Walter Odersky (* 17. Juli 1931 in Neustadt O.S., Deutsches Reich, heute Polen; † 16. Mai 2026) war ein deutscher Jurist und als Nachfolger von Gerd Pfeiffer von 1988 bis 1996 Präsident des Bundesgerichtshofs.

Leben Walter Odersky wurde als Sohn von Gisela Odersky, geborene Michael, und des promovierten Juristen Felix Odersky geboren. In Breslau besuchte er bis 1945 das Maria-Magdalenen-Gymnasium. Nach der Vertreibung legte er in Schwandorf das Abitur ab und studierte er als Stipendiat der Stiftung Maximilianeum Rechtswissenschaft in München und Pisa. Während seines Studiums wurde er Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.St.V. Albertia München im KV. 1954 wurde er von der Universität München zum Doktor der Rechte promoviert.

Nach Tätigkeiten ab 1957 als Staatsanwalt und Richter in der ordentlichen Gerichtsbarkeit war er als Beamter im bayerischen Staatsministerium der Justiz persönlicher Referent des Ministers und von 1971 bis 1983 Leiter der Strafrechtsabteilung, ab 1973 als Ministerialdirigent. Er vertrat den Antrag der bayerischen Staatsregierung gegen die Vereinbarkeit der 1974 vom Bundestag beschlossenen Fristenregelung mit Artikel 2 Grundgesetz erfolgreich vor dem Bundesverfassungsgericht.

Er wurde 1983 zum Präsidenten des Bayerischen Obersten Landesgerichts und 1988 zum Präsidenten des Bundesgerichtshofs ernannt. Als er 1996 in den Ruhestand trat, wurde Karlmann Geiß sein Nachfolger.

Neben seiner Tätigkeit in Justizverwaltung und Justiz war Walter Odersky weiterhin wissenschaftlich in Forschung und Lehre tätig. Die Universität München ernannte ihn 1974 zum Honorarprofessor für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht sowie Verfahrensrecht. 1978 wurde er Vorsitzender des Kuratorium der Stiftung Maximilianeum. 1982 erhielt er das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, am 7. Juni 1996 das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Walter Odersky verstarb am 16. Mai 2026, er war katholisch und seit 1957 mit Renate Pustet verheiratet. Zu seinen fünf Kindern gehört der 1958 geborene Informatiker Martin Odersky.

Auszeichnungen 1989: Bayerischer Verdienstorden 1992: Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste am Bande um die Republik Österreich 1996: Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland Komtur mit Stern des Verdienstordens der Republik Polen Bayerische Verfassungsmedaille in Gold

Publikationen (Auswahl) Die Einmanngesellschaft als atypische Gesellschaftsform: Ein Lösungsbeitrag zum Problem der „Gleichstellung“ von Gesellschafter und Gesellschaft. München, Dissertation, 1954. Schmerzensgeld bei Tötung naher Angehöriger. München, Beck, 1989. ISBN 3-406-34194-2 Die Rolle des Strafrechts bei der Bewältigung politischen Unrechts. Heidelberg, Müller, 1992. ISBN 3-8114-7392-1 Die Menschenrechte : Herkunft, Geltung, Gefährdung. Düsseldorf, Patmos-Verl., 1994. ISBN 3-491-77961-8 Anwendung und Umsetzung des Rechts der Europäischen Gemeinschaften in den Mitgliedstaaten. Brandenburger Juristische Gesellschaft, 1998.

Literatur Reinhard Böttcher u. a. (Hrsg.): Festschrift für Walter Odersky zum 65. Geburtstag am 17. Juli 1996. De Gruyter, Berlin 1996, ISBN 3-11-014365-8. Odersky, Walter. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 909.

Weblinks

Eintrag auf Seiten des Bundesgerichtshofes

Prof. Dr. Walter Odersky 80 Jahre alt, Pressemitteilung des Bundesgerichtshofs Nr. 129/11 vom 18. Juli 2011

Einzelnachweise

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