mini|Blick über die Stadt (2008)
Glashütte ist eine Kleinstadt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Sachsen und insbesondere für die dort ansässigen Uhrenmanufakturen weltweit bekannt.
Geographie Geographische Lage Glashütte liegt im östlichen Osterzgebirge im Müglitztal. Seit der Fusion mit der Gemeinde Reinhardtsgrimma erstreckt sich Glashütte bis in das benachbarte Lockwitztal und liegt damit in zwei Haupttälern des Osterzgebirges.
Stadtgliederung Glashütte gliedert sich in folgende Ortsteile (Einwohnerzahlen vom 31. Dezember 2020): Gemeindeteil Einwohner Bärenhecke 36 Börnchen 136 Cunnersdorf 435 Dittersdorf 411 Glashütte 1715 Hausdorf 373 Hermsdorf am Wilisch 132 Hirschbach 443 Gemeindeteil Einwohner Johnsbach 387 Luchau 264 Neudörfel 45 Niederfrauendorf 173 Oberfrauendorf 401 Reinhardtsgrimma 734 Rückenhain 23 Schlottwitz (mit Oberschlottwitz) 1059 Zudem befindet sich das Hammergut Gleisberg auf dem Gebiet der Stadt.
Wüstungen alternativtext=Luftbild Glashütte (Sachsen) im Juli 2009 |mini|Luftbild Glashütte (Sachsen) im Juli 2009 Auf der Flur von Glashütte befinden sich die drei Wüstungen Greifenbach, Kleinhain und Zschörnichen. Greifenhain lag zwischen Falkenhain, Johnsbach und Bärenstein und wurde 1791 mit „Greifenbach, wuste liegende Baustellen, welche von den Einwohnern zu Falkenhayn, Dittersbach etc. zeither benuzt worden“ erwähnt. Kleinhain liegt in demselben Gebiet wie Greifenbach und könnte mit diesem identisch sein. 1731 wurde der Ort als Haynigen und 1733 als Kleinhayn überliefert. Zschörnichen ist ein wüstes Einzelgut mit ehemaligem Vorwerk, das zu Börnchen gehörte.
Geschichte Die Entstehung des Ortes und sein Name gehen vermutlich auf eine Glashütte zurück, wobei der noch 1493 erwähnte Flurname Glasberg für den Standort heute nicht mehr existiert. Nach der Zerstörung durch die Hussiten 1429 wurde der Ort 1443 als wüstes Dorf mit zwei Eisenhämmern bezeichnet und 1445 erstmals als Glaßehutte urkundlich erwähnt. Nach dem Fund von Silbererz um 1490 nahm Glashütte einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung. Im Jahr 1506 verlieh der sächsische Herzog Georg der Bärtige dem Ort Glashütte das Stadtrecht. Glashütte lag im Amt Altenberg.
Bergbau miniatur|hochkant|Ruine der übertägigen Grubenanlagen der „St. Christoph Fundgrube“ am Hang des Müglitztales (1929) Bereits vor der Entdeckung von Silbererzvorkommen bestanden um 1429 zwei Eisenhämmer bei Glashütte, die auf Eisenerz-Bergbau schließen lassen. Das spätere Glashütter Bergbaurevier erstreckte sich unmittelbar nördlich der Stadt bis nach Cunnersdorf. Vereinzelte und relativ unbedeutende Gruben befanden sich im Brießnitz- und Müglitztal. Die Entdeckung von Erzvorkommen ist wahrscheinlich in das Jahr 1490 zu datieren, da es bereits 1491 und 1493 zur Verkündung der Bergordnung von Glashütte kam. 1502 wird die erste Hütte des Ortes erwähnt und 1506 wird Glashütte zur Bergstadt erhoben. Allerdings waren die Silbererträge im Vergleich zu anderen Bergbauregionen des Osterzgebirges eher gering. Daher blieben Investitionen für den Bergbau aus und Glashütte verfiel in den Nimbus einer „armen Bergstadt“. Während des Dreißigjährigen Krieges kam der Bergbau fast völlig zum Erliegen. Um 1650 und sehr viel später um 1787 gab es nennenswerte Versuche zur Neubelebung des Bergbaues. Aus dieser Periode sind die Bergebäude „Israel-“, „St. Jacob-“, „Heilig Geist-“, „Neue Hoffnung-“, „Hilfe Gottes-“, „Apostel-“ und „St. Blasius-Stolln“ sowie die „St. Christoph Fundgrube“ zwischen Johnsbach und Bärenhecke nennenswert. 1875 wird der Bergbau bei Glashütte aus Rentabilitätsgründen endgültig eingestellt. Bergamtliche Dokumente belegen für den Zeitraum zwischen 1525 und 1875 ein Metallausbringen von ca. 10 t Silber und ungefähr 150 t Kupfer aus insgesamt 140 Einzelgruben.Wanderführer 'Rund um Dresden Süd – zwischen Bad Gottleuba und Meißen' Heimatbuchverlag Michael Bellmann 2009; ISBN 978-3-937537-07-8, Seite 101
