Das Zwölf-Schritte-Programm ist ursprünglich ein Programm der Anonymen Alkoholiker (AA), das Alkoholikern zur Abstinenz vom Alkohol und zu einem neuen Lebensstil verhelfen soll.

Das Programm wurde in den 1930er Jahren von William Griffith Wilson und Robert Holbrook Smith in dem Buch „Alcoholics Anonymous“ (deutsche Übersetzung: Anonyme Alkoholiker, durch Heinz Kappes, 1960), das kurz Blaues Buch genannt wird, festgehalten und erläutert. Zielgruppen waren sowohl Alkoholiker als auch Ärzte, Therapeuten und Vertreter religiöser Gruppen, die Trunksüchtigen helfen wollten.

Zwölf-Schritte-Gruppen, Anonyme Gruppen oder A-Gruppen sind Selbsthilfegruppen, (genauer: "Gruppen zu gegenseitiger Hilfe") die sich nach dem Zwölf-Schritte-Programm richten. Nach dem Vorbild der Anonymen Alkoholiker haben sich auch Gruppen zu anderen Problemen gebildet und das Programm inhaltlich entsprechend angepasst. Die Anonymen Programme oder A-Programme tragen in ihren Namen das Wort „Anonym“ (Betroffenengruppen) oder „Anon“ (Angehörigengruppen).

Die zwölf Schritte Mitgliedern in Zwölf-Schritte-Gruppen wird empfohlen, auf freiwilliger Basis die Zwölf Schritte durchzuarbeiten, eine Bedingung für die Teilnahme an den Treffen ist das nicht.

Die Zwölf Schritte sind im Originalwortlaut urheberrechtlich geschützt, deshalb kann Wikipedia nur eine textliche Abwandlung veröffentlichen. Der Originalwortlaut der Schritte eins bis neun ist in der Vergangenheitsform, die Schritte zehn bis zwölf in der Gegenwartsform geschrieben, und wurde von den Urhebern als rückblickender Leitfaden ihrer eigenen Genesung/Gesundung verfasst.

Es folgt eine sinngemäße Abwandlung des Textes des Zwölf-Schritte-Programmes, wie er in den Zwölf-Schritte-Gruppen genutzt wird. Der Wortlaut unterscheidet sich häufig bei den einzelnen Gruppen (siehe beispielsweise AA, ACA, EA, NA, oder OA).

Anerkennen, dass man seinem eigenen Problem gegenüber machtlos ist. Das können beispielsweise Substanzabhängigkeit oder, je nach Thematik der Gruppe, auch andere Problematiken sein. Zugeben, dass man sein „tägliches Leben“ nicht mehr bewältigen kann. Zum Glauben kommen, dass nur eine Macht, die größer als man selbst ist, die eigene geistige Gesundheit wiederherstellen kann. Ursprünglich wurde hier für „Macht, größer als man selbst“ das Wort „Gott“ eingeführt. Um die Gruppen aber auch nichtreligiösen Personen zu öffnen, wählte man die neue Formulierung. Den Entschluss fassen, seinen Willen und sein Leben der Sorge Gottes, wie ihn jeder für sich versteht, anzuvertrauen. Eine gründliche und furchtlose Inventur seiner selbst machen. Vor sich selbst und gegenüber einem anderen Menschen sein begangenes Fehlverhalten eingestehen. Die Bereitschaft, Verhaltensweisen, die das Leben behindern, von Gott entfernen zu lassen. Demütig darum bitten, dass Gott sämtliche persönliche „chronische das Leben behindernde Verhaltensweisen“ beseitigt. Auflistung aller Personen, denen man Unrecht getan und Schaden zugefügt hat, und die Bereitschaft und den Willen zur Wiedergutmachung entwickeln. Wo immer möglich, diese Personen entschädigen, außer, wenn sie oder andere dadurch verletzt würden. Die „innere Inventur“ fortsetzen und zugeben, wenn man im Unrecht ist. Durch „Gebet und Besinnung“ versuchen (bzw. die Verbindung suchen), eine tiefe bewusste Beziehung zu Gott, wie ihn jeder für sich selbst versteht, zu verbessern und um die Erkenntnis beten, seinen Willen zu sehen und die Kraft, ihn umzusetzen. Nach der nun erfahrenen „spirituellen Erweckung“ versuchen, die Botschaft (wie der Einzelne die Schritte für sich genutzt hat und weiter danach lebt) an andere Betroffene weiterzugeben und seinen Alltag nach den Grundsätzen der jeweiligen Zwölf-Schritte-Gruppe auszurichten.

Zwölf-Schritte-Gruppen Verbreitung Die überwiegende Mehrzahl der Zwölf-Schritte-Gruppen beschäftigt sich mit Drogenabhängigkeit. Im Jahre 2004 trafen sich in über 180 Ländern mehr als 100.000 Anonyme-Alkoholiker-Gruppen, 61.000 Narcotics-Anonymous-Gruppen, 550 Nicotine-Anonymous-Gruppen. Dazu kommen noch über 24.000 Al-Anon-Familiengruppen für Angehörige von Alkoholikern sowie 1.800 Alateen-Gruppen.al-anon.de Die geografische Verteilung häuft sich im Ursprungsland USA.

