mini|Louis Ferdinand von Preußen (Gemälde von Jean-Laurent Mosnier, 1799) Friedrich Ludwig Christian von Preußen (genannt Prinz Louis Ferdinand von Preußen; auch Der preußische Apoll; * 18. November 1772 in Schloss Friedrichsfelde bei Berlin; † 10. Oktober 1806 in Wöhlsdorf) war ein preußischer Prinz aus dem Hause Hohenzollern, Feldherr, Komponist und Pianist.
Namensform und Abstammung Der dritte Sohn des Prinzen August Ferdinand von Preußen und seiner Gemahlin, der geborenen Prinzessin Anna Elisabeth Luise von Brandenburg-Schwedt, und Neffe König Friedrichs des Großen, erhielt den Taufnamen Friedrich Ludwig Christian, wurde Louis gerufen und bekam alsbald den Beinamen Ferdinand (nach seinem Vater), damit er von seinem ebenfalls Louis genannten Neffen 2. Grades, dem Prinzen Friedrich Ludwig Karl von Preußen (1773–1796), unterschieden werden konnte.
Berichte und Quellen aus Louis Ferdinands Lebenszeit weisen darauf hin, dass sein leiblicher Vater nicht Prinz Ferdinand war, sondern der Hofmeister seiner Mutter, Friedrich Wilhelm Carl Graf von Schmettau, oder vielleicht Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel. Diese eher als „Gerüchte und Klatsch“ zu bewertenden Annahmen können allerdings nicht als bewiesen gelten.Tobias Debuch: Prinz Louis Ferdinand von Preußen (1772–1806) als Musiker im soziokulturellen Umfeld seiner Zeit. Berlin 2004, S. 9 f.Gerhard Taddey (Hrsg.): Lexikon der deutschen Geschichte. Bd. 1, Kröner, Stuttgart 1998, Stichwort „Louis Ferdinand, Prinz von Preußen“
Leben mini|Das Haus am Saalfelder Marktplatz, in dem Louis Ferdinand vor seinem Tod weilte mini|Heldentod des Prinzen Louis Ferdinand bei Saalfeld, 1895. Im Vordergrund der französische Unteroffizier Guindey (fälschlich mit dem franz. Kürassier-Pallasch, Modell 1802/03, mit gerader Klinge dargestellt) und ein Regimentskamerad im Kampf mit Louis Ferdinand. Im Hintergrund naht ein weiterer Franzose, jedoch von den 9. Husaren. Louis Ferdinand schlug eine militärische Laufbahn in der Preußischen Armee ein. Er kämpfte im Ersten Koalitionskrieg 1792/94 bei Longwy und Verdun, machte die Kanonade von Valmy mit und wurde bei der Belagerung von Mainz verwundet. Als Generalmajor (seit 17. Juli 1793) nahm er im November 1793 an der Schlacht bei Kaiserslautern teil. Am 23. Februar 1795 wurde Louis Ferdinand zum Chef des Infanterieregiments „von Baden“ ernannt. Im weiteren Verlauf des Krieges war er ab Ende Mai 1796 als Brigadier zum Korps des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig kommandiert, das zur Deckung der Demarkationslinie in Westfalen bestimmt war. Anlässlich der Revue bei Petershagen wurde Louis Ferdinand am 2. Juni 1799 mit Patent vom 20. Mai 1799 zum Generalleutnant befördert.
Von seinem verstorbenen Onkel Heinrich von Preußen übernahm er am 27. September 1802 die Propststelle im Magdeburger Dom.
Louis Ferdinand gehörte 1805 zum Kreis der Personen um Königin Luise, den Freiherrn vom Stein und General Ernst von Rüchel, der dafür stand, Napoleon entgegenzutreten. Gemeinsam versuchten sie, den König davon zu überzeugen. Am 10. Mai 1805 übergab vom Stein eine entsprechende Denkschrift. Der König lehnte vorerst ab, gab schließlich jedoch dem Ansturm nach und befahl die Mobilmachung.
Tod Als Kommandeur einer preußischen Vorhut fiel Louis Ferdinand am 10. Oktober 1806 im Gefecht bei Saalfeld, vier Tage vor der Schlacht bei Jena und Auerstedt. Dabei wurde der Prinz durch den französischen maréchal des logis Jean-Baptiste Guindey (1785–1813) vom 10. Husarenregiment getötet. Dieser erhielt hierfür das Kreuz der Ehrenlegion, jedoch keine Beförderung. Letztere verweigerte ihm Napoleon mit der Bemerkung, ein gefangener Prinz wäre besser gewesen. Guindey avancierte später dennoch bis zum lieutenant en premier und sous-adjudant Major (stellvertretender Regimentsadjutant).
