Die sogenannte Holocaust-Konferenz,Holocaust-Leugner in Teheran. Auf: www.faz.net Holocaustleugner-KonferenzAnna Reiman: „Der Leugnung des Holocaust etwas entgegensetzen“. Konferenz in Berlin. In: Der Spiegel. 8. Dezember 2006. oder HolocaustleugnungskonferenzAntisemitismus in Deutschland. S. 51–52. (offizieller englischer Titel: International Conference on “Review of the Holocaust: Global Vision”) in Teheran war ein von der Regierung der Islamischen Republik Iran initiiertes Treffen am 11. und 12. Dezember 2006 in der Hauptstadt des Iran, bei dem Antizionisten, Rechtsextremisten und Islamisten aus 30 Staaten den Holocaust leugneten und das Existenzrecht Israels bestritten. Die Konferenz gilt daher als antisemitische Propaganda-Veranstaltung.
Ziele Die („Internationale Konferenz zu Holocaust-Studien: Eine globale Perspektive“) genannte Veranstaltung wurde bereits im Januar 2006 in Teheran angekündigt.Sigrid Averesch: Mögliche Teilnahme an Teheraner Holocaust-Konferenz soll verhindert werden / Lob für Maßnahme des Ordnungsamtes: Behörde entzieht dem Rechtsextremisten Mahler den Pass. Berliner Zeitung, 27. Januar 2006, abgerufen am 19. März 2020.
Die Veranstaltung wurde im März 2006 vom damaligen iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad angeordnet.Nazila Fatih: Holocaust Deniers and Skeptics Gather in Iran. The New York Times, 11. Dezember 2006. Dieser hatte seit seinem Amtsantritt 2005 einen Konfrontationskurs zum Westen eingeschlagen und in diesem Kontext wiederholt den Holocaust angezweifelt oder geleugnet.
Das Treffen sollte nach Außenminister Manutschehr Mottaki, der es eröffnete, den Holocaust weder leugnen noch bestätigen, sondern eine angeblich ergebnisoffene Holocaustforschung betreiben, die in den westlichen Staaten aus politischen Interessen unmöglich sei.Iran: Holocaust-Leugner in Teheran. FAZ, 11. Dezember 2006. Damit sollte nach Angaben des Autors Kasra Naji die „offizielle Version des Holocaust in Zweifel gezogen werden, um damit die Herkunft und Identität des Staates Israel ebenso in Zweifel zu ziehen“.Kasra Naji: Ahmadinejad. The secret history of Iran’s radical Leader. University of California Press, Berkeley 2008, ISBN 978-0-520-25663-7, S. 167. Dazu bot die Regierung des Iran den eingeladenen Teilnehmern eine Plattform zur Darstellung von Holocaustleugnung, Geschichtsrevisionismus, angeblicher Unterdrückung der Meinungsfreiheit in ihren Herkunftsländern sowie zur organisatorischen Vernetzung untereinander.
Teilnehmer Mohammad-Ali Ramin, Ahmadinedschads Berater, organisierte das Treffen als Leiter des Instituts für Politische und Internationale Studien (IPIS), das dem iranischen Außenministerium unterstellt ist.Iranische Holocaust-Konferenz „Unser Präsident meint es nur gut“. Der Spiegel, 17. Februar 2006.
Nach Angaben der Veranstalter nahmen 67 von der iranischen Regierung eingeladene Personen aus 30 Staaten teil. Darunter waren viele bekannte Holocaustleugner, von denen einige in ihren Herkunftsstaaten gerichtlich verurteilt und bestraft worden waren.
Aus Frankreich waren Robert Faurisson, Georges Thiel und Serge Thion gekommen. Aus Deutschland waren zwei ungenannte Personen eingeladen, die übrigen erhielten ein Touristenvisum und nahmen als einfache Besucher teil, darunter die NPD-Funktionäre Carsten Bormann, Benedikt Frings, Markus Haverkamp, Arnold Höfs, Herbert Hoff sowie der Nationalanarchist Peter Töpfer. Höfs und Haverkamp sowie der Schweizer Bernhard Schaub vertraten den in Deutschland verbotenen Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten (VRBHV). Dessen Gründer Horst Mahler hatten deutsche Behörden im Januar 2006 den Reisepass entzogen, um seine Ausreise in den Iran, damit absehbare Straftaten im Ausland und eventuelle Flucht vor einer im November 2006 beginnenden Haftstrafe zu verhindern.Behörde entzieht dem Rechtsextremisten Mahler den Pass. Berliner Zeitung, 27. Januar 2006. Günter Deckert wurde beim Versuch der Ausreise in den Iran daran gehindert.
