mini|1905: Bruno Möhring im Alter von 42 Jahren mini|1905: Anna Möhring mit den Söhnen Rudolf und Bruno

Bruno Möhring (* 11. Dezember 1863 in Königsberg (Ostpreußen); † 25. März 1929 in Berlin) war ein deutscher Architekt, Stadtplaner und Designer.Nachruf auf Bruno Möhring, Vossische Zeitung, 2. April 1929, Abendausgabe, S. 3. Er zählte zu den bedeutendsten Architekten des Jugendstils in Deutschland.

Leben Nach einem kurzen Studium ohne Abschluss an der Technischen Hochschule Charlottenburg bei Hermann Ende, Carl Schäfer, Johannes Otzen und Johann Eduard Jacobsthal war Möhring im Berliner Schlossbaubüro als angestellter Architekt tätig. 1892 machte er sich selbstständig und hatte sein Büro im Haus Potsdamer Straße 109 in der Schöneberger Vorstadt. Von 1894 bis 1895 war er auch als Assistent der Klasse für Ornamentmalerei an der Königlichen Kunstschule zu Berlin tätig. mini|hochkant|1928: Der kranke Bruno Möhring mit Hund vor seinem Haus in der Parallelstraße 7 (heute: Bruno-Möhring-Straße 14B) in Berlin-Marienfelde

mini|Berliner Gedenktafel am Haus Bruno-Möhring-Straße 14a in Berlin-Marienfelde Möhring machte durch einige Wettbewerbserfolge auf sich aufmerksam, darunter auch der Entwurf für die Bonner Rheinbrücke (1897), woraus eine längerfristige, fruchtbare Zusammenarbeit mit der Gutehoffnungshütte in Oberhausen und deren Chefkonstrukteur Reinhold Krohn entstand. Für die Epoche des Jugendstils gilt Möhring als einer der wenigen deutschen Architekten, die zu wirklich originellen, eigenständigen Schöpfungen fanden. Tatsächlich können diese Jahre als Höhepunkt in Möhrings Schaffen gelten.

Der Jugendstil hatte sich aber bereits um 1906 überlebt, in den folgenden Jahren trat Möhring vor allem durch städtebauliche Arbeiten hervor. Er war an größeren Projekten in Wedding, Weißensee und Neukölln beteiligt. Hier brachte er die Grundzüge seines Stadtentwurfs zur Geltung, z. B. die Blockrandbebauung mit großen und begrünten Innenflächen.

Gemeinhin wird das Werk Möhrings in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg als weniger bedeutend angesehen. Es fehlen in dieser Zeit die spektakulären Projekte, wie es etwa die großen Brücken waren. Doch gelang ihm auch in kleinerem Maßstab gute Architektur, so die Neugestaltung der Dorfkirche Marienfelde und der Neubau der Kapelle auf dem evangelischen Friedhof in Berlin-Marienfelde. Auch die Weiternutzung vorhandener Bausubstanz demonstrierte er mit dem Bau des Gemeindehauses in Giesensdorf, wo er das vorhandene Pfarrhaus von 1869 in den Neubau integrierte.

Er gehörte dem Künstlerverein Der Werkring und seit 1902 dem Choriner Freundeskreis an, außerdem wurde er bereits kurz nach dessen Gründung 1907 in den Deutschen Werkbund berufen. Er war Mitherausgeber der Zeitschrift Berliner Architekturwelt.

Etliche Ehrungen und Orden würdigten Möhrings Schaffen. Außerdem erhielt er 1907 den Professoren-Titel. 1914 wurde er Mitglied des comité international permanent des architectes in Paris. Seit 1919 war er Mitglied in der Preußischen Akademie des Bauwesens.

mini|hochkant|Grabmal der Familie Möhring auf dem Friedhof Marienfelde Bruno Möhring wurde im Familiengrab auf dem Friedhof Marienfelde der evangelischen Kirchengemeinde in Berlin-Marienfelde beigesetzt. Das Grab ist als Ehrengrab ausgewiesen, das Grabmal steht als Gartendenkmal unter Denkmalschutz. Die ehemalige Parallelstraße in Berlin-Marienfelde trägt heute den Namen Bruno-Möhring-Straße.

Seine Frau Anna Möhring (geb. Burghardt) starb 1939. Zwei seiner Söhne starben früh, Hans-Joachim im Alter von vier Jahren und Bruno 1918 als Soldat im Ersten Weltkrieg. Der dritte Sohn Rudolf ist laut seiner Sterbeurkunde zum Ende des Zweiten Weltkriegs am 23. April 1945 auf dem von seinen Eltern geerbten Grundstück in Berlin-Marienfelde beim Vormarsch der Roten Armee auf die Berliner Stadtmitte gefallen.

