mini|Johann Georg Lohmann

Johann Georg Lohmann (* 30. Oktober 1830 in Bremen; † 9. Februar 1892 in Bremen) war ein deutscher Kaufmann, der von 1877 bis 1892 den Norddeutschen Lloyd als Direktor leitete und die Politik der Schnelldampfer förderte.

Biografie mini|Grabstein von Johann Georg Lohmann auf dem Riensberger Friedhof, entworfen von Johann Georg Poppe. Der Grabstein steht jetzt nicht mehr auf dem GrabAuskunft der Friedhofsverwaltung vom Riensberger Friedhof., sondern an einer anderen Stelle auf dem Riensberger Friedhof. Lohmann war der Sohn eines Kaufmanns. Er war mit der Engländerin Clarissa Lohmann, Frost (geb. 22. Januar 1838 in Stepney/London) verheiratet. Sie hatten neun Kinder, darunter Kapitän zur See Walter Lohmann und Alfred Lohmann (1870–1919) während des Ersten Weltkrieges Handelskammerpräsident in Bremen.

1861 wurde er zum Diakon an der Domkirche gewählt,Erinnerungen aus dem Leben Johann Georg Lohmanns. Als Manuskript gedruckt und im Auftrag seiner Ehefrau unter Mitwirkung der Bremer Schriftstellerin Emilie Tegtmeyer (* 1827; † 1903) verfasst, Bremen 1891. Dieser Privatdruck kann unter anderem im Staatsarchiv Bremen eingesehen werden. Das Original der Verleihungsurkunde befindet sich im Besitz seines Urenkels Johann Georg Lohmann. 1870 in das Präsidium der Handelskammer Bremen, 1871 in den Jacobsverein (sancti Jacobi minoris), 1872 zusammen mit W. H. Wätjen und A. G. Nebelthau zum Schaffer bei der Schaffermahlzeit des Hauses Seefahrt.

Ausbildung und Beruf Mit 14 Jahren trat Lohmann als Lehrling in die Firma Johann Gottfried Schütte & Co. ein. 1848 ging er als Vertreter zweier Bremer Tabakfirmen nach Bahia und gründete dort 1851 eine eigene Firma.Historische Gesellschaft des Künstlervereins (Hrsg.): Bremische Biographie des neunzehnten Jahrhunderts. Verlag von Gustav Winter, Bremen 1912.

In seiner Eigenschaft als österreichischer Konsul empfing und betreute er dort den späteren Kaiser von Mexiko Ferdinand Maximilian von Österreich und wird in dessen Werk Aus meinem Leben gewürdigt.Ferdinand Maximilian von Österreich: Aus meinem Leben. Reiseskizzen, Aphorismen, Gedichte. Sechster Band. Reiseskizzen XI. Verlag von Duncke und Humblot, Leipzig 1867. Siehe dazu auch: ()

1861 kehrte Lohmann nach Bremen zurück. Nur ein Jahr später musste er jedoch wegen eines starken Vermögensverlustes wieder nach Bahia zurückkehren, wo er bis 1865 lebte.Witthöft (1997) Erst ab 1866 konnte er dauerhaft in Bremen bleiben.

Beim Norddeutschen Lloyd Lohmann wurde 1868 Mitglied des Verwaltungsrats und 1877 Direktor des Norddeutschen Lloyd (NDL).Neubaur (1907), Seite 44.

Beim NDL ließ er für den Nordamerikaverkehr neue Schnelldampfer bauen und leitete damit die „Schnelldampferpolitik“ ein,Knittermeyer und Steilen (1942) die später dazu führte, dass der NDL die größte Passagierreederei der Welt wurde und dass sich zwischen 1830 und 1974 7,2 Millionen Auswanderer von Bremerhaven ausschifften. Zum Vergleich: Von Hamburg aus fuhren etwa 5 Millionen Auswanderer in die Welt hinaus.

Er richtete die Reichspostdampferlinien nach Ostasien und Australien ein, die am 30. Juni 1886 mit dem Auslaufen der „Oder“ nach Ostasien eröffnet wurden.Reinke-Kunze (1994) Auch den Mittelmeerdienst des Norddeutschen Lloyd und die besondere Ausgestaltung der Baltimore-Linie sind auf sein Wirken zurückzuführen. Der gesamte deutsche Schiffbau erlebte damals einen Aufschwung, was in erheblichem Maße auf die Bestellungen des Norddeutschen Lloyd zurückzuführen ist.

Die 1890 vom Bremer Senat und der Bürgerschaft beschlossene Erweiterung der Hafenanlagen in Bremerhaven wurden von Lohmann veranlasst.