Aus Österreich kamen der 85-jährige Herbert Schaller, Anwalt u. a. von Ernst Zündel, Wolfgang Fröhlich (wegen Wiederbetätigung im nationalsozialistischen Sinne vorbestrafter ehemaliger FPÖ-Bezirksrat) und Hans Gamlich (Autor in der FPÖ-nahen Wochenzeitung Zur Zeit).
Aus Australien waren Fredrick Toben, Gründer und Leiter des Adelaide Institute, seine Mitarbeiter Richard Krege und Mohammed Hegazi sowie Michèle Renouf gekommen. Aus den USA waren Bradley Smith (Mitgründer des Committee for Open Debate on the Holocaust), David Duke, der ehemalige Führer des Ku-Klux-Klans, heute Vorsitzender der rassistischen European-American Unity and Rights Organisation, sein Gefolgsmann George Kadar, ein gebürtiger Ungar und „Europa-Statthalter“ der antisemitischen Zeitung American Free Press (AFP), sowie deren Redakteur Michael Collins Piper als Redner eingeladen.
Aus Dänemark kam das deutsche NPD-Mitglied Christian Lindtner, Autor der „Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung“. Aus Schweden kam Jan Bernhoff, ein schwedischer Informatiklehrer, der behauptet, dass nur 300.000 Juden während des Holocausts umgekommen seien.Swedish teacher at Holocaust denial conference. The Local, 14. Dezember 2006. Er hatte schon im August 2006 am ebenfalls vom Iran ausgerichteten und ebenfalls antiwestlichen und antiisraelischen „Internationalen Holocaust-Karikaturenwettbewerb“ teilgenommen.Die „Holocaust-Konferenz“ in Teheran: Wer waren die Teilnehmer? Rosa-Luxemburg-Stiftung, 12/2006. . ADL, 14. Dezember 2006.
Auch fünf Mitglieder der jüdischen, ultraorthodoxen Neturei Karta aus den USA, Großbritannien und Österreich nahmen teil, darunter Moishe Friedman. Diese Gruppe lehnt den Staat Israel aus theologischen Gründen ab und sieht den Zionismus als Mitverursacher des Holocaust, ist damit aber selbst unter ultraorthodoxen Juden isoliert.Baruch Rabinowitz: Neturei-Karta-Bewegung: Vorsicht, Feinde! Jüdische Allgemeine, 21. Dezember 2006.
Chaled Machmid, ein arabischer Israeli, der in Nazareth ein Holocaust-Museum leitet, war nach eigenen Angaben zur Konferenz eingeladen worden, hatte dann aber kein Visum für seine Teilnahme erhalten. Er führte dies auf eine politische Entscheidung der Veranstalter zurück, die ihn zuerst irrtümlich für einen nicht-israelischen Palästinenser gehalten hätten.Holocaust-Konferenz: Iran sperrt Kritiker aus. Focus, 11. Dezember 2006.
Noach Flug, der Vorsitzende des Dachverbands der Holocaustüberlebenden, hatte Ahmadinedschad am 31. August 2006 mit einem offenen Brief zu einem Besuch des Vernichtungslagers Auschwitz eingeladen und ihn gebeten, mit Holocaustüberlebenden an der Teheraner Konferenz teilnehmen zu dürfen, um das Geschehene zu bezeugen und die übrigen Teilnehmer darüber aufzuklären.Noach Flug: . . Netzeitung, 31. August 2006. Eine Antwort wurde nicht bekannt.
Reden 40 der 67 eingeladenen Personen waren als Referenten vorgesehen; fast alle von ihnen gehörten zur internationalen Holocaustleugnerszene. Einige vermieden aufgrund von Vorstrafen in ihren Herkunftsländern eine offene Leugnung und thematisierten ihre Strafverfolgung.
Peter Töpfer beklagte in einem Interview mit dem iranischen Rundfunk (IRIB), dass Geschichtsrevisionisten in Deutschland „auf eine ganz schreckliche und schlimme Art und Weise“ verfolgt würden. Hoff präsentierte sein holocaustleugnendes Buch Faktenspiegel. Adolf Hitler und die Demokraten. Tatsachen-Zusammenhänge, das der „Vertriebsdienst Nation Europa“ verkauft. Bernhard Schaub sprach über die „Lüge von den sechs Millionen vergasten Juden“. Thiel bezeichnete den Holocaust als „große Lüge“.Anton Maegerle: Treffen der Holocaustleugner. Blick nach Rechts, 4. Januar 2007 (kostenpflichtig).
