Höxter ist eine Mittelstadt mit Einwohnern in Nordrhein-Westfalen und Kreisstadt des Kreises Höxter, der zum Regierungsbezirk Detmold gehört.
Sie ist Standort des ABC-Abwehrregiment 7 und der Technischen Hochschule OWL. Die Stadt liegt an der Weser im Zentrum des Weserberglands und wird zur Region Hochstift Paderborn gerechnet. Ihre historischen Ortsnamen sind Hoxer und Huxaria.
Das in Höxter liegende Kloster Corvey wurde im Juni 2014 von der UNESCO unter dem offiziellen Titel „Das karolingische Westwerk und die Civitas Corvey“ zum Weltkulturerbe ernannt und gehört seither zu den Welterbestätten in Deutschland.Reichsabtei Corvey ist UNESCO-Weltkulturerbe. Deutsche UNESCO Kommission; abgerufen am 15. August 2014. Im Jahr 822 wurde das Kloster mit Zustimmung Ludwigs des Frommen (778–840), eines Sohns Karls des Großen, als Benediktinerabtei gegründet. Sie war im frühen Mittelalter eines der bedeutenden Klöster in Europa. Im Jahr 1810 wurde sie säkularisiert. Die am linken Weserufer gelegene Anlage wurde insbesondere wegen ihres fast vollständig erhaltenen Westwerks ausgezeichnet.
Geografie mini|Höxter mit Corvey (seit 2014 UNESCO-Welterbe) Höxter ist die östlichste Stadt Nordrhein-Westfalens und liegt im Holzmindener Wesertal (Teil des oberen Wesertals) unmittelbar westlich des Sollings und östlich des Oberwälder Landes am Ostrand des Naturparks Teutoburger Wald / Eggegebirge. abgerufen am 9. Februar 2016. Der östlichste Punkt des Landes liegt im Ortsteil Stahle. Der überwiegende Teil des Stadtgebiets liegt auf der westlichen Weserseite. Auf der östlichen Weserseite liegen lediglich der Ortsteil Lüchtringen sowie das Brückfeld, eine der Kernstadt Höxter vorgelagerte Flusshalbinsel der Weser. Östlich von Höxter schließt sich der schon zu Niedersachsen gehörende Solling an. Am südlichen Rand des Stadtgebiets nahe Godelheim mündet die Nethe in die Weser, in der Kernstadt Höxter der Bollerbach, die Grube und die Schelpe sowie in Albaxen die Saumer. Das Stadtgebiet reicht im Norden bis zum Gipfel des Köterbergs auf 496 Metern Höhe. Die nächsthöheren Erhebungen sind der Strohberg nördlich von Bödexen mit 394 Metern, der Krekeler Berg südwestlich der Kernstadt Höxter mit 368 Metern und der Scheelenberg südlich von Bosseborn mit 346 Metern.
Die nächstgelegenen Großstädte sind Paderborn (ca. 45 Kilometer westlich), Bielefeld (ca. 65 Kilometer nordwestlich), Hannover (ca. 70 Kilometer nördlich), Göttingen (ca. 45 Kilometer südöstlich) und Kassel (ca. 50 Kilometer südlich).
Geologie mini|Geothermische Karte von Höxter Der Festgesteinsuntergrund im Stadtgebiet wird wesentlich von Ton-, Mergel-, Kalk- und Sandsteinen des Erdmittelalters bestimmt. Diese Sedimentgesteine sind zwischen 1000 und 1500 Meter mächtig. Sie wurden im Lauf der Erdgeschichte herausgehoben und in zahlreiche Sättel, Mulden, Gräben, Horste und kleinere Schollen zerlegt. Tiefer liegt ein Festgesteinssockel, der aus Gesteinen des Erdaltertums (Devon, Karbon und Perm) besteht. In den zum Teil weiten Talebenen der Weser und ihrer westlichen Nebenbäche ist der Festgesteinsuntergrund von Lockergesteinen des Eiszeitalters (Kies, Sand und Löss) bedeckt.
Die Sande und Kiese im Wesertal und in den Nebentälern sind gute Grundwasserleiter. Im Oberwälder Land sind Kalksteinzersatzböden weit verbreitet. Vorherrschendes Merkmal sind die meist unter Wald liegenden Rendzinen und Rendzina-Braunerden.
Besonders in leichten Hang- und Muldenlagen entwickelten sich aus Löss sehr tiefgründige schluffig-lehmige Parabraunerden, die als Ackerbaustandorte mit hohen Erträgen genutzt werden. In Gebieten mit kleinräumig größeren Höhenunterschieden herrscht forstliche Nutzung vor, die in flachwelligeren Gebieten von Grünlandnutzung und Ackerbau abgelöst wird. Im Bereich der Weser befinden sich junge sandig-lehmige Flusssedimente, aus denen sich braune Auenböden entwickelt haben. Dort, wo eine Überflutung unwahrscheinlich ist, wird Ackerbau betrieben. Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen.
