mini|300px|Der Kühhornshof, Ansichten von Südwesten (oben) und von Südosten, Fotografien von Carl Friedrich Mylius, 1868 Der Kühhornshof in Frankfurt am Main, ausgebaut in den zwanziger Jahren des 14. Jahrhunderts als Knoblauchshof, ab 1660 bekannt als Bertramshof, war ein im Mittelalter angelegter Wehrhof. Er befand sich etwa zwei Kilometer nördlich vor den Toren der Frankfurter Stadtbefestigung und gehörte ab dem frühen 15. Jahrhundert zum Verteidigungssystem der Frankfurter Landwehr. Vom einstigen Gutshof ist heute nur noch ein einzelner Wohn- und Wehrturm erhalten, der sich auf dem nichtöffentlichen Gelände des Hessischen Rundfunks im Stadtteil Nordend befindet und im Kern auf das späte 14. Jahrhundert zurückgeht.

Topographie und Begriffserklärungen mini|Die Frankfurter Landwehr Ende des 18. Jahrhunderts, der im Norden gelegene Kühhornshof ist blau hervorgehoben, Karte von Eduard Pelissier, 1905 Der Kühhornshof lag am nördlichen Ende des „Knoblauchsfelds“, das im Westen durch die Eschersheimer Landstraße vom „Affensteiner Feld“, im Osten durch die Eckenheimer Landstraße vom „Friedberger Feld“ abgegrenzt wurde. Verwirrenderweise findet sich die historische Bezeichnung „Friedberger Feld“ oft auch als Überbegriff für die drei vorgenannten Feldflächen (siehe rechts abgebildete Karte der Frankfurter Landwehr). Im Süden wurde das Knoblauchsfeld lose durch die zur Holzhausenschen Öde und zur Stalburger Oede gehörenden Hofflächen begrenzt.

mini|links|Kühhornshof und Umgebung, Detailkarte von Eduard Pelissier, 1905 Das Hofgelände selbst bestand aus zwei Teilen: zum einen das von einer dichten Hecke umgebene Grundstück mit den eigentlichen Hofgebäuden, und zum anderen das als „Bunde“ bezeichnete Hoffeld nördlich davon. Von letzterem zeugt noch heute der nach dem alten Flurnamen benannte Bundenweg im Stadtteil Dornbusch.

Das Hoffeld hatte die Form eines hochkant stehenden Rechtecks, wurde im Westen, Süden und Osten vom Bundenweg begleitet und südlich von Eckenheim durch die Altstraße „Diebsgrundweg“, einem Teil der Hohen Straße Frankfurt–Leipzig, begrenzt. Dieser Teil einer der ältesten Straßen Frankfurts wurde 1911 mit der Eingemeindung Preungesheims in „Marbachweg“ umbenannt und lässt sich in seinem Verlauf bis in den heutigen Stadtteil Dornbusch nachvollziehen. Der Diebsgrund stellte im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit damit auch die nördlichste Ausdehnung des Frankfurter Stadtgebietes dar, als das Gebiet jenseits des Diebsgrunds zur Grafschaft Hanau gehörte.

Das eigentliche Hofgrundstück hatte die Form eines liegenden Rechtecks, das ebenso wie die Bunde von einer buschigen Baumhecke umgeben war. Seine östliche Ausdehnung war mit der des Hoffelds identisch, nach Westen überragte das Feld das Hofgrundstück. Im Südosten des Grundstücks entsprang an der Stelle eines alten Feldgerichts (siehe Der Hof als Feldgerichtsstätte) aus einer Quelle der Marbach, deren Wasser ab dem 14. Jahrhundert den Graben des Hofes speiste und das Gebiet in Richtung Nordwesten wieder verließ. Von der Existenz des Feldgerichts zeugt noch heute die Feldgerichtsstraße, südöstlich des ehemaligen Anwesens gelegen und südliche Verlängerung des Kühhornshofwegs. Auch der bereits genannte Diebsweg, dessen Name sich bereits in hochmittelalterlichen Texten findet, geht wohl darauf zurück.

Innerhalb des vom Marbach gespeisten Grabens lag der Hoffleck mit den Gebäuden. Der einzige heute noch erhaltene Rest der Bebauung, ein mehrstöckiges gemauertes Gebäude, das historisch als „steinerner Stock“ bezeichnet wurde, begründet den für heutige Verhältnisse eigentümlichen Straßennamen „Am Steinernen Stock“. Im Osten des Hofflecks schloss der „Hofweg“ an, der zur Eckenheimer Landstraße führte.