Moishe Friedman stellte in seiner Rede die Zahl von etwa sechs Millionen jüdischen Holocaustopfern in Frage.Thomas Seifert: Holocaust-Konferenz: Teheraner Provokationen. Die Presse, 13. Dezember 2006. Nur der britische Rabbiner Ahron Cohen von Neturei Karta betonte, der Holocaust sei „umfassend dokumentiert“. Zugleich relativierte er die Opferzahlen: Angesichts der Grauenhaftigkeit dieses Verbrechens sei unbedeutend, wie viele Millionen dabei getötet wurden. Die Zionisten hätten beim Holocaust mit den Nationalsozialisten zusammengearbeitet, um die Gründung Israels zu erleichtern. Dieser Staat solle aufgelöst und das Land an die Palästinenser zurückgegeben werden, da Gott das Exil des jüdischen Volks befohlen habe.
Der aus Kanada ohne Wissen seiner Universität, der St. Francis Xavier University in Nova Scotia, angereiste muslimische Politikwissenschaftler Shiraz Dossa beschrieb den angeblichen Gebrauch des Holocaust als „politisches Konstrukt“ zur Rechtfertigung heutiger Politik, darunter des Antiterrorkrieges der westlichen Welt, den er als Krieg gegen den Islam darstellte. Auf Kritik an seiner Teilnahme in Kanada antwortete er, er habe den Holocaust nie geleugnet und nicht gewusst und bemerkt, dass das Treffen antisemitisch ausgerichtet gewesen sei.. CBC News, 13. Dezember 2006. In einer späteren Stellungnahme bestritt er, dass Ahmadinedschad das Treffen befohlen habe und es dabei um Holocaustleugnung gegangen sei. Vielmehr habe es eine „intellektuell/politische Antwort auf westlich-israelische Interventionen in muslimische Angelegenheiten“ bieten sollen. Nur sechs Referenten seien Holocaustleugner gewesen, und keiner der übrigen habe dies zuvor gewusst.. CBC News, 28. Mai 2007.
Der iranische Vize-Außenminister Manouchehr Mohammadi dagegen fasste als Ergebnis des Treffens zusammen: „Die Vorstellung, die Nazis hätten sechs Millionen Juden in Gaskammern getötet und verbrannt, ist eine Erfindung der von den Zionisten aufgehetzten Siegermächte.“Alles, was Nazis hören möchten. Der Stern, 12. Dezember 2006. Ahmadinedschad forderte in seiner Abschlussrede am 13. Dezember 2006 die „Abschaffung“ des jüdischen Staates und Bildung einer Kommission zur weiteren „Prüfung“ des Holocaust.
Planung, Vernetzung und weitere Konferenzen Am Abschlusstag wurde die „Internationale Stiftung zur Untersuchung des ‚Holocausts‘“ (ISUH) mit Sitz in Teheran gegründet. Offiziell vorgesehen ist, die Büros nach Berlin zu verlegen, „sobald das Terrain dafür bereitet sein wird“. Ramin wurde am 14. Dezember 2006 zum Generalsekretär ernannt, zum Leitungskomitee gehören Lindtner, Renouf, Schaub, Thion und Toben. Ähnliche Komitees sind für viele Staaten geplant; als Mitarbeiter werden Holocaustleugner aller Länder angeworben. Stiftungsaufgaben sind: Bildung einer „internationalen Untersuchungskommission“ in Bezug auf den ‚Holocaust‘ „Gründung einer internationalen Rechtskommission zur Festsetzung von Strafmaßnahmen für die eventuellen Schuldigen des ‚Holocausts‘, für den Fall, dass sich der ‚Holocaust‘ als Lüge erweist, Bestrafung der Falschbehaupter und Festlegung der Reparationen für die bisher zu Unrecht Verurteilten“ Vorbereitung der nächsten internationalen Holocaustleugnerkonferenz.Konferenzbeschlüsse veröffentlicht als: Proceedings of International Conference on Review of the Holocaust : Global Vision, Tehran, 11–12 December 2006, Institute for Political & International Studies, 2007, ISBN 978-964-361-417-1; Bericht: Anton Maegerle, Bericht für Blick nach Rechts, Ausgabe 1/2007,
Ramin forderte Österreich, Deutschland und Polen im Juni 2007 schriftlich auf, seiner Stiftung Dokumente zu übergeben, die das Ausmaß des Judenmordes „klären“ könnten.Iranian Holocaust foundation demands documents on Jewish massacre. dpa, 6. Juni 2007.
Im Januar 2009 begrüßte Ahmadinedschad eine Veranstaltung an der Scharif-Universität für Technologie unter dem Titel „Holocaust? Eine heilige Lüge des Westens“. Dabei behauptete er nach iranischen Nachrichten, dass Zionisten mit Hilfe von Politikern und Parteien die Ressourcen der Welt plünderten und die meisten Kräfte, Reichtümer und Medien dominierten. Das „zionistische Regime“ sei ein „illegitimes Kind“ des „Holocaustphänomens“.Larry Derfner: . US News / Mideast Watch, 30. Januar 2009.
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