Mitarbeiter (Auswahl) Mitarbeiter im Atelier von Bruno Möhring waren:

von 1900 bis 1906 John Martens (1875–1936) als Chefarchitekt und Büroleiter, um 1900/1904 der Architekt Otto Rahlenbeck, um 1900/1904 der Architekt Philipp Felde, 1903 der Architekt Bruno Taut, vor 1904 der Architekt Leo Nachtlicht, von 1907 bis 1909 der schwedische Architekt Sigurd Lewerentz,J. Ahlin: Sigurd Lewerentz, arkitekt. Byggförlaget, Stockholm 1985, ISBN 91-85194-63-8, S. 244 1908/1909 der Architekt Josef Frank (1885–1967), ab 1913 Hans Spitzner (zuletzt als Büropartner), um 1919 bis 1921 der Schweizer Architekt Otto Dreyer (1897–1972), in späteren Jahren sein Sohn Rudolf Möhring.

Werk Ein wichtiges Arbeitsgebiet Möhrings war die architektonische Gestaltung von Eisenkonstruktionen, die bis dahin eigentlich nicht als Objekte der Architektur angesehen wurden. Möhring entwickelte sich dabei über die im Historismus übliche Addition von nützlicher Eisenkonstruktion und schmückender Massivbau-Architektur hinaus (z. B. Brückenträger + Tortürme, wie noch bei der Moselbrücke Traben-Trarbach); er ging dazu über, der vom Ingenieur vorgegebenen Eisenkonstruktion aus ihrer Formgebung entwickelte Zierelemente direkt und im gleichen Material anzufügen (z. B. bei der Swinemünder Brücke in Berlin, die völlig ohne Türme o. ä. auskam). Idealerweise verschmolzen so Konstruktion und architektonische Gestaltung zu einer untrennbaren Einheit und zu einer charakteristischen Gesamtform wie bei der Schwebebahn-Station „Döppersberg“ in Wuppertal.

Ein anderer wichtiger Teil in Möhrings Werk war die Gestaltung von Ausstellungen oder einzelnen Ausstellungsbauten bzw. -objekten. Dabei dominierte die gestalterische Aufgabe, die heute als Messebau bezeichnet wird. 1900 übernahm er die künstlerische Gestaltung für die Ausstellungsräume der deutschen Weinproduzenten und eines Weinrestaurants auf der Weltausstellung in Paris. Die französische Regierung hat Möhring dafür zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Außer der Ausstellungshalle der Gutehoffnungshütte von 1902, deren Konstruktion einige Jahre später an anderer Stelle wiederverwendet wurde, ist vermutlich kein Objekt dieser Kategorie erhalten – zumeist waren sie auch nur für eine temporäre Existenz konzipiert.

Neben der Entwurfsarbeit war Möhring als Autor und Herausgeber von Zeitschriften aktiv; so war er 1899 etwa Mitbegründer und Herausgeber der Zeitschrift „Berliner Architekturwelt“.

mini|Tafel 51 aus dem Jahrgang 3 (1902) der Architektonischen Charakterbilder, herausgegeben von Bruno Möhring

Nach dem ab 1900 herausgegebenen Mappenwerk Architektonischen CharakterbildernAnnekathrin Schmidt (inhaltl. Verantwortliche): Lot 459: Architektonische Charakterbilder … auf der Seite liveauctioneers.com der Schmidt Kunstauktionen Dresden OHG, zuletzt abgerufen am 9. Dezember 2013 mit Architekturbildern und -zeichnungenVergleiche die Dokumentation bei Commons (siehe unter dem Abschnitt Weblinks) folgte 1906 die Zeitschrift „Der Städtebau“. Gemeinsam mit Cornelius Gurlitt und Bruno Taut gab er seit 1920 die Zeitschrift „Stadtbaukunst alter und neuer Zeit“ heraus.

In Möhrings Schaffen sind drei regionale Schwerpunkte festzustellen: Berlin und Umgebung, die Stadt Traben-Trarbach (nach Errichtung der Moselbrücke konnte er dort mehrere Bauten planen) und Oberhausen (aus der Zusammenarbeit mit der Gutehoffnungshütte folgte der Auftrag zur Gestaltung einer Beamtensiedlung für dieses Unternehmen). Einzelne Bauten entstanden aber auch abseits dieser Schwerpunkte (beispielsweise das Gasthaus Lappöhn in Juwendt/Ostpreußen).Preußische Allgemeine Zeitung, 42, S. 23 (Bauliches Meisterwerk), Hamburg, 2025

Bei der Gestaltung seiner zwischen 1909 und 1916 projektierten Landhäuser und Villen beauftragte er für den Entwurf von Baukeramiken seinen ehemaligen Bürochef John Martens, der als selbstständiger Architekt und Baukeramiker in Berlin und für die Veltener Keramik- und Ofenfabriken tätig war.

