Die Tornos AG mit Sitz in Moutier ist ein Schweizer Werkzeugmaschinenhersteller. Das Unternehmen ist an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange kotiert.
Geschichte rechts|mini|Sponsoring der Tornos AG auf einem Porsche 997 GT3 RSR
Vorgeschichte Die Wurzeln von Tornos reichen bis ins Jahr 1880, als in Moutier die ersten Maschinen zur Produktion von Kleinteilen für die Uhrenindustrie hergestellt wurden.Pirmin Schilliger: "Protokoll einer ewigen Restrukturierung", in: Handelszeitung, 25. Oktober 2012, abgerufen am 3. August 2023.
Unter den damaligen Unternehmern befand sich der im Jahr 1851 geborene Thurgauer Mechaniker Nicolas Junker. Im Jahr 1883 gründete Junker mit seinem Geschäftspartner Anselme Marchal die Firma Junker et Cie. Im selben Jahr begann Junker mit der Produktion automatischer Maschinen und brachte als erster Unternehmer in Serie gefertigte Drehmaschinen auf den Markt. Mit den Drehmaschinen wurden hauptsächlich Schrauben hergestellt, da diese von der Uhrenindustrie zunehmend nachgefragt wurden. Die von Jakob Schweizer im Jahr 1880 erfundene, sogenannte Schweizer Drehbank entwickelte Junker ebenfalls weiter. Nachdem Anselme Marchal das Unternehmen verlassen hatte, wurde die Firma 1886 unter dem Namen N. Junker in das Handelsregister eingetragen.De Junker à Tornos 1880–1980: Un Siecle d’innovation et d’histoire industrielle de Moutier. Musée du tour automatique et d’histoire de Moutier, Moutier 2023. Im Jahr 1891 kaufte Junker das Firmengebäude dazu, das seit 1886 dem Basler Industriellen Emile Abt gehört hatte.
Die Villa Junker wurde von Junker 1895 erbaut. Das Gebäude dient heute als Museum für automatische Drehmaschinen, in dem Besucher über die Geschichte der Gemeinde Moutier informiert werden. Die Neuausrichtung der Firma erfolgte 1896, als Junker im eigenen Namen das Unternehmen übernahm. Von diesem Zeitpunkt an stellte er mit seiner Firma Uhren und Uhrenbestandteile her.
Für die Uhrenproduktion baute Junker in seiner Fabrik eine eigene Produktionsanlage, die er mit einem selbst konstruierten Wasserrad betrieb. Im Jahr 1904 verkaufte Junker das in finanzielle Schwierigkeiten geratene Geschäft seinem Sohn Emile. Ein Jahr später brachte die Firma die mit drei Werkzeugen ausgestattete, automatische Langdrehmaschine Mettetal/Junker Fils auf den Markt. Im selben Jahr musste Emile Junker den Konkurs der Firma anmelden."L´eau de la Birse permet à Nicolas Junker de révolutionner le tour automatique", in: Le Quotidien jurassien, 2. September 2021, abgerufen am 8. August 2023. Da Junker den Konkurs der Firma nicht verkraftete, beging er 1907 Suizid.Antoine Membrez: "Nicolas Junker, cemécanicien de génie qui forma deux des fondateurs de Tornos", in: Le Quotidien jurassien, 28. September 2022, abgerufen am 8. August 2023.
Gründung und Anfänge Aus dem Bankrott der Firma Junker et Cie. ging 1914 das Unternehmen Tornos hervor, das automatische Drehbänke herstellte und in Konkurrenz zu dem Unternehmen von Joseph Pétermann und André Bechler, einem ehemaligen Lehrling von Junker, stand. Im selben Jahr gründete Bechler seine eigene Firma, die ab 1924 ebenfalls automatische Drehbänke produzierte."Wachstum noch nicht eingepreist", in: Handelszeitung, 25. Januar 2018, abgerufen am 7. August 2023. In den Folgejahren wurden die mit drei Werkzeugen und einem Gegenbohrer ausgestatteten automatischen Langdrehmaschinen Lambert (1925) und Walker (1930) produziert sowie die automatische Drehmaschine Tornos B1 (1930) gefertigt, die fünf Werkzeuge und einen beweglichen Spindelstock aufwies. Mit der Petermann n°0 (1935) brachte Tornos eine auf einem Sockel montierte, automatische Drehmaschine mit drei Werkzeugen und einer Gewindeschneidevorrichtung auf den Markt; die automatische Drehmaschine Tornos R7 (1959) mit sechs verschiebbaren Werkzeughaltern wurde von Tornos als limitierte Produktserie verkauft.
Im Jahr 1971 übernahm Tornos das Pétermann-Werk. Mit dem Elector 16 präsentierte das Unternehmen 1978 seinen ersten numerisch gesteuerten Drehautomaten mit beweglichem Spindelstock. Aus den drei Unternehmen Tornos, Pétermann und Bechler entstand 1981 die Firma Tornos-Bechler SA.
