mini|Tifosi beim Public Viewingwährend der Weltmeisterschaft 2006im Circus Maximus in Rom
Fußball (italienisch: Calcio: Fußtritt, von calciare: treten) ist in Italien die populärste Sportart. Offiziell spielen 4.980.296 Italiener, davon 1.513.596 registrierte Spieler, in 16.697 Mannschaften Fußball, darunter knapp 5000 Profis. Jährlich werden etwa 500.000 Spiele in Dutzenden Ligen ausgetragen. Des Weiteren wird Fußball als Breitensport von einer noch viel größeren Masse in der Freizeit betrieben.
Die italienische Nationalmannschaft ist eine der erfolgreichsten Fußballnationalmannschaften der Welt. Bei den Europameisterschaften war die Mannschaft bisher neunmal dabei und gewann den Titel 1968 im eigenen Land sowie 2021. Bei den Weltmeisterschaften war Italien 17-mal vertreten und gewann viermal den Titel (1934, 1938, 1982 und 2006). Außerdem wurde die italienische Auswahl 1936 Olympiasieger. Das erste Länderspiel gewann die Mannschaft Italiens gegen Frankreich 1910 in Mailand mit 6:2.
Geschichte Bereits im Mittelalter war das Fußballspielen in Italien, das damals Calcio genannt wurde, heimisch. Es wird vermutet, dass römische Legionen dieses Ballspiel in andere Länder Europas eingeführt haben. Allerdings gab es kaum verbindliche Spielregeln und die Spielweise ähnelte mehr dem heutigen Rugby. Außerdem bestanden die beiden Mannschaften aus jeweils 27 Männern. Unter der Herrschaft von Mussolini wurde dieses Spiel zu einem Nationalsport aufgewertet und erhielt die Bezeichnung Volta-Flugball, nun ein Mix aus Fußball, Rugby und Faustball.Calcio, Nationalsport der Fascio. In: Vossische Zeitung, 9. April 1929.
Der italienische Fußballverband wurde bereits 1898 gegründet und ist eines der drei UEFA Gründungsmitglieder. Der Fußballverband ist die Dachorganisation für sämtliche Liga- und Pokalwettbewerbe im italienischen Fußball, auch wenn die tatsächliche Organisation teilweise an Unterorganisationen delegiert ist. Einzig die Nationalmannschaft unterliegt direkt der Kompetenz der F.I.G.C. Für den Profifußball sind in erster Linie zwei Organisationen zuständig: Die Lega Calcio Serie A/B organisiert Liga- und Pokalwettbewerbe für die Serie A und B, die Lega Calcio Serie C organisiert dasselbe für die Serie C.
Profifußball ist in Italien bereits seit den 1930er Jahren etabliert, was einige deutsche Spieler vor Gründung der Bundesliga 1963 veranlasste, in Italien zu spielen. Der erste professionelle Fußballspieler, Virginio Rosetta, wechselte im Sommer 1923 von der US Pro Vercelli zu Juventus Turin – für die damals unglaubliche Summe von 50.000 Lire.
Ligasystem mini|hochkant|Logo des italienischen Fußballverbandes FIGC
In Italien gibt es zwei landesweite Profiligen (Lega Nazionale Professionisti), die Serie A und die Serie B. Darunter liegt die Serie C (Lega Professionisti, zeitweise unter dem Namen „Lega Pro“), die ebenfalls Profiliga und in drei regionale Gruppen unterteilt ist.
Die Serie D ist die höchste Amateurklasse und ist ihrerseits in neun lokale Gruppen unterteilt. Darunter folgen noch zahlreiche lokale Ligaebenen, die allerdings keine „Serie“-Struktur mehr haben. Die Serie D wird von der Lega nazionale dilettanti (Nationale Amateurliga) organisiert, welche unter anderem auch den Frauenfußball und die unteren Ligen auf Kreisliga-Niveau regelt.
Stufe Liga/Division(en) 1 Lega Nazionale Professionisti Serie A20 Vereine 2 Lega Nazionale Professionisti Serie B20 Vereine 3 Lega Professionisti Serie C Girone A20 Vereine Lega Professionisti Serie C Girone B20 Vereine Lega Professionisti Serie C Girone C20 Vereine 4 Serie D Girone A18 Vereine Serie D Girone B18 Vereine Serie D Girone C18 Vereine Serie D Girone D18 Vereine Serie D Girone E18 Vereine Serie D Girone F18 Vereine Serie D Girone G18 Vereine Serie D Girone H18 Vereine Serie D Girone I18 Vereine ab 5 Ligen auf regionaler und provinzieller Ebene. Details siehe unten
Serie A mini|hochkant|Logo der Serie A
Die Serie A ist die höchste Spielklasse. Sie besteht seit der Saison 2004/05 aus 20 Fußballvereinen, die unter sich den italienischen Meister ausspielen. Die letzten drei Mannschaften steigen am Saisonende ab. Gespielt wird in Hin- und Rückrunde von August bis Mai mit kurzer Winterpause.