In der Historiographie ist bis heute umstritten, ob Guindey den Prinzen alleine bezwang oder ihm Kameraden assistierten (Richard Knötels bekannte graphische Darstellung Heldentod des Prinzen Louis Ferdinand bei Saalfeld greift letztere Version auf). Wahrscheinlich ist aber die Version des Todes im Einzelkampf: Guindey berichtete, er habe den zu Pferd flüchtenden Prinzen zunächst verfolgt und, als dessen Pferd beim Sprung über einen Zaun strauchelte, ihn mit einem Klingenhieb am Hinterkopf verletzt. Louis Ferdinand habe trotz der schweren Verwundung weitergefochten, worauf Guindey ihn mit einem Stoß in die Brust getötet haben will.C. Helmuth: Preussische Kriegschronik: Kurzgefaßte Darstellung der Feldzüge von 1640–1850. Leipzig 1864, S. 327. Wahrscheinlicher jedoch ist, dass bereits der von hinten geführte Kopfhieb den Prinzen außer Gefecht setzte oder sogar tötete. Die Version der Tötung durch einen „ehrlichen“ Stoß von vorn stellt indes Guindey in einem heroischeren Licht dar.
Bei einer Obduktion der Leiche wurde zudem festgestellt, dass der Stoß in die Brust von einer geraden Klinge herrührte, wie sie bei Degen oder Pallasch üblich ist. Husaren waren jedoch überwiegend mit Säbeln (geschwungene Klinge) ausgerüstet. Der Stoß in die Brust könnte dem vielleicht schon am Boden Liegenden eventuell post mortem beigebracht worden sein – vielleicht von einem „übermütigen“ französischen Plünderer (Louis Ferdinands Leiche war bei ihrem Auffinden teilentkleidet und des persönlichen Besitzes beraubt). Dazu passt die Aussage Guindeys, wonach er nach Louis Ferdinands Tod die Papiere des toten Generals an sich genommen und seinen Vorgesetzten überbracht habe. Die Leiche selbst und deren materielle Habe habe er französischen Plünderern überlassen müssen. Vielleicht war Guindey bereits bei dieser Gelegenheit Zeuge des Degenstoßes durch die Brust des Prinzen geworden und hatte die sich ihm nun bietende Möglichkeit zur Aufwertung seines Verhaltens erkannt. Oder aber einer von Guindeys Vorgesetzten, die er zu der Leiche führte, verging sich im Siegesrausch an dem toten Prinzen, der in Frankreich als Franzosenfeind bekannt war. Eine derartige Leichenschändung hätte bei Bekanntwerden dem Ruf des Verursachers dennoch schaden können, weshalb vielleicht Guindey die „Schuld“ auf sich nahm und zu seinem Vorteil münzte.
Nach Louis Ferdinands Tod wurde sein Leichnam in der Fürstengruft der Johanneskirche in Saalfeld beigesetzt und fünf Jahre später, im Jahre 1811, in den Berliner Dom überführt.
Nachkommen Louis Ferdinand hatte mehrere illegitime Kinder.Tobias Debuch, Berlin 2004, S. 272 f.
Eine Tochter mit Eberhardine Charlotte Justine von Schlieben. Sie heiratete später den bayerischen Stallmeister Heinrich von Drechsel:Eckart Klessmann Prinz Louis Ferdinand von Preußen. Caroline Henriette Bentley (* 1789 in Berlin)
Weiterhin hatte er zwei Söhne (Zwillinge) mit der französischen Gräfin Maria Adelaide de la Grange: Theodor Friedrich Klitsche (1799–1868), Brigadegeneral im Königreich Neapel. Seine Tochter Antonietta Klitsche de la Grange (1832–1912) war eine bekannte Schriftstellerin. Wilhelm Klitsche (1799–1820). Er starb an den 1815 als preußischer Soldat erlittenen Verwundungen.
Zwei Kinder mit Friederike Susanne Henriette Fromme (1783–1828), die unter dem Namen „von Wildenbruch“ am 3. März 1810 in den erblichen preußischen Adelsstand erhoben wurden: Louis von Wildenbruch (1803–1874), preußischer Generalleutnant und Diplomat ⚭ 9. August 1837 Ernestine von Langen (1805–1858) ⚭ 26. April 1860 Flora Nicolovius (* 28. Mai 1811; † 21. Mai 1879). Sie war die Tochter des preußischen Ministerialbeamten Georg Heinrich Ludwig Nicolovius und seiner Frau Luise Maria Anna, geb. Schlosser, die als Tochter von Johann Georg Schlosser und Cornelia Goethe Nichte Goethes war. Emilie Henriette Luise Blanca (* 22. August 1804 in Berlin; † 20. April 1887), genannt Blanche ⚭ 19. Oktober 1826 Friedrich Erhard von Röder (* 19. November 1798; † 2. August 1858) Sohn des Generals Friedrich Erhard von Röder. Der Name „Wildenbruch“ bezieht sich auf das Gut Wildenbruch von Louis Ferdinands Großvater mütterlicherseits. Über Louis von Wildenbruch, Gesandter im Osmanischen Reich, war Prinz Louis Ferdinand der Großvater des Schriftstellers Ernst von Wildenbruch, Schwiegergroßvater des Philosophen Paul Graf Yorck von Wartenburg und Ururgroßvater des Widerstandskämpfers Peter Graf Yorck von Wartenburg.
