Die Grafen von Hövel waren ein Adelsgeschlecht, dessen im Herzen Westfalens gelegene Grafschaft seit der Errichtung von Burg Hövel im heutigen Bockum-Hövel (nunmehr Stadtbezirk der Stadt Hamm) bedeutenden Einfluss auf die gesamte Region ausübte. Zu Zeiten ihrer größten Ausdehnung erstreckte sich die Grafschaft Hövel über die gesamte südlich von Münster gelegene Region. Letzter Graf von Hövel war Friedrich von Isenberg. Nach seiner Hinrichtung wegen der Verstrickung in den Mord an dem Kölner Erzbischof Engelbert I. von Berg erlosch die Linie der Grafen von Hövel.

Geschichte Über die Herkunft der Grafen von Hövel gibt es in der Literatur zwei verschiedene Angaben. Die erste stützt sich auf eine mittelalterliche Quelle, den sogenannten Annalista Saxo. Diese benennt einen Bernhard aus dem Geschlecht der Grafen von Werl, der eine Tochter namens Ida und eine Enkelin namens Adelheid hatte. Nach den Beschreibungen des Annalista Saxo wäre dieser Bernhard mit Bernhard I. von Werl zu identifizieren, Sohn des Grafen Hermann I. von Werl, dessen ältester Sohn Hermann II. von Werl Stammvater der Grafen von Arnsberg war. Bernhard I. von Werl soll im Jahre 1003 die Grafschaft Hövel als Erbe erhalten und damit die Linie der Grafen von Hövel begründet haben. Um seine Besitzungen besser regieren können, habe er um 1003 die Burg Hövel errichten lassen und sie von da an als Residenz genutzt. Seither habe er sich Bernhard von Werl-Hövel oder auch Bernhard von Hövel genannt. Die Enkeltochter Bernhards, Adelheid von Lauffen, habe schließlich Adolf von Hövel, laut Thomas R. Kraus identisch mit Adolf I. von Berg, aus dem Geschlecht der Grafen von Berg geheiratet und dabei die Grafschaft Hövel als Erbe mit in die Ehe gebracht.

Nach den neueren Forschungen Paul Leidingers, der seit Jahrzehnten mit den Grafen von Werl befasst ist, hat es nie einen Grafen von Hövel aus dem Hause Werl gegeben. Leidinger hat festgestellt, dass sich die Lebensdaten Bernhards I. von Werl nicht bzw. nur unter großen Mühen mit den Angaben zu Bernhard im Annalista Saxo zusammenführen lassen. Anders ist dies bei Bernhard II. von Werl. Hinzu komme, dass Ida von Hövel nicht die einzige Erbtochter eines Grafen Bernhard von Werl gewesen sein könne. Als Tochter von Bernhard I. hatte sie nach dem Annalista Saxo Schwestern, die nach sächsischem Erbrecht zu gleichen Teilen geerbt hätten. Leidinger geht deshalb von einer Verwechslung aus. Der im Annalista Saxo genannte Bernhard sei in Wirklichkeit mit Bernhard II. von Werl zu identifizieren, Vorfahre der Grafen von Arnsberg. Eine Grafschaft Hövel habe es also zunächst nicht gegeben; die Ländereien hätten vielmehr im Besitz der Arnsberger gestanden. Erst als im Jahre 1124 das Geschlecht der Grafen von Arnsberg im Mannesstamm erlosch, sei Hövel durch Erbteilungen in die Hände Adolfs II. von Berg gelangt, der somit auch der erste Graf von Hövel gewesen sei.Paul Leidinger: Die Zeit der Grafen von Werl (ca. 950–1124). In: Amalie Rohrer/Hans-Jürgen Zacher (Hrsg.): Werl. Geschichte einer westfälischen Stadt, Band 1. Paderborn 1994, ISBN 3-87088-844-X.

Es ist somit ungewiss, ob die Grafschaft Hövel schon um 1003 oder erst um 1124 herum entstanden ist. 1180 wurde sie im Zuge der Altenaischen Erbteilung in ihren nördlich und ihren südlich der Lippe gelegenen Teil gespalten. Grob betrachtet, ging der nördlich der Lippe gelegene Teil an die altenaisch-märkische Seitenlinie der Grafen von Berg, der südlich der Lippe gelegene Teil an die isenbergische Linie, die auch den Titel Graf von Hövel weiterführte.

Die Grafschaft Hövel wurde zu Zeiten ihrer größten Ausdehnung im Westen von Dortmund begrenzt – die Stadt Dortmund selbst gehörte nicht zu ihrem Gebiet. Im Nordwesten erstreckte sich die Grafschaft bis nach Westerwinkel (heute im Ascheberger Ortsteil Herbern gelegen) und Stockum (heute zu Werne gehörig). Im Norden grenzte sie an das Herrschaftsgebiet Münsters, so dass der Einfluss der Höveler Grafen sich bis Telgte und Freckenhorst erstreckte. Im Osten reichte die Grafschaft bis an die Besitzungen Paderborns heran. Im Süden gehörten Werl und die um Soest gelegenen Gebiete (ohne die Stadt Soest) zum Einflussbereich der Grafen von Hövel.