Serie B
Die Serie B ist die zweithöchste nationale Profiliga. Sie besteht seit der Saison 2004/05 aus 22 Vereinen. Die besten zwei Mannschaften sowie eine dritte, im Play-off ermittelte, Mannschaft steigen am Saisonende in die Serie A auf. Die letzten drei Mannschaften sowie eine vierte, im Play-out ermittelte, steigen in die Serie C ab.
Serie C
Die Serie C ist seit 2014 die dritthöchste Profiliga in Italien und hieß von 2014 bis 2017 „Lega Pro“. Sie ist unterteilt in 3 Gruppen, Gruppe A, Gruppe B und Gruppe C (italienisch Girone A, Girone B und Girone C), in denen die Mannschaft anhand ihrer regionalen Lage aufgeteilt sind.
Die erstplatzierte Mannschaft jeder Gruppe steigt direkt in die Serie B auf, ebenso wie eine, in Play-offs zwischen den Gruppen ermittelte, Mannschaft. Die letztplatzierte Mannschaft jeder Gruppe steigt direkt in die Serie D ab, ebenso wie je Gruppe zwei, in den Play-outs ermittelte, Mannschaften, die die vier nächstschlechtesten Plätze belegen.
Serie D
Die Serie D ist die höchste Amateur-Liga. In ihr spielen insgesamt 162 Vereine. Die Serie D ist in neun regionale Gruppen eingeteilt, die aus jeweils 18 Vereinen bestehen. Die erstplatzierten Mannschaften jeder Gruppe steigen direkt in die Serie C auf. Darüber hinaus werden Play-offs gespielt, dessen Gewinner allerdings nur aufsteigen können, wenn Mannschaften aus der Serie C die Lizenz entzogen wird oder aus anderen Gründen ihr Spielrecht nicht wahrnehmen können.
Pokalwettbewerbe mini|hochkant|Die Trophäe der Supercoppa Italiana
In Italien werden im Profibereich zwei nationale Pokalwettbewerbe ausgespielt: Die Coppa Italia, der italienische Pokal, sowie die Supercoppa Italiana, der italienische Supercup. Teilnahmeberechtigt an der Coppa Italia sind alle Mannschaften der Serie A und B sowie ausgewählte Mannschaften aus der Serie C und D. Die Supercoppa wird zwischen dem Meister und Pokalsieger ermittelt. Hat eine Mannschaft beide Titel inne, nimmt der unterlegene Pokalfinalist an der Supercoppa teil.
Im Bereich der untersten Profiliga, der Serie C, und dem oberen Bereich der Amateurligen wird zudem die Coppa Italia Lega Pro ausgetragen. Dieser Pokalwettbewerb ist für die Profivereine der Serie A und B gesperrt. Der Sieger der Coppa Italia Lega Pro erhält zudem ein Teilnahmerecht an den Play-offs zum Aufstieg in die Serie B. Die Supercoppa Lega Pro hingegen wird zwischen den drei Meistern der Gruppen A, B und C der Serie C ermittelt. Im vor 2014 existierenden Ligensystem existierten zahlreiche Abwandlungen dieser beiden Wettbewerbe.
Amateurfußball Der gesamte Amateurbereich von der Serie D bis zu den kleinsten lokalen Kreisligen, sowie der Frauen- und Jugendfußball (Ausnahme: Beretti- und Primavera Meisterschaft, siehe unterer Abschnitt) wird von der Lega Nazionale Dilettanti (Amateur Nationalverband) organisiert. Die LND ist damit für über 1,2 Millionen Personen in 16.355 Vereinen zuständig, die als Fußballspieler gemeldet sind. Hinzu kommen etwa 11.000 weibliche Fußballspieler und rund eine Million Jugendspieler.
Oberste Amateurliga ist die oben erwähnte Serie D, wo italienweit 162 Teams in neun regionalen Gruppen spielen. Darunter folgen, hierarchisch organisiert fünf weitere Stufen: drei auf regionaler Ebene und zwei auf provinzieller Ebene. Zwischen jeder Liga gibt es jährlich Auf- und Abstiegsmöglichkeiten. Grundsätzlich ist also ein Durchmarsch von einer regionalen Kreisliga, bis in die Profiliga möglich (für den Aufstieg in die Profiliga, also die Serie C2 müssen jedoch zusätzliche Kriterien erfüllt sein, wie Mindestanzahl an Sitzplätzen in den Stadien, finanzielle Kriterien …). Ein Beispiel ist etwa der FC Südtirol, der als Verein neugegründet in den letzten Jahren, von der Landesliga (7. Liga) bis in die zweite Profiliga (Lega Nazionale Professionisti Serie B) aufstieg.