Uhrenindustrie Anfang mini|Silberne Herrentaschenuhr Nr. 106 von A. Lange & Cie. (1850). Vermutlich älteste noch existierende Glashütter Taschenuhr miniatur|Denkmal für Ferdinand Adolph Lange miniatur|Stammhaus A. Lange & Söhne mini|Sternwarte Glashütte (2008) Im Jahr 1845 ließ sich als erster Uhrmachermeister der Sachse Ferdinand Adolph Lange in Glashütte nieder. Er folgte damit einem Aufruf der königlich-sächsischen Regierung, von der er 7.800 Taler Anschubfinanzierung erhielt. Lange begann mit der Ausbildung der ersten Uhrmacher. Trotz erheblicher Anfangsschwierigkeiten wurde ab etwa 1875 die Uhren- und Feinmechanische Industrie zum wirtschaftlichen Rückgrat der Stadt. Bekannte Firmen waren: A. Lange & Söhne J. Assmann Deutsche Anker-Uhren-Fabrik Glashütte i. Sa. Union Glashütte/Sa. Glashütter Präzisions-Uhren-Fabrik A.G. und Deutsche Präzisionsuhrenfabrik Glashütte e.G.m.b.H. als Vorläufer der Uhren-Rohwerke-Fabrik AG Glashütte (UROFA) und des Schwesterunternehmens Uhrenfabrik AG Glashütte (UFAG) Einen hohen Bekanntheitsgrad erreichten neben Präzisions-Taschenuhren die Beobachtungsuhren und Schiffschronometer für die Marine und Luftwaffe von A. Lange & Söhne sowie die Fliegerchronographen der Marke Tutima, deren Hersteller UFAG bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs seinen Sitz in der Uhrmacherstadt Glashütte hatte und danach im VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) aufging.
Noch am letzten Tag des Zweiten Weltkriegs (8. Mai 1945) wurde Glashütte von sowjetischen Fliegern bombardiert und teilweise zerstört. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Glashütter Uhrenhersteller von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignet und die Glashütter Uhrenfertigung von 1951 an in einem Gesamtbetrieb VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) zusammengefasst. Die einzelnen Glashütter Uhrenmarken verschwanden vom Markt. Die Markenrechte verblieben beim VEB GUB, sie wurden aber nicht genutzt. Glashütter Uhren wurden nun in großen Serien industriell hergestellt, galten jedoch auch in dieser Zeit aufgrund ihrer höherwertigen Konstruktion als die wertvolleren Zeitmesser, etwa im Vergleich zur Massenware der Uhrenwerke Ruhla. Bekannte mechanische Automatikuhrwerke des VEB GUB waren die „Spezimatic“ (1960–1978), gefolgt von der „Spezichron“ (1978–1985); danach ging der Anteil der mechanischen Uhrwerke stark zurück und es wurden überwiegend Quarzuhren gebaut. alternativtext=Denkmal für den Erfinder der Taschenuhr|mini|Denkmal von 1903 für Peter Henlein, den Erfinder der Taschenuhr
Gegenwart Bekannte Uhrenfirmen oder Uhrenmarken, die nach 1990 unter Nutzung alter Markennamen neu gegründet wurden oder aus dem ehemaligen VEB Glashütter Uhrenbetriebe entstanden, sind:
A. Lange & Söhne, eine der beiden prestigeträchtigsten Uhrenmarken (zum Schweizer Richemont-Luxusgüterkonzern, zuvor zu VDO-Mannesmann), die ausschließlich mechanische Armbanduhren im Luxussegment herstellt. Glashütte Original, die zweite der beiden prestigeträchtigsten Uhrenmarken, die ebenfalls ausschließlich mechanische Armbanduhren im Luxussegment herstellt. Im Jahre 2000 wurde die Marke von der Swatch Group übernommen. Union Glashütte/Sa., aus dem VEB GUB von den Unternehmern Heinz W. Pfeifer (mittlerweile ausgeschieden) und Alfred Wallner entwickelt; es gehört zur Swatch Group. Mühle Glashütte, Schiffschronometer und Uhren, ebenfalls mit ausschließlich mechanischen Uhren. Nomos Glashütte, seit 1990 ebenfalls mit ausschließlich mechanischen Uhren. das Bruno Söhnle Uhrenatelier, mit Quarzuhren und nun auch mit mechanischen Uhren. Kronsegler, seit 2004, rein sächsisches mittelständisches Unternehmen, Hersteller von Themenuhren Hemess, seit 2007, später C. H. Wolf GmbH, Geschäftsbetrieb im März 2016 eingestellt Tutima seit 2011, Niederlassung Glashütte der bei Bremen in Ganderkesee gelegenen Tutima Uhrenfabrik GmbH Moritz Grossmann GmbH seit 2008, die Luxusuhrenmanufaktur belebt das Erbe von Karl Moritz Großmann (1826–1885) wieder. DUG Deutsche Uhrenmanufaktur Glashütte seit 2022 Uhrenmanufaktur Kallinich Claeys seit 2022, baut mechanische Armbanduhren im Luxussegment.