Seit Adolf II. von Berg erstreckte sich Hövels Einflussgebiet über Kamen und Unna bis zum Stift Essen (ohne die Stadt Essen) und Isenberg, im Süden bis nach Altena.

Die Grafschaft wurde zunächst von Burg Hövel aus regiert. Später verlagerte Eberhard I. von Berg-Altena die Residenz in die von ihm erbaute Burg Nienbrügge, die er als Sicherungsposten für die Grafschaft Hövel hatte erbauen lassen. Von dort aus hatte er eine bessere Kontrolle über seine Alloden. Als durch die Altenaische Erbteilung Burg Hövel für den isenbergischen Teil der Familie, der den Grafentitel weiterführte, verloren ging, wurde der Ausbau Nienbrügges als Ersatzresidenz deutlich forciert und vorangetrieben.

Die folgende Darstellung der verschiedenen Generationen des Höveler Adelshauses geht von den Schlussfolgerungen aus, wie sie sich aus dem Annalista Saxo ergeben. Schließt man sich Leidingers Forschungen an, beginnt die Linie der Grafen von Hövel erst mit Adolf II. von Berg; die vierte Generation der Grafen von Hövel wäre nach dieser Auffassung die erste Generation. Burg Hövel wäre dann ebenfalls deutlich später erbaut worden.

Bernhard von Werl, geb. um 983 Der um 983 geborene Bernhard von Werl erhielt nach unsicherem Forschungsstand ganz Mittelwestfalen als Erbe; womöglich auch das Stift Essen. Um das Jahr 1003 soll Bernhard in seine Grafschaft umgezogen sein, um eine bessere Übersicht zu haben - in diesem Gau lagen seine meisten Comitate. Er fand die günstigste Stelle an der großen Heerstraße, die vom Hellweg zur Ostsee verlief, und zwar kurz hinter der Lippefurt in einer Senke des nördlichen Hügels. Von hier aus konnte er den gesamten Haarstrang übersehen. Er erbaute sich hier eine Burg und nannte sich des Hügels wegen nur noch Graf Bernhardus de Huvili, Graf von der Grafschaft Huvili. In den Jahren von 1015 bis 1025 muss Graf Bernhard von Hövel geheiratet haben. Seine Ehefrau blieb mit Namen unbekannt. Etwa im Jahr 1020/25 gebar seine Ehefrau ihm eine Tochter. Wegen des zu der damaligen Zeit herrschenden „Ida-Kultes“ nannte er seine Tochter Ida. Ortsheimatpfleger Schroeder geht davon aus, dass Bernhard, wie es damals übliche Gepflogenheit war, zur Feier des freudigen Ereignisses der Geburt auf dem Hügel eine Eigenkirche gestiftet habe und dass hier die Ursprünge der St.-Pankratius-Kirche in Hövel liegen. Der Heilige Pankratius, einer der Vierzehn Nothelfer, wurde zu dieser Zeit hoch verehrt. Bernhard sei damit dem Vorbild seines Großvaters gefolgt. Die Eigenkirche habe nicht dem Bischof unterstanden. Für die Unterhaltung der Kirche und des Priesters habe Bernhard selbst aufkommen müssen. Nach der damaligen Bauweise müsse es ein kleines, aus Holz gezimmertes Kirchlein gewesen sein.

Graf Bernhard von Hövel hat sich fast nur im Gefolge des Kaisers und des Erzbischofs Heribert von Köln aufgehalten. Auch beim Bischof Meinwerk von Paderborn war er des Öfteren anzutreffen. Er schenkte dem Abt des neugegründeten Klosters bei Deutz einen Hof mit mehreren Grundstücken in Rhade bei Altena. Gleichzeitig ist urkundlich vermerkt, dass er verschiedene Oberhöfe in der Bauerschaft Assen in Lippborg und in Honsel, etwa 6 km von Werl entfernt, käuflich erwarb.

Nach Schroeder stiftete Bernhard bald nach der Stiftung der Eigenkirche St. Pankratius in Hövel erneut eine Eigenkirche in Herringen. Dies muss um die Jahre 1032/35 gewesen sein. Er bat den Abt des Klosters Deutz, diese Kirche einzuweihen. Dieser Bitte kam der Abt gerne nach, da Graf Bernhard von Hövel ihm erst vor kurzer Zeit den Hof bei Rhade geschenkt hatte.