Konflikt mit Hermann Henrich Meier Am 15. März 1888 trat Hermann Henrich Meier nach einem tiefgehenden Streit mit Lohmann über die Zukunft des Norddeutschen Lloyd zurück und schied zugleich aus dem Verwaltungsrat aus.Horst Adamietz: Gezeiten der Schiffahrt. Nach Protokollen und Dokumenten des hundertjährigen Bremer Rhedervereins. H. Saade, Bremen 1984. Die Literatur bewertet dies Ereignis sehr unterschiedlich. Sicher ist, dass es schon vorher zwischen diesen „Urgesteinen“ häufig Meinungsverschiedenheiten über den richtigen Kurs gegeben hatte. Eine sehr ausführliche, aber natürlich nicht unparteiische Beschreibung des Streits vom 15. März 1888 ist in den Erinnerungen aus dem Leben Johann Georg Lohmanns enthalten:

In der Literatur vermeiden die meisten Autoren eine klare Aussage zu der Frage, wer nun eigentlich Recht hatte. Die Hapag-Lloyd-Festschrift von 1997 gibt eine Art Zusammenfassung: mini|Hermann Henrich Meier und Johann Georg Lohmann

Lohmann und Poppe In seinem Werk Der Norddeutsche Lloyd. 50 Jahre der Entwicklung 1857 – 1907 schildert Paul Neubaur, wie der Norddeutsche Lloyd durch die Veränderung der Salonsysteme und ihrer Ausstattung wegweisend für die Weltschifffahrt wurde. Unterstützung für seine Ideen fand Lohmann demzufolge bei dem Architekten Johann Georg Poppe. Poppe hatte sich bereits als Gestalter Bremer Wohnhäuser und kunstvoller Bürgerresidenzen hervorgetan und war einer der ersten deutschen Architekten, der den gewohnten Luxus des eigenen Hauses auf die Inneneinrichtungen der Schiffe übertrug. Seine Arbeiten werden in verschiedenen Publikationen beschrieben: „Mit ihren Unmengen von Putti, schmiedeeisernen Gittern und den von Johannes Poppe entworfenen Lederquasten blieb die Bremer Reederei drei Jahrzehnte lang führend auf dem Gebiet der Innendekoration von Schiffen.“John Malcolm Brinnin und Kenneth Gaulin: Grand Hotels der Meere: Die goldene Aera der Luxusliner. (Deutsch von Marcus Wuermli. Bearbeitung von Peter Pedersen), Heyne-Verlag, München 1988, Seite 24. „Poppe gestaltete die Räume im historischen Stil der Zeit; jeder neue Dampfer wurde prunkvoller mit Schnitzwerk, verzierten Säulen, Plüschpolstern und monumentalen Prachtgemälden ausgestattet als der vorhergehende.“Volker Plagemann (Hrsg.): Übersee. Seefahrt und Seemacht im deutschen Kaiserreich. Verlag C. H. Beck, München: 1988, Seite 173.

Tod Lohmann starb während der Teilnahme an der Generalversammlung des Hauses Seefahrt an einem Herzinfarkt, unmittelbar nachdem er das „Hoch“ auf die neu erwählten Schaffer ausgebracht hatte.Bessell (1957) Heinrich Wiegand wurde sein Nachfolger beim Norddeutschen Lloyd.

Ehrungen mini|hochkant|Urkunde zum Kronenorden 3. Klasse mini|rechts|hochkant|Büste von Johann Georg Lohmann im Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven Kaiser Wilhelm I. verlieh Lohmann am 28. Dezember 1887 den preußischen Kronenorden 3. Klasse, wohl wegen seiner Verdienste bei der Vergabe von Dampfschiffbauaufträgen in Deutschland an die Vulkan-Werft in Stettin. 1889 erhielt er nach dem Stapellauf eines Lloydschiffes in Stettin den preußischen Roten Adlerorden 3. Klasse. Bei einem Besuch des Kaisers in Bremen im April 1890 erhielt Lohmann dann den Kronenorden 2. Klasse.

Kaiser Maximilian I. von Mexiko verlieh ihm den Guadalupe-Orden in Anerkennung der Dienste, die er ihm bei seinem Besuch in Bahia geleistet hatte.

1877, als Lohmann seine Entlassung als österreichischer Konsul in Bahia einreichte, verlieh ihm Kaiser Franz Joseph I. den Franz-Joseph-Orden.

1886, als die Oder als Reichspostdampfer ihre zweite Reise nach Ostasien antrat, erhielt Lohmann in Antwerpen im Auftrag von König Leopold II. den belgischen Leopoldsorden. Leopold II. bestätigte damit sein Interesse an der Lloyd-Verbindung nach Ostasien.

1990, anlässlich der Verhandlungen mit der Regierung des Großherzogtums Oldenburg über den Ausbau des Hafens Nordenham, erhielt Lohmann vom Großherzog den Oldenburgischen Haus- und Verdienstorden des Herzogs Peter Friedrich Ludwig.

Im Bremer Stadtteil Findorff wurde die Straße, die die Hemmstraße mit der Winterstraße verbindet, nach Lohmann benannt. Auch in Bremerhaven gibt es eine nach ihm benannte Lohmannstraße, zwischen der Wiegandstraße und der H.-H.-Meyer-Straße.

