Wenden ist eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, Deutschland, mit dem gleichnamigen Zentralort und gehört zum Kreis Olpe im Sauerland. Es ist die südlichste Gemeinde des Sauerlandes.

Geografie mini|Wenden Geografische Lage Wenden liegt im Südteil des Kreises Olpe innerhalb des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge. Das Gemeindegebiet liegt auf einer Hochfläche und wird komplett durch den markantesten Fluss, die Bigge, die in Römershagen, in unmittelbarer Nähe zur rheinland-pfälzischen Landesgrenze entspringt, entwässert. Der Zentralort Wenden, Sitz der Gemeindeverwaltung, wird vom Bigge-Zufluss Wende durchflossen, in den der Bach Albe (von Norden) mündet. Im Nordwesten des Gemeindegebietes befindet sich das Autobahnkreuz Olpe-Süd, wo sich die A 4 und die A 45 kreuzen.

Nachbargemeinden Olpe, Drolshagen (Kreis Olpe) Friesenhagen (Landkreis Altenkirchen, Rheinland-Pfalz) Kreuztal, Freudenberg, Siegen (Kreis Siegen-Wittgenstein) Reichshof (Oberbergischer Kreis)

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet wurde in folgende Ortschaften eingeteiltHauptsatzung der Gemeinde Wenden, § 3 Einteilung des Gemeindegebietes in Ortschaften (PDF), abgerufen am 17. Juli 2025: Altenhof/Girkhausen, Bebbingen/Büchen/Schwarzbruch/Huppen, Brün/Hoffnung, Elben/Scheiderwald, Gerlingen, Heid/Trömbach, Hillmicke, Hünsborn/Löffelberg, Möllmicke, Ottfingen/Wilhelmstal, Römershagen/Döingen, Dörnscheid, Rothemühle/Rothenborn, Schönau/Altenwenden, Vahlberg, Wenden, Wendenerhütte

Geschichte Mittelalter mini|Lage Wendens (grün) an der Uerdinger Linie, der Sprachgrenze zu Siegerland, Wildenburg und Bergischem Land. Laut der Wenker-Karte befindet sich die Gemeinde Wenden (außer Römershagen) nördlich der Benrather Linie, einige Ortsteile liegen jedoch südlich der Uerdinger Linie. Urkundlich erwähnt wurde Wenden erstmals 1151 als Wendenne in einem Abgabeverzeichnis des Stift auf dem Berge in Herford. Dieses besaß bei Wenden mehrere Besitzungen.Winfried Metzenmacher: Gemeinde Wenden: Gestern - heute und Morgen. In: Sauerland 2/1978 S. 26 Seit einiger Zeit gibt es die These, dass Wenden bereits 1011 in der Gründungsurkunde des Stifts genannt wurde. Dies wird von anderer Seite bestritten und argumentiert, dass es sich bei den dort genannten Wendener Höfen um Besitzungen nahe dem heutigen Bad Oeynhausen handeln würde.Peter Kracht: Sauerland, Siegerland und Wittgensteiner Land. Münster 2005 S. 223 Die lokale Forschung stellt teilweise beide Jahreszahlen in Frage und spricht vorsichtig von einer Ersterwähnung zwischen dem Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts.Raimund J. Quiter: Wann darf Wenden ein Jubiläum feiern? Eine Nachuntersuchung zum Alter von Wenden. In: Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe 4/2006 S. 358

Die Pfarrkirche von Wenden war ursprünglich eine Filialkirche von Olpe. Das Alter des Kirchturms weist darauf hin, dass das ursprüngliche Kirchengebäude im 12. Jahrhundert entstanden ist. Noch 1313 wird es als Kapelle bezeichnet. Das Patrozinium wechselte im Laufe der Zeit vom Heiligen Johannes dem Täufer auf den Heiligen Severin, weil das Besetzungsrecht beim Severinsstift in Köln lag. Wenden gehörte zum Amt Waldenburg, das der Herrschaft der Erzbischöfe von Köln unterworfen war. Diese setzten einen Richter in Wenden ein.Albert Hömberg: Kirchliche und weltliche Landesorganisation (Pfarrsystem und Gerichtsverfassung) in den Urpfarrgebieten des südlichen Westfalen. Münster 1967, S. 29f und 34.

Frühe Neuzeit Zum Gericht Wenden gehörten im Jahr 1536 neben dem Dorf Wenden die Orte Elben, Schönau, Girkhausen, Altenhof, Gerlingen, Römershagen, Hünsborn, Ottfingen, Brün, Hillmicke, Heid, Rothenborn und Dörnscheid.Reinhard Oberschelp (Hrsg.): Die Schatzungsregister des 16. Jahrhunderts für das Herzogtum Westfalen. Teil 1: die Register von 1536 und 1565. Münster 1971, S. 211–217.

