mini|Großer Saal der festen Spielstätte Georg-Friedrich-Händel-Halle (2020) mini|Ehemalige Hauptspielstätte Steintor-Varieté in Halle (2016) mini|Kongress- und Kulturzentrum, Spielstätte von 1995 bis 1998 (2016) mini|Ehemaliger Veranstaltungsort der Konzertreihe „Konfrontation – Neue Musik im Gespräch“: Konzerthalle St.-Ulrich-Kirche in Halle (2009) Das Philharmonische Staatsorchester Halle war ein von 1946 bis 2006 bestehendes Sinfonieorchester in Halle (Saale), das als Konzertorchester fungierte und zuletzt überwiegend vom Land Sachsen-Anhalt getragen wurde. Durch die Fusion mit dem Orchester des Opernhauses Halle ging das A-Orchester 2006 in der Staatskapelle Halle auf.
Es wurde 1946 von Arthur Bohnhardt als Hallisches Sinfonie-Orchester gegründet und firmierte in der Folge unter verschiedenen Namen. Nachdem ihm 1953 die Robert-Franz-Singakademie angeschlossen und Hermann Abendroth Ehrendirigent geworden war, wurde es 1954 eines von drei Staatlichen Sinfonieorchestern in der DDR.
Seine Glanzzeit erlebte das Orchester unter dem Chefdirigat von Olaf Koch, der die Hallesche Philharmonie in den 1970er und 1980er Jahren zu überregionaler Anerkennung führte. Das Orchester brachte mehrere zeitgenössische Musikwerke zur Uraufführung. Ab 1979 setzte das angeschlossene avantgardistische Ensemble Konfrontation mit seiner gleichnamigen Reihe Maßstäbe. Wiederholt wurde die Philharmonie mit dem Händelpreis des Bezirkes Halle ausgezeichnet.
Nach der politischen Wende wurde der Klangkörper zum Staatsorchester erhoben und von Generalmusikdirektor Heribert Beissel weitergeführt. Namhafte Orchesterleiter wie Bernhard Klee (1999/2000) und Wolf-Dieter Hauschild (2001–2004) wirkten nun als Dirigenten in Halle. Feste Spielstätte war ab 1998 die Georg-Friedrich-Händel-Halle.
Namen 1946–1949: Hallisches Sinfonie-Orchester 1949–1952: Landes-Volksorchester Sachsen-Anhalt 1952–1954: Landes-Sinfonieorchester Sachsen-Anhalt 1954–1972: Staatliches Sinfonieorchester Halle 1972–1991: Hallesche Philharmonie 1991–2006: Philharmonisches Staatsorchester Halle
Geschichte Arthur Bohnhardt (1946–1949) Nach der Wiedereröffnung des Thalia Theaters war das Städtische Orchester in die Einstudierung von Bühnen- und Orchesterwerken eingebunden, sodass die Notwendigkeit für ein Unterhaltungsorchester aufkam.Susanne Baselt: Chronik des Philharmonischen Staatsorchesters Halle. Halle (Saale) 1999, S. 23–37. Der zweite Konzertmeister am Stadttheater Halle, Arthur Bohnhardt, ergriff nun die Chance und formte im April 1946 ein Streichorchester, das am Karfreitag ein erstes Konzert in der St.-Laurentius-Kirche gab. Bohnhardt trat dann mit seinem Orchester unter verschiedenen Namen auf, wobei es im Juli 1946 im Hof der Moritzburg als Halliches Sinfonie-Orchester erstmals eine größere Öffentlichkeit erreichte.
Im September 1946 wurde auf einer Sitzung der sächsischen Provinzialverwaltung der Abteilung Kunst und Literatur und des städtischen Volksbildungsamtes der Gesellschaftsvertrag für das Orchester beschlossen. Der Chefdirigent stellte sich in den Dienst verschiedener politischer, sozialer und kultureller Aufgaben. Nach der Gründung der Staatlichen Hochschule für Theater und Musik Halle fungierte es auch als Hochschulorchester.
Das erste größere Sinfoniekonzert wurde im Januar 1948 im Saal des Volksparkes veranstaltet. Die „Bestrebungen nach mehr Anerkennung“ gingen allerdings einher mit „politischem Druck“, wie es die Chronistin Susanne Baselt zusammenfasste.Susanne Baselt: Chronik des Philharmonischen Staatsorchesters Halle. Halle (Saale) 1999, S. 31. Ende des Jahres wurde die Deutsche Volksbühne Träger der Sinfoniekonzerte. Nach dem Rücktritt Bohnhardts im Februar 1949 übernahm zunächst Kapellmeister Heinz Hofmann kommissarisch die Leitung des Klangkörpers. Insbesondere Alfred Hetschko, seinerzeit Musikreferent im Volksbildungsministerium des Landes Sachsen-Anhalt, initiierte dann beim Landtag von Sachsen-Anhalt die Namensänderung in Landes-Volksorchester Sachsen-Anhalt.