Geschichte Vorgeschichte mini|Grundriss des Hofgeländes. Zeichnung von Julius Hülsen nach J. Weismann, 1863 Das Gebiet des Kühhornshofs lässt sich bis in die staufische Zeit zurückverfolgen, in der es als Teil eines Königsguts zum Saalhof gehörte.Johann Georg Battonn: Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main – Band I. Verein für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1861, S. 19 u. 245. Dieser war als königliche Pfalz in der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts unter Konrad III. erbaut worden. Der Hof findet allerdings erst 1313 indirekt urkundliche Erwähnung als „die Bunde die da stozit uff den Dypweg gein Eckenheim“.Eduard Pelissier: Die Landwehren der Reichsstadt Frankfurt am Main. Topographisch-historische Untersuchung. Völcker, Frankfurt am Main 1905, S. 47; frei übersetzt: „die Bunde, die bei Eckenheim an den Diebsweg grenzt“. Ob es zu dieser Zeit eine Bebauung oder Reste einer solchen aus früheren Jahrhunderten gab, ist nicht mehr nachzuweisen. Ein auf dem Gelände der Quelle befindliches Feldgericht (s. entsprechender Abschnitt) legt aber nahe, dass der Ort schon vor der Stauferzeit von Bedeutung gewesen ist.

Die Besitzer des Anwesens Im 14. Jahrhundert war das vermutlich längst verfallene Königsgut weiter direkter Besitz des Heiligen Römischen Reiches, wird aber erstmals direkt urkundlich greifbar. Demnach verpfändete Kaiser Ludwig der Bayer das Feldgut als Reichslehen an das Adelsgeschlecht von Breuberg.Eduard Pelissier: Die Landwehren der Reichsstadt Frankfurt am Main. Topographisch-historische Untersuchung. Völcker, Frankfurt am Main 1905, S. 47. Im Jahr 1323 kaufte der Patrizier und spätere Bürgermeister Frankfurts, Jakob Knoblauch, der auch ein enger Vertrauter des Kaisers war, von Mechthild von Breuberg, der Witwe des letzten Breubergers Eberhard III., deren Hofstätte, „die da stozent uf den Dypewek“.Rudolf Jung, Julius Hülsen: Die Baudenkmäler von Frankfurt am Main – Band 3, Privatbauten. Selbstverlag/Keller, Frankfurt am Main 1914, S. 301; frei übersetzt: „die auf den Diebsweg führt“. Jakob Knoblauch erweiterte das Anwesen zunächst um einige umliegende Grundstücke und errichtete dort um 1329 einfache Wirtschaftsgebäude.Pelissier, S. 47; 1329 verzichtete der Propst des Bartholomäusstifts auf den Kirchenzehnt von „den bundin und dem hobe der da gemachet wird“, der Hof war also gerade im Entstehen begriffen und wird hier auch erstmals als solcher erwähnt. Sein gleichnamiger Sohn, Jakob Knoblauch der Jüngere, vollendete den bald nach seinen Besitzern benannten Knoblauchshof – einen durch Mauer und Wassergraben geschützten wehrhaften Gutshof – indem er diesem 1385 einen steinernen Wohn- und Wehrturm hinzufügte.Pelissier, S. 47; 1396 wird bereits ein steinerner Stock auf dem Gelände erwähnt, 1385 ist in den Quellen die Rede davon, dass „ein New Wart uf dem Knoblauchs Hof gebaut worden“ ist.

mini|hochkant|links|Wappen der Knoblauchs. (Siebmacher-Wappenbuch, 1605) mini|hochkant|links|Wappen der Kühorns. (Siebmacher-Wappenbuch, 1605) 1396 ging der Hof durch Verkauf für 800 Gulden an den Rat der Stadt Frankfurt. Anlässlich des Geschäfts wurde ein Inventar des Hofbesitzes erstellt: neben zwei Morgen Land,4.100 m², vgl. Umrechnungstabelle bei Eduard Pelissier: Die Landwehren der Reichsstadt Frankfurt a. M. In: Verein für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt am Main (Hrsg.): Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst. Dritte Folge, Achter Band, K. Th. Völcker’s Verlag, Frankfurt am Main 1905, S. XIV. auf denen der eigentliche Hof stand, ist urkundlich wieder von der Bunde, also dem nördlich gelegenen Hoffeld, sowie von sechs weiteren Grundstücken die Rede, die von verschiedenen Besitzern angekauft worden waren.vgl. Urkunde im Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Bestand Hausurkunden, Signatur 1.975.