Wenden gehörte im 16. Jahrhundert zum Herrschaftsbereich der Familie von Fürstenberg, die die Verwaltung verschiedener kurfürstlicher Ämter innehatte. Insbesondere zur Zeit von Kaspar von Fürstenberg fanden eine Reihe von Hexenprozessen statt. Allerdings macht die bescheidene Quellenlage genauere Aussagen zurzeit nicht möglich. Es werden für die Höhepunkte der Hexenverfolgung (1628–1631) etwa 20 Fälle angenommen. Im benachbarten Olpe hingerichtet wurde beispielsweise Anna Margaretha Schmidt.Tanja Gawlich: Der Hexenkommissar Heinrich von Schultheiß und die Hexenverfolgungen im Herzogtum Westfalen. In: Harm Klueting (Hrsg.): Das kurkölnische Herzogtum Westfalen von den Anfängen der kölnischen Herrschaft im südlichen Westfalen bis zur Säkularisation 1803. Münster 2009 S. 307f.

Grenzlage Wenden war von seiner Grenzlage geprägt. Dies galt zunächst in territorialer Hinsicht. Bei Wenden grenzten das kölnische Sauerland und das nassauische Siegerland aneinander. Am Dreiherrenstein bei Römershagen stießen in der frühen Neuzeit das kurkölnische Herzogtum Westfalen, Nassau-Siegen und die Herrschaft Wildenburg aneinander. Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit wurde die Grenze von Nassauer Seite gegen das kurkölnische Herzogtum Westfalen durch Landwehren und ähnliche Befestigungswerke geschützt. Teile des Kölschen Hecks lagen im Gemeindegebiet. Hier verlief auch eine alte sächsisch-fränkische Stammes- und Sprachgrenze. Es stoßen hier das niederdeutsche und mitteldeutsche Sprachgebiet aneinander. Nach der Reformation verlief hier auch eine Konfessionsgrenze zwischen katholisch gebliebenen und evangelischen Gebieten.Winfried Metzenmacher: Gemeinde Wenden: Gestern – heute und Morgen. In: Sauerland 2/1978, S. 26.

Montangeschichte Im Bereich der heutigen Gemeinde Wenden gab es an verschiedener Stelle bergbauliche Tätigkeiten. Über den frühen Bergbau ist allerdings wenig bekannt. Dass es diesen gegeben haben muss, belegen verschiedene Fundstätten von Rennfeueröfen. Schwerpunkte lagen östlich von Gerlingen, bei Hünsborn, bei Huppen und Büchen sowie entlang der Wende bis Altenhof. Die Untersuchung des Rennfeuerplatzes Wilsmicke bei Elben ergab eine Datierung in die Zeit zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert. Auch im Bereich Gerlingen dürfte der Bergbau bis ins hohe Mittelalter zurückgehen. Im Bereich Hünsborn ergaben chemische Untersuchungen, dass dort allerdings Erze aus dem Siegerland verhüttet wurden. Auch aus späterer Zeit finden sich Spuren von Schmieden und Hütten. mini|Hammerwerk der Wendener Hütte Mit einer Ausnahme beginnen schriftliche Nachrichten für den Bergbau erst in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg. Später lassen sich mehrere kleine Reviere im Gemeindegebiet unterscheiden. Die größte Zahl von Gruben lag zwischen Thieringhausen und Elben im Bereich des Altenbergs. Das Kleinrevier reichte bis in das Gebiet von Olpe hinein. Der Altenbergerzug erstreckte sich über eine Länge von etwa 3,2 km Länge zwischen Gerlingen und Elben. Man fand dort vor allem Braun- und Spateisenstein. Erste Nachrichten stammen aus dem Jahr 1668. Teile der Gruben waren im Besitz des Hauses Fürstenberg später in dem der von Brabecks. Auch die Familie Remy als Besitzerin der Wendener Hütte und andere bürgerliche Gewerke hatten dort Grubenbesitz. Mit Unterbrechungen wurde der Bergbau dort bis 1920 betrieben.

