham. Gebisslose Zäumungen wirken auf die Nase ein, z. B. Kappzaum/Serreta oder Hackamore.

Ein Zugelement, das Zug von der Hand auf das Wirkelement überträgt. Beim Reiten sind dies Zügel, bei Bodenarbeit Longenleinen oder Doppellonge, beim Fahren sind es die Leinen.

Riemen o. ä., die die Wirkelemente am Kopf in der gewünschten Position festhalten. In der Regel sind dies über das Genick laufende Riemen einer verschnallbaren Länge (z. B. Genickriemen, Backenstücke)

Reithalfter, bzw. Nasenriemen, die bei Gebisszäumen ein zu weites Aufsperren des Pferdemauls verhindern. Die Zügel werden in die seitlichen Gebissringe oder in die Anzüge von Kandare oder Pelham eingeschnallt. Zur Kandare wird bei englischer Reitweise eine kleinere sogenannte Unterlegtrense mit einem zweiten Zügelpaar verwendet.

Stirnbandzäume werden sowohl in der Westernreitweise als auch in den klassischen Reitweisen verwendet. Einohrzäume werden vor allem in der Westernreitweise verwendet.

Typische Zäumungen sollen nachfolgend vorgestellt werden.

Trensenzaum miniatur|hochkant|Trensenzäumung Trensenzäume bestehen in den meisten Fällen aus einem Genickstück, den beiden Backenstücken rechts und links, dem Kehlriemen und dem Stirnriemen. Der Nasenriemen gehört zum Reithalfter.

Das Genickstück liegt im Genick hinter den Ohren des Pferdes und bildet das „Kernstück“ einer jeden Zäumung. Bedenkt man, dass das Gewicht des Gebisses dem Pferd unmittelbar im Genick liegt, ist darauf zu achten, dass es breit genug ist, um nicht einzuschneiden.

Der Stirnriemen hält das Genickstück am richtigen Platz und verhindert ein Verrutschen nach hinten. Ein korrekt sitzender Stirnriemen vermindert ferner das Gewicht, welches auf das Genick einwirkt. Je schmaler also das Genickstück, desto dringender erforderlich wird der Stirnriemen.

Die Backenstücke werden links und rechts am Genickstück eingeschnallt und verlaufen senkrecht am Pferdekopf unter dem Jochbein entlang. An ihren Enden wird das Gebiss eingeschnallt.

Der Kehlriemen verläuft im Bereich der Ganaschen und ist meistens direkt an das Genickstück gearbeitet. Er soll verhindern, dass sich das Pferd den Zaum selbst abstreifen kann.

Einohrzaum miniatur|hochkant=0.4|Einohrzaum Der Einohrzaum ist beim Westernreiten gebräuchlich. Er besteht aus einem Genickstück, an dem die Ohrschlaufe befestigt ist, und ein oder zwei Backenstücken. Aufgrund des heißen Klimas in den Ursprungsländern der Westernreiterei ist es von Nutzen, mit so wenig Leder wie möglich am Kopf des Pferdes auszukommen. Deshalb sind die Riemen der Zäumung meist recht schmal, und auf Zusätze wie den Kehlriemen wird fast gänzlich verzichtet.

Im Gegensatz zum Stirnbandzaum, bei dem die Backenstücke in der Regel schmaler sind als der Genickriemen, haben Genickstück und Backenstücke hier die gleiche Breite, da für den Kehlriemen kein weiterer Riemen benötigt wird. Je weniger Leder die verschwitzten Poren der empfindlichen Haut am Pferdekopf bedeckt, desto geringer ist die Gefahr des Aufscheuerns. Oftmals ist auch nur ein einzelnes Backenstück vorhanden, da Genickstück und rechter Backenriemen aus einem Stück gearbeitet sind.

Die Ohrschlaufe erfüllt die gleiche Aufgabe wie der Stirnriemen. Sie hält den Genickriemen an seinem Platz und sorgt so auch dafür, dass das Gebiss in der richtigen Lage bleibt. Sie wird entweder gleich in das Genickstück eingearbeitet oder ist separat am Genickstück befestigt und verschiebbar. In jedem Fall sollte das Leder aber geschmeidig und ohne Kanten sein, da die Haut um die Ohren empfindlich ist.

Fahrzaum miniatur|Fahrzaum mit Liverpoolkandare und Rosette am Ende des Stirnriemens mini|Phalera mit Dionysos, die zweite Rosette zeigt Silenos, Syrien 3. Jh. v. Chr. mini|hochkant|Spieler am Genickstück befestigt, Postkandare Der Fahrzaum wird auch Kopfgestell genannt. Er kommt ohne gesondertes Reithalfter aus. Der Nasenriemen ist mit kleinen Schlaufen mit den Backenstücken verbunden oder verläuft durch sie hindurch. Zum Fahren werden häufig Fahrkandaren verwendet.

Rechts und links sind am Ende des Stirnriemens meist Rosetten aus Metall angebracht. Solche Rosetten wurden bereits von den Römern zum Schmuck von Pferdegeschirren verwendet und heißen in diesem Zusammenhang Phalerae.

Bei Mehrspännern sind Scheuklappen, auch Blendkappen genannt, notwendig. Die Scheuklappen werden von Blendriemen in der richtigen Position gehalten. Die Blendkappen dürfen die Augenwimpern nicht berühren.