Die Hebung des Solling-Gewölbes und die Weser haben die Morphologie des Raumes geprägt. Dabei schneidet der Fluss etwa bei Höxter die Grenze zwischen dem Buntsandstein und dem Muschelkalk in einem spitzen Winkel. Beim benachbarten Holzminden entfernt sich der Fluss vom Hebungszentrum und nimmt seinen Weg durch den Muschelkalk. So fallen im Westen die zur Weser ausgerichteten Flanken über 200 Meter steil in die Talebene. Dabei haben sich einige Klippen gebildet wie die Rabenklippen am Ziegenberg und die Prinzessinnenklippen am Räuschenberg. Hier gedeihen wertvolle Waldgesellschaften, wie etwa Orchideen-Buchenwälder. Die Rücken dieser Berge weisen wenig Reliefenergie auf und werden zum Teil intensiv landwirtschaftlich genutzt. An der Ostseite der Weser dagegen steigt der Solling relativ sanft auf. Zwischen dem Oberwälder Land und dem Solling mäandert die Weser in einem etwa 1 bis 3 Kilometer breiten Tal. Ihre Flussschotter werden in vielen Kiesseen abgebaut.
Die Besiedlung der Kernstadt Höxter hat sich seit den 1950er Jahren auf die drei umliegenden Muschelkalkhänge am Ziegenberg, am Räuschenberg und am Bielenberg ausgedehnt. Die Kanten von Ziegenberg und Räuschenberg liegen etwa 200 Meter über dem Talgrund. An der Südflanke des etwas kleineren Bielenbergs konnten sich wertvolle Wacholderheiden erhalten. Zwei alte offengelassene Steinbrüche zeugen von seiner Nutzung zur Zementherstellung. Der im Norden der Stadt gelegene Südhang des Räuschenberges heißt „Weinberg“, da hier während der Mittelalterlichen Warmzeit vom Kloster Corvey Weinbau betrieben wurde.
Höxter eignet sich gut bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). Geologischer Dienst NRW.
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets mini|Luftaufnahme von Höxter mit den Ortschaften Godelheim, Lüchtringen und Lütmarsen Die als „Kleine Mittelstadt“ klassifizierte Stadt umfasst eine Fläche von 157,9 km². Die größte Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung beträgt etwa 21,7 km und in Ost-West-Richtung etwa 13,7 km.
Fläche nach Nutzungsart Landwirt- schafts- fläche Wald- fläche Gebäude-, Frei- und Betriebsfläche Verkehrs- fläche Wasser- fläche Erholungs- und Friedhofsfläche sonstige Nutzung Fläche in km² 70,8 63,4 10,2 8,0 3,7 1,2 0,6 Anteil an Gesamtfläche 44,8 % 40,1 % 6,5 % 5,1 % 2,4 % 0,7 % 0,4 %
Nachbargemeinden Höxter grenzt im Norden an die Stadt Lügde (Kreis Lippe, Nordrhein-Westfalen), im Nordosten an die Samtgemeinde Bodenwerder-Polle, im Osten an die Samtgemeinde Bevern und an die Stadt Holzminden, im Südosten an die Samtgemeinde Boffzen (alle Landkreis Holzminden, Niedersachsen), im Süden an die Stadt Beverungen, im Südwesten und Westen an die Stadt Brakel und im Westen an die Stadt Marienmünster (alle Kreis Höxter, Nordrhein-Westfalen).
Stadtgliederung Das Stadtgebiet von Höxter ist in zwölf Ortschaften und die Kernstadt gegliedert. In allen Ortschaften existieren Ortsausschüsse, denen die Aufgaben übertragen sind, die sich ohne Beeinträchtigung der einheitlichen Entwicklung der Gesamtstadt innerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches erledigen lassen. Außerdem besitzen alle Ortschaften mit Ausnahme des Stadtkerns Höxter Bezirksverwaltungsstellen, die ein bürgernahes Verwaltungshandeln sicherstellen sollen. Das Amt des Leiters der Bezirksverwaltungsstelle wird einem im Bereich der Ortschaft wohnenden Einwohner für die Dauer der Wahlperiode des Rates als Ehrenamt übertragen.