Ein weiteres Revier lag südlich der Straße zwischen Möllmicke und Wenden. Der Kern war der Junkernbergerzug. Dieser hat eine Länge von 1,8 km. Im Jahr 1734 wurde Johannes Ermert, der Gründer der Wendener Hütte, mit der Grube Schmidtseifen belehnt. Im 19. Jahrhundert erlebte die Suche nach Erz dort einen kurzen Boom. Der Bergbau wurde aber bereits 1868 eingestellt. Ein drittes Revier lag bei Ottfingen mit dem Vahlberger Zug. Bereits im 15. Jahrhundert soll es dort Bergbau gegeben haben, allerdings fehlen dazu die Belege. Berichte existieren erst seit dem 18. Jahrhundert. Auch hier war die Familie Remy aktiv. Das Kloster Drolshagen investierte Ende des 18. Jahrhunderts hier bis zu 40.000 Reichstaler, um im großen Stil Eisenerz für die Verhüttung abzubauen. Dies scheiterte aber an Wasserhaltungsproblemen. Der Konkurs des Klosterprojekts hatte noch jahrzehntelange Rechtsstreitigkeiten zur Folge. Die Grube Vahlberg wie auch die Verhüttung wurden, wenn auch unregelmäßig, weiter betrieben. Der Abbau ging bis zum Ersten Weltkrieg weiter. Schriftlich belegt ist seit 1668 eine Eisenhütte bei Elben, die bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts Bestand hatte. Die bedeutendste Hütte war die Wendener Hütte, die 1728 gegründet wurde und bis 1866 Bestand hatte.Wilfried Reininghaus, Reinhard Köhne: Berg-, Hütten- und Hammerwerke im Herzogtum Westfalen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Münster 2008 S. 405–413

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde versucht, Platin abzubauen. Dazu wurde der Stollen Schlegelsberg (vormals Stollen Burmester) angelegt. Nach ein paar Jahren des unergiebigen Abbaus wurde die Gewinnung eingestellt. Pläne, den Stollen zum Schaubergwerk auszubauen, wurden aufgenommen, sind aber gescheitert. Inzwischen ist das ehemalige Bergwerk wieder verschlossen.Peter Kracht: Sauerland, Siegerland und Wittgensteiner Land. Münster 2005 S. 224

19. und 20. Jahrhundert Bis 1802 war Wenden Teil des Herzogtums Westfalen. Danach waren die Hessen 14 Jahre Landesherren, bis sie 1816 von den Preußen abgelöst wurden. Während der Hessenzeit kam das Gericht Wenden an das Amt Olpe.Manfred Schöne: Das Herzogtum Westfalen unter hessen-darmstädtischer Herrschaft 1802–1816. Olpe 1966.

Seit 1817 gehört Wenden zum Kreis Olpe, der aus dem Kreis Bilstein hervorging. 1843/1844 wurde das Amt Wenden aus den Gemeinden Wenden und Römershagen gebildet. Die neue Gemeinde Wenden entstand durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Olpe aus dem Zusammenschluss von Wenden und Römershagen am 1. Juli 1969. Sie umfasst seitdem genau das ehemalige Amt Wenden, das gleichzeitig aufgelöst wurde.Eduard Belke, Alfred Bruns, Helmut Müller: Kommunale Wappen des Herzogtums Westfalen. Kurkölnisches Sauerland. Arnsberg 1986, S. 96f, 175, 194.

Die montangewerblichen Ansätze änderten nichts daran, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung von der Landwirtschaft lebte, zumal nach dem Ende der Wendener Hütte eine nennenswerte industrielle Entwicklung ausblieb. Auf Grund der schlechten Bodenverhältnisse und der verbreiteten Realteilung konnten sich viele Familien nur schwer von der Landwirtschaft ernähren.Peter Kracht: Sauerland, Siegerland und Wittgensteiner Land. Münster 2005

Religion

mini|hochkant|St. Severinus in Wenden Die Bewohner der Gemeinde Wenden gehören mit großer Mehrheit der römisch-katholischen Konfession an. Mit Ausnahme von Möllmicke und Rothemühle verfügt jede größere Ortschaft über eine römisch-katholische Kirche oder Kapelle. Im Zentralort Wenden ist es die älteste und größte Kirche der Gemeinde, St. Severinus, in Hünsborn die Pfarrkirche St. Kunibertus. In Gerlingen gibt es außer der römisch-katholischen Kirche auch ein neuapostolisches Versammlungshaus. Ein regional bedeutender Wallfahrtsort für römisch-katholische Christen ist die Dörnschlade, zwischen den Ortsteilen Hünsborn, Wenden und Altenhof mitten im Wald gelegen. Der Legende nach wurde dort eine aus der Wendener Kirche gestohlene Marienstatue gefunden. Die Kapelle wird von vielen Gläubigen zum Gebet genutzt. Unter anderem nutzt auch die regionale KAB die Dörnschlade für die jährliche Wallfahrt.