mini|Logo des ursprünglichen Comic-Mehrteilers The Death of Superman von 1993 Supermans Tod (im Original The Death of Superman) ist der Titel einer mehrteiligen Comicgeschichte, die der US-amerikanische Verlag DC Comics ab dem Jahreswechsel 1992/1993 veröffentlichte sowie die Bezeichnung für das in die reale Welt übergreifende mediale Ereignis, das durch diese Comicgeschichte ausgelöst wurde, und die Überbezeichnung für diverse Adaptionen des Stoffes unter unterschiedlichen (z. T. leicht abweichenden) Titeln in anderen Medien.
Im Mittelpunkt der Handlung der Geschichte stehen Supermans Begegnung und Kampf mit einer zerstörungswütigen außerirdischen Kreatur namens Doomsday. Die Auseinandersetzung der beiden Kontrahenten gipfelt im Heldentod der Titelfigur der Superman-Comics, die als Stifter-Figur des nach ihm benannten Superhelden-Genres gilt.
Der Handlungsbogen des ersten Teils Der Tag, an dem Superman starb zieht sich durch insgesamt sieben Einzelhefte und endet in der Jubiläumsausgabe US-Superman (Vol. 2) #75, in der der Held im Kampf mit Doomsday den Tod findet. Im Anschluss an Supermans Tod veröffentlichte DC mit der elfteiligen Geschichte „Funeral for a Friend“ (dt. „Begräbnis für einen Freund“) und der dreiundzwanzigteiligen Geschichte „The Reign of the Supermen“ (dt. „Die Herrschaft der Supermen“) zwei weitere Mehrteiler. In deutscher Sprache wurde die gesamte Geschichte zuerst vom Carlsen Verlag in sieben Sammelbänden herausgegeben. Die deutsche Romanfassung beim Goldmann Verlag erhielt den Titel Superman – Die packende Geschichte seiner Abenteuer.
Hintergrund Die Wurzeln der Geschichte um Supermans Tod reichen bis in die Mitte der 1980er Jahre zurück. Damals wurden die Comics um die DC-Superhelden aufgrund rückläufiger Verkaufszahlen einer inhaltlichen Generalüberholung unterzogen (siehe dazu Crisis on Infinite Earths). Die alten Superman-Geschichten der Jahre 1938 bis 1986 wurden für nichtig erklärt und die Erzählungen (nicht aber die Comicreihen) um Superman neu gestartet. Hauptverantwortlich für die Überarbeitung des Stoffes waren dabei die Autoren John Byrne und Marv Wolfman.
Eine der wichtigsten Neuerungen, die Byrne und Wolfman in die Superman-Comics einbauten, war, dass sie das alte Beziehungsdreieck (Superman liebt Lois Lane, will sie jedoch in seiner Geheimidentität als Clark Kent für sich gewinnen und weist sie deshalb als Superman ab; Lois Lane wiederum liebt Superman, will aber nichts von Clark Kent wissen) verwarfen. In Byrnes und Wolfmans Neufassung des Stoffes wurde Lois Lanes Interesse an Superman auf ein Interesse von rein beruflicher Natur reduziert, während ihre romantische Aufmerksamkeit sich nun zusehends auf Clark Kent richtete.
Ende 1990 war dieser Handlungsbogen so weit entwickelt, dass das Autoren-Team der Superman-Comics (zu dieser Zeit bestehend aus Jerry Ordway, Roger Stern und Dan Jurgens) unter der Anleitung des Redakteuren Mike Carlin vorsichtig ins Auge fasste, Clark Kent und Lois Lane in einer zukünftigen Ausgabe miteinander zu verheiraten. Nachdem es in der US-Ausgabe #50 der Superman-Hauptserie zur Verlobung der beiden Figuren gekommen war, wurden die Pläne der Autoren durch den Start der Fernsehserie Superman – Die Abenteuer von Lois & Clark, die ebenfalls die romantische Beziehung von Lois Lane und Clark Kent in den Fokus rückte, zunächst über den Haufen geworfen. Der Unterhaltungskonzern Warner Brothers, der Besitzer des Superman-Verlages DC Comics und Macher der Fernsehserie, sah es als kommerziell vielversprechender an, die Hochzeit von Lane und Kent in den Comics gleichzeitig mit der Hochzeit, in der die Fernsehserie gipfeln sollte, stattfinden zu lassen. Dementsprechend mussten die Autoren der Comics ihre Pläne für die Hochzeit bis auf Weiteres – genauer bis die Fernsehserie in ihrer Entwicklung ebenfalls den Punkt der Hochzeit erreicht hätte – verschieben.