Musik Musikalischer Werdegang Auf welche Weise Louis Ferdinand zu seinem Können als Pianist und Komponist gelangte und wer seine Lehrer waren, ist nicht restlos geklärt.Tobias Debuch, Berlin 2004, S. 52. Erstmals erwähnt wurden seine musikalischen Fähigkeiten in Tagebuchaufzeichnungen seiner Schwester Luise. Sie verglich 1783 Louis Ferdinands „erstaunliche Fortschritte“ auf dem Klavier mit denen seines Bruders Heinrich auf der Violine.Hans Wahl: Prinz Louis Ferdinand von Preußen. München o. J., S. 18. In dieser Zeit unterhielt sein Vater eine kleine Hofkapelle. Hier kann Louis Ferdinand Anregungen und eventuell von Mitgliedern der Kapelle Unterricht bekommen haben. Für 1790 kommt ein „Musikus Fleischmann“ als Lehrer in Frage.Tobias Debuch, Berlin 2004, S. 53.
Bis zu ihrem Tode im Jahr 1787 hatte Louis Ferdinand einen herzlichen Kontakt zu seiner Tante, Prinzessin Anna Amalie von Preußen, die eine vom Bachschüler Johann Philipp Kirnberger ausgebildete Musikerin und Komponistin war.Tobias Debuch, Berlin 2004, S. 58. Erinnerungen seiner Schwester Luise von PreußenFürstin von Radziwill, geb. Castellane (Hrsg.): Luise von Preußen. Fürstin Anton Radziwill. Fünfundvierzig Jahre aus meinem Leben (1770–1815). Übers. von E. Kraatz, Braunschweig 1812, S. 29 f. und die Widmung einer Komposition Anna Amalies an Louis Ferdinand und seinen Bruder Heinrich belegen die musikalischen Anregungen, die Louis Ferdinand von Anna Amalie erhielt.Tobias Debuch, Berlin 2004, S. 62. Sie konnte ihm die Ästhetik und die Kompositionstechniken der Schülergeneration Johann Sebastian Bachs vermitteln. mini|Louis Ferdinand: Skizze zu op. 4,Melodie mit beziffertem Bass Darauf weisen Louis Ferdinands op. 7,Tobias Debuch, Berlin 2004, S. 64–67 eine Fuge für Klavier, und Skizzen zu den Variationen op. 4 hin, in denen er die Begleitung mit bezifferten Bässen entwarf.Tobias Debuch, Berlin 2004, S. 62 f. Beide Werke zeigen, dass sich Louis Ferdinand zwar im musikalischen Handwerk an der älteren Musik orientierte, nicht aber ihrer Ästhetik folgte.Tobias Debuch, Berlin 2004, S. 58–67.
Dass auch Anna Amalies Bruder Prinz Heinrich von Preußen in Rheinsberg für Louis Ferdinands musikalischen Werdegang eine Bedeutung zukommt, zeigt ein Tagebucheintrag von Louis Ferdinands Schwester Luise:
Aus einem Brief Louis Ferdinands aus dem Jahre 1795 kann man schließen, dass er sich die Grundlagen des Komponierens zumindest teilweise selbst beigebracht hat. Er schrieb:
Dass, wie von der Allgemeinen Musikalischen Zeitung 1812 gemeldet, der Pianist und Komponist Heinrich Gerhard von Lentz ein Lehrer Louis Ferdinands gewesen sei, ist sehr fraglich.Tobias Debuch, Berlin 2004, S. 56 Diese Meldung geht offensichtlich auf Lentz selbst zurück und wurde danach mehrfach wiederholt, aber durch keine zuverlässige Quelle bestätigt. Ein Zeitpunkt für einen solchen Unterricht konnte nicht ermittelt werden.Robert Hahn: Louis Ferdinand von Preußen als Musiker. Breslau 1935, S. 35–37. Auch die Annahme, Lentz habe abgelehnt, in Louis Ferdinands Dienst zu treten, ist nicht belegt.Barbara Hughes McMurty: The Music of Prince Louis Ferdinand. Illinois 1972, S. 67. Lentz als Lehrer Louis Ferdinands könnte allerdings dessen Neigung zur virtuosen Brillanz und dessen Kenntnisse im Generalbass erklären.Lentz komponierte selbst im brillanten Stil und lehrte in Warschau Komposition (Generalbass). Siehe: Irena Poniatowska: Lenz, Lentz, Heinrich Gerhard von. In Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 10, Kassel et altera 2003, Spalte 1577