Übernahmen und Neuausrichtung Im Jahr 1989 übernahm die Tornos-Bechler SA eine Mehrheitsbeteiligung an der französischen Firma Wirth & Gruffat in Annecy. Daneben übernahm Wirth & Gruffat zusätzlich zum eigenen Produktionsprogramm einen Teil der Produktion von Tornos-Bechler."Firmennotizen", in: Handelsblatt, 12. Dezember 1989, abgerufen am 4. August 2023. Im Jahr 1996 brachte Tornos-Bechler die Deco-Drehmaschinenlinie auf den Markt."Deco 2000 et Multideco sont les produits phares de Tornos", in: L’Agefi, 4. März 2001, abgerufen am 4. August 2023. Im Zuge der Umfirmierung der Tornos-Bechler SA in die Tornos SA im Jahr 2001 wurden die drei ehemaligen Wettbewerber Tornos, Pétermann und Bechler unter einem einheitlichen Firmennamen vereint. Im selben Jahr erfolgte die Börsenkotierung der Firma. Im Jahr 2008 übernahm Tornos den Maschinenhersteller Almac im schweizerischen La Chaux-de-Fonds."Tornos setzt auf Flexibilität", in: Der Bund, 17. März 2009, abgerufen am 4. August 2023. Die Mehrspindlermaschine Multiswiss brachte Tornos 2012 auf den Markt.
Im Jahr 2014 richtete Tornos seine Produktstrategie auf ein günstigeres Preissegment aus und kam damit von der früheren Ausrichtung ab, hochpreisige Maschinen zu verkaufen. In diesem Zuge eröffnete das Unternehmen Produktionsstätten in Xi’an in China und in Taichung in Taiwan."Tornos weiter unter Druck", in: Neue Zürcher Zeitung, 18. März 2014, abgerufen am 5. August 2023. Im selben Jahr brachte Tornos den Drehautomaten Swissnano auf den Markt.
Jüngere Entwicklungen Im Jahr 2016 erweiterte Tornos sein Mehrspindel-Drehmaschinenprogramm Multiswiss um drei neue Modelle. Eine Produktionsstätte in Polen mit 40 Angestellten wurde von der Firma im Jahr 2022 eröffnet. Der Produktionsstandort in La Chaux-de-Fonds wurde im Jahr 2021 geschlossen. Die Tornos Holding AG fusionierte am 7. Dezember 2023 mit der Starrag Group Holding AG zur Starrag Tornos Group AG. Dabei wurde die Tornos Holding AG als Tochterunternehmen der Starrag Tornos Group AG in Tornos AG umbenannt.
Im März 2024 eröffnete Tornos ein weiteres Produktionswerk in der Region Taiwan.
Im Jahr 2024 entwickelte Tornos gemeinsam mit der Paul Horn GmbH aus Tübingen ein Fertigungsverfahren zur Bearbeitung von Bauteilen aus bleifreiem Messing auf Mehrspindel-Drehmaschinen des Typs MultiSwiss. Dabei wurde die Fertigung von einspindligen auf mehrspindlige Maschinen übertragen und die Bearbeitungszeit pro Werkstück reduziert.
Unternehmensstruktur Seit der Fusion mit der Starrag Group Holding AG am 7. Dezember 2023 ist die Tornos AG ein Tochterunternehmen der Starrag Tornos Group AG.
Michael Hauser ist Direktor und Verwaltungsratspräsident der Tornos AG. Im Geschäftsjahr 2022 beschäftigte das Unternehmen 681 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Konzernumsatz in Höhe von 181,44 Millionen Schweizer Franken.
Die Unternehmensgruppe verfügt über vier Produktionsstandorte: Moutier in der Schweiz, Xi’an in China und zwei in Taichung in Taiwan. Tornos ist mit Tochtergesellschaften in Europa, den USA, Asien und Australien vertreten.Pirmin Schilliger: "Wir sind gesund und fit genug", in: Handelszeitung, 16. August 2006, abgerufen am 5. August 2023.
Produkte Das Unternehmen stellt automatische Einspindel-Drehautomaten, Mehrspindeldrehmaschinen,"Spots", in: Handelszeitung, 9. August 2006, abgerufen am 5. August 2023. Peripheriesysteme, Bearbeitungszentren für mikrotechnische Bereiche"Zuverlässig und hoch präzise", in: Fertigung, 7. August 2017, abgerufen am 5. August 2023. und Stangenlader her."Drehautomat Tornos Deco 8sp: Präzise und effizient in neue Märkte", in: Industrieanzeiger, 9. Januar 2006, abgerufen am 7. August 2023. Die Geräte werden durch die eigens entwickelte Kommunikations- und Programmiersoftware Tisis gesteuert und finden Anwendung in der Automobilindustrie, Medizin, Elektronik, Uhrenindustrie und in der Zulieferung."Dentalimplantate produktiv gefertigt", in: Schweizer Maschinenmarkt, 14. Mai 2019, abgerufen am 5. August 2023."Stangen-Bearbeitung langer und kurzer Werkstücke", in: MAV Maschinen, Anlagen, Verfahren, 11. September 2017, abgerufen am 5. August 2023.
In den Produktionsstätten in Taiwan und China werden Maschinen im Einstiegssegment sowie für das mittlere Preissegment hergestellt, während in Moutier in der Schweiz Einspindel-Langdrehautomaten und Mehrspindeldrehmaschinen wie die Multiswiss, die Evodeco sowie die Swissnano produziert werden.
Auszeichnungen
2014: IF Award für den Tornos Swissnano durch die IF International Forum Design GmbH
2018: Swiss WCM Award in der Kategorie «Performance Excellence» durch den Supply Chain Finance-Lab der Schweizerischen Post
2021: «Top Medical Device Manufacturing Companies in Europe 2021» durch das Magazin Medtech Outlook
Siehe auch
Liste von Werkzeugmaschinenbauern
Weblinks
Offizielle Website Produktsortiment von Tornos
Einzelnachweise
Kategorie:Werkzeugmaschinenhersteller Kategorie:Moutier Kategorie:Unternehmen im Swiss Performance Index Kategorie:Unternehmensgründung 1880 Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Schweiz)