Als während einer Redaktionskonferenz die Frage diskutiert wurde, was für Geschichten man an Stelle der eigentlich geplanten Hochzeits-Storyline erzählen sollte, schlug Ordway scherzhaft vor, Superman „einfach umzubringen“. Die ursprünglich nicht ernstgemeinte Idee entwickelte schließlich eine rasante Eigendynamik. Im Frühling 1992 einigte man sich in der Redaktion darauf, den Schritt zu wagen und Superman (vorübergehend) sterben zu lassen. Treibende Kraft war dabei Mike Carlin, den die Idee faszinierte, „der Welt zu zeigen, wie eine Welt ohne Superman aussehen würde“.Look, Up in the Sky: The Amazing Story of Superman (2006) bei YouTube, abgerufen am 24. Februar 2017 (englisch).Christian Heiß, Jörg Krismann, Heiner Lünstedt: Der immerwährende Kampf (1988 - morgen); in Hit Comics Spezial #2, Karicartoon Verlag, März 1999, S. 28–36.
Die Federführung für das Projekt übernahm Dan Jurgens, der die Rahmenhandlung entwickelte und das Monster Doomsday schuf, welchem die Rolle des Superman-Mörders zukommen sollte. Als Autoren der einzelnen Hefte der zunächst auf sieben Teile angelegten Saga fungierten außer Jurgens noch Stern, Ordway und Louise Simonson, die Autorin der Serie Superman: The Man of Steel. Diese vier verfassten außerdem gemeinsam mit Karl Kesel, William Messner-Loebs und Gerard Jones die Fortsetzungen „Funeral for a Friend“ und „The Reign of the Supermen“.
Handlung Hinweis: Es sind die Kapitelnamen des Carlsen Verlags angegeben. Panini Comics und Eaglemoss verwendeten leicht abweichende Bezeichnungen.
Der Tag, an dem Superman starb Erste Hinweise darauf, dass bald eine wichtige Geschichte über Superman erscheinen würde, bauten die Autoren und Zeichner der verschiedenen Superman-Serien in die vier Superman-Comichefte, die im November 1992 veröffentlicht wurden, ein. Im US-Heft Superman: The Man of Steel #17 erscheint auf der letzten Seite, losgelöst von der eigentlichen Handlung der Geschichte in diesem Heft, eine Sequenz von Panels, die eine große mit einem Handschuh bekleidete Hand zeigen, die auf eine massive Metallwand einschlägt. Am Ende der Seite heißt es „Doomsday is coming …“ (dt. etwa: „Der Untergang ist nahe …“). Dies wiederholt sich in den drei folgenden Ausgaben (US-Ausgaben Superman #73, Adventures of Superman #496 und Action Comics #683).
US-Superman: The Man of Steel #18 beginnt schließlich mit einer Szene, in der erneut zu sehen ist, wie die Hand aus den vorangegangenen Ausgaben auf die Metallwand einschlägt und diese schließlich durchbricht. Auf den folgenden Seiten tritt eine große, grün vermummte Gestalt aus einem unterirdischen Raum ins Freie, in einem Wald im US-Bundesstaat Ohio. Der Unbekannte erweist sich sofort als äußerst aggressiv und beginnt damit, den Wald zu verwüsten, indem er harmlose Tiere tötet und ganze Baumgruppen mit lediglich einer freien Hand zerstört. Auf seinem Weg bahnt sich das Wesen in wilder Zerstörungswut eine Schneise durch das ländliche Ohio. Erste Begegnungen mit Waldhütern, Sheriffs und Autobahnüberquerungen zeigen bald, dass das Wesen nicht nur stark, sondern auch äußerst widerstandsfähig ist. Weder Kugeln noch ein direkter Zusammenprall mit einem Lastkraftwagen können ihm etwas anhaben.
Die Berichte über die Vorgänge in Ohio rufen die Justice League of America, ein Superhelden-Team, an dessen Spitze Superman steht, auf den Plan. Da Superman allerdings gerade in Metropolis weilt, ziehen seine Team-Kollegen ohne ihn los, um der Gefahr beizukommen. Die Superhelden des Teams (Booster Gold, Blue Beetle, Guy Gardner, Ice, Fire, Maxima und Bloodwynd) erweisen sich dem Unbekannten schnell als unterlegen, werden von diesem mit Leichtigkeit besiegt und zum Teil schwer verletzt (US-Justice League of America #69). Nun trifft auch Superman ein und befördert die Kreatur auf den Grund eines Sees. Nachdem sich Doomsday aus dem See befreit hat, kämpft er mit Superman in einer Kleinstadt, wo auch Maxima wieder dazustößt. Lois Lane und Jimmy Olsen werden als Reporter losgeschickt, Lex Luthor Jr. dagegen hält Supergirl davon ab, in den Kampf einzugreifen.