Mit anderen Themen beschäftigen sich weltweit mehr als 1200 EA-Gruppen, 500 CoDA-Gruppen und eine Vielzahl kleinerer Zwölf-Schritte-Programme.

Wikipedia Englisch Thema AA Anonyme Alkoholiker Alcoholics Anonymous Alkoholismus AAS Anonyme Arbeitssüchtige Workaholics Anonymous (WA) Arbeitssucht ACA Erwachsene Kinder von Alkoholikern und aus dysfunktionalen Familien Adult Children of Alcoholic/Dysfunctional Families (ACA/ACoA) Genesung von den Auswirkungen des Aufwachsens in einer alkoholkranken oder anderweitig dysfunktionalen Familie Al-Anon Al-Anon Al-Anon Angehörige und Freunde von Alkoholikern Alateen Alateen Alateen Kinder und Jugendliche von Alkoholikern AM / MA Anonyme Messies Messies Anonymous (historisch; keine Belege für aktuelle Aktivitäten) Unordnung, Desorganisation und/oder Anhäufung von wertlosem Krempel (Messie-Syndrom) AS Anonyme Sexaholiker Sexaholics Anonymous (SA) Sexsucht, sexuelle Zwanghaftigkeit BA Anonyme Borderliner Borderliners AnonymousBorderliners-Anonymous Borderline-Persönlichkeitsstörung, Menschen mit einer frühen Störung CA Cocaine Anonymous Cocaine Anonymous Abhängigkeit oder schädlicher Gebrauch von allen bewusstseinsverändernden Substanzen CoDA Anonyme Co-Abhängige Co-Dependents Anonymous Co-Abhängigkeit DA Anonyme Schuldner Debtors Anonymous Vermeidung ungedeckter Schulden EA Emotions Anonymous Emotions Anonymous emotionale, psychische und soziale StörungenEDAEating Disorders AnonymousEating Disorders AnonymousEssstörungen EKS Erwachsene Kinder von suchtkranken Eltern und Erziehern Erwachsene Kinder von suchtkranken Eltern und Erziehern FA Anonyme Esssüchtige in Genesung Food Addicts In Recovery Anonymous Überessen, Bulimie, Magersucht, Esszwänge FAA Food Addicts Anonymous Food Addicts Anonymous Überessen, Bulimie, Magersucht, Esszwänge GA Anonyme Spieler Gamblers Anonymous Spielsucht GamAnon Angehörige Anonymer Spieler GamAnon Angehörige und Freunde von Spielern HA Heroin Anonymous Heroin Anonymous Heroinsucht ISA Anonyme Inzestüberlebende Incest Survivors Anonymous Inzestüberlebende und Pro-ÜberlebendeITAAAnonyme Internet- und TechniksüchtigeInternet and Technology Addicts AnonymousInternet- und TechnologiesuchtMA Marijuana Anonymous Marijuana Anonymous Cannabissucht NA Narcotics Anonymous Narcotics Anonymous legale und illegale stoffliche Drogen (inkl. Medikamente und Alkohol) Nar-Anon Nar-Anon Narcotics Anonymous Angehörigengruppe Angehörige und Freunde von Abhängigen (Alkohol, Drogen etc.) NicA Anonyme Nikotiniker Nicotine Anonymous Nikotinsucht OA Overeaters Anonymous Overeaters Anonymous Überessen, Bulimie, Magersucht, Esszwänge RCA Anonyme Paare in Genesung Recovering Couples Anonymous Genesung für Paare, gemeinsame Wiederherstellung einer gestörten Beziehung SAA Anonyme Sexsüchtige Sex Addicts Anonymous Sexsucht S-Anon S-Anon S-Anon Angehörige und Freunde von Sex-SüchtigenHSPA Anonyme HochsensibleHSP Anonymous Hochsensibilität, Prävention und Gesundheitsförderung für hochsensible Personen SCA Anonyme sexuell Zwanghafte Sexual Compulsives Anonymous Sexsucht, sexuelle Zwanghaftigkeit SIA Anonyme Inzestüberlebende Survivor of Incest Anonymous Auswirkungen von sexuellem Missbrauch SLAA Anonyme Sex- und Liebessüchtige Sex and Love Addicts Anonymous Sexsucht, sexuelle Zwanghaftigkeit, Sucht nach zerstörerischen Beziehungen oder Sucht nach Flucht in romantische Phantasien OLGA Anonyme Online-Spieler Anonyme Online-Süchtige Online Gamers Anonymous Online-Spielsucht, Internet-Sucht, Computer-Sucht CLA Clutterers Anonymous Clutterers Anonymous (CLA) Cluttern bedeutet Horten Ansammeln = Sammelsucht, UnordnungssuchtUAAnonyme UnterverdienerUnderearners AnonymousMenschen, die sich nicht anerkannt fühlen

Zusammenkünfte/Sitzungen/Treffen Die Gruppen dienen der Selbsthilfe. Alkoholiker helfen Alkoholikern, Angehörige Angehörigen. Sie treffen sich regelmäßig, meist wöchentlich zu gemeinsamen Zusammenkünften, in den Gruppen werden diese Treffen als Meetings bezeichnet. Es bleibt jedem Teilnehmer überlassen, ob und wie häufig er die Treffen besucht.

