Gerersdorf-Sulz (; ) ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Güssing im Burgenland in Österreich.
Geografie Die Gemeinde liegt im Südburgenland am Zickenbach, der bei Güssing in die Strem mündet. Die Gemeindefläche wird zu 47 Prozent landwirtschaftlich genutzt, 44 Prozent sind bewaldet.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst drei Katastralgemeinden bzw. gleichnamige Ortschaften (Fläche Stand ; Einwohner Stand ): Gerersdorf bei Güssing (; Ew.) mit Gadigraben, Hackergraben, Jockischberg, Krautgraben, Petzischberg, Riegelberg und Ungerberg Rehgraben (; Ew.) mit Hackenberg und Tanczoschberg Sulz im Burgenland (; Ew.) mit Hackenberg, Kastell Sulz, der Fabrik Säuerling Vitalquelle und Salaibergen
Deutscher Ortsname Ungarischer Ortsname Kroatischer Ortsname Gerersdorf bei Güssing Németszentgrót Sigrot Rehgraben Őzgödör Prašćevo Sulz im Burgenland Sóskútfalu Šeškut
Eingemeindungen Die heutige Gemeinde entstand mit 1. Jänner 1971. Aufgrund des Gemeindestrukturverbesserungsgesetzes vom 1. September 1970 wurden die zuvor selbständigen Gemeinden Gerersdorf bei Güssing, Rehgraben und Sulz im Burgenland zur Gemeinde Gerersdorf-Sulz zusammengelegt.Land Burgenland: „Landesgesetzblatt für das Burgenland“, 17. Stück aus 1970, Gesetz Nr. 44, abgerufen am 21. Jänner 2018.
Nachbargemeinden
Geschichte mini|hochkant|Kastell Sulz, Stich um das Jahr 1886 Die Gemeinde gehörte, wie das gesamte Burgenland, bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Németszentgrót-Sóskút verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Die Gemeinde gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).
In Sulz befindet sich eine gut erhaltene Kastellburg aus dem 18. Jahrhundert. Die Architektur des Gebäudes mit seinen sechs großen, toskanischen Säulen ist durchaus bemerkenswert und reizvoll. Das Kastell wurde als Badeanstalt für Gäste aus dem ungarischen Raum durch die Gräfin Festetic genutzt. Die umschließende Parklandschaft vermittelt gemeinsam mit dem Gebäude einen harmonischen Eindruck. Im Zweiten Weltkrieg fand die Burg eine Verwendung als Lazarett für verwundete russische Soldaten. Zuvor befand sie sich im Besitz einer jüdischen Familie.
Mit dem Tod des Besitzers 1962 setzte sich der Verfall des Gebäudes fort. Im Jahr 1973 wurde die Burg unter Denkmalschutz gestellt und von einem Verein zur Erhaltung übernommen. Der Verein renovierte mit Unterstützung des Burgenlandes das Dach und sicherte die Bausubstanz.
Anfang Juli 2018 wurde ein Käufer für das sanierungsbedürftige Kastell Sulz gefunden. Der neue Schlossherr wollte sofort mit der Renovierung beginnen und eine kleine Wohnung errichten, im Wesentlichen aber einen Veranstaltungsraum schaffen, der gemeinsam mit dem Kastellverein und der Gemeinde genutzt werden soll. Geplant ist auch der Einbau einer Schlosskapelle.
Im Gemeindegebiet befinden sich auch mehrere Mineralwasserquellen, welche schon den Römern bekannt waren. Dies wurde mit Funden vor Ort belegt (Tonkrüge für die Abfüllung des natürlichen Mineralwassers und römische Münzen). 1905 wurden gegenüber dem Kastell in Sulz eine Abfüllhalle und ein Lager im Stil des Kastells gebaut. Das Mineralwasser wurde in große Teile der Monarchie unter der Marke „Vita Quelle“ erfolgreich vertrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Quelle durch verschiedene Eigentümer eine wechselvolle Geschichte. In den 1960er Jahren konnte der Ausstoß auf bis zu sechs Millionen Liter gesteigert werden. Seit 2012 werden die Quellen von der Güssinger GmbH wirtschaftlich genutzt und sind seitdem wieder im Besitz eines österreichischen Unternehmens.
Bevölkerungsentwicklung
Stark verändert hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts die ethnisch-sprachliche Situation in den seit dem 16. Jahrhundert von Kroaten gegründeten bzw. bestifteten Ortsteilen:
Rehgraben (Prašćevo): Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts bzw. bis zur Angliederung des Burgenlandes an Österreich war Rehgraben eine kroatische Mehrheitsgemeinde (1900: 84, %; 1910: 87,5 %; 1920: 85,8 %; 1923: 74,1 %). Bis 1934 ging diese Mehrheit verloren (117 Kroaten bei 349 Einwohnern bzw. 29,5 %). Ab diesem Zeitpunkt weist die Statistik keine kroatische Minderheit mehr aus.
Sulz im Burgenland (Šeškut): Spätestens seit dem 19. Jahrhundert kann der von Kroaten im 16. Jahrhundert neu bestiftete Ort als eine kroatisch-deutsche Mischsiedlung angesehen werden. Noch in den Jahren 1880 und 1900 weist der Ort eine kroatische Mehrheit von 53,8 % bzw. 57,4 % aus. 1910 ging diese Mehrheit verloren (40,0 %); bis 1934 fiel der Anteil der Kroaten an der Gesamtbevölkerung auf nur mehr 1,7 % ab (1920: 9,6 %; 1923: 8,9 %). Bei den darauffolgenden Volkszählungen finden sich überhaupt keine Kroaten mehr.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Pfarrkirche Gerersdorf bei Güssing mini|hochkant|Filialkirche Rehgraben mini|hochkant|Taubenschlag im Freilichtmuseum Ensemble Gerersdorf
Freilichtmuseum Ensemble Gerersdorf Katholische Pfarrkirche Gerersdorf bei Güssing hl. Martin Katholische Filialkirche Rehgraben hl. Anna Kastell Sulz Quellenhaus der Vitaquelle Ehemaliges Kastell Festetics
Politik Gemeinderat
Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Anzahl der Wahlberechtigten insgesamt 19 Mitglieder.