Nachdem Maxima eine Tankstelle explodieren ließ, kommt der Guardian dazu und bietet seine Hilfe an. Superman folgt der Schneise der Verwüstung und wartet auf eine Chance, das Monster anzugreifen. Inzwischen bringt Lex Jr. Supergirl dazu, nach Metropolis zu fliegen, während Superman woanders kämpft. Während er ein Elektronikgeschäft zerstört, sieht Doomsday eine Werbung im Fernsehen über ein in Metropolis stattfindendes Wrestling-Match, und als er das Straßenhinweisschild auf die Stadt erblickt, macht er sich auf den Weg dorthin. Superman verpasst ihm einen Schlag, der die Kreatur in die entgegengesetzte Richtung schleudert. Er landet auf dem Gelände von Projekt Cadmus, dessen Areal im Kampf zwischen den beiden erheblich beschädigt wird.
Doomsday erreicht dennoch Metropolis und wird von Superman zu einem Kampf unter der Oberfläche getrieben. Nun kommt Supergirl zu Hilfe, aber ein einzelner Schlag von Doomsday streckt sie nieder; da sie aus sog. „Protoplasma“ besteht, verliert sie die feste Form ihres Körpers. Professor Emil Hamilton und Bibbo Bibbowski versuchen Doomsday mit einer Laserkanone zu stoppen, was nicht gelingt. Auch die Polizei kann dem übermächtigen Gegner keinen Schaden zufügen. Erneut greift Superman in den Kampf ein.
Die zwei Kontrahenten gehen sich gegenseitig derart stark an, dass die Druckwelle der Schläge aufeinander sämtliche Scheiben in der Umgebung zerspringen lässt. Vor dem Gebäude des Daily Planet holen beide zu jeweils einem gewaltigen Schlag aus, der beide zusammenbrechen lässt. Doomsday rührt sich nicht mehr, und der blutüberströmte Superman stirbt in den Armen von Lois Lane.
Eine Welt ohne Superman Funeral for a Friend setzt Momente, nachdem Superman seinen Verletzungen erlegen ist, am Schauplatz von Supermans Tod auf der Straße vor dem Daily-Planet-Gebäude ein. Nachdem die Versuche von Freunden und Helfern scheitern, den leblosen Helden mit Hilfe eines Defibrillators und anderer Hilfsmittel zurück ins Leben zu holen, gehen die nachfolgenden Hefte konsequent der Frage nach, welche Auswirkungen das Ableben des „Mannes aus Stahl“ auf seine Umwelt und die übrigen in seinen Abenteuern regelmäßig auftauchenden Figuren hat.
Lois Lane und das Ehepaar Kent – d. h. die Verlobte und die Zieheltern von Supermans Alter Ego, dem Reporter Clark Kent – müssen nicht nur mit ihrer Trauer über den Verlust des geliebten Partners und Sohnes fertigwerden, sondern auch mit einer Erklärung aufwarten, weshalb Clark Kent, von dessen Doppelleben nur wenige Eingeweihte wissen, gleichzeitig zu Supermans Tod spurlos verschwunden ist. Auch andere wiederkehrende Nebenfiguren der Superman-Comics, wie der junge Photograph Jimmy Olsen (ein Protegé Kents), Supermans Wahlcousine Supergirl (Matrix), Supermans wissenschaftlicher Berater Professor Hamilton, oder Bibbo Bibowski, Supermans selbsternannter „größter Fan“, werden in ihrer Trauer um den toten Freund gezeigt.
Supermans Leichnam wird in einem groß aufgezogenen Heldenbegräbnis in einem Ehrenmal im Centennial Park, dem Pendant zum New Yorker Central Park, in Supermans Heimatstadt Metropolis beigesetzt. An den Begräbnisfeierlichkeiten nehmen nicht nur zahlreiche von Supermans Superhelden-Kollegen wie Wonder Woman, Green Lantern (Hal Jordan), The Flash (Wally West) und (als heimlicher Beobachter) Batman teil, sondern auch US-Präsident Bill Clinton, der die Totenrede hält, und dessen Frau Hillary. Über Supermans Gruft in der Mitte des Parks wird zur Ehrung der Taten des Toten eine große goldfarbene Superman-Statue errichtet, die den Helden in klassischer Pose mit einem Adler auf dem linken Arm zeigt.