Die folgende Auflistung zeigt die Amateurstufen ab der 5. Liga (Serie D). Die in Klammer stehenden kursiven Namen, sind die deutschen Übersetzungen der Ligen in Südtirol. Sämtliche Ligen sind weiterhin in regionale oder lokale Divisionen unterteilt.
Serie D Oberste Amateurliga, überregional organisiert und in neun Divisionen eingeteilt. Die teilnehmenden Mannschaften liegen geografisch im Umkreis von mehreren Hundert Kilometern. Zwischen 1991 und 1999 heißt die Serie D „Campionato Nazionale Dilettanti“ bzw. Amateur-Nationalliga in Südtirol. Campionato di Eccellenza (Oberliga) Die oberste regionale Amateurliga. In ihr spielen die besten Amateurmannschaften einer Region in Italien. (461 Mannschaften) Campionato di Promozione (Landesliga) Die meisten italienischen Regionen sind politisch in Provinzen unterteilt. Daher ist auf Provinzebene die Landesliga die höchste Spielklasse (832 Mannschaften) Campionato di 1ª Categoria (1. Amateurliga) Die oberste lokale Amateurliga. Die teilnehmenden Mannschaften liegen geografisch im Umkreis von wenigen Bezirken. In Südtirol gibt es in der 1. Amateurliga zwei Gruppen (1629 Mannschaften) Campionato di 2ª Categoria (2. Amateurliga) Die zweithöchste lokale Amateurliga. Die teilnehmenden Mannschaften liegen nur wenige Kilometer auseinander. In Südtirol gibt es in der 2. Amateurliga zwei Gruppen (2826 Mannschaften) Campionato di 3ª Categoria (3. Amateurliga) Die unterste Amateurliga. Neugegründete Mannschaften beginnen in dieser Liga. In Südtirol gibt es drei Gruppen in der 3. Amateurliga. Die teilnehmenden Mannschaften liegen geografisch zumeist in direkt anschließenden Gemeinden oder Ortschaften. (3108 Mannschaften)
Frauenfußball
Frauenfußball ist in Italien reine Amateursache – das ist nicht wertend gemeint, sondern geht auf das Gesetz Nummer 91 aus dem Jahr 1981 zurück. Demnach gibt es laut dem Staat offiziell keine Profisportlerinnen in Italien. Italienweit gibt es rund 11.000 Spielerinnen, wovon etwa 2300 auf nationaler Ebene in drei Ligen spielen. Die gesamtitalienische Meisterschaft wird zwischen zwölf Mannschaften der Serie A ermittelt. Darunter spielen jeweils zwölf Mannschaften in der Serie A2 Gruppe A und B. Unterste gesamtitalienische Frauenfußball-Liga ist die Serie B, die ihrerseits in fünf Divisionen zu jeweils zwölf Mannschaften unterteilt ist.
Fußball wird von Frauen in Italien offiziell seit 1968 gespielt, als die „Federazione Italiana Calcio Femminile“ (ital.: Italienischer Frauenfußball-Verband) gegründet wird. Dieser Verband wird erst 1989 Unterorganisation des FIGC und damit innerhalb des offiziellen italienischen Fußballverbandes legitimiert. Seitdem organisiert die oben erwähnte LND den Frauenfußball-Bereich.
Jugendfußball Jugend- und Schulfußball ist sehr ähnlich zum deutschen System. Genau wie in Deutschland gibt es, nach Altersstufen aufgeteilte Jugendmeisterschaften, von der A-Jugend, bis in die E-Jugend für die kleinsten. Die Organisatoren der Profiligen Lega Calcio und Lega Calcio Serie C organisieren jeweils allerdings auch eine nationale Jugendmeisterschaft.
Campionato Primavera und Campionato Berretti mini|hochkant|Logo des Campionato Primavera 1
Die italienischen Profiligen veranstalten eine professionell organisierte Jugendliga, in der ausschließlich die Nachwuchstalente der Profivereine spielen. Diese Meisterschaft wird Campionato Primavera (Primavera ist italienisch und bedeutet Frühling) genannt, oder Campionato Berretti für das von der Lega Pro organisierte Turnier. Dies ist insofern nötig, da junge Spieler oft keine anderen Möglichkeiten erhalten, zu Spielpraxis zu kommen, da es in Italien keine Amateurabteilungen der Profivereine in unteren Spielklassen gibt, wie es sie in der deutschen Regionalliga gibt. Die Jugendspieler treten daher unter dem Vereinsnamen der Profis in eigenen Jugendmannschaften an und ermitteln einen eigenen Meister.