Vom Genickstück ausgehend werden oft sogenannte „Spieler“ am Zaum befestigt. Sie liegen in der Mitte der Stirn und haben keine weitere Funktion, als dem Gespann ein einheitlicheres Aussehen zu geben, indem sie kleinere Abzeichen am Kopf verdecken.

Westernzäume mini|hochkant=0.4|Westernzaum mit Snaffle Bit Westernzäumungen bestehen in der Regel aus einem einfachen Kopfstück ohne Sperrhalfter, welches vom Aufbau her mit dem klassischen Kopfstück fast identisch ist. Bei der Verwendung mit Wassertrensen (Snaffle Bit) wird in den Trensenringen ein Kinnriemen, bei Verwendung von Gebissen mit Anzügen (Bits) eine Kinnkette verschnallt. Der Kinnriemen wird lose verschnallt und verhindert, dass das Gebiss durch das Pferdemaul gezogen werden kann. Die Kinnkette ist – ähnlich dem englischen Modell der Kandare – fest verschnallt und Teil der Hebelwirkung, da durch Annehmen der Zügel Druck auf das Kinn ausgeübt wird. Westernzäume gibt es sowohl mit Stirnriemen- als auch in Einohr- oder Zweiohr-Ausführungen.

Es gibt auch geschmückte Westernzäume, beispielsweise mit Rosetten an den Enden des Stirnriemens.

Seilhalfter oder Knotenhalfter mini|hochkant|Knotenhalfter zum Reiten In vielen Kulturen wird das Zaumzeug aus einem Seil geknotet und dient gleichzeitig als Reithalfter und zum Führen und unter Umständen auch zum Anbinden des Pferdes. Siehe auch Knotenhalfter. Aufgrund der scharfen Einwirkung auf den empfindlichen Pferdekopf darf das Pferd mit Knotenhalfter nur lose angebunden werden, damit das Pferd sich nicht verletzt, wenn es sich losreißen will.

Kappzaum Der Kappzaum ist eine gebisslose Zäumung, die in erster Linie beim Training mit jungen Pferden und bei der Handarbeit verwendet wird, um sie nicht im Maul abzustumpfen. Junge Pferde springen mitunter unvermutet zur Seite und können sich so beim Anlongieren selber im Maul Schmerzen zufügen, wenn sie mit normaler Trense statt mit Kappzaum anlongiert werden. Der in Deutschland zumeist übliche „schwere Kappzaum“ verfügt über ein meist dreiteiliges Naseneisen, dessen Teilstücke mittels Scharnieren verbunden sind. An diesem Naseneisen sind drei Ringe befestigt zum Einhaken von Longe und Hilfszügeln (Ausbindern) bzw. Zügeln oder Führleinen. Dieses Naseneisen ist oft recht breit (2–3 cm) und zudem dick abgepolstert. Dadurch ist die Wirkung eher weich. Das genaue Gegenteil ist der Fall bei der in Spanien häufig verwendeten Kappzaum-Variante, der Serreta: Hier wird ein ca. 1 cm breites, starres U-förmiges, einteiliges Naseneisen auf dem Nasenrücken des Pferdes verschnallt. Oft ist es völlig ungepolstert oder lediglich mit einer dünnen Hülle aus Leder versehen, und an der Innenseite des Eisens befindet sich meist eine Zähnung – daher der spanische Name Serreta (= kleine Säge). Die Ringe der Serreta sitzen häufig auf ca. 2 cm langen Stegen, dadurch wird eine zusätzliche Hebelwirkung erreicht. Dies ist ein für unerfahrene Longenführer und Reiter ungeeignetes Gerät. Immer mehr Verbreitung finden Kappzäume, die ganz ohne Naseneisen auskommen, bei denen die drei Ringe direkt auf dem ledernen Nasenriemen befestigt sind. Diese Art Kappzaum wird auch nach dem französischen Rittmeister Antoine de Pluvinel benannt. Eine vierte Kappzaum-Variante ist das südfranzösische Caveçon, bei dem das Naseneisen von einer Gliederkette (oft eine Motorradkette) gebildet wird. Diese Kette wird ohne oder meist mit einer Lederhülle verwendet.

Reithalfter Zu den Zäumungen der klassischen Reiterei gehört zumeist noch ein Reithalfter. Es soll dem Unterkiefer eine Stütze geben und gegen zu starke Einwirkung am Kieferknochen schützen. Außerdem gibt es dem Druck auf die Laden ein Gegengewicht und überträgt so einen Teil des Druckes auf das Nasenbein. Es verhindert das Aufsperren des Mauls, mit dem sich das Pferd den Hilfen entzieht. Es nimmt dem Pferd aber auch jegliche Möglichkeit, sich so übermäßiger Einwirkung der Reiterhand über das Gebiss zu entziehen. Eine Eigenschaft, die nur zu oft missbräuchlich verwendet wird.

In der Westernreitweise wird in der Regel ohne Reithalfter geritten. Hier gilt dasselbige als Hilfszügel. Es wird nur verwendet, wenn das Pferd sich angewöhnt hat, sich der Einwirkung durch das Gebiss grundsätzlich zu entziehen, indem es das Maul aufsperrt. Aufgrund dessen wird das Reithalfter hier üblicherweise als Sperrhalfter bezeichnet.