mini|Kühhornshof in den Resten der Landwehr von Süden. Zeichnung von Peter Becker, 1872 Obgleich heute nicht mehr direkt nachvollziehbar, handelte es sich wahrscheinlich um einen gezielten Kauf, denn im selben Jahr begann die Stadt im Osten bei den Riederhöfen, wo sie um 1395 ebenfalls ein kleines Areal erworben hatte, mit dem Bau der Frankfurter Landwehr. Sie sollte als Gebück aus undurchdringlichen Hecken zusammen mit einem vorgelagerten Graben die äußeren Gebietsgrenzen der freien Reichsstadt schützen. Parallel dazu wurde bei Riedern eine steinerne Warte und am Galgenfeld im Westen aus Holz die erste Galgenwarte erbaut.Pelissier, S. 213 u. 214; nach Angaben in den Rechenbüchern 1396–1398, drei Warten werden bereits im Rb. 1396 erwähnt. Der Knoblauchshof lag entlang eines zwischen beiden Warten gezogenen Halbkreises ungefähr in der Mitte. Der bereits vorhandene steinerne Wehrturm wurde daher mit einer Holzkonstruktion aufgestockt, um eine Wartenfunktion zu übernehmen.August von Cohausen: Beiträge zur Geschichte der Befestigung Frankfurts im Mittelalter, in: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, Bd. 12, Selbstverlag des Vereines für Geschichte und Alterthumskunde, Frankfurt am Main 1869, S. 46; nach dem Rechenbuch von 1404 bezahlte der Rat in diesem Jahr einen Zimmerermeister für den Helm auf den Turm, ein anderer Handwerker wurde für das Einsetzen von 28 neuen Fenstern in das Gebäude entlohnt, was auf ein größeres Gebäude schließen lässt, als heute erhalten ist. Auch eine uff ziehend brucken, also die Zugbrücke, wird hier erstmals erwähnt. Das Anwesen war damit zu einem wichtigen Stützpunkt der rechtsmainischen Landwehr geworden. Da die Bunde nördlich des Hofs bereits durch ihre eigene Feldwehr gesichert war, sparte die Stadt an dieser Stelle auch Geld für den Bau der eigenen Landwehr. Man begnügte sich damit, die neue Landwehr östlich und westlich des Hofs an die existierende Feldwehr anzuschließen.

Anno 1413 erwarb Rudolf zum Humbrecht den Knoblauchshof für 850 Gulden von der Stadt – mit der Verpflichtung, diesen aufgrund dessen strategisch wichtiger Lage keinesfalls an Fremde weiterzuveräußern. Diesen Revers mussten ab dato auch alle künftigen Hofbesitzer dem Rat zusichern.Pelissier, S. 48. Nachdem der Hof 1421 in den Besitz des Münzmeisters Voys von der Winterbach gekommen war, kam es 1424 mit König Sigismund zu einem Streit darüber, ob der Hof weiter ein Reichslehen sei oder nicht. Die Stadt konnte diese Auseinandersetzung für sich entscheiden, als der Herrscher nach Schiedsspruch des Mainzer Erzbischofs Konrad III. von Dhaun anerkannte, dass der Hof bereits Jakob Knoblauchs Eigentum gewesen war.Jung, Hülsen, S. 302.

Nachdem die Stadt bereits 1462 beschlossen hatte, „den Eschersheimer Schlag czuczutun und den slaghuder uff die Frideberger [d. i. Eckenheimer] strassse zu setzen und yme ein hudchen zu machen“,Pelissier, S. 60; frei übersetzt: „den Eschersheimer Schlag zu schließen, den Schlaghüter an die Eckenheimer Landstraße zu versetzen und ihm dort ein Wachhäuschen zu bauen“. kam es im folgenden Jahrzehnt zu großen Umwälzungen. Durch den 1474 von Kaiser Friedrich III. gestatteten Kauf von Bornheim erweiterte sich das rechtsmainische Stadtgebiet erheblich. Große Teile der vorhandenen Landwehr rutschten in die „zweite Reihe“; in den folgenden Jahren war man damit beschäftigt, die Landwehr um die Gebietsgrenzen von Bornheim zu erweitern.Pelissier, S. 237 ff. Die Arbeiten wurden 1478 mit dem Bau der Friedberger Warte abgeschlossen, die ab dato den Nord- und Nordostverkehr an sich zog. Die Warte auf dem Knoblauchshof verlor schnell an Bedeutung und wurde aufgeben.Pelissier, S. 242 u. 243. Der Eschersheimer Schlag, Anfang des 17. Jahrhunderts durch einen namensstiftenden Eisernen Schlag verbessert, blieb von nun an bis auf wenige Ausnahmen verschlossen.

mini|Früheste bekannte Darstellung des Hofs auf dem Belagerungsplan von Conrad Faber von Creuznach, 1552