Ortschaft Einwohner ohne Nebenwohnsitze1 Anteil des Stadtteils in Prozent Ortschaften der Stadt Höxter 350px|zentriert|Lage der Ortsteile innerhalb des Stadtgebietes von Höxter Stadtkern Höxter 13.254 45,9 % Albaxen 1.585 5,5 % Bödexen 791 2,7 % Bosseborn 505 1,7 % Brenkhausen 1.216 4,2 % Bruchhausen 628 2,2 % Fürstenau 1.137 3,9 % Godelheim 936 3,2 % Lüchtringen 2.956 10,2 % Lütmarsen 967 3,3 % Ottbergen 1.476 5,1 % Ovenhausen 1.108 3,8 % Stahle 2.345 8,1 % gesamt 28.669 100,0% 1 Stand 31. Dezember 2022hoexter.de
Klima Siehe: Klima in Ostwestfalen-Lippe
Geschichte
Frühgeschichte und Mittelalter mini|Höxter um 1819 Im Jahre 775 besetzten fränkische Truppen unter Karl dem Großen beide Seiten der Weserfurt im Gebiet des heutigen Höxters. Viele Sachsen starben bei der Verteidigung dieses strategisch wichtigen Ortes.Regesta Imperii zu 775 = RI I n. 192d. In: Regesta Imperii Online; abgerufen am 7. Februar 2015. Die Siedlung Huxori, das spätere Höxter mit seinen Ländereien, wurde von Kaiser Ludwig dem Frommen 822 dem neu gegründeten Kloster Corvey zugesprochen. Der Ort lag günstig an den damaligen Fernstraßen von Bremen nach Kassel und an der Ost-West-Verbindung, dem sogenannten Hellweg.
Im Jahr 1250 wurden Höxter die Stadtrechte verliehen. Allerdings gilt Höxter nicht als „gegründete und gewachsene Stadt“. Als es am Ende des Hochmittelalters üblich wurde, Stadtgründungen juristisch zu fixieren, galt Höxter schon längst als Stadt und wies diejenigen Merkmale auf, die eine Stadt in rechtlicher Hinsicht vom Dorf unterschieden, wie Marktrecht, Befestigungsrecht, Selbstverwaltung u. a. m. Das Befestigungsrecht hatte Höxter bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts von König Konrad III. als königliches Privileg erhalten.
Bis 1265 hatten sich Siedlungen, in denen Laien des Klosters Corvey lebten, in nur ca. 2 km Entfernung von Höxter zur „Stadt Corvey“ weiterentwickelt, die ungefähr so groß wie Höxter geworden war. Die Stadt Corvey wurde 1265 von den Höxteranern mit Hilfe des Paderborner Bischofs zerstört und nicht wieder aufgebaut. An diese Stadt soll, beginnend mit der Landesgartenschau 2023, ein Geschichtspark im Weserbogen erinnern, der nach der Gartenschau weiter ausgebaut werden soll.
Ab 1295 gehörte die Stadt dem Bund der Hanse an.
Frühe Neuzeit und Reformation
1533 wurde auf Drängen des Magistrats an den drei Hauptkirchen die Reformation (St. Kiliani, St. Marien und St. Petri) durchgeführt; Versuche zur vollständigen Rekatholisierung der Bevölkerung Höxters durch die Äbte von Corvey blieben auch in den Jahren 1624 bis 1631 letztlich erfolglos.Reinhard Schreiner: Ein Stück Geschichte der Stadt Höxter – Wie Höxter evangelisch wurde, Teile 1–3. (PDF; 0,2 MB) Heimat- und Verkehrsvereins Höxter, abgerufen am 31. Oktober 2020. Durch den Dreißigjährigen Krieg wurde Höxter schwer getroffen, im Blutbad von Höxter 1634 töteten Soldaten der Katholischen Liga unter General Geleen nach längerer Belagerung 1100 Einwohner. In der Folge verarmte die Stadt zusehends. Weitere Eroberungen erfolgten 1640 durch kaiserliche Truppen unter Erzherzog Leopold Wilhelm und 1646 durch die Schweden unter Carl Gustaf Wrangel.
Im Jahr 1665 wurde Christoph Bernhard von Galen, Fürstbischof von Münster, Administrator des Stifts Corvey und damit Landesherr der Höxteraner. Von Galen war in seinem Bistum ein erfolgreicher Verfechter der Gegenreformation, der erfolgreich dafür sorgte, dass in ihm die große Mehrheit seiner Untertanen wieder katholisch wurde. In Höxter gelang ihm dies nicht. Durch einen Gnaden- und Segenrezess teilte Christoph Bernhard von Galen 1674 den Protestanten in Höxter die Kilianikirche und die Petrikirche nebst Schule und Kirchhof zu und den Katholiken die Nikolaikirche sowie die Minoritenkirche. Mit dem Bischof von Münster verbündete Franzosen hatten 1673 dafür gesorgt, dass die Weserbrücke bei Höxter einschließlich ihrer Pfeiler bis zur Wasserlinie abgetragen wurden. Bis 1833 war eine Überquerung der Weser bei Höxter nur mit Hilfe einer Fähre möglich.
Neuzeit und Preußenzeit