Die Treffen werden ausschließlich von den Betroffenen selbst organisiert. Ein Chair (von engl. chair person, Vorsitzender) moderiert. Dieser Dienst wird entweder durch Wahl oder nach Rotationsprinzip besetzt und kann von jedem Teilnehmer übernommen werden. Weder der Chair noch andere Dienste haben eine hierarchische Sonderstellung.

Es gibt kein Therapeuten-Klienten-Verhältnis. Viele Teilnehmer suchen sich aber einen erfahrenen Sponsor. Dieser sollte schon längere Zeit „trocken“ sein, viel Erfahrung mit dem Programm haben und insbesondere in Notlagen (wie akutem Suchtdruck) erreichbar sein.

An geschlossenen Treffen nehmen nur direkt Betroffene teil. Offene Treffen stehen auch Angehörigen, Fachpersonen und anderen Interessierten offen. Manche Gruppen veranstalten auch öffentliche Informationstreffen.

Die Gruppen bestimmen den Ablauf der Gruppentreffen selbst. Der typische Ablauf enthält folgende Elemente: Vorstellungsrunde („Ich heiße Bill, ich bin Alkoholiker.“ – „Hi, Bill!“); Vorlesen von Präambel, Zwölf Schritten und Zwölf Traditionen; gemeinsames Sprechen des Gelassenheitsgebets. Häufig werden auch Texte aus der Literatur vorgelesen. Je nach Gruppe kommen weitere Elemente hinzu.

Den größten Raum bei den Treffen nimmt das „Teilen von Erfahrung, Kraft und Hoffnung“ ein. Die Teilnehmer sprechen über ihre Erfahrungen. Sie können frei über alles sprechen, was sie bewegt. Die anderen Teilnehmer dürfen weder Feedback noch ungefragte Ratschläge geben. Manche Gruppen begrenzen die Redezeit und haben weitere Regeln, um einen konstruktiven Meetingablauf zu gewährleisten.

Literatur Literatur spielt bei den Zwölf-Schritte-Gruppen eine wichtige Rolle. Den Kern bilden die Zwölf Schritte und Zwölf Traditionen, entweder in der ursprünglichen Fassung der AA oder in einer angepassten Variante, die alle Bezüge auf „Alkohol“ und „Alkoholismus“ durch das entsprechende Gruppenthema ersetzt. Fast alle Gemeinschaften fassen ihr Programm in einer kurzen „Präambel“ zusammen.

Neben den AA selbst verwenden auch viele abgeleitete Zwölf-Schritte-Gruppen das „Blaue Buch“ (engl. Originaltitel Alcoholics Anonymous, umgangssprachlich Big Book genannt) der AA. Es enthält die Zwölf Schritte, Zwölf Traditionen, Zwölf Versprechen, einige Slogans, die Gründungsgeschichte der AA und zahlreiche Lebensgeschichten.

Einige Gemeinschaften haben diesem Vorbild entsprechende eigene Bücher herausgebracht, etwa „Basic Text“ (NA), „Al-Anon Familiengruppen“ (Al-Anon) oder das „CoDA Buch“ (CoDA). Die meisten Gemeinschaften geben zahlreiche weitere Literatur heraus, wie Informationsbroschüren, Meditationsbücher, Lebensgeschichten. Diese werden für Öffentlichkeitsarbeit, Selbststudium und auch während der Meetings genutzt.

Die meisten Gruppen legen Wert darauf, dass sie nur „konferenzgeprüfte“ Literatur verwenden. Neue Literatur muss bei überregionalen Konferenzen von einer Mehrheit angenommen worden sein. Außerdem wird nur selbstverfasste Literatur genutzt, da Zwölf-Schritte-Gruppen von externen Einrichtungen, wie einzelnen Autoren oder Institutionen unabhängig bleiben wollen (6. Tradition).

Spiritualität Das Zwölf-Schritte-Programm ist nach dem Selbstverständnis der Gründer ein spirituelles Programm.

Dass Spiritualität für manche Alkoholiker die letzte Rettung sein kann, fasste der Psychiater C. G. Jung 1961 in einem Brief an den Mitgründer der AA Bill W. mit dem Wortspiel „spiritus contra spiritum“ (lat. „Geist gegen Weingeist“) zusammen.

Zwölf Schritte

Die Zwölf Schritte sind in der Vergangenheitsform geschrieben, weil sie Erfahrungen dokumentieren. Sie zeichnen den Weg nach, der bei den Berichtenden zu spirituellem Erwachen und Genesung führte.