Ein weiterer Meilenstein ist die Ansiedlung der Wempe Chronometerwerke aus Hamburg, welche in der ehemaligen Sternwarte Glashütte in Zusammenarbeit mit den thüringischen und sächsischen Landesämtern für Mess- und Eichwesen die einzige Deutsche Chronometerprüfstelle betreibt und auch eine eigene Uhrenproduktion aufgenommen hat.
Dazu kommen noch einige kleine Spezialfirmen für die Fertigung von Uhrenteilen.
1878–1951 bestand hier die Deutsche Uhrmacherschule Glashütte; diese wurde von 1951 bis 1992 als Ingenieurschule für Feinwerktechnik fortgeführt. Seit 2008 ist das Gebäude Sitz des Deutschen Uhrenmuseums Glashütte.
2020 blickte Glashütte mit reichlich Stolz auf 175 Jahre Uhrengeschichte zurück. Im Rahmen dieses Jubiläums wurde am 18. September 2020 das Walter Lange Denkmal Glashütte eingeweiht.Walter Lange Denkmal Glashütte – Ehre, wem Ehre gebührt Uhren Kosmos, Ausgabe 2020.
Weiteres mini|Glashütte nach dem Hochwasser 1927 Beim Hochwasser 1927 und wieder beim Hochwasser 2002, als das Rückhaltebecken Glashütte brach, erlitt die Stadt schwere Schäden.
Zu DDR-Zeiten war die Grabstätte des an der Grenze getöteten Grenzsoldaten Peter Göring auf dem Friedhof in Glashütte ein Ort feierlicher Zeremonien. Die Stadt erhält und pflegt diese Grabstätte auch nach 1990.
Eingemeindungen 1. Januar 1994: Johnsbach und LuchauStBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1994 1. Juli 1995: SchlottwitzStBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1995 1996: Dittersdorf 2. Januar 2008: ReinhardtsgrimmaStBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.2008
Entwicklung der Einwohnerzahl Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1998: 31. Dezember): 1551: 113 besessene Mann, 37 Inwohner, insgesamt 607 Einwohner 1748/64: 103 besessene Mann 1815: 728 1834: 989 1871: 1671 1890: 2005 1910: 2674 1925: 3147 1939: 3486 1946: 4007 1950: 4655 1957: 4624 1990: 5631 (1) 2000: 4894 2001: 4852 2002: 4762 2003: 4681 2005: 4519 2004: 4602 2006: 4513 2007: 4489 2008: 7323 (2) 2009: 7189 2010: 7139 2011: 6969 2012: 6905 2013: 6874 2014: 6837 2015: 6771 2016: 6751 2017: 6701 2018: 6705 2019: 6689 2020: 6730 2022: 6564 (3) (1): Stand 3. Oktober 1990 (2): Eingemeindung von Reinhardtsgrimma (3): Zensus Mai 2022 Historische Daten zusammengestellt nach:
Karlheinz Blaschke: Das Städtewesen vom 12. bis zum 19. Jahrhundert. Beiheft zum Atlas für Geschichte und Landeskunde von Sachsen. Leipzig/Dresden 2003 Albert Schiffner: Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen Band2. Leipzig 1840 Ab 1990 Angaben des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen Ab 1991: Stand zum 31. Dezember des jeweiligen Jahres
Politik
Stadtrat Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilten sich die 18 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:
AfD: 5 Sitze CDU: 4 Sitze Wählervereinigung Glashütte und s. Ortsteile: 2 Sitze Wählervereinigung Zeitlos: 2 Sitze Wählervereinigung Reinhardtsgrimma: 2 Sitze Zeitlos: 2 Sitze Bündnis 90/Die Grünen: 1 Sitz Freie Wählergemeinschaft Johnsbach: 1 Sitz Wählervereinigung Hirschbach/Hermsdorf – Füreinander: 1 Sitz +letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %AfD529,0419,8––CDU421,8421,61048,5Wählervereinigung Glashütte und seine Ortsteile213,4––––Wählervereinigung Zeitlos210,4315,6212,0Wählervereinigung Reinhardtsgrimma28,8317,2418,9Grüne16,1211,1–2,8Wählervereinigung Johnsbach15,215,816,6Wählervereinigung Hirschbach/Hermsdorf – Füreinander13,4––––Linke–1,9–2,718,1Freie Wählergemeinschaft Schlottwitz––16,2––SPD–––––3,0Wahlbeteiligung75,9 %73,1 %60,7 %
Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2021 Sven Gleißberg (parteilos). +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2021Sven GleißbergCDU57,52016Markus Dreßler51,3200874,22001Frank Reichel97,4199492,9
Städtepartnerschaften