Eisenkonstruktionen mini|Hochbahn-Station Bülowstraße um 1902

1898–1899: Rheinbrücke in Bonn (kriegszerstört) 1898–1899: Moselbrücke in Traben-Trarbach (nur Brückentor erhalten) 1900: Stationsbauwerk der Haltestelle „Döppersberg“ der Wuppertaler Schwebebahn (1926 abgebrochen) 1902: Stationsbauwerk der Hochbahn-Station „Bülowstraße“ der Berliner Hoch- und Untergrundbahn 1902–1903: Maschinenhalle der Zeche Zollern II/IV in Dortmund-Bövinghausen um 1912: Elbebrücke Schönebeck (kriegszerstört)

Denkmäler Möhring entwarf eine Reihe von Grabmalen, aber auch große Denkmäler wie 1907 die Bismarckwarte in Brandenburg an der Havel oder 1917 den Bismarckturm in Burg (Spreewald).

Innenarchitektur Etliche seiner Wohnhäuser hat er auch im Inneren ausgestaltet, außerdem auch Geschäftsräume und Ladenlokale. Diese Arbeiten waren kurzlebig und sind überwiegend nicht mehr erhalten. Eine Ausnahme bildet die Rheineck-Apotheke im Erdgeschoss des Eckhauses Rheinstraße 40 in Berlin-Friedenau von 1908/1909.

Kunstgewerbe Vor allem um die Jahrhundertwende entwarf Möhring kunstgewerbliche Arbeiten. Schmuckstücke, Lampen und Möbel stammten aus seiner Feder. Dazu kamen architektonische Dekorationen wie Tür- und Fenstergitter und Treppengeländer.

Stadtplanung 1910: städtebaulicher Entwurf für Groß-Berlin (in Zusammenarbeit mit dem Nationalökonomen Rudolf Eberstadt und dem Verkehrsingenieur Richard Petersen) Der Entwurf verfolgte eine radiale Entwicklung entlang der großen Verkehrsachsen und eine Verdichtung der Bebauung in der Nähe bestehender Ortskerne, er sah bereits einen Eisenbahntunnel mit Kreuzungsbahnhof im Bereich des Lehrter Stadtbahnhofs von Norden nach Süden vor. (Elemente dieses Planes nutzte auch Albert Speer in seinen Planungen für Berlin.) Möhring plädierte hier für eine großzügige Blockrandbebauung mit großen Innenhöfen. Diese Form der Bebauung präferierte er gegenüber aufgelockerter Bebauung, wobei der Innenhof Fronten ohne Verkehrslärm bot und die Kommunikation der Bewohner untereinander erleichtert würde. 1912: Garten- und Bebauungsplan für Neu-Tempelhof (zusammen mit Fritz Bräuning) 1914: Gesamtbebauungsplan für die Gemarkung von Berlin-MariendorfDie bauliche Zukunft Mariendorfs und Rudows. in: Berliner Volkszeitung am 22. September 1914 1914/1915: Pläne zum Wiederaufbau von Allenstein in Ostpreußen

Bauten in Berlin mini|Swinemünder Brücke mini|hochkant|Eingang der Villa Schippert in Berlin-Marienfelde mini|Wohn- und Geschäftshaus am Platz der Luftbrücke mini|Aufgang zum Gerickesteg vom S-Bahnhof Bellevue

Folgend werden die Bauten aufgelistet, bei deren Entwurf Bruno Möhring maßgeblich beteiligt war. Die Aufzählung beschränkt sich auf erhaltene Gebäude. Die Angaben zum Zustand dieser Bauten stammen von Ines Wagemann (1988) und sind teilweise 2006 überprüft. Deshalb die vorläufige Beschränkung auf Berlin und Umgebung.

Auch in Berlin hat er Brücken entscheidend mitgestaltet, obwohl die Dimensionen über die Spree wesentlich kleiner ausfielen. Die erhaltenen, wenn auch zumeist infolge der Kriegseinwirkungen schlichter wieder aufgebauten Brücken oder ihre Widerlagerbauwerke sind sehenswerte Kleinodien in der Stadt. Den Start in die Selbstständigkeit markiert 1895 das Wohnhaus in der Ernststraße 5 in Berlin-Baumschulenweg. Mit Julius Krost entwarf er 1896–1897 die zeittypischen Wohn- und Geschäftshäuser in der Schöneberger Pallasstraße 8–12. Der Fassadenschmuck dieser Häuser ist teilweise erhalten oder wiederhergestellt. Um 1900/1901 entstand die Station Bülowstraße der Berliner Hochbahn, die weitgehend erhalten ist. Der Bahnsteig wurde 1928 unter der Leitung seines Sohns Rudolf Möhring verlängert. 1902–1905 wurde die Swinemünder Brücke in Berlin-Gesundbrunnen gebaut, die die Ringbahn und die Nordbahn östlich des Bahnhofs Berlin-Gesundbrunnen überspannt. Die Brücke wurde im Krieg zerstört und vereinfacht wieder aufgebaut. Zwischen 1995 und 2006 hat sich das Umfeld mit dem Um- und Neubau des Bahnhofes Gesundbrunnen stark verändert.