Erste Generation – Ida von Hövel, geb. um 1020/25 Bernhard hatte keinen Sohn. Durch seine einzige Tochter ging sein Besitz an andere Familien über, insbesondere an die Grafen von Berg.Seibertz: Landes- und Rechtsgeschichte, S. 126 f. Etwa in den Jahren 1050/55 muss seine Tochter Ida von Hövel den Edelherrn Heinrich von Lauffen geheiratet haben. Die beträchtliche Entfernung von der Burg Hövel bis zum Neckar zeigt, wie weit die Grafen mit ihren Familien herumgereist sind. Vielleicht reisten sie, wie es zu dieser Zeit üblich war, im Gefolge des Kaisers, Königs oder eines Bischofs. Kurz nach der Geburt einer Tochter mit Namen Adelheid muss ihr Vater Heinrich von Lauffen verstorben sein; denn nach der Chronik der Burg Lauffen soll der Leichnam des Edelherrn von Lauffen von Mäusen aufgefressen worden sein. Schroeder geht davon aus, dass für ihren Großvater, Graf Bernhard von Hövel, die Geburt Adelheids von Lauffen erneut Anlass war, auf seinem Grund und Boden in Bockum (frühere Schreibweise Buchem, Bochem oder Bukheim) aus Holz ein Kirchlein zu errichten. Er habe die Kirche dem Heiligen Stephanus gewidmet, der zu den ersten gemarterten Christen gehörte – davon zeuge noch heute die St.-Stephanus-Kirche in Bockum (Stadtbezirk Bockum-Hövel der Stadt Hamm). Stephanus wurde in der Zeit um 1050 hoch verehrt. Gleichzeitig habe Bernhard einen weiblichen Orden nach Hövel geholt, der noch keiner Gemeinschaft angeschlossen war. Diesen habe er auf dem heutigen Klosterhofe angesiedelt. Dieser Hof soll nach den gemachten Funden schon zur Römerzeit besiedelt gewesen sein; denn man fand 1803 römische Lanzenspitzen und kleinere Hufeisen, die von Maultieren getragen wurden. Der Pfarrer Sutthoff scheint diese Funde identifiziert zu haben. Dass die Vermutung stimmt, sei im Jahre 1927 erneut durch Museumsdirektor Bänfer aus Hamm bestätigt worden; denn Maurer fanden beim Ausschachten des Kellers auf der Klostermühle ein römisches Schwert und verschiedene andere Gegenstände. Der Onkel der Adelheid war Bruno von Lauffen, der Erzbischof in Trier war. Durch seine Vermittlung heiratete die Mutter Ida von Lauffen, eine geborene von Hövel, den sächsischen Grafen von Ertiniburg.

Zweite Generation – Adelheid von Lauffen, geb. um 1050/60 Die Enkelin des Grafen Bernhard von Hövel, Adelheid von Lauffen, heiratete um das Jahr 1070 den Grafen Adolf von Berg-Hövel, urkundlich erwähnt als Adolf de Huvili. Dessen Vater, Graf Adolf Graf von Berg, war um diese Zeit bereits Vogt im Deutzgau, außerdem Vogt von Gerresheim, Werden und Berg. Nach dessen Tode wurde Adolf von Berg-Hövel erblicher Vogt von Deutz und durch die Heirat mit Adelheid Herrenvogt vom Kloster Hövel sowie erblicher Vogt vom Stift Essen und vom Reichskloster Werden. Erbe der Grafschaft Hövel konnte Adelheid von Berg noch nicht werden, da ein männlicher Abkomme aus dem Geschlechte der Werler Grafen, und zwar Graf Hermann vom Groningerland, noch lebte. Aber es dauerte nicht mehr lange, bis sie die Erbschaft antreten konnte, denn Hermann von Groningerland verstarb kinderlos wenige Jahre später. Jetzt wurde Adolf von Berg-Hövel in den Adelsstand derer von Hövel erhoben. Die Urgroßmutter seiner Frau war die Tochter des Königs Konrad von Burgund und ihr Onkel, Bruno von Lauffen, war Erzbischof von Trier. Adolf I. von Berg-Hövel war sehr viel in Begleitung des Erzbischofs Anno in Köln. Im Beisein des Erzbischofs von Köln unterzeichnete er die geschlossenen Verträge stets mit Adolf von Hövel. Zusätzlich war Adolf noch Graf im Auelgau/Siegburg.

Mit Adelheid von Lauffen zeugte Adolf einen Sohn, Adolf I. von Berg. Nach dem Tod ihres Gatten im Jahre 1090 heiratete Adelheid erneut, und zwar Friedrich I. von Sommerschenburg. Die Hochzeit muss – je nach Quelle – 1090 oder 1093 stattgefunden haben. Eine Angabe, nach der sie ihren ersten Gatten 1090 und ihren zweiten 1120 geehelicht haben soll, ist offensichtlich unrichtig, da ihr erster Gatte 1090 nicht mehr lebte. 1120 ist vielmehr das Todesdatum Friedrichs, ihres zweiten Ehemannes.

Dritte Generation – Adolf I. von Berg, geb. um 1078