Eine lebensgroße Marmorbüste Lohmanns ist Eigentum der Hapag-Lloyd AG und wurde als Dauerleihgabe an das Deutsche Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven gegeben; nachdem sie längere Zeit im Magazin eingelagert war, ist sie dort seit dem 6. Februar 2011 wieder im öffentlichen Bereich, im Meissen-Saal, zu sehen.

Auch der Lohmann-Deich nördlich des Bremerhavener Zoos verdankt seinen Namen Johann Georg Lohmann.

Zitate Nachfolgend einige Zitate, die die Leistungen Lohmanns reflektieren: „Mit seiner gewaltigen Energie wußte L. binnen wenigen Jahren eine Schnelldampferflotte zu schaffen, die anfangs auf englischen Werften erbaut, eine zwei= ja dreimalige Abfertigung gestattete… an Schnelligkeit, Sicherheit, Bequemlichkeit der Beförderung übertraf der Lloyd allmählich alle anderen Reedereien der Welt.“

„Die zweite bahnbrechende Tat in Lohmanns Leben ist die Einrichtung der deutschen Reichsdampferpostlinien nach Ostasien und Australien… es war Lohmanns Verdienst, daß diese neue Aufgabe, anfangs nicht ohne finanzielle Einbuße, so glücklich bewältigt wurde, wie es geschehen ist […]“

„[…] den Norddeutschen Lloyd an die Spitze aller Dampfschiffahrts-Gesellschaften der Welt gebracht zu haben, ist ein Verdienst des Mannes, der im Jahre 1877, nach dem Tode Stockmeyers, die Leitung des Lloyd übernahm. Johann G. Lohmann […] dessen weitschauende Ideen die gesamte deutsche Schiffahrt, darüber hinaus aber auch den deutschen Schiffbau befruchteten und die von ihm geleitete deutsche Reederei zur ersten Reedereinder Welt machten.“Neubaur (1907)

„Den unbestritten ersten Platz nahm der Lloyd ein. Nach H. H. Meier wurde J. G. Lohmann sein Führer, der mit großer Energie dem Lloyd neue Bahnen vorzeichnete. Er ließ für den Nordamerikaverkehr, der für den Lloyd ebenso wie für Bremen überhaupt die eigentliche Grundlage bildete, neue Schnelldampfer bauen. […] Der zweite große Entschluß Lohmanns führte den Lloyd nach Ostasien. 1886 schloß er mit dem Reich einen Subventionsvertrag, mit dem der Lloyd gegen 4,4 Millionen Mark jährlicher Hilfe den Betrieb zweier Reichspostlinien nach Ostasien und Australien übernahm […]“

Literatur Rudolph Haack, Carl Busley: Die technische Entwicklung des Norddeutschen Lloyds und der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Aktiengesellschaft (HAPAG). (als Sonderdruck aus der Zeitschrift des Vereines Deutscher Ingenieure) Berlin 1893. (als Reprint mit einer Einführung von Lars U. Scholl: VDI-Verlag, Düsseldorf 1986, ISBN 3-18-400726-X) Henry Fry: The History of North Atlantic Steam Navigation with some Account of early Ships and Shipowners. Sampson Low, Marston & Company Ltd., London 1896. Wilhelm Ehlers: Fünfzig Jahre Norddeutscher Lloyd. Zur Erinnerung an das fünfzigjährige Jubiläum am 20. Februar 1907. Carl Schünemann Verlag, Bremen 1907. Paul Neubaur: Der Norddeutsche Lloyd. 50 Jahre der Entwicklung 1857–1907. Band I, Fr. Wilh. Grunow, Leipzig 1907. Historische Gesellschaft des Künstlervereins (Hrsg.): Bremische Biographie des neunzehnten Jahrhunderts. Gustav Winter, Bremen 1912, S. 283–285. Friedrich Hardegen: Die Gründung des NDL. Gustav Winter, Bremen 1913. Georg Bessell: Bremen. Die Geschichte einer deutschen Stadt. Insel Verlag, Leipzig 1935. Georg Bessell: 1857–1957 Norddeutscher Lloyd, Geschichte einer bremischen Reederei. Carl Schünemann Verlag, Bremen 1957. Hans Jürgen Witthöft: Norddeutscher Lloyd. Köhlers Verlagsgesellschaft, Herford 1973, ISBN 3-7822-0088-8. (3. Auflage 1997) Arnold Kludas: Die Eröffnung der ersten Reichspost-Dampferlinie. In: Bremisches Jahrbuch, Band 64, Bremen 1986. Arnold Kludas: Die Geschichte der deutschen Passagierschiffahrt. Band I, Die Pionierjahre von 1850 bis 1890. (= Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums, Band 18) Ernst Kabel Verlag, Hamburg 1986, ISBN 3-8225-0037-2. Arnold Kludas: Die Geschichte der deutschen Passagierschiffahrt. Band II, Expansion auf allen Meeren 1890 bis 1900. (= Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums, Band 19) Ernst Kabel Verlag, Hamburg 1987, ISBN 3-8225-0038-0.