mini|hochkant|Kenneth Kaunda (2020) mini|hochkant|Kenneth Kaunda in Frankfurt am Main, 1970 Kenneth David Kaunda (* 28. April 1924 in der Lubwa-Mission bei Chinsali; † 17. Juni 2021 in LusakaFormer Zambian Leader Kenneth Kaunda Dies. AllAfrica.com, 17. Juni 2021.) war von 1964 bis 1991 erster Präsident Sambias und einer der wichtigsten Politiker im Kontext der Befreiungsbewegungen im südlichen Afrika.

Leben Kenneth Kaunda war das jüngste von acht Kindern. Er wurde auf der Missionsstation Lubwa der Church of Scotland Mission bei Chinsali geboren,Ronald Segal: Political Africa. A Who’s Who of Personalities and Parties. Frederick A. Praeger, London 1961, S. 130–132. das heute in der Muchinga Province in Sambia liegt. Sein Vater war David Kaunda, ein Pfarrer, Missionar und Lehrer der (reformierten) Schottischen Kirche, der im Norden von Malawi geboren worden und dann nach Chinsali gezogen war, um in der Lubwa-Mission zu arbeiten. Seine Mutter war eine Lehrerin und mit diesem Beruf die erste Frau in dieser Region. Kenneth Kaunda wuchs im traditionellen Umfeld der Bemba auf.

Ausbildung und frühe Berufsjahre Kenneth Kaunda war das Kind eines Religionslehrers, der von der Presbyterianischen Mission in Livingstonia nach Lubwa gesandt wurde. Er absolvierte die Schule der Lubwa Mission und besuchte von 1941 bis 1943 die Munali Secondary School in Lusaka zur Lehrerausbildung. Danach wurde er Lehrer an der Hauptschule und Internatserzieher in Lubwa. Von 1943 bis 1947 unterrichtete er an dieser Schule. Für zwei Jahre unterrichtete Kaunda auch in Tanganyika. Um 1949 betätigte Kaunda sich als Pfadfinder, Fußballtrainer; zudem war er als Sozialbetreuer der Nchanga-Mine im Copperbelt angestellt. Im Jahre 1949 betrieb er mit zwei Partnern eine Farm.Sheila Keeble (Hrsg.), S. P. P. Kutumela, A. Booley: The Black Who’s Who of Southern Africa Today. African Business Publ., Johannesburg 1979, 1. Aufl., S. 139. Anschließend zog er nach Lusaka, um Ausbilder in der Armee zu werden, doch er wurde abgelehnt. Daraufhin ging Kenneth Kaunda nach Südrhodesien (heute Simbabwe) und arbeitete in Bergbaubetrieben von Bindura und um Salisbury.

1946 heiratete er Betty Kaunda.

Der Kampf gegen die britische Kolonialherrschaft Im April 1949 kehrte Kaunda nach Lubwa zurück, um als Teilzeitlehrer zu arbeiten. Er kündigte 1951, da er Organisierender Sekretär des Northern Rhodesian African National Congress (NRANC) zunächst für einen Distrikt und 1952 für die Nordprovinz wurde, die damals die Provinz Luapula mit einschloss. Am 11. November 1953 zog er nach Lusaka, um dort als Generalsekretär des NRANC unter dem Vorsitzenden Harry Nkumbula zu arbeiten. Doch die vereinten Anstrengungen von Kaunda und Nkumbula, die lokale Bevölkerung gegen die Kolonialbehörden und ihre Föderation von Rhodesien und Njassaland zu mobilisieren, blieben wirkungslos. 1955 wurden beide verhaftet und wegen Verteilens subversiver Schriften für zwei Monate bei harter Arbeit ins Gefängnis verbracht. Kaunda wurde durch diese Erfahrung stark politisiert. Im Jahre 1957 weilte er als Gast der Labour Party in Großbritannien und nahm an einer Konferenz für Commonwealth-Politiker teil. Inzwischen entfremdete er sich von Nkumbula, der zunehmend unter den Einfluss britischer Liberaler stand und Kompromisse zum Thema „Herrschaft der schwarzen Mehrheit“ eingehen wollte. Auch wirkte Nkumbulas autokratischer Führungsstil im NRANC mit in diese Richtung. Kaunda verließ jedenfalls den NRANC und gründete im Oktober 1958 den Zambian African National Congress (ZANC). Der ZANC wurde schon im März 1959 verboten und am 12. März trat Kaunda eine Gefängnisstrafe von neun Monaten wegen unerwünschter politischer Aktivität an, die er erst in Lusaka, dann in Salisbury verbüßte.