Walter Schartner (1949/50) Im September 1949 übernahm der ehemalige Musikdirektor am Stadttheater Halle, Walter Schartner, das Chefdirigat.Susanne Baselt: Chronik des Philharmonischen Staatsorchesters Halle. Halle (Saale) 1999, S. 38–45. Da sämtlicheGisela Heine: Das Philharmonische Staatsorchester Halle. Halle (Saale) 1997, S. 9–27. Musiker das Orchester verlassen hatten, wurden die nun freigewordenen Stellen teilweise mit einem Mehrpersonal aus Dresden und Sondershausen besetzt. Schartner setzte u. a. einen siebenteiligen Beethoven-Zyklus aufs Programm. Mit Schartners Ruf nach Weimar sprang erneut Heinz Hofmann als kommissarischer Leiter ein.
Baselt machte eine „direkte politische Einflussnahme von Partei und Staat“ auf die Nachfolge Schartners aus.Susanne Baselt: Chronik des Philharmonischen Staatsorchesters Halle. Halle (Saale) 1999, S. 44. Nachdem der Herzberger Waldemar Steinhardt und der Bielefelder Werner Gößling Probedirigate abgeleistet hatten, entschied sich die Findungskommission für letzteren.
Werner Gößling (1950–1956) mini|Eingang des Volksparks 1956 Die aufgestockten Sinfoniekonzerte fanden im Klubhaus der Gewerkschaften statt.Susanne Baselt: Chronik des Philharmonischen Staatsorchesters Halle. Halle (Saale) 1999, S. 46–81. Werner Gößling, der neue Chefdirigent, wollte die Konzerte darüber hinaus auf weitere Städte des Landes ausdehnen. Neben dem klassisch-romantischen Repertoire sollten ferner zeitgenössische Werke Einzug in das Programm finden. Gößling stellte das sinfonische Werk Bruckners vor. Im Jahr 1951 begründete er die Reihe „Ein Orchester stellt sich vor“.Susanne Baselt: Chronik des Philharmonischen Staatsorchesters Halle. Halle (Saale) 1999, S. 48.
Nach der Gründung eins dritten Orchesters in Halle, das von der Gewerkschaft getragen wurde und eher die leichte Unterhaltungsmusik pflegte, konnte sich das Landes-Volksorchester Sachsen-Anhalt in den 1950er Jahren zum Kulturorchester weiterentwickeln. Ab 1950 fielen die Orchestermusiker unter das „Lohn- und Gehaltsabkommen für Theater und Kulturorchester der DDR“. Die Gastdirigenten Hermann Abendroth, Helmut Seidelmann und Kurth Barth wurden in der Saison 1951/52 gewonnen. Außerdem engagierte sich das Orchester u. a. im osteuropäischen Kulturaustausch und in der Händel-Pflege.
Im Jahr 1952 wurde das Volksorchester in Sinfonieorchester umbenannt. Dies war mit der Integration des Klangkörpers in den Staatshaushalt verbunden. Es wurden Mittel für Konzerte in den Bezirken Leipzig, Magdeburg und Halle bereitgestellt. Auf dem Programm fanden sich nun auch Werke moderner und zeitgenössischer Komponisten. Es gastierten bekannte Künstler wie Eva Barth, Werner Heutling und Hugo Steurer in Halle. Ab 1952 wirkte das Orchester auch regelmäßig bei den Händel-Festspielen mit. Erste Gastspiele in die BRD wurden 1953 unternommen. Nach der Auflösung der Länder erfolgte die Unterstellung des Orchesters unter den Rat des Bezirkes Halle. Anfang der 1950er Jahre wurde der Klangkörper auch positiv durch die Staatliche Kommission für Kunstangelegenheiten überprüft und die Orchestermusiker in die Klasse I der Orchester eingeordnet, zuzüglich Leistungszulagen.
Ernst Sachsenberg wurde 1953 als neuer 1. Kapellmeister engagiert. Neben der Beziehung zur Musikhochschule pflegte das Orchester intensiv den Kontakt zur Kirchenmusikschule in Halle. In der Saison 1953/54 erfolgte auch der Anschluss der Robert-Franz-Singakademie und der Aufstieg des Landes-Sinfnieorchesters zum Staatlichen Sinfonieorchester, sodass es nun drei dieser Art in der DDR geben sollte: Gotha, Schwerin und Halle. Außerdem wurde Hermann Abendroth nach einem weiteren Gastdirigat zum Ehrendirigenten ernannt. Ferner spielte man nun die 9. Sinfonie Beethovens regelmäßig zum Jahreswechsel und führte die sogenannten Estradenkonzerte ein. Im Oktober 1953 weihte das Orchester das Kulturhaus Haus der Freundschaft in Schkopau ein.
In der Saison 1954/55 erhielt das Staatliche Sinfonieorchester einen eigenen Musikdramaturgen, den Musikwissenschaftler Herbert Koch. Aus Nordeuropa wurden bekannte Musiker wie Nils-Eric Fougstedt und Vibeke Warlev eingeladen. Die nächste Saison wartete mit den ebenso bedeutenden Solisten Brünnhild Friedland, Hélène Boschi, Hugo Steurer, Ingeborg Robiller-Roloff, Dieter Zechlin, Helga Hussels, Egon Morbitzer, Vittorio Brero, Karl Suske und Mirko Dorner auf.
Horst Förster (1956–1964) mini|Klubhaus der Gewerkschaften während der Händel-Ehrung 1959 Im Jahr 1956 erhielt das Orchester einen neuen Chefdirigenten (Horst Förster) und einen neuen 1. Kapellmeister (Karl-Ernst Sasse).Susanne Baselt: Chronik des Philharmonischen Staatsorchesters Halle. Halle (Saale) 1999, S. 82–110. Einige Musiker verließen den Klangkörper zum Gewandhausorchester und zum Rundfunk-Sinfonieorchester Leipzig. Die Saison 1956/57 brachte die neue Konzertreihe „Musica viva“ hervor, bei der auch ausländische Komponisten wie Darius Milhaud, Kurt Atterberg, Dmitri Kabalewski und Grażyna Bacewicz aufgeführt wurden. Die Anrechtskonzerte im Pädagogischen Institut Halle-Kröllwitz stießen allerdings auf wenig Publikumsresonanz. Bekannte Gastdirigenten wie Otto Ebel von Sosen, Alois Klíma und Heinz Bongartz kamen in Sonderkonzerten nach Halle.
Im Rahmen der Hallischen Musiktage, an dem der Klangkörper seit 1955 immer wieder teilnahm, feierte das Staatliche Sinfonieorchester 1956 sein zehnjähriges Bestehen. Darüber hinaus beteiligte man sich an der Konzertreihe „Hausmusik im Händelhaus“.Susanne Baselt: Chronik des Philharmonischen Staatsorchesters Halle. Halle (Saale) 1999, S. 87. 1957 tourte das Staatliche Sinfonieorchester durch Westdeutland. Ende der 1950er Jahre mehrten sich auch die Auftritte von Interpreten aus dem osteuropäischen Ausland (Miloš Sádlo, Stanislav Knor, Josef Hrnčíř, Ilja Temkoff u. a.). Außerdem bot der Zyklus „Meisterliche Werke der Nationen“ einen Einblick in das europäische Musikschaffen.
1959 wurde Harald Unger als 1. Kapellmeister verpflichtet. 1961 beteiligte sich das Orchester an der 1000-Jahr-Feier der Stadt Halle. Außerdem feierte es sein fünfzehnjähriges Bestehen. 1962 gastierte das Orchester in der Tschechoslowakei. Mit dem Sinfonieorchester in Karlsbad wurde ein Freundschaftsvertrag geschlossen. Nach Försters Weggang galten Gerhart Wiesenhütter und Karl-Ernst Sasse als erfolgversprechende Kandidaten für dessen Nachfolge.
Karl-Ernst Sasse (1964–1967) Die Entscheidung fiel schließlich auf den ehemaligen Stellvertreter Försters, Karl-Ernst Sasse. Dieser aber war in seiner Programmplanung wenig erfolgreich u. a. wurden die positiv aufgenommenen Kammermusik-Anrechte mit Rudi Zücker und Horst Uhlig nicht fortgeführt. Darüber hinaus pflegte Sasse nicht im ausreichenden Maße den Kontakt zur Robert-Franz-Singakademie. Auch beteiligte sich der Klangkörper von 1965 bis 1967 nicht an den Händel-Festspielen. Obwohl der Orchestervorstand Unger zum Musikdirektor machen wollte, wurde dessen Vertrag nicht verlängert. 1967 folgte ihm Joachim Seidel als 1. Kapellmeister.
Olaf Koch (1967–1990) mini|Rekonstruiertes Probenhaus der Hallischen Philharmonie in der Großen Gosenstraße 12 (2016)