Bei der Gemeinderatswahl 2022 konnte die SPÖ mit 49,59 % die absolute Mandatsmehrheit im Gemeinderat erobern und hat nun 10 Mandate, die ÖVP kam auf 48,30 % und 9 Mandate. Die FPÖ erreichte 2,11 % und verpasste den Einzug in den Gemeinderat.
Bei der Bürgermeisterwahl konnte Roman Jandrisevits mit 51,1 % den amtierenden Bürgermeister Günter Berzkovics (ÖVP) aus dem Bürgermeisteramt verdrängen. Jandrisevits ist der erste SPÖ-Bürgermeister seit der Gemeindezusammenlegung im Jahr 1971.
Dem Gemeindevorstand gehören neben Bürgermeister Roman Jandrisevits (SPÖ) auch Vizebürgermeister Manuel Zach (ÖVP), Mattias Hafner (SPÖ), Edmund Hafner (SPÖ) und Franz Hafner (ÖVP) an. Manuel Zach (ÖVP) wurde in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderates zum Vizebürgermeister gewählt. + Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997 Partei2022 2017Land Burgenland: Wahlergebnis Gerersdorf-Sulz 2017, abgerufen am 21. Jänner 2018. 2012Land Burgenland: Wahlergebnis Gerersdorf-Sulz 2012, abgerufen am 21. Jänner 2018. 2007Land Burgenland: Wahlergebnis Gerersdorf-Sulz 2007, abgerufen am 21. Jänner 2018. 2002Land Burgenland: Wahlergebnis Gerersdorf-Sulz 2002, abgerufen am 21. Jänner 2018. 1997Stimmen%Mandate St. % M. St. % M. St. % M. St. % M. St. % M. ÖVP41348,309 443 54,22 9 474 56,77 9 479 57,09 9 449 56,55 9 467 60,18 9 SPÖ42449,5910 341 41,74 6 361 43,23 6 360 42,91 6 319 40,18 6 309 39,82 6 FPÖ182,110 31 4,04 0 nicht kandidiert nicht kandidiert 26 3,27 0 nicht kandidiert Wahlberechtigte1028 945 965 969 914 904 Wahlbeteiligung86,96 % 90,79 % 90,67 % 89,58 % 90,37 % 90,15 %
Bürgermeister
1971–1975 Alois Pammer (ÖVP) 1975–1989 Adolf Berzkovics (ÖVP)meinbezirk.at vom 22. Februar 2014: Gerersdorf-Sulz hat „silbernen“ Bürgermeister, abgerufen am 21. Jänner 2018. 1989–2021 Wilhelm Pammer (ÖVP)Wilhelm Pammer: Nach 11.953 Tagen im Amt tritt Bürgermeister ab. Kronen Zeitung, 28. Oktober 2021. 2021–2022 Günter Berzkovics (ÖVP) seit 2022 Roman Jandrisevits (SPÖ)
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Peter Jandrisevits (1879–1938), Geistlicher und Politiker (CS) aus Sulz, Alois Müller (1878–1945), Maschinenarbeiter und Politiker (SDAP) aus Sulz Andreas Nedwal (1891–1975), gelernter Schlosser, Bauer und Politiker (ÖVP) aus Gerersdorf Gerhard Kisser (* 1941), Gründer des Freilichtmuseums Ensemble Gerersdorf
Personen mit Bezug zur Gemeinde Siegfried Bauer aus Gerersdorf (Wintertriathlon) Julia Dujmovits aus Sulz (Olympiasiegerin, Snowboard) Peter Jandrisevits aus Sulz (Fußballspieler, U-19-Nationalspieler) Walter Franz aus Güssing (Initiator der Kulturreihe „Abendmusik bei Kerzenschein“, langjähriger Chorleiter des Singkreis Gerersdorf)
Ehrenbürger 2021: Gerhard Kisser, Gründer des Freilichtmuseums Ensemble Gerersdorfhttps://www.gerersdorf-sulz.at/ehrenbuerger-prof--gerhard-kisser.html, abgerufen am 5. März 2023. 2023: Karl Strobl, Pfarrer in Gerersdorf bei Güssing (1978–2021)Pfarrer Karl Strobl erhält Auszeichnung zum Ehrenbürger. bvz.at, 25. April 2023.
Literatur Stefan Geosits: Ergebnisse der Volkszählungen 1900–1981. In: Stefan Geosits (Hg.): Die burgenländischen Kroaten im Wandel der Zeit. Edition Tusch, Wien 1986, ISBN 3-85063-160-5, S. 354–376. Brigitte Leimstättner: Hinter der Kreuzung: von Einheimischen und Zuwanderern. Diplomarbeit, Universität Graz 1998. Gerlinde Reichel: Veränderung der Nahrung und Wirtschaftsform in Gerersdorf bei Güssing. Dissertation, Universität Wien 1993. Nikolaus Wilhelm-Stempin: Das Siedlungsgebiet der Burgenlandkroaten in Österreich, Ungarn, Mähren und der Slowakei. BoD, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8370-4278-8.
Weblinks
www.gerersdorf-sulz.at Website der Gemeinde
Einzelnachweise
Kategorie:Gemeindegründung 1971