Während Kaunda in Haft saß, trennte sich im Oktober 1959 ein weiterer Nationalist, Mainza Chona, vom NRANC. Chona wurde Vorsitzender der United National Independence Party (UNIP), der Nachfolgepartei des ZANC. Doch Chona betrachtete sich nie als Gründer der UNIP. Als Kaunda im Januar 1960 freikam, wurde er zum Vorsitzenden der UNIP gewählt. Im Juli 1961 organisierte er eine Kampagne des zivilen Ungehorsams in der Nordprovinz, die sogenannte Cha-cha-cha-Kampagne, in der Schulen in Brand gesteckt und Straßen blockiert wurden. 1962 kandidierte er für die UNIP. Es folgte eine Koalition von UNIP und ZRANC mit Kaunda als Minister für Kommunale und Soziale Angelegenheiten. Im Januar 1964 gewann die UNIP die ersten allgemeinen Wahlen unter der neuen Verfassung, worauf er Premierminister wurde und am 24. Oktober 1964 der erste Präsident des unabhängigen Sambias. Simon Kapwepwe wurde erster Vizepräsident.

Kaunda veröffentlichte das Buch Humanism in Zambia and a Guide to its Implementation (deutsch etwa: „Humanismus in Sambia und eine Anleitung für seine Umsetzung“, drei Teile), dazu kamen später als Schriften seiner Anhänger Fundamentals of Zambian Humanism („Grundsätze des sambischen Humanismus“) von Timothy Kandeke, Zambian Humanism, religion and social morality („Sambischer Humanismus, Religion und Sozialmoral“) von Cleve Dillion-Malone und Zambian Humanism: Some major spiritual and economic challenges (deutsch etwa: „Sambischer Humanismus: Einige große spirituelle und ökonomische Herausforderungen“) von Justin B. Zulu.

Kaunda als Präsident Innenpolitisch wurde Kaunda im Jahr der Unabhängigkeit durch die Lumpa-Bewegung herausgefordert, eine christliche, scharf anti-traditionelle Pfingstkirche der Alice Lenshina in der Region um seinen Heimatort Chinsali, die schon die Briten herausgefordert hatte, was zahlreiche Menschenleben gekostet hatte. Kaunda selbst war anfangs in seiner politischen Haltung und Ethik von ähnlichen Gedankengängen geprägt.

Stärkeren Einfluss auf Kaundas Konzept des Humanism in Zambia von 1964 gewann dann Julius Nyerere, der erste Präsident von Tansania, mit seinem Ujamaa-Konzept. Es umfasste Werte, die er auf – als herkömmliche afrikanische Werte proklamierten – Pfeilern wie „gegenseitige Hilfe“, „Vertrauen“ und „Loyalität gegenüber der Gemeinschaft“ stützte. Kaunda war darin keineswegs der einzige afrikanische Führer dieser Art.

Alice Lenshina wandte sich entschieden gegen jede Form weltlicher Macht, gegen die der Briten ebenso wie gegen die Kaundas, worauf er Polizeikräfte entsandte, was zahlreiche Tote zur Folge hatte. Diese Unruhen veranlassten Kaunda dazu, den Notstand auszurufen.

Erziehungspolitik Zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit (24. Oktober 1964) gab es unter der schwarzen Bevölkerung in Sambia gerade 109 Personen mit Universitätsabschluss. Sambia hatte eines der unter britischer Kolonialherrschaft am wenigsten entwickelten Schulsysteme, das im Wesentlichen auf Schulen der zahlreichen im Lande wirkenden Missionen aufbaute. Ein staatliches Schulwesen musste nach Erlangung der Unabhängigkeit erst einmal aufgebaut werden. Kaunda verfolgte eine Politik, in dem alle Kinder unabhängig von der Zahlungsfähigkeit ihrer Eltern Bücher und Schreibwaren erhalten sollten, wenn sie zur Schule gingen. Die Eltern wurden verpflichtet, ihren Kindern Schuluniformen zu kaufen, die Schulgebühren zu bezahlen und ihre Kinder zur Schule zu schicken. Weiter verfolgte dieser Ansatz das Ziel, die begabtesten Schüler bis zur Universität zu fördern.

1966 wurde die University of Zambia in Lusaka eröffnet. Kaunda wurde Universitätsrektor und führte die erste Zeremonie der Graduierung 1969 durch. Das durch bedeutende ethnologische Forschungen hervorgetretene bisherige Rhodes-Livingstone Institute for Social Research war zunächst ein bedeutendes Gründungselement, wurde aber späterhin vernachlässigt. Der Hauptcampus lag an der Great East Road, der medizinische Campus am Ridgeway nahe der Universitätsklinik und 1979 kam ein weiterer Campus in Kitwe für das Zambia Institute of Technology hinzu, die 1988 zur Copperbelt University aufgewertet und ausgebaut wurde, die Studien in Wirtschafts-, Fertigungs- und Umweltwissenschaften anbietet. Die Universität in Lusaka bietet Studiengänge in Agrar-, Ingenieur-, Natur-, Erziehungs-, Rechts- und Sozialwissenschaften, Medizin, Tiermedizin und Bergbau an. Die Studien dauern vier Jahre, in Ingenieurwissenschaften und Medizin fünf und sieben Jahre.

Ferner baute Kaunda einen Fortbildungssektor auf, eine Berufsschule, die der „Abteilung für Technische Aus- und Fortbildung“ unterstand. Weiter zählten dazu das Evelyn Hone College of Applied Arts and Commerce sowie das Natural Ressource Development College in Lusaka, das Northern Technical College in Ndola, das Livingstone Trades Training Institute in Livingstone und mehrere Pädagogische Hochschulen.

Wirtschaft mini|Kenneth Kaunda mit dem weißen Tuch, seinem „Markenzeichen“ (1978) Zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit übernahm Kaunda eine allein auf den Kupferbergbau ausgerichtete Wirtschaft, die zudem völlig unter Kontrolle von Ausländern stand. Die British South Africa Company (BSAC) hielt Investitionen und Schürfrechte, von denen sie behauptete, sie durch jene Konzessionen erworben zu haben, die sie vom Litunga von Bulozi 1890 erhalten hatte (Lochner Konzession). Die BSAC zog sich hier auf eine rein privatrechtliche Position zurück, die ihr als Auftragsgesellschaft der britischen Regierung, zudem mit Hoheitsrechten, nicht zustand. Nur durch die Drohung, sie direkt nach der Unabhängigkeit zu enteignen, konnte Kaunda die BSAC dazu bewegen, ihre Rechte der neuen Regierung zu überlassen. Während der Zeit der „Föderation Rhodesien und Nyassaland“ waren die Gewinne aus dem Kupferbergbau ins heutige Simbabwe geflossen, da die weißen Rhodesier die dominante wirtschaftliche und politische Gruppe in Sambia waren. Sie leisteten ihre Arbeit als Manager und in der Verwaltung, während Sambia die Gewinne aus dem Kupferbergbau beisteuerte und Nyassaland die schwarzen Arbeitskräfte. Als Sambia unabhängig wurde, war Salisbury bei weitem entwickelter als Lusaka.

Von Anfang an übernahm Sambia das Vorgehen der Ostblockländer, einen Fünfjahresplan zu erstellen. Unter der Führung der Nationalen Entwicklungs- und Planungskommission (National Commission for Development and Planning) wurde erst der Vorläufige Entwicklungsplan 1964–1966, dann der Erste Nationale Entwicklungsplan 1966–1971 ausgearbeitet. Diese beiden Pläne, die größere Investitionen in Infrastruktur und Industrie vorsahen, wurden weitestgehend umgesetzt und erwiesen sich als erfolgreich. Alle dann folgenden Pläne verfehlten ihr Ziel.

Eine grundsätzliche Veränderung in Sambias Wirtschaft kam durch die Mulungushi-Reformen im April 1968. Die Regierung erklärte ihre Absicht, die Mehrheit an etlichen ausländischen Firmen zu erwerben, um sie durch die Industrial Development Corporation (INDECO) verwalten zu lassen. Im Januar 1970 hatte Sambia die Mehrheit in den zwei größten ausländischen Bergbauunternehmen erworben, der Anglo American Corporation und dem Rhodesia Selection Trust (RST). Aus ihnen wurden die Nchanga Consolidated Copper Mines (NCCM) und die Roan Consolidated Mines (RCM). Kaunda kündigte eine weitere halbstaatliche Firma an, die Mining Development Corporation (MINDECO). Die Financial and Development Corporation (FINDECO) ermöglichte es der Regierung, die Kontrolle über Baugesellschaften und Versicherungen zu gewinnen. Die ausländischen Banken konnten dem Übernahmedruck erfolgreich widerstehen, darunter Barclays, Standard Chartered und Grindlays. INDECO, MINDECO und FINDECO wurden 1971 unter einer Dachgesellschaft zusammengefasst, der Zambia Industrial and Mining Corporation (ZIMCO), die damit zu einem der größten Unternehmen in Afrika südlich der Sahara wurde. Kaunda übernahm den Vorstandsvorsitz. Die Verträge zur Fusion von Anglo American und RST wurden 1973 geschlossen und 1982 wurden NCCM und RCM zur Zambia Consolidated Copper Mines Ltd